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Definition: kleistogam?


Gast Thorsten

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Hallo,

ich habe als Def. fuer kleistogam gefunden:

kleistogam, d.h. bestäuben sich selbst bei geschlossener Blüte

(http://land.heim.at/waldviertel/240628/carnivoren.htm#sonnentau und auch noch auf anderen Seiten).

Fuer mich stellt sich die Frage, wie das auf Dauer funktionieren soll, schliesslich duerfte sich der Genpool dramatisch und rasend schnell verkleinern, wenn das die einzige Moeglichkeit der vegetativen Vermehrung ist (vorausgesetzt es gibt keine wahnsinnig hohe Mutationsrate).

Es waere nett, wenn mir jemand beantworten koennte, ob die Definition falsch ist und die Pflanze sich lediglich, nachdem sie nach einer Weile nicht mit fremden Pollen bestaeubt wurde (also bei geoeffneter Bluete), selber bestaeubt, nach dem Motto "Besser solche Samen als gar keine" oder ob sie sich wirklich bei geschlossener Bluete bestaeubt.  

Gruss

Thorsten  ???

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Martin Brunner

Hallo!

Das ist eine echt gute Frage...  ???

Habe mal die Suchmaschinen damit belästigt und zum Thema "Veilchen" folgendes gefunden:

Charakteristisch für viele Viola-Arten ist die Kleistogamie. Hierbei handelt es sich um eine Form der Selbstbestäubung, bei der im Gegensatz zur Autogamie, sich die Blüten erst gar nicht öffnen, sondern geschlossen bleiben. Die Bestäubung vollzieht sich somit bei in Knospenlage liegenden Kronblättern.Neben solchen Blüten, die kleistogam sind, kommen oft an der selben Pflanze solche vor, die sich öffnen und fremdbestäubt werden. Diese Blüten bezeichnet man als chasmogam.

Soviel dazu. Letztendlich ist das für den Fall der Fleischis (Besonders: Hallo liebe Drosera-Fans!) nicht geklärt, ob es sich hier genau gleich verhält.

Fachleute meldet Euch !  ;D

Grüße

Martin

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Gast Micha Plenge

Hallo tlux,

deine Vermutung, der Genpool würde sich verkleinern, enthält mindestens einen Denkfehler und auch einen in der Begrifflichkeit: Zunächst mal handelt es sich hier nicht um vegetative Vermehrung, da ja definitiv Keimzellenbildung und Befruchtung daran beteiligt sind. Darüber hinaus müsstest du mal erklären, warum denn hier der Genpool kleiner werden soll, denn es gehen hier doch keinerlei Allele verloren. Lediglich die Rekombination ist eingeschränkt, und zwar jeweils auf die Allele jedes einzelnen sich durch Kleistogamie fortpflanzenden Individuums, d.h., ihr Erbgut vermischt sich nicht mehr mit dem der anderen, sehr wohl aber mit dem eigenen: Die durch Kleistogamie entstehenden Pflanzen sind daher mitnichten genetisch identisch mit den Elternpflanzen, da ja durch Meiose und Befruchtung Rekombination stattfindet. Was im Laufe der Zeit in einer rein kleistogamen Population wohl passieren würde ist, dass sich der Anteil der Homozygotie erhöht: Wenn ein Individuum für ein Gen homozygot ist, kann sich dies bei Kleistogamie höchstens noch durch eine Neumutation ändern (denn sonst gibt's ja nix mehr zu "Rekombinieren" in Bezug auf dieses Allel). Dagegen können durch Rekombination aus Heterozygoten durchaus homozygote entstehen. Es gibt also im Laufe der Zeit mehr Homozygote in Bezug auf alle Gene. Dadurch verkleinert sich aber nicht der Genpool, denn schon die Nachbarpflanze mag homozygot sein mit genau einem anderen Allel des Gens.

Es ist im übrigen auch überhaupt nicht so, dass fremdbefruchtung immer von Vorteil sein muss. Je nach ökologischen bedingungen kann eine ständige Rekombination auch von Nachteil sein. Wenn ein Organismus zum Beispiel perfekt an eine Umwelt angepasst ist, die sich nur sehr sehr wenig verändert, sollte er sich am besten gar nicht geschlechtlich fortpflanzen, da er dabei ja jedesmal die Hälfte seines erbguts verliert und das Risiko besteht, dass schlechter angepasste Nachkommen entstehen. Oder etwas unwissentschaftlich ausgedrückt: Warum rumprobieren, wenn dabei nur etwas schlechteres rauskommen kann. Ein Beipsiel aus der Zoologie: Eine Reihe von wirbellosen Tieren (Blattläuse, manche Kleinkrebse) vermehren sich während des Sommers ungeschlechtlich, das macht Sinn, weil es hier auf schnelle Vermehrung unter einigermaßen "absehbaren" bedingungen ankommt. Bevor der Winter naht oder wenn eine Weiterverbreitung ansteht, wird sich jedoch geschlechtlich vermehrt. Auch das macht Sinn, denn es könnte ja sein, dass der nächste Sommer oder ein neu besiedeltes Habitat etwas andere Bedingungen mit sich bringt, so dass man besser "neue Kombinationen" ausprobiert.

Unter diesem gesichtspunkt kann auch Selbstbefruchtung (und damit auch Kleistogamie) durchaus eine sinnvolle Strategie sein, am besten gemischt mit Fremdbestäubung: Die durch Kleistogamie entstandenen Samen bleiben oft näher an der Elternpflanze, wo vermutlich auch ähnliche Bedingungen herrschen (daher ist zu viel Rekombination nicht gut), die durch Fremdbestäubung entstandenen sind zumindest von der "Mutterpflanze" meist weiter entfernt, wo mehr Rekombination gut ist, weil die Bedingungen auch anders sein können.

Daneben ist Kleistogmaie dann sinnvoll, wenn das Klima gerade eine Fremdbestäubung unwahrscheinlich macht (z.B. kein Pollen- und Insektenflug wenn's nass und kalt ist).

Mann kann also sagen, dass sich durch Kleistogamie gewisse Rekombinationsschranken bilden, die durchaus im Evolutionsbiologischen Sinn sinnvoll sein können

Gruß, Micha

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Hallo Micha,

Du hast natuerlich doppelt recht:

1) Natuerlich meinte ich nicht vegetative sondern geschlechtliche Vermehrung.:-[

2) Der Genpool der Art veraendert sich natuerlich dadurch nicht. Was ich damit meinte, entspricht dem, was Du homozygot nennst.

Ich wollte auch nicht ausdruecken, dass Kleistogamie grundsaetzlich schlecht ist (an den Punkt mit dem gleichbleibenden Umweltbedingungen hatte ich allerdings nicht gedacht), sondern dass es nur sehr unguenstig waere, wenn es die einzige Vermehrungsart waere, da die Pflanze sich aendernden Umweltbedingungen nur sehr schlecht bis gar nicht anpassen koennte. Diese Frage ist ja von Martin fast abschliessend beantwortet worden. :)

Allerdings wuerde mich jetzt noch interessieren, ob es einen sichtbaren Unterschied zwischen den beiden Bluetenformen gibt (Stempel, etc.) und ob einer der Droseraexperten jemals beobachtet hat, dass seine Drosera (aliciae?) zwei unterschiedliche Bluetentypen hat.???

Gruesse

Thorsten

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