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Schnelltentakel "schnellen" nicht


Matthias Bruhn

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Matthias Bruhn

Also, ich hab jetzt auch die Suche benutzt, nix gefunden und deshalb schreib ich einfach mal hier rein.

Es geht um die Schnelltentakel bei Drosera.

Nach dem tollen Taublattartikel bin ich gleich rauf ins Terra gehuscht und hab mit Milch, Kekskrumen und stumpfen Nadeln (Bis auf die Nadel haben sich die Droseras auch gleich den Bauch (naja, eher so die Blätter...) vollgeschlagen, aber die Tentakel haben sich so jede Stunde um ca 2mm bewegt, nich etwa in 20 Sekunden total nach innen gebogen.

Ich habe D.venusta und D. spat(h)ulata getestet, und beide schleimen recht und sind ziehmlich Geschwindigkeitsfaul (Wie Schnecken :lol: )

Bei beiden Arten waren die Schnelltentakel eindeutig erkennbar aber total unbeweglich.

Hat einer von euch schonmal ausprobiert, ob diese Schnelltentakel überhaupt schnellen, insbesondere bei venusta und spat(h)ulata?

Würde mich sehr interessieren, und wenn es wirklich so schnell geht, hat jemand ein Video in Orginaltempo?

mfG

Matthias

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Siggi_Hartmeyer

Mehr Informationen zum Thema Schnelltentakel und über die Entstehung des Artikels inklusive entsprechender Videoaufnahmen (auch von D. spatulata und anderen) und vielen Makros, gibt es in etwa 2-3 Wochen auf unserer DVD "Schnelltentakel und Landescheinwerfer". Da es eine private Produktion ist werden wir im Mail-Rundbrief informieren, sobald wir soweit sind.

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Matthias Bruhn

Wow, vielen Dank, ich glaube diese DVD kaufe ich mir bestimmt, wenns soweit ist!

mfG

Matthias

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Guest Philipp Gießibl

Hi Matthias,

ich habe auch an ein paar Arten herumprobiert, nachdem ich den sehr interessanten Artikel gelesen habe.

Ich konnte Jungpflanzen von D. esterhuyseniae und D. scorpioides dazu bewegen, ihre Tentakel schnellen zu lassen. Besonders D. scorpioides hat eine sehr beeindruckende Vorstellung gegeben.

Am schnellsten sind bei mir aber nach wie vor D. burmanni und D. sessilifolia, die ich bereits nach dem Artikel über D. glanduligera getestet habe.

Bei D. rubrifolia, D. slackii und D. aliciae hatte ich bisher keinen Erfolg. Ich vermute aber, dass das einfach an den Bedingungen liegt und möchte die Tests an einem sonnigen Sommertag wiederholen, wenn die meisten meiner Drosera der Hitze im Gewächshaus ausgesetzt sind.

MfG Philipp

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Siggi_Hartmeyer

Philipp liegt absolut richtig. Im Sommer bei Temperaturen über 25 Grad und nicht während lichtarmer Monate funktionieren die Schnelltentakel (ST) am besten. Die in unserer Tabelle angegebenen Zeiten sind durchweg maximale Geschwindigkeiten, es kann bei D. spatulata oder D. venusta auch mal 1,5 Minuten dauern. Oft funktionieren die ST auch gar nicht oder mit Verzögerung. Warum ??

Charmanter Weise gibt es da noch viel herauszufinden, auch ohne teure Instrumente und Laboreinrichtungen. Genau dazu sollte unser Artikel auch anregen! Sobald diesen Monat auch die englische Übersetzung in Australien (Carniflora Australis) erschienen ist, gibt es noch weitere Infos auf unserer Homepage www.hartmeyer.de.

Anbei ein Bild (USB-Mikroskop) eines ST von Drosera cistiflora.

879_thumb.jpg

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Matthias Bruhn

Meine Versuchspflanzen stehen im Terra unter einer 70 W HQI, unter der sich selbst Helis ausfärben, aber ich experimentiere jetzt einfach mal rum....

mfG

Matthias

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Siggi_Hartmeyer

Besonders schnell sind einige Zwergsonnentau, z.B. D. ericksonae (auch D. ericksoniae), die schlagen mit einer von uns beobachteten Rekordzeit von 5 Sekunden sogar D. burmannii und D. sessilifolia. Die meisten Pflanzen haben wohl eine "Hauptjagdsaison", in der sie am besten reagieren. Ist auch logisch, da z.B. ausschwärmende Ameisen oder bestimmte Mücken, die als Hauptbeute dienen auch jeweils zu bestimmten Jahreszeiten auftreten.

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Matthias Bruhn

Ja, die spüren wahrscheinlich, wann Winter ist, unabhängig von Temperaturen und Licht...

Matthias

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Andreas Fleischmann

Hallo!

Ein weiterer Kandidat für den "schnellsten Sonnentau" wäre übrigens D. nivea! Ich kenne außer D. glanduligera keine Drosera, die bei mir in Kultur so schnell "zuschnappt" wie dieser Zwergsonnentau!

Zu den Randtentakeln mit den verlängerten, taulosen Drüsenköpfchen:

Siggis Beobachtung, dass eigentlich nur rosettige Arten diese Art von Tentakel bilden, kann ich nur bestätigen. Einzige Ausnahme hier wäre D. collinsiae, diese Art hat lang gestielte Blätter UND Randtentakel ohne Tau. Wenn man allerdings von der Theorie ausgeht, dass es sich bei D. collinsiae um eine Naturhybride handelt (wahrscheinlich aus einem Vertreter des D.natalensis-Komplexes (D. dielsiana/natalensis/venusta haben diese Randtentakel) und D. madagascariensis/D.affinis), dann lässt sich auch diese Ausnahme gut in das Konzept einfügen.

Trotzdem haben meiner Meinung nach diese "Schnelltentakel" keine systematische Bedeutung auf Sektionsebene (weil sie innerhalb einer Sektion entweder völlig fehlen, oder aber nur bei manchen Arten vorhanden sind), ARTEN lassen sich dagegen gut damit abgrenzen (z.B. D. tentaculata gegen den Rest des D. montana-Komplexes). Auch im D. cistiflora/pauciflora-Durcheinander sind diese Tentakel meiner Meinung nach von Bedeutung, wenn man Arten zuordnen will (auch wenn es mir Stefan noch nicht so recht glauben will ;-)).

Und bei Arten mit aufrechten Blättern machen "Schnelltentakel" auch überhaupt keinen Sinn, hier versuchen die Pflanzen anscheinend auf verschiedenste Weise eine möglichst große, klebrige "Kontaktoberfläche" zu schaffen. Denn wenn die Pflanze schon aufrecht wächst/aufrecht stehende Blätter hat, dann ist es doch ökonomisch viel sinnvoller, in ALLE Richtungen hin klebrig zu sein, sprich Beute von allen Seiten her anlocken und fangen zu können. Rosettige Arten werden von fliegenden Insekten entweder von oben gesehen und angeflogen, oder kriechende Insekten laufen zufällig oder mehr oder weniger gezielt darüber und bleiben kleben (oder werden von den langen schnell beweglichen Randtentakeln in die Rosettenmitte befördert).

Aufrechte Arten hingegen scheinen zu versuchen, in alle Raumrichtungen hin fallentechnisch aktiv zu sein, mit verschiedenen Methoden:

Arten mit +/- kreisrunden Blattspreiten (D. paradoxa, D. porrecta, aufrechte Knollendroseras) richten die Blätter selbst in alle Raumrichtungen, junge Blätter stehen dabei mehr aufrecht, ältere Blätter neigen sich zum Boden. Gerade bei D. paradoxa oder D. petiolaris entstehen dabei nahezu Kugelformen, mit den ausgebreiteten Blattspreiten nach außen.

Arten aus der Sektion Stolonifera erreichen dies mit einzelnen "Etagen" aus Scheinquirlen klebriger Blätter.

Arten mit fadenförmigen Blättern oder mit länglichen Blattspreiten (D.filiformis, D.graminifolia, D. capensis, D. camporupestris etc.) richten ihre Blätter (zumindest im jungen, aktiven Zustand) mehr oder weniger vertikal auf, die Blattränder sind bei voll entwickelten Blättern entweder leicht zurückgeschlagen (D. binata, D.filiformis) oder aber die Tentakel am gesamten Rand sind stark verlägert (mit Klebetröpfchen!) und mehr oder weniger zurückgebogen (D. graminifolia, D. camporupestris, D. capensis, D. cistiflora, D. scorpioides, aber auch bei D. binata). Bei einigen Arten wie D. graminifolia überkreuzen sich sogar die genau auf Lücke stehenden Tentakel beider Blattränder auf der Rückseite! In allen Fällen wird erreicht, dass die aufrechte Blattspreite von allen Seiten her klebrig ist; Somit also auch Beute, die die Pflanze von der Blattrückseite her anfliegt kleben bleibt und durch die Tentakelbewegung auf die verdauungsaktive Blattoberseite befördert werden kann. Bei D. filiformis sind diese aufrechten Leimfallen anscheinend so effektiv, dass Blattbewegungen nicht mehr nötig sind (die Ränder sind bei dieser Art auch soweit zurückgeschagen, dass nahezu rundherum Blattoberseite präsentiert wird. Der Botaniker nennt sowas ein Rollblatt). Und die selbe evolutive Tendenz gibt es übrigens bei Pinguicula: Arten mit dünnen aufrechten Blättern (P. gypsicola, P. medusina, P. filifolia etc.) haben stark rückwärts gebogene Blattränder und rollen sich nicht mehr ein! Ist auch einigermaßen logisch, da sich fliegende Beute einer rosettigen Pflanze, die mehrere aufrecht stehende Blätter ausbildet, auch immer von einer Blattrückseite her nähert. Drosophyllum löst das Problem, indem die Blattunterseiten mit Drüsen besetzt sind. Wenn ihr eure Pflanzen einmal an einem sonnigen Sommertag beobachtet, werdet ihr auch feststellen, dass diese aufrechten Leimfallen immer seitlich angeflogen werden. Und einen Großteil der beute machen anscheinend fliegende Inskten aus, die "zufällig" an einem Blatt hängen bleiben. Dagegen landen fliegende Insekten bei flachen rosettigen Arten wie D. cuneifolia immer ziemlich zielsicher etwa in der Mitte eines Fangblattes.

Bei Drosera bewirken verlängerte klebrige Randtentakel noch eine weitere Vergrößerung der "fangaktiven Fläche", besonders schön zu sehen bei D. cistiflora-Agg., D. camporupestris, D.indica-Agg., D. scorpioides (die streckt ihre Tentakel wirklich in alle Raumrichtungen um die Blattspreite herum aus!) oder D. binata. Byblis hat das selbe Prinzip "entdeckt" allerdings ohne Tentakelbewegungen.

Ich glaube übrigens, dass diese langen Randtentakel mit gewöhnlichen, tauproduzierenden Drüsenköpfen den "Schnelltentakel" durchaus homolog sind, das sieht man ja schon alleine bei Hybriden! Sollte es wirklich so einfach sein, dass einige wenige Gene für das "Umschalten" von "Schnelltentakeln" zu normalen, verlängerten Randtentakeln verantwortlich sind, wie Siggi das eher vage vermutet hat, dann sind die "Schnelltentakel" in jedem Fall der dominante Zustand (denn alle mir bekannten Hybriden, bei denen nur ein Elternteil diese Tentakel ausgeprägt hat, weisen diese ebenfalls auf).

Ich wollte meine Zwangspause durch "Schneechaos" hier zu hause mal nützen, um zu zeigen, wie viele verschiedene Fangstrategien innerhalb der Gattung Drosera doch mit ein und der selben apparativen Ausstattung möglich sind! Da muss sich Nepenthes schon Mühe geben, außer Vogeltoiletten und Ameisenfutterplätzen hat sich ja hier nicht viel entwickelt, das System funktioniert immer gleich (aber erfolgreich) ;-)

Alles Gute,

Andreas

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Christian Dietz

Hallo,

Bei Drosera cistiflora ist mir aufgefallen, daß lediglich die Bodenrosette Schnelltentakel besitzt. Die Hochblätter besitzen keine. Das passt ja auch sehr gut ins Konzept. Ausserdem habe ich bei jungen Drosera ascendens auch Schnelltentakel gefunden. Bei älteren Pflanzen dieser Art dagegen nicht.

Hier noch ein Bild der Schnelltentakel von Drosera ascendens:

ascendens_DROS150_008.jpg ascendens_DROS150_011.jpg

Christian

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  • 2 months later...
Christian Dietz

Hallo,

heute habe ich ein paar Drosera auf die Bewegungsgeschwindigkeit ihrer Schnelltentakel untersucht. Das Ergebnis ist, daß fast alle von mir untersuchten Pflanzen (div. D. (montana var) tomentosa, D. slackii, div. D. admirabilis, div. D. capillaris, und ein paar weitere) in der Lage sind die Tentakel sichtbar zu bewegen. Ich spreche hier von vielleicht 10 bis 20 Sekunden bis sich die Tentakel zur Blattmitte bewegt haben. Das ist mit bloßem Auge deutlich sichtbar. Ich weiss nicht, ob es normal ist, aber D. burmanni war auch nicht schneller. Bei einigen Formen hat es zwar nicht geklappt, ich denke aber, daß das einfach nur Pech war und die Pflanzen trotzdem in der Lage sind die Tentakel ähnlich schnell zu bewegen.

Christian

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Siggi_Hartmeyer

Auch bei unseren Versuchen zur Beweglichkeit liessen sich die Schnelltentakel diverser Arten an manchen Tagen nur teilweise oder gar nicht auslösen. Die sind mitunter wirklich etwas zickig, denn an anderen Tagen klappte es wieder auf Anhieb. Bei uns war D. ericksonae mit nur etwa 5 Sekunden deutlich der Schnellste (nach der unschlagbaren D. glanduligera). D. burmanni und D. sessilifolia bewegen sich tatsächlich eher im Mittelfeld, wie von Christian beobachtet, während die afrikanischen Arten insgesamt (in unserem Gewächshaus) die Langsamsten waren. Das Experimentieren macht aber echt Spaß, was die Gattung ja wirklich noch interessanter macht. Leider haben wir keine D. oreopodium mit den wohl längsten Schnelltentakeln der Sektion. Dessen Tempo würde mich sehr interessieren!

Wir finden es immer noch unfassbar, dass die schnellsten und noch dazu sehr auffälligen Schnelltentakel vieler Zwergsonnentau (und bei D. glanduligera) so lange unerwähnt blieben und selbst auf den Zeichnungen in Lowries viel zitierten "Carnivorous Plants of Australia" schlicht fehlen.

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Christian Dietz

Hallo,

Hier der "Videobeweis". Die folgenden drei Videos (alle 8-9MB groß - mit meiner Digitalkamera gemacht, daher ist die Qualität nicht die beste) zeigen die Tentakelbewegung von Drosera cuneifolia, Drosera rubrifolia und Drosera intemedia x capillaris in Echtzeit.

Drosera cuneifolia

Drosera rubrifolia

Drosera intermedia x capillaris

(Nachtrag am 07.01.2007: Die Videos habe ich vom Netz genommen. Wer sieh sehen will kann sie gerne per Mail bekommen)

Christian

P.S.: Falls ich die Videos nicht abspielen lassen, versucht es bitte mit dem VLC Player

Edited by Guest
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Siggi_Hartmeyer

Wer mehr solcher Aufnahmen in DVD-Qualität sehen möchte, kommt mit unserer DVD "Schnelltentakel und Landescheinwerfer" natürlich voll auf seine Kosten. Insgesamt sind darauf 53 Arten auf Schnelltentakel untersucht, viele mit Mikroskop- und unterschiedlichen Zeitrafferaufnahmen. Die englische Version der DVD wird auf der ICPS-Konferenz und der EEE in Bonn zu sehen sein. So viel Werbung muß nach drei Jahren Pionierarbeit am Thema und viel Geld für Software erlaubt sein8-).

Allerdings freuen wir uns natürlich über zusätzliche neue Aufnahmen, wie die von Christian.

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  • 2 weeks later...
Oliver Hock

Sehr schnelle Tentakelbewegung habe ich mal bei einer D. dichrosepala beobachten können. Die war wirklich gespenstisch schnell. In einem sehr warmen Sommer konnte ich mal beobachten, wie eine grosse Schwebfliege einer gewöhnlichen jedoch recht grossen D. capensis zum Opfer fiel. In nur ca. 7-8 Minuten hatte sich das Blatt 2x um die Beute gewickelt, ich habe allerdings nur gesehen, wie die Fliege an der Pflanze hängen blieb, und nach 7-8 Minuten war es dann halt auch schon passiert. Daher kann ich nicht sagen, ob man diesen Fangvorgang mit blossem Auge hätte erkennen können, oder ob das Tier sich selbst durch winden in diese verhängnisvolle Position gebracht hat. Evtl. begünstigte ein sehr leichter Wind die Position der Beute, so dass die Bewegung rasch und vielleicht auch eher unauffällig vollzogen werden konnte.

Oliver

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