Zum Inhalt springen

Begleitpflanzen Knabenkraut


Gast Stefan Sengpiel

Empfohlene Beiträge

Hallo alle zusammen,

zum Thema Orchideen im Moorbeet kann ich berichten, dass ich 2 Pleionen in meinem Moorbeet habe, diese bis zu -10 Grad ausgehalten haben und zurzeit Blüten austreiben.

Deswegen kann ich auch nicht verstehen, warum einige Leute behaupten, dass diese Pflanzen nicht winterhart seien.

Viele grüße Fleischi3;-)

Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Michael Migas

Hallo zusammen,

mit Interesse habe ich hier das Thema Knabenkräuter verfolgt. Ich selber beschäftige mich bereits seit 15 Jahren mit europäischen Orchideen. Allerdings habe ich diese noch nie kultiviert, sondern suche diese in ganz Europa am Naturstandort auf, um sie zu fotografieren. Trotz fehlender Kulturerfahrung melde ich mich mal hier zu Wort. Schließlich kenne ich von der ein oder anderen Art über ein Dutzend Naturstandorte (teilweise in verschiedenen Ländern) und daher kann ich ganz gut beurteilen, was diverse Arten vertragen und was nicht.

Zunächst greife ich nochmals die Aufstellung vom Thomas auf (besckränke mich auf die Europäer), die sehr gut ist:

Klassische Hochmoororchideen sind:

- Hammarbya paludosa

- Dactylorhiza sphagnicola

Zwischenmoor-Arten

- Dactylorhiza maculata [i.e.S., Anm1]

- Dactylorhiza incarnata ssp. incarnata

- Dactylorhiza incarnata ssp. ochroleuca

- Dactylorhiza pratermissa

- Dactylorhiza purpurella

- Dactylorhiza traunsteineri [Anm2]

- Liparis loeselii [Anm2]

- Spiranthes aestivalis

- Orchis palustris

Flachmoor-Arten

- die meisten Zwischenmoor-Arten

- Epipactis palustris

- Dactylorhiza majalis

- Dactylorhiza fuchsii [Anm1]

- Platanthera bifolia [bisweilen, jedoch kaum chlorantha]

- Gymnadenia conopsea ssp. conopsea [selten, eher folgende:]

- Gymnadenia conopsea ssp. densiflora

- Gymnadenia odoratissima

[Anm1]

- Die Nomenklatur hat sich in den letzten Jahren geändert. Eigentliche (d.h. nach aktueller Nomenklatur richtigerweise als solche bezeichnete) D. maculata kommen hauptsächlich in einem relativ kleinen Areal im Nordwesten Europas vor (vor allem in Mooren). Die früher sonst als D. maculata bezeichneten Pflanzen (z.B.in Süddeutschland) werden heute D. fuchsii genannt (Diese Art eher auf trockenen und basischen Böden).

[Anm2]

Liparis traunsteineri existiert nicht, wohl L. loeselii & D. traunsteineri gemeint

Ansonsten hat Thomas zur Kultur bereits das Wichtigste geschrieben. Orchideen sind aufgrund ihrer Speicherorgane relativ robust. Sie gehen nicht von heute auf morgen ein, sondern sterben langsam über Jahre hinweg. Daher: Von einer erfolgreichen Kultur kann man wirklich nur dann sprechen, wenn sich diese über Jahre hinweg stabil halten und vor allem generativ vermehrt haben.

@ Stefan

1. Daher ist ein einzelnes Foto mit "wuchernden Epipactis palustris" alles andere als aussagekräftig. Relevant wäre der fotografisch dokumentierte Verlauf über die letzten Jahre. Im übrigen können wir im Sommer mal einen Vergleich machen. Du postest ein Foto von deinen "wuchernden" und blühenden Pflanzen und stelle hier mal ein Foto von einem Naturstandort rein.

2. Orchis morio wächst gerne auf frischen Böden. Daher stellt ein feuchter Boden im Frühjahr kein Problem dar. Relevant ist, wie du bereits geschrieben hast, dass die Böden im Sommer trocken werden. Ein Umstand, der in einem Hochmoor nicht eintritt. Somit ist Orchis morio keine Moor-Orchidee! Sie lässt sich zwar in Flachmooren finden, dort aber bei einem pH-Bereich von etwa 7. Im Gegensatz zu Hammarbya paludosa, die oft dicht bei D. rotundifolia wächst, ist mir niemand bekannt, der jemals eine Drosera und Orchis morio dicht beianeinander in der Natur gesehen hat. Daneben ist der angesprochene Straßengraben sicherlich

nicht nährstoffreich (oder welche Stickstoffzeiger wachsen denn dort?); wahrscheinlich ist die Vegetation nur aufgrund einer besseren Wasserversorgung "saftiger". Orchis morio ist ausgesprochen empfindlich gegen Düngung! Sie wächst nur auf nährstoffarmen Wiesen. Von dem her ist der "Sensemann" auch nicht der böse Orchideenkiller, sondern ein wichtiger Standortfaktor, da dieser durch das Mähen zur Nährstoffreduktion geführt hat. Dies lässt sich auch daran ersehen, dass auf der Wiese hunderte Pflanzen stehen sollen. Wie an jedem Standort hat auch hier ehemals eine Pflanze die Population gegründet und sich über viele Jahre, evtl. Jahrzehnte, ausgebreitet. Aufgrund dessen ist anzunehmen, dass sie sich auf ihrer Wiese ganz "glücklich fühlt". Somit ist es m.E. genauso ein Frevel dort Pflanzen zu entnehmen (die auch in F anzahlmäßig im Rückzug sind), um sie sehr gewagten Experimenten auszusetzen, wie auch in unmittelbare Nachbarschaft nachgezüchtete Orchis morio aus Deutschland auszubringen. Durch Kreuzbesamung könnte der einmalige Genpool der Art bei dir verfälscht werden und im extremsten Falle zum Aussterben der ortsansässigen Pflanzen führen. Besonders tragisch wäre es, wenn die gekauften Pflanzen keine reinsortigen O. morio sein sollten. Dann wäre

ein reiner Genpool (an diesem Standort) einer in Europa seltenen Art verpfuscht. Übrigens kann ich nicht die Sinnhaftigkeit in deinem Vorhaben erkennen. Wo ist denn der Unterschied, ob ich mir eine wunderschöne Pflanze in meinem Garten oder aber 10m hinter meinem Haus ansehe?

3. Um nochmals auf die Kultur zurückzukommen: Eine erfolgreiche gemeinsame Kultur von Karnivoren und (europäischen) Orchideen ist schwierig. Zwar finden sich viele Orchideenarten, die wenig Probleme mit feuchten bis nassen Standorten haben, doch sind es nur sehr wenige, die gleichzeitig auch ein saures Substrat wünschen (aus der Liste uneingeschränkt zu empfehlen wären nur die ersten zwei). Der Rest bevorzugt eher leicht alkalische Böden. Viele von diesen Arten kommen jedoch mit leicht (!) sauren Böden recht gut zurecht, jedoch nicht mit Hochmoor-pH-Werten von 3-4. Wenn ich dich richtig verstanden habe, wässerst du dein Moorbeet. Vielleicht solltest du mal die Leitfähigkeit des Gießwassers überprüfen. Wenn dieses nämlich etwas Kalk enthält und du einen hohen Wasserdurchlauf (viel Verdunstung und viel Nachfüllen) hast, versalzt dein Moorbeet zumindest oberflächlich sehr schnell. Damit schaffst du zwar tolle Bedingungen für die meisten Orchideen und für viele Ping's, doch entwickelt sich dein Moorbeet dann ganz schnell vom Hochmoor- zum Flachmoorbeet, und die restlichen Karnivoren segen das Zeitliche. Ach ja, wo sind denn die Fotos der "wuchernden", säureliebenden Droseras?

@ alle

Zum Schluss noch meine bescheidene Meinung zur Kultur von Pflanzen. Ich bevorzuge die möglichst genaue Abbildung eines natürlichen Biotopes, eingeschlossen der Pflege von an diesen Bedingungen angepasste Arten, statt eine Real-Collage unterschiedlichster Arten mit unterschiedlichsten Ansprüche zu verwirklichen und mühevoll künstlich am Leben erhalten zu müssen. Meiner Ansicht nach ist dies nicht nur eine Frage der Ästhetik sondern auch der Ethik. Schließlich sollte sich jeder Pflanzenfreund danach bemühen, seine Schützlinge unter den bestmöglichen realisierbaren Bedingungen zu halten. Dazu gehört eben auch, dass man auf manche Arten besser Verzichten, Hochmoorpflanzen unter Hochmoorbedingungen und Flachmoorpflanzen unter -bedingungen halten sollte. Wie gesagt, ist nur meine persönliche bescheidene Einstellung.

MfG

Michael

Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Deine Meinung

Du kannst jetzt schreiben und Dich später registrieren. Wenn Du ein Benutzerkonto hast, melde Dich bitte an, um mit Deinem Konto zu schreiben.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung wiederherstellen

  Nur 75 Emojis sind erlaubt.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Editor leeren

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Wir haben Cookies auf Deinem Gerät platziert. Das hilft uns diese Webseite zu verbessern. Du kannst die Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Du damit einverstanden bist, weiterzumachen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.