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D.longifolia=?


Marcel B.

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hab mal ne Frage:In einigen Quellen wird geschrieben,dass D.longifolia ein Synonym für D.anglica sein in einer anderen wiederum,dass D.linearis früher so genannt wurde. Was ist nun richtig?

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Giovanni Schober

Hallo,

D. anglica wird von vielen (offiziell "bewiesen"?) als Hybride von D. rotundifolia auf linearis angesehen.

D. longifolia ist ein alter Name zu D. anglica.

Viele Grüße,

Giovanni

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Oliver Hock

Es scheitert allerdings an einer Sache. Siehe D. Schnell's "Carnivorous Plants of the USA", in dem er die Frage stellt, wie es sein kann, daß D. anglica auch im Westen der USA und auch in Europa verbreitet ist, wo D. linearis bisher nicht verzeichnet worden ist. Ich denke, da hat sich seit 1976 auch nichts daran geändert. Es sei denn, D. linearis ist in Europa ausgestorben. Daher sehe ich D. anglica nicht als Hybride.

Oliver

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Christian Dietz

Hallo Oliver,

Das ist kein Argument dagegen, daß Drosera anglica eine Naturhybride ist. Es ist sehr gut möglich, daß Drosera anglica sich weiter als Drosera linearis verbreitet hat und nun nicht mehr zusammen mit Drosera linearis vorkommt. Genauso könnte es sein, daß Drosera linearis früher mal wesentlich weiter verbreitet war. Alleine die Tatsache, daß Drosera anglica viel weiter verbreitet ist als Drosera linearis ist kein Argument gegen diese These. Ich würde die These als im Prinzip als bewiesen ansehen. Ein weiterer Artikel aus dem CPN kann man hier finden:

http://www.carnivorousplants.org/cpn/samples/Science284Dxanglica.htm

Christian

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Oliver Hock

Hallo Christian,

natürlich kann es sein, dass D. linearis mal ein viel größeres Verbreitungsgebiet hatte als es jetzt der Fall ist. Möglicherweise war die Art auch in Europa heimisch und hat dann erfolgreicheren Arten, wie z. B. D. x anglica Platz machen müssen. Sicherlich war das auch bei Sarracenia und Nepenthes der Fall, deren Hybriden keineswegs steril sind. Ich weiß ja nicht, wer oder ob überhaupt sich jemand mit der Evolution von Karnivoren Pflanzen beschäftigt hat. Wäre für mich ein hochinteressantes Thema.

Gruß,

Oliver

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Andreas Fleischmann

Hallo!

Drosera linearis ist endemisch für das boreale Nordamerika und kam NIE in Europa vor. Im überlappenden Verbreitungsgebiet von D. linearis und D. rotundifolia entstand (und ensteht auch noch heute kontinuierlich!) die sterile (!) Hybride D. rotundifolia X linearis ("D. X anglica", wenn ihr so wollt). Durch spontane Verdopplung des Chromosomensatzes (Polyploidisierung) wurde diese Hybride wieder fertil (und damit zur "Art": D. anglica). Eine Hybride, die sich verhält wie eine Art (samentreu, da tetraploid, sprich keine Aufspaltung der Nachkommen der F1-Generation), warum sollte man so eine Pflanze nicht auch als Art bezeichnen?? Eine Art hybridogenen Ursprungs, das ist in der Botanik nichts Seltenes (und bei Drosera auch nicht)!!

Ich verstehe nicht, warum einige Systematiker wehement darauf bestehen, hybridogene Arten auch bis in alle Ewigkeit als Kreuzungsprodukt ihrer Eltern kennzeichnen zu wollen!! Dann kann man gleich Planta X spec. für alle Pflanzen schreiben ;-) Denn geschätzte 60-80% aller heutigen Blütenpflanzen sind aus Hybriden hervorgegangen (und Hybridogenese wird in Zukunft auch weiterhin der wichtigste Artbildungsprozess bei Pflanzen sein!).

Und wenn man D. anglica weiterhin als Hybride behandeln will, schafft man nur unnötige Probleme:

Denn: Es gibt die außerordentlich dämliche Regel botanischer Nomenklatur, dass Natur-Hybriden, bei denen mindestens ein Elternteil schon eine Hybride ist, keinen neuen Namen bekommen dürfen, sondern den Namen der Eltern-Hybride tragen müssen. (Ihr seht, dass systematische Nomeklatur in Deutschland entstanden ist! ;-) ;-))

Was heißt das für unsere heimischen Droseras?

Wird D. anglica weiterhin als eine Hybride angesehen (also D. X anglica), dann ist der Name D. X obovata (für D. anglica X rotundifolia) ungültig. Jan Schlauer behilft sich, in dem er daraus eine Varietät macht: D. X obovata = D. X anglica var. obovata.

Grausam, oder? ;-)

Irgendwo muss man einen Strich ziehen: Für mich hat eine Hybride, die sich "wie eine Art verhält" (also samentreu ist, weil sie z.B. einen verdoppelten Chromosomensatz hat und daher Schluss ist mit "Ausmendeln" ;-)) volles Anrecht, systematisch wie eine Art behandelt zu werden.

Jedenfalls ist die polyploide Hybride D. anglica viel erfolgreicher und kompetitiver als beide Elternarten D. rotundifolia und D. linearis (wahrscheinlich, weil sie "positive Eigenschaften" beider Elternarten in sich vereinigt, Pflanzenzüchter kennen und schätzen diesen Heterosiseffekt genannten "Hybridvorteil") und überragt das Verbreitungsgebiet von D. linearis (die im Wesentlichen auf kalkhaltige, nährstoffearme Mergelböden gebunden ist!) bei weitem. Während des Tertiärs (in Glazial- und/oder Interglazialphasen) ist D. anglica dann nach Eurasien gelangt (wahrscheinlich über die Bering-Straße), wo sie sich ausbreiten konnte.

Von D. linearis hat D. anglica übrigens die "Eigenschaft" geerbt, auch auf extrem kalkhaltigen Böden zu wachsen. Dieser "Ökotyp" von D. anglica bleibt viel kleiner und kompakter als Pflanzen auf saurem Moorboden und wurde in Europa schon als "D. anglica var. pusilla", in Russland als "D. kihlmanii" beschrieben. Beide Namen taugen nichts, denn wenn man Samen dieser Zwergformen auf Torf aussäht, erhält man normalwüchsige D. anglica.

Zur zweiten Frage:

D. longifolia L. ist ein Synonym zu D. anglica Hudson (und nicht zu D. linearis, das ist Blödsinn), und zwar sogar der ÄLTERE Name. Und damit der gültige! (Eigentlich ist D. anglica das Synonym, und D. longifolia der "offiziel gültige" Name!).

Nur: Linnés älterer Name für den langblättrigen Sonnentau wurde seltsamerweise übersehen, und Hudson beschrieb die Pflanze später als D. anglica, dieser Name wurde für lange Zeit in alle Literatur übernommen. Bis jemand gemerkt hat, dass ja schon ein älterer Name exisitiert. Bis dahin war der Name "D. anglica" aber schon so oft und häufig in Gebrauch, dass eine (korrekte) Änderung des Namens in D. longifolia nur Verwirrung gestiftet hätte. Und solche "allgemein geläufigen" wissenschaftlichen Namen kann man in solchen Fällen konservieren lassen (da entscheidet ein greises Gremium darüber), sprich sie werden "im Gebrauch geschützt". Daher sind beide Namen gleichwertig zu gebrauchen ("vollwertige Synonyme").

Der Name "Darlingtonia californica" ist übrigens ebenfalls konserviert worden, obwohl die Pflanze unter diesem Namen von Torrey nicht ganz korrekt publiziert war. Denn sonst würde unsere Kobralilie den unschönen (aber gültigen) Namen "Chrysamphora californica" tragen, und wahrscheinlich "Goldschlauch" heißen ;-).

Noch Fragen zu D. anglica? ;-)

Alles Gute,

Andreas

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Christian Dietz

Hallo,

muss sich der Chromosomensatz einer Hybride zwingen verdoppeln, damit die F2-Generation nicht wieder aufspaltet? Wie verhält sich das z.B. bei Drosera nidifomis x dielsiana, die ja in den Folgegenerationen nicht wieder aufspaltet? Ist bekannt, was für einen Chrosomosensatz diese Pflanze hat? Ivan Snyder (er hat diese Hybride gezüchtet) hat mir auf meine Nachfrage hin geschrieben, daß diese Hybride von Anfang an ohne seine Hilfe (Chromosomenverdoppelung per Colchizin) fertil gewesen sei (das ist nicht mein Problem). Auf meine Nachfrage hin, warum sie nicht wieder aufspaltet bekam ich als Antwort: "Leaf shape and length are not Mendelian traits"

Dann noch eine Frage, die nur indirekt was mit dem Thema zu tun hat, ich aber trotzdem gerne loswerden möchte. Kann man mit einfachen Mitteln zu Hause selbst Chromosomen zählen, oder braucht man dazu zwingend ein Labor?

Christian

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Hallo Andreas,

vielen Dank für diesen sehr informativen und interessanten Beitrag! Eine Frage habe ich jedoch noch:

Jedenfalls ist die polyploide Hybride D. anglica viel erfolgreicher und kompetitiver als beide Elternarten D. rotundifolia und D. linearis (wahrscheinlich, weil sie "positive Eigenschaften" beider Elternarten in sich vereinigt, Pflanzenzüchter kennen und schätzen diesen Heterosiseffekt genannten "Hybridvorteil") und überragt das Verbreitungsgebiet von D. linearis (die im Wesentlichen auf kalkhaltige, nährstoffearme Mergelböden gebunden ist!) bei weitem.

Wieso ist D.rotundifolia dann weiter verbreitet als D.anglica?

Gruss,

Jan

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Andreas Fleischmann

Hallo!

Wieso ist D.rotundifolia dann weiter verbreitet als D.anglica?

Anscheinend ist D. rotundifolia wohl diejenige Art der Sektion Drosera, die mit der kürzesten Vegetationsperiode auskommt (um einen Vegetationszyklus abzuschließen, meist mit Blüte und Samenbildung). Daher ist dies die Art, die am weitesten Richtung Norden vordringt (in weiten Teilen Skandinaviens und auf Island ist D. rotundifolia die einzige Drosera-Art; dort kommen interessante, einblütige Zwergformen vor), auch in unseren Alpen hält D. rotundifolia den "Höhenrekord" der heimischen Droseras.

Ich selbst kann mir das nur mit der Anpassung an kürzere Vegetationsperioden erklären, den frosttolerant sind alle 3 heimischen Arten ja gleichermaßen. Zumal es bei geschlossener Schneedecke in subarktischen und hochmontanen Regionen sowieso nicht so stark friert.

Alles Gute,

Andreas

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