Jump to content

Langzeiterfahrungen mit Nepenthes-Terrarienkultur


Guest pansgarten

Recommended Posts

Guest pansgarten

Hallo liebe Nepenthesfreunde,

ich kultiviere jetzt seit fast 20 Jahren Nepenthaceen in Terrarien. Zu Beginn meiner Sammlertätigkeit waren kaum Arten verfügbar, die sich aufgrund ihrer Grössenentwicklung längerfristig für eine Terrarienkultur geeignet hätten, heute sind fast alle Arten und dazu noch viele Neubeschreibungen, v. a. aus Sumatra verfügbar.

Lange Zeit dachte ich, gerade die zierlichen, endemischen und hortikulturell bedeutenden Sumatra-Nepenthes wie N. inermis, dubia, aristolochioides, jacquelinae, tenuis usw. wären ideal für eine Terrarienhaltung geeignet. Doch leider stellte sich unter meinen Kulturbedingungen heraus, dass diese Arten oft nur sehr spärlich Kannen ausbilden, und wenn, dann sind diese klein und kurzlebig. Überhaupt scheinen viele Arten, gerade aus dieser Gruppe, auch als Gesamtpflanze relativ kurzlebig zu sein, oder nach einem schnellen Hochwachsen, in den Altersstadien gar keine Kannen mehr zu bilden. Hinzukommt, dass die Kannenbildung in den Jugendstadien zwar meist vorhanden aber wenig attraktiv ist.

Auch andere Kultivateure dieser Arten haben mir von ähnlichen Erfahrungen berichtet.

Wer weiss Rat???

Link to comment
Share on other sites

Hallo,

das kann ich eigentlich nicht bestätigen. Die einzige Art, deren Kannen sehr kurzlebig sind, ist Nepenthes inermis. N. jaquelinae, N. tenuis, N. aristolochioides halten ihre Kannen zum Teil über mehrere Wochen. Wenn der Langtrieb keine Kannen mehr bildet, dann stimmt womöglich etwas mit den Bedingungen nicht. Möglicherweise zu hohe Temperaturen im oberen Bereich des Terrariums oder zu trockene Luft. Meist schneide ich den Langtrieb ab einer gewissen Länge ab und die Pflanzen treiben dann sehr zahlreich von unten her oder an den Blattachseln neu aus.

Dass eine ganze Pflanze der genannten Arten kurzlebig ist, höre ich zum ersten Mal.

Vielleicht beschreibst du mal deine Bedinungen, dann kann man evtl. mehr dazu sagen.

Viele Grüße

Markus

Edited by Guest
Link to comment
Share on other sites

Guest pansgarten

Nun, das war vielleicht etwas summarisch...natürlich müsste man jede der genannten Arten separat betrachten, worauf ich aber hinaus will, ist die auffällige Diskrepanz zwischen den veröffentlichten Naturstandortfotos und dem hortikulturellen Ergebnis bei allen genannten Sumatra-Endemiten.

Diese Diskrepanz habe ich bei anderen Nepenthesgruppen so deutlich nie beobachtet. Ich kenne verschiedene Sammlungen, die Sumatra-Endemiten in allen Altersstadien und unter ganz verschieden Kulturbedingungen kultivieren, das hortikulturelle Ergebnis ist meist sehr bescheiden, v. a. verglichen mit Borneo-Klassikern. Auch bin ich mittlerweile überzeugt, dass es weniger an den Kulturmethoden liegt, sondern an der genetisch problematischen Veranlagung dieser Gruppe.

Dazu später gerne mehr...

Link to comment
Share on other sites

Guest Moritz Lònyay

Hallo,

Auch wenn Ich keine großen Erfahrungen sammeln konnte, da die Zeit einfach fehlt, kann Ich was zu dem Thema "ablassen" ;):

1. Die Kurzlebikeit von N. inermis (bzw. ihren Kannen) kann Ich nicht bestätigen. Eine ihrer Kannen hält sich nun schon seit mehr als einem Monat. Dies hält nicht mal eine kräftige Tenuis-Kanne bei mir aus.

2. Der Unterschied von Borneo- zu den Sumatra-Arten ist immens. Dies gilt für Kannen und Blätter:

Eine Tenuis-Kanne hält bei mir höchstens 2 Wochen, eventuell manchmal minimal länger. Bei den Blättern wohl etwas länger.

Der Vergleich zu N. villosa (wohl eine der Nepenthes, welche die am längsten lebenden Kannen bildet) ist unglaublich, die älteste, voll intakte Kanne ist mehr als 4 Monate alt. Das Alter geht angeblich bis zu mehr als 6 Monaten. Genau das gleiche mit den Blättern, diese werden wohl um einiges länger halten als die Kannen.

Zusammenfassung:

Es muss so sein, dass Sumatra-Arten Kannen bilden, welche nicht so lang leben wie die von den Borneo-Arten (zumindest im Terrarium und wenn sie den selben Bedingungen ausgesetzt sind). Dies sieht man schon mit dem reinen Auge:

Der Aufbau der Kannen und Blätter von den Sumatra-Arten ist filigraner und dünner als der von den Borneo-Arten. Der Kannenrand ist papierdünn. Das lässt darauf schließen, dass sie natürlich kurzlebiger sein müssen, als die robusten Kannen einer N. villosa. Diese sind richtig "fett". Vielleicht einfach deswegen, weil diese einfach raueren Wetterbedingungen ausgesetzt sind. Mehr Wind aushalten müssen. Kälte aushalten müssen, bis zum Gefrierpunkt, usw. Das würde auch die Behaarung erklären, die schützen soll. Diese findet man auch bei Baumfarnen, welche in kalten Gebirgen vorkommen (Dicksonia antarctica-behaarter Baumfarn).

Wozu sollten auch die Sumatra-Arten dicke, langlebige Kannen, wie die Borneo-Arten bilden, wenn der Kraftaufwand bei dünneren viel geringer ist. So können sie mehrere in weniger Abstand bilden und haben gleichzeitig mehr Chancen auf Futter. Ich weiß dass es auch Sumatra-Arten gibt, welche Kälte aushalten müssen. Aber Ich meine die Borneo-Arten sind einfach extremeren Witterungsbedingungen ausgesetzt. Die Sumatra-Arten sind öfters auch einwenig vom Wald geschützt. Wenn man noch anmekrt, dass die Borneo-Arten (zumindest die, welche wirkliche langlebige Kannen und Laub ausbilden) keinen wirklichen Klettervorgang zeigen (dies aber der Großteil der Sumatra-Arten schon tut) könnte man sich denken, sie haben einfach starke, robuste und langlebige Kannen ausbilden müssen, da sie sonst einfach kein wirkliches Futter fangen=nicht überleben.

Es haben sich einfach die Sumatra-Arten ihren Lebensbedingungen angepasst und die Borneo-Arten ihren.

Wenn jedoch im Terrarium nicht die erwähnten, natürlichen Bedingungen herrschen, ist es klar, dass die Sumatra-Arten weniger lange halten werden, als die Borneo-Arten. Wenn meine Theorie stimmt, werden wohl bei beiden Gruppen in der Natur, die Kannen gleich lange halten. Da die Sumatra-Arten weniger Wind ausgesetzt sind, da sie öfters im Wald vorkommen müssen, denn ohne Bäume können sie schwer klettern ;)(es gibt sicherlich Ausnahmen, aber die gibt es immer ;)). Die Kannen der Borneo-Arten werden zwar in Kultur länger halten als die der Sumatra-Arten, dass ist jedoch klar, da sie milderen Bedingungen, also keinem direktem Wind und der klirrenden Kälte ausgesetzt sind, wie in der Natur. Deswegen haben die Sumatra-Arten einen klaren Nachteil gegenüber den Borneo-Arten, da sie meißt' zusammengehalten werden und die Borneo-Arten somit schon fast "verhätschelt" werden und nicht den Witterungen, der Natur ausggesetzt sind.

Dies scheint mir zumindest am logischsten.

Moritz

Edited by Guest
Link to comment
Share on other sites

Guest Moritz Lònyay

Nachtrag:

Da habe Ich das Thema wohl etwas ausgeweitet ;).

Eine Frage noch an Markus, ist es nicht bekannt (abgesehen von den Kulturbedingungen), dass Sumatra-Arten im Hochtrieb das Kannenbilden vernachlässigen und eher in die Höhe klettern ?

Ich kann es nicht aus eigener Erfahrung berichten, da meine erste Sumatra-Art gerade eben erst begonnen hat zu klettern.

Moritz

Link to comment
Share on other sites

Guest pansgarten

Es könnte sein, dass die Artbildungsprozesse bei den Sumatra-Arten noch hochaktiv sind, es gibt unzählige Hybriden und Übergangsformen, und vielleicht auch zahlreiche evolutive Fehlentwicklungen, die kurz vor der natürlichen Auslöschung stehen. Sie entstanden in kurzlebigen Biotopen, Wäldern, die vielleicht erst wenige Jahrtausende alt sind und durch Vulkanausbrüche auch jederzeit wieder zerstört werden können.

Die Wälder auf Borneo hingegen sind Millionen von Jahre alt (mit Ausnahme der sog. Feuerwälder Ostborneos), hier konnten sich Nepenthesarten ausbilden, die sich über lange Zeiträume evolutiv bewährt haben.

Möglicherweise könnte dies der Hintergrund sein, für das sehr unterschiedliche hortikulturelle Verhalten beider Gruppen.....mit Kulturmethoden oder den aktuellen Klimabedingungen an den jeweiligen Standorten scheint mir das weniger zusammenzuhängen...

Link to comment
Share on other sites

Dominik Stadelbauer

Hallo,

die Sumatra-Arten sind nun nicht von heute auf morgen entstanden und (wenn nur der Mensch nicht wäre) in sich soweit stabil, den Fortbestand zu sichern.

Das Kulturproblem als solches, würde ich sofort bestätigen, jedoch sehe ich die Ursachen darin etwas anders.

Im Unterschied zu den, so treffend formulierten, "Borneo-Klassikern" befinden sich kaum Sumatra-Arten in Kultur, die älter als vielleicht fünf bis zehn Jahre sind. Sozusagen sind die Kulturerfahrungen gerade ihren Kinderschuhen entwachsen.

Wer heute ein Buch mit Kulturhinweisen aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts aufschlägt wird viele Warnhinweise vom Schwierigkeitsgrad von N. rajah oder den Heliamphoras finden.

Heute sind wir dahingehend etwas weiter und wissen was diese Arten brauchen und kommen besser mit ihnen aus.

Aber ob dass alleine bei den Sumatra-Arten ausreichen wird?

Sieht man sich einmal die Verteilung der einzelnen Arten an, so wird ins Auge stechen, dass viele endemisch in einem sehr engen Bereich vorkommen (die meisten sogar auf nur einem einzigen Berg). Vielleicht sind diese einfach so sehr an ihren Lebensraum angepasst, dass sie sich nur schwer an andere Bedinungen gewöhnen können.

Vielleicht müssen wir einfach damit leben, dass eine Nachbildung der Lebensumstände (und nichts anderes sollte eine Kultur ja erreichen wollen) nur unzureichend bei uns hergestellt werden kann.

Nicht jede Nepenthes muss auch fürs Terrarium geeignet sein.

Viele Grüße,

Dominik

Link to comment
Share on other sites

Guest pansgarten

...stabil? In Sumatra sind weder die Nepenthes noch die Berge stabil...da geht gerne immer wieder mal ne spassige Magmakammer in die Erdatmosphäre, und nimmt vielleicht auch den einen oder anderen Gebirgszug mit...verglichen mit diesem natürlichen, geologischen Potential erscheint der menschliche Einfluss doch recht marginal, wenn man Sumatra nicht gerade mit ein paar Dutzend strategischen Atomraketen befeuern will...oder ist das was in Planung???

Zurück zur Hortikultur: Die hier in Rede stehenden Sumatra-Nepenthaceen sind doch mittlerweile schon alle so lange in Kultur, dass genügend Altpflanzen in den verschiedensten Sammlungen unter verschiedensten Kulturbedingungen vorliegen...

übrigens wurde N. rajah von der berühmten englischen Gärtnerei Veitch (nach der auch N. veichii benannt ist) schon in den 18!80er Jahren kommerziell vertrieben. Und die Pflanzen wuchsen offenbar recht gut, auch schon unter den Gewächshausbedingungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts...

wenn eine Art hochendemisch ist, heisst das noch lange nicht, dass sie nur (noch, z.B. nach Klimawandel) an einem ganz speziellen Ort ihr zusagende Bedingungen vorfindet, sondern es kann schlicktweg bedeuten, dass sie erst vor kurzem dort entstanden ist, ihr aber u. a. die Fähigkeit zur Ausbreitung fehlt, und deshalb auch bald wieder erlöschen wird...genau dieser Umstand scheint mir den Artstatus vieler Sumatra-Endemiten recht gut zu beschreiben...

interessant wäre in diesem Zusammenhang der Abgleich einer Karte mit den geologischen Aktivitäten auf Sumatra mit einer Nepenthes-Verbreitungskarte...

Link to comment
Share on other sites

Dominik Stadelbauer

Hallo,

...stabil? In Sumatra sind weder die Nepenthes noch die Berge stabil...da geht gerne immer wieder mal ne spassige Magmakammer in die Erdatmosphäre, und nimmt vielleicht auch den einen oder anderen Gebirgszug mit...verglichen mit diesem natürlichen, geologischen Potential erscheint der menschliche Einfluss doch recht marginal

eine Naturkatastophe ist nun vielleicht nicht das, auf was ich hinaus wollte. Mit "stabil" meinte ich, dass die Arten fährig sind sich selbst zu erhalten, also den Fortbestand zu sichern.

Da eine Art nun ja nicht in wenigen Jahren entsteht kann ich nicht so recht glauben, dass wir es hier mit einem riesigen Gebiet evolutionärer Fehlentwicklungen zu tun haben.

wenn man Sumatra nicht gerade mit ein paar Dutzend strategischen Atomraketen befeuern will...oder ist das was in Planung???

Ich weiß nicht, was Kim Jong-il so genau plant, aber bei ihm weiß man das ja nun nie so genau.

wenn eine Art hochendemisch ist, heisst das noch lange nicht, dass sie nur (noch, z.B. nach Klimawandel) an einem ganz speziellen Ort ihr zusagende Bedingungen vorfindet, sondern es kann schlicktweg bedeuten, dass sie erst vor kurzem dort entstanden ist, ihr aber u. a. die Fähigkeit zur Ausbreitung fehlt, und deshalb auch bald wieder erlöschen wird...genau dieser Umstand scheint mir den Artstatus vieler Sumatra-Endemiten recht gut zu beschreiben...

Wie sprach Buddha so passend:

"Weder kann man sagen, es ist so,

noch kann man sagen, es ist nicht so;

noch aber kann man sagen,

es ist gleichzeitig so und gleichzeitig nicht so;

noch aber kann man sagen,

es sei nicht gleichzeitig so und nicht gleichzeitig nicht so."

Oder auf gut bayerisch:

Was g`wies woas ma net. (Sicher weiß man es nicht) ;-)

interessant wäre in diesem Zusammenhang der Abgleich einer Karte mit den geologischen Aktivitäten auf Sumatra mit einer Nepenthes-Verbreitungskarte...

In Charles Clarkes Buch Nepeenthes of Sumatra and Peninsular Malaysia befindet sich eine recht genaue Verteilung der Naturstandorte der einzelnen Arten. Sollten sie das Buch nicht zur Verfügung haben melden Sie sich bitte bei mir, dann kann ich Ihnen ggf. die Informationen zur Verfügung stellen.

Viele Grüße,

Dominik

Link to comment
Share on other sites

Guest pansgarten

...ich denke, wir brauchen vor dem Kim-Dingsda-Raketchen keine grosse Angst haben, mehr Gedanken würde ich mir machen über eine erneute Mega-Explosion des Toba-Supervulkans. Sein letzter Ausbruch vor 74.000 Jahren rechnet zu den stärksten Vulkanausbrüchen seit mehreren Millionen Jahren, und hat wohl kaum eine der hier in Rede stehenden Sumatra-Nepenthes überleben lassen.

Die Toba-Katastrophe war eine globale Katastrophe, sie verursachte einen Klimasturz von bis zu 15 Grad Celsius und bewirkte die 1000 kältesten Jahre der damaligen Würmeiszeit. Die asiatischen Formen des Homo sapiens sind daduch erloschen.

Es spricht alles dafür, dass die Sumatra-Endemiten nicht älter als 74.000 Jahre sein können, und genau so sehen sie auch aus. Zufällige und noch unselektierte Anfangs-, Zwischen- und Experimentierstadien der Evolution.

Bei solch aktiven Vulkaninseln wie Sumatra stellt sich im übrigen die Frage, ob durch die vulkanischen Nährstoffanreicherungen nicht vornehmlich solche Formen entstehen, deren Karnivorie nur phasenweise auftritt, wie in den Jugendstadien oder kurz vor Blütenbildung, nicht aber in den regulären Altersstadien...

Link to comment
Share on other sites

Dominik Stadelbauer

Wie sprach Buddha so passend:

Will ja nich meckern' date=' aber das war Lao Tse (Laozi), Gründer des Daoismus. [/quote']

Oh, meine Quelle spricht von Buddha. Hättest du vielleicht einen Quellennachweis? Würde mich interessieren ;-)

Link to comment
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now
×
×
  • Create New...

Important Information

We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue. Weitere Informationen finden Sie in unserer Privacy Policy.