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Markus Welge

01. Grundregeln der Karnivoren-Kultur

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Markus Welge

01. Grundregeln der Karnivoren-Kultur

Grundregeln

Hier einige grundsätzliche Hinweise, die für den größten Teil der Arten gelten:

  • Fast alle Arten benötigen sehr viel Licht um gut zu gedeihen!
  • Viele Arten können dauerhaft im Wasseranstau stehen.
  • Es sollte unbedingt weiches Wasser, vorzugsweise Regenwasser oder destilliertes Wasser verwendet werden!
  • Trockene Heizungsluft ist schädlich für Karnivoren - also muss für angemessene Luftfeuchtigkeit gesorgt werden!
  • Je nach Herkunft der Pflanze müssen die Temperaturansprüche beachtet werden.
  • Bei der Gartenkultur sollten die Pflanzen vor starken Witterungseinflüssen (Wind, Regen, Kahlfrost) geschützt werden.
  • Auf keinen Fall darf normale Blumenerde!
  • Karnivoren benötigen i.d.R. keinen Dünger.
  • Überfüttern Sie ihre Pflanzen nicht!
  • Vorsicht mit Insektensprays!
  • Ärgern Sie Ihre Venusfliegenfalle nicht!

Licht

Vielleicht als Folge der Spezialisierung auf Karnivorie benötigen die meisten fleischfressenden Pflanzen eine große Menge Licht

- viele wollen sogar volle Sonne (z.B. Venusfliegenfalle und Schlauchpflanze). Licht ist für sie lebenswichtig. Sofern kein Süd- oder

Südwestfenster, Gewächshaus oder eine andere geeignete Aufstellungsmöglichkeit vorhanden ist, wird ein hell erleuchtetes

Terrarium benötigt. Zur Beleuchtung sollten mindestens 2 Leuchtstoffröhren etwa 20 cm über den Pflanzen positioniert werden.

Erfahrungsgemäß sind teure "Wachstumslampen" nicht besser als übliche kühl-weiße Leuchtstoffröhren.

Glühbirnen oder Halogenstrahler sind generell ungeeignet, da sie bei weitem zu viel Hitze und kaum brauchbares Licht erzeugen.

Niederdruck-Natrium- und Quecksilberdampflampen sind ungeeignet. Manche Züchter verwenden Metalldampf-Halogenlampen,

doch erzeugen diese Lampen häufig ein beträchtliches UV-Spektrum, so dass Schutzmaßnahmen erforderlich werden.

(In den USA bekamen Anwender solcher Lampen schon Besuch von Drogenschutzbehörden, da durch den hohen UV-Pegel die

Alkaloid-Produktion in Drogenpflanzen angeregt werden kann und ein entsprechender Verdacht bestand...)

Sehr gut geeignet sind Natriumdampf-Hochdrucklampen. Sie haben das bestmögliche Verhältnis von Stromverbrauch zu

Lichtintensität, außerdem ist die Lebensdauer sehr hoch. Sie sind allerdings nicht ganz billig.

Im Taublatt ist der Artikel Erfahrungen mit verschiedenen Leuchtmitteln von Ansgar Rahmacher erschienen

Substrat

Als Substrat (="Boden") wird meist ein Torf-Sand-Gemisch verwendet. Ausführliche Beschreibung hier:

Karnivorenhaltung in verschiedenen Böden/Substraten

Wasser

Reines Wasser ist für Karnivoren lebenswichtig, sie sind es von ihren Naturstandorten her gewohnt. Das Leitungs- oder auch

Brunnenwasser, das uns zur Verfügung steht, enthält in den meisten Fällen viel zuviel gelöste Bestandteile, vor allem Calcium.

Wenn mit Leitungswasser gegossen wird, wird dieses Calcium ihre Pflanzen mit der Zeit umbringen.

Für eine kleinere Sammlung im Terrarium ist es besser, sich destilliertes (teuer) oder deionisiertes Wasser zu besorgen.

Auf die Dauer und bei großen Sammlungen, kann es sich lohnen, eine kleine Umkehrosmoseanlage zu installieren.

Andere "Wasserenthärter" bzw. "Filter" sind nicht gut geeignet, da die meisten von ihnen nur das Calcium durch andere Stoffe

austauschen.

Regenwasser ist teilweise auch nicht mehr das, was es mal war. Es enthält einige Stoffe, die für Pflanzen schädlich sein können.

In der Regel ist es aber gut brauchbar. Für den Anfang die Empfehlung: Benutzen Sie Regenwasser, sofern Sie darüber verfügen.

Übrigens: Der Unterschied zwischen destilliertem und deionisiertem Wasser liegt in der Art der Aufbereitung. Destilliertes Wasser

ist kondensierter Wasserdampf, während deionisiertes Wasser über Ionenaustausch-Verfahren seines Ionengehaltes entledigt wurde.

Somit ist auch der enorme Preisunterschied deutlich: Energie- und Zeitaufwand sind zur Destillation ungleich größer. In der Praxis ist

deionisiertes Wasser völlig ausreichend.

Aquatische Utricularien sollten nicht in ein Becken mit destilliertem Wasser gesetzt werden - hier ist (sauberes) Regenwasser

wesentlich besser geeignet.

Einige Karnivoren-Liebhaber bei denen Regenwasser nicht "greifbar" ist und die über die Preise des destillierten Wassers erschüttert

waren, haben zum Wasser von Wäschetrocknern (genauer gesagt: Kondenstrocknern) gegriffen. Es scheint zu klappen.

Die Gefahr ist jedoch, dass evtl. vorhandene Waschmittelreste sich im Wasser befinden können - und das mögen die Karnivoren gar nicht.

Daher ist dieser Tipp mit großer Vorsicht zu genießen und auf eigene Gefahr!

Wie nass soll der Boden sein, wie hoch soll das Wasser stehen? Hierbei muss bedacht werden, dass die meisten Karnivoren aus

Mooren oder Sümpfen stammen. Der Wasserbedarf ist also hoch. Einige Arten brauchen eine Trockenzeit, wie etwa Zwiebeldrosera

(nur in Fachgeschäften und bei Sammlern erhältlich), aber die meisten mögen es eher feucht. Am besten stellt man die Töpfe in einen

Untersetzer, in dem ständig ein paar Zentimeter Wasser steht (= Anstauverfahren). Bei Nepenthes und Pinguicula erst

wieder nachfüllen, wenn der Untersetzer ausgetrocknet ist – er kann sogar mal einige Tage ohne Wasser stehen.

Luftfeuchtigkeit

Die meisten Karnivoren benötigen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Bei der Kultur in einem Terrarium werden sich etwa 50-90 % relative

Feuchte einstellen, ein akzeptabler Bereich für die meisten Arten. Zur Vermeidung von Schimmelbildung sollte man allerdings das

Terrarium nicht komplett abdecken oder gar hermetisch versiegeln. Ein bisschen Luftzirkulation ist für alle Pflanzen notwendig.

Besonders nordamerikanische Pinguicula-Arten scheinen viel frische Luft zu benötigen, während sich Nepenthes in stehender, relativ

feuchte-nasser Luft sehr wohl fühlen. Eine Luftfeuchte von ca. 60-65% wird meist auch in offenen Terrarien erreicht.

Folgende Werte können als grobe Richtlinie dienen (sind also mit etwas Vorsicht zu genießen --> Ausnahmen bestätigen die Regel!):

- trockene Luft - unter 40%: Roridula

- normale Zimmerluft - zwischen 40 und 60%: viele Drosera, Drosophyllum, Pinguicula und Sarracenia, am oberen Wert zu halten

wären noch Cephalotus und Dionaea.

- relativ feucht - zwischen 60 und 80%: Tropische Drosera, Genlisea, Heliamphora, einige Pinguicula und Utricularia.

- über 80%: ist nur von Nepenthes erwünscht.

Temperatur

Hohe Feuchtigkeits- und Lichtbedürfnisse der Karnivoren veranlassen viele Züchter zur Terrarienkultur. Sofern die Maximaltemperaturen

nicht überschritten werden, ist dies eine gute Methode. Anfänger versuchen es am besten zuerst mit tropischen Arten, die Temperaturen

bis über 35°C vertragen. Das Problem besteht darin, den Pflanzen soviel Licht wie möglich zu geben, ohne sie zu überhitzen.

Eine Methode besteht darin, die Leuchtstoffröhren zur Terrarienbeleuchtung ein paar Zentimeter über einer Glasscheibe zu platzieren.

Ein kleiner Lüfter kann zudem die Wärme der Röhren und ihrer Drosseln abführen. Von direkter Sonne beschienene Terrarien heizen sich

sehr schnell auf, so dass hier große Vorsicht geboten ist. Bei offenen Terrarien entsteht dieses Problem im Normalfall nicht.

Tropische Karnivoren sind nicht winterhart, während Pflanzen subtropischer Gebiete schon mal ein paar Frostgrade aushalten können.

Dies erklärt, warum auch Sarracenien und Darlingtonien bei uns teilweise ganzjährig im Freien gehalten werden können, wobei eine

Winterabdeckung als Schutz vor allzu langem und hartem Frost anzuraten ist.

Schwierigkeiten bereiten immer wieder Hochland-Arten: Für sie sind unsere Nächte (im Sommer) meist zu warm, während am Tage die

Lichtintensität zu gering ist, beziehungsweise bei voller Besonnung wiederum die Temperaturen zu hoch ansteigen. Außerdem fehlt den

Pflanzen oft der intensive UV-Pegel der tropischen Höhenlagen. Zu diesen UV-Liebhabern zählen insbesondere einige Nepenthes-Arten,

aber auch Heliamphoren, Darlingtonien und Brocchinien. (Man kennt es ja selbst aus dem Bergurlaub: Sonnenbrand durch hohe

Lichtintensität trotz kühler Temperaturen).

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