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Markus Welge

01.b Karnivorenhaltung in verschiedenen Böden/Substraten

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Markus Welge

01.b Karnivorenhaltung in verschiedenen Böden/Substraten

Karnivorenkultur in Torfsubstrat

Die meisten Karnivoren benötigen sauren Boden, wie sie ihn von ihren Naturstandorten in Mooren oder Sümpfen gewohnt sind.

Die wichtigsten Pflanzen in den Mooren sind die Torfmoose der Gattung Sphagnum. Wenn Torfmoose sich langsam zersetzen,

entsteht Torf. Je nach Zersetzungsgrad zunächst der schwachzersetzte Weißtorf, später der stärker zersetzte Schwarztorf.

Zur Kultur der Karnivoren sollte man versuchen, möglichst schwach zersetzten, sauren und ungedüngten Hochmoorweißtorf

zu bekommen. Auf keinen Fall sollten Sie aufgedüngten oder gar gekalkten Torf verwenden. Hochmoortorf wird im Handel häufig

als Weißtorf angeboten und hat folgende Angaben auf der Packung:

- Zersetzungsgrad: "Wenig bis mäßig zersetzt" und entsprechende Kennzahlen "H3-H5" oder "H2-H5"

- PH-Wert: 3,0-3,5

- Zusammensetzung: "ohne Zusätze" oder "ungedüngt"

Wer mehr plant (z.B. ein Moorbeet): Meist gibt es 50 Liter Säcke extrem günstig. Wenn Torf erst einmal richtig ausgetrocknet ist,

kriegt man ihn nur sehr schwer dazu, wieder Wasser aufzunehmen. Bewahren Sie Ihren Torfvorrat also leicht angefeuchtet auf.

torf.jpg

Abb. grober Weißtorf

Karnivorenkultur in sandigem Boden

Viele Arten brauchen eine zusätzliche Drainage, die ihnen ein reiner Torfboden nicht bieten kann. Ein üblicher Bodenzusatz ist

dann Sand. Bei der Auswahl des Sandes muss unbedingt beachtet werden, dass er kalk- und salzfrei ist.

Hierfür am besten geeignet ist Quarzsand, der in verschiedenen Körnungen zu bekommen ist. Die feinen Körnungen werden zum

Sandstrahlen verwendet, die gröberen gibt es als Bodengrund im Aquarienfachhandel. Ganz Feiner (ähnlich Vogelsand) ist nicht

geeignet – gut bewährt haben sich von Körnern wie aus dem Sandkasten bekannt bis zu gröberen Sorten. Welchen sie auch verwenden,

vor dem Gebrauch sollten sie den Sand auf jeden Fall gründlich auswaschen, d.h. in einem Eimer solange mit fließendem Wasser

aufmischen, bis das abfließende Wasser klar ist.

quarzkies_fein_small.jpgkies_mittel_small.jpgkies_grob_small.jpg

Abb.: Verschiedene Sandkörnungen

Wenn Sie mit trockenem Quarzsand arbeiten, ist der Gebrauch einer Staubschutzmaske sinnvoll, da das Einatmen des

Quarzstaubes nicht besonders gesund für die Lunge ist: siehe auch Silikose.

Spezielle Bodenmischungen

Einige Karnivoren bevorzugen Bodenmischungen mit Vermiculit, Perlit, lebendem Sphagnum, Baumrinde, Komposterde oder anderen

Zusätzen. Experimentieren Sie ein bisschen, jedoch sollten Sie sich bei der Zusammensetzung an den Bedingungen am Naturstandort

orientieren bzw. sich nicht zu weit von diesen entfernen. Leider gibt es keine Patentrezepte, die immer und überall funktionieren.

- Moorbewohner (beispielsweise viele Sarraceniaceen und Drosera der gemäßigten Zonen) bevorzugen natürlich meist

sehr feuchte, torfhaltige Substrate.

- Großblättrige Utricularien sowie viele Nepenthes-Arten wachsen häufig in Regenwäldern oder gar epiphytisch auf

Bäumen. Diese Pflanzen bevorzugen daher lockere, luftdurchlässige Substrate. Hier eignet sich die Beimischung von Baumrinde,

Kokosfasern oder anderen auflockernden Bestandteilen.

- Eine Vielzahl mexikanischer Fettkräuter kommt in wechselfeuchten Gebieten zusammen mit stark xeromorphen Pflanzen

(an Trockenheit angepasste Gewächse, wie Bromelien oder Agaven) vor. Diese Gebiete zeichnen sich meist durch relativ basische,

kalk- oder gipshaltige Substrate aus. Lehm-Torfgemische mit hohem Sandanteil haben hier recht gute Erfolge gebracht.

- Andere wechselfeuchte Gebiete im Mittelmeerraum (Drosophyllum), Südafrika (Roridula, Drosera) und Australien

(Zwerg-, Knollendrosera, Byblis) weisen oft sehr sandige Böden auf. Torfmull-Sandgemische in wechselndem

Mengenverhältnis sind hier empfehlenswert.

Karnivorenkultur in Sphagnum

Einige Karnivoren bevorzugen unzersetztes langfaseriges Sphagnum (Torfmoos), bei manchen muss es sogar lebendes Sphagnum

sein. Besonders die Gattung Heliamphora wird gerne in diesem Substrat kultiviert, weil es sehr locker und luftdurchlässig ist.

Es kann schwierig sein, lebendes Sphagnum zu kaufen, da es nur wenige Gartencenter führen. Andere Moos-Arten sind als Ersatz

auf keinen Fall geeignet. Kaufen Sie kein "Bindemoos" oder ähnliche Produkte.

Denken Sie daran, dass auch einige Sphagnum-Arten von der Ausrottung bedroht sind und dementsprechend unter Naturschutz

stehen. Sollten Sie dem Torfmoos mal in der freien Natur begegnen, lassen Sie es dort stehen, wo es ist.

Karnivorenkultur in Kokosfasern

Da Sphagnum teilweise aus zweifelhaften Quellen stammt und Torf auch aus der Natur entnommen wird und somit dem

Verschwinden von Torfgebieten beigetragen wird, suchen immer mehr Personen nach Alternativen. Kokosfasern sind hier zumindest

für Nepentheshybriden schon bei einigen Züchtern mit Erfolg im Einsatz. Bei anderen fleischfressenden Pflanzen ist die Kokosfaser

nach aktuellen Erkenntnissen – zumindest in Reinform - nicht geeignet.

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