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Magdalena Schaaf

14. Methoden zur Gartenkultur von Karnivoren

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Magdalena Schaaf

14. Methoden zur Gartenkultur von Karnivoren

Eine immer wieder beliebte Frage ist, ob und wie man Karnivoren im Freiland halten kann. Dies ist tatsächlich möglich, aber vom Aufbau her nicht immer ganz so einfach.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:

1) Pflanzen nur im Sommer draußen zu halten

2) Pflanzen ganzjährig draußen zu halten, also ein Moorbeet oder vergleichbares anzulegen.

1) nur im Sommer

Am beliebtesten, weil am einfachsten, ist die Methode, Karnivoren im Sommer ins Freiland zu stellen und sie vor den ersten Frösten wieder in die Wohnung zu holen. Dies ist mit wenigen Ausnahmen auch ohne weiteres möglich. Nahezu alle Karnivoren aus den gemäßigten oder subtropischen Klimazonen können so im Freiland gehalten werden. Ausnahmen hierzu bilden viele tropische Arten, da sie auf eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen sind (z.B. Nepenthes und Heliamphora) und D. adelae, prolifera, schizandra. Ansonsten reicht es für die geeigneten Arte völlig aus, sie im Anstau an einem geschützten Platz im Freiland aufzustellen.

2)ganzjährige Freilandkultur

Auch in der ganzjährigen Freilandkultur gibt es mehrere Möglichkeiten:

1) Kübelkultur

2) Kübel eingegraben

3) Inselmoore

4) Moorbeet

Doch zunächst einige allgemeine Dinge. Für ein erfolgreiches Karnivorenbeet im Garten muss man einiges beachten:

-sehr sonniger Standort, am besten nach Süden ausgerichtet

-etwas geschützt vor den Witterungsbedingungen

-keine Laubbäume in der Nähe (ihr jährlicher Laubabwurf sorgt für einen unerwünschten Eintrag von Nährstoffen)

- Gartenerde darf nicht eingetragen werden

-hohe Arten nach hinten, niedrige nach vorne pflanzen, damit alle Pflanzen genug Licht bekommen. Als Vorderseite wird dabei die der Sonne zugewandte Seite angesehen.

1)Kübelkultur der Pflanzen im Freiland. Bei den Kübeln muss man auf folgendes achten:

- frostsichere Gefäße, also eine Höhe und einen Durchmesser von 40 cm nicht unterschreiten, verwenden

- wasserdichte und wasserneutrale Gefäße verwenden (wasserneutral: das Gefäß darf keine schädlichen Stoffe wie Kalk ins Wasser abgeben)

-> Am verbreitesten ist die Verwendung von sog. Spreissfässern aus Polyethylen, die alle geforderten Eigenschaften besitzen, es eignen sich aber auch z.B. Planschbecken.

-Diese Gefäße werden mit ungedüngtem Weißtorf befüllt

- in ungefähr 2/3 der Höhe wird ein Überlauf angebracht, damit bei Regen die Pflanzen nicht ertrinken

Leider hat diese oberirdische Lösung zwei Nachteile.

1)Der Kübel kann in strengen Wintern oder in den Mittelgebirgen schon mal komplett durchfrieren, was keine Karnivore verträgt.

2)Diese schwarzen Kübel sehen nicht gerade dekorativ aus, gleich was sie enthalten.

2) Gefäße eingraben

Hier ist darauf zu achten, dassder Überlauf nicht verstopft werden darf. Kann oder will man den Behälter nicht komplett eingraben, so genügt es, ihn etwa 20-30 cm in die Erde einzulassen und den Rest mit Pflanzsteinen, Bohlen etc. und einer zwischen Behälter und Verkleidung eingebrachten Kiesschicht ( Drainage!) oberirdisch zu verblenden und vor Frost zu schützen; die Verkleidung muss dazu kaum mehr als 20 cm dick sein.

Bei beiden Arten dieser Kübelkultur, kann es vorkommen, dass die Wasserspeicher zu gering sind und man im Sommer sehr viel gießen muss, wobei dann auch das Wasser schnell durch den Überlauf wieder abfließt.

Ist der Kübel groß genug, kann man Wasserspeicher einbringen, die darüber hinaus den Vorteil haben, dass sie wesentliche Mengen an Torf einsparen. Hierzu werden am Boden des Gefäßes z.B. halbierte Kanister, kleine Kunststoffeimer etc, aufgestellt. Diese werden mit der Öffnung nach unten aufgestellt und oben mit einigen wenigen Löcher versehen, damit die Luft entweichen kann. Die Zwischenräume werden mit gut angefeuchtetem Torf aufgefüllt, der darüber hinaus gut angedrückt werden muss. Es kann an der Seite noch ein Schlauch eingebracht werden, der bis zum Boden reicht, dieser dient dann als Kontrollschacht und als bequemste Lösung des Nachfüllens. Auch bei dieser Kombination muss ein Überlauf angebracht werden, um Tauchbäder zu vermeiden.

3) Inselmoore

Es ist auch möglich, den ganzen Behälter als Wasserspeicher zu nutzen und die Karnivoren sozusagen schwimmend zu kultivieren (diese Inselmoore bieten sich auch für einen Teich an).

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-den Behälter in ca. 3/4 der Höhe mit einem Überlauf ausstatten

- eine Hartschaumplatte dient als Träger (am besten Styrodur, denn offenporiges Material wie Styropor saugt sich voll)

- Diese Platte wird passend zurechtgeschnitten

- In die Platte baut man Dochte ein für die Wasserversorgung. dies sind einige Löcher mit 2-3 cm Durchmesser, die mit Sphagnum gefüllt werden

- Am Rand der Platte befestigt man nun kleine Bretter, damit das Substrat nicht herausfällt. Da die meisten Karnivoren nicht tiefer als 20 cm wurzeln, muss die eigentliche Substratschicht auch nicht viel stärker sein.

- Man bringt nun das Substrat auf und setzt die Pflanzen ein

Wer aus ökologischen Gründen keinen Torf verwenden möchte, für den ist vielleicht folgende Variante interessant: Auf eine Sandschicht wird eine etwa 5-10 cm starke Schicht Sphagnum (Torfmoos) aufgebracht, die Pflanzen werden dann darin eingebettet. Auch hier ist die Wasserversorgung sehr wichtig.

4) Moorbeet

Das klassische Moorbeet ist vom Aufbau her mit dem versenkten Kübel zu vergleichen. Statt Kübeln wird oft eine Teichfolie verwendet, wodurch man auch freier in der Gestaltung ist. Ansonsten gilt es im Prinzip das gleiche zu beachten: Wasserspeicher, sonniger Standort, keine fremden Nährstoffe. Meist wird bei einem Moorbeet auf einen Überlauf verzichtet, da dieser mit einer Teichfolie auch schwerer umzusetzen wäre und die Wasserspeicher größer sind.

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Schädlinge und Krankheiten

Im Freiland sind die Karnivoren den gleichen Bedingungen wie in freier Wildbahn ausgesetzt, so dass in einem gesunden Umfeld weder Schädlinge noch Pflanzenkrankheiten eine große Rolle spielen. Erst bei sehr starkem Befall sollte man den Einsatz der Chemischen Keule in Betracht ziehen. Zum Problem werden jedoch oft Schnecken und Vögel. Schnecken fühlen sich in Moorbeeten äußerst wohl und richten oft große Schäden an.

Das größte Problem stellen jedoch Vögel, vor allem Amseln, dar. Sie betrachten ein Moorbeet meist als ideales Areal zum Wühlen und v.a. Sphagnum als Materiallager für den Nestbau. Vor allem Sonnentaue und Fettkräuter sind dadurch bedroht, da sie leicht heraus gerissen werden. Man darf sich nicht über die Ausmaße täuschen, eine Amsel ist ohne weiteres in der Lage, binnen einer Stunde 2 qm zu durchwühlen. Außerdem bekommen die Tiere schnell mit, dass sich in den Schläuchen der Sarracenien Insekten zum bequemen Absammeln befinden, wobei sie die Pflanzen oft regelrecht zerfetzen.

Abhilfe schafft hier nur ein Vogelschutz, wobei sich Maschendraht mit kleinen Maschen bewährt hat, in Vogelnetzen können sich die Vögel leicht verfangen. Diese sollten eine gewisse Höhe haben, damist sich Sarracenienschläuche nicht zu sehr darin verwachsen und Schaden nehmen.

Sonstige Pflanzenfresser wie z.B. Kaninchen sind üblicherweise kein Problem.

Ein weiteres Problem sind Hagelschauer und Barfröste (länger andauernden Frost ohne schützende Schneedecke) im Winter. Während erstere ja zumeist selten sind und die Pflanzen mit einer einfachen Abdeckung dagegen geschützt werden können, kommen letztere häufiger vor. Bei den Barfrösten ist weniger die Temperatur ein Problem, als vielmehr die Wasserversorgung, da durch die herrschenden Bedingungen sowohl dem Boden als auch den Pflanzen jede Menge Wasser entzogen wird, aber zugleich kein Wasser aufgenommen werden kann, da es größtenteils als Eis gebunden vorliegt. Die Pflanzen vertrocknen also eher, als dass sie erfrieren.

Schützen kann man die Pflanzen dagegen nur, wenn man sie mit Folie, Gartenfließ oder einem kalten Kasten. Eine elegante Methode um auch etwas frostsensible Pflanzen zu schützen ist das gezielte Eineisen der Pflanzen: dazu werden sie bewusst unter Wasser gesetzt, das man dann gefrieren lässt. Das Eis schützt nicht nur vor der Austrocknung, sondern auch vor zu niedrigen Temperaturen, da es als schlechter Wärmeleiter nicht wesentlich unter 0° abkühlt, vorausgesetzt es ist dick genug.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Gartenkultur von Karnivoren bei den winterharten Arten jedoch die schönsten Erfolge mit sich bringt. Auch die Möglichkeit, neben einem einfachen Kulturraum für Karnivoren ein komplettes Moorbiotop nachbauen zu können, sofern man den Platz hat, ist beeindruckend.

Edited by Rolf Zanchettin
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