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Roridula-Wanze: Kommensale?!


Guest Julian_W.

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Guest Julian_W.

Hallo!

Ich schreibe zur Zeit an meiner Arbeit und wundere mich etwas, da in einem meiner Nachschlagwerke (Karnivoren von Barthlott) steht, dass (zB) die Wanzen, die auf Taufpflanzen leben, Kommensalen sind.

Ich bin etwas verdutzt und verstehe nicht, wieso sie sich "nur" auf der Stufe des Kommensalismus befinden und nicht auf eines beiderseitigen Nutzens (Protokooperation?).

Möglicherweise habe ich hier einen Denkfehler, aber ich dachte, dass zwar weder Pflanze noch Insekt unbedingt auf ihr Gegenüber angewiesen sind, aber doch doch beide Nutzen haben. So bietet die Pflanze dem Tier Lebensraum und eine Jagdmöglichkeit, das Tier wiederum der Pflanze Nährstoffe in Form der Ausscheidungen.

Wäre schön, wenn hier jmd. mir hier weiterhelfen könnte! :-)

Dankeschön und Grüße,

Julian

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Andreas Fleischmann

Hallo Julian,

Der Begriff "Kommensalismus" ist für das Zusammenleben von Roridula und Pameridea tatsächlich nicht angebracht, hierbei handelt es sich um eine echte Symbiose (mutualistische Beziehung zweier Organismen zum gegenseitigen Nutzen; 1:1-Interaktion). Kommensalismus wäre eine einseitige zwischenartliche Beziehung, bei der ein Partner profitiert, der andere dabei jedoch weitgehend unbeinflusst bleibt (1:0-Interaktion) (Geier an einer Löwenbeute sind z.B. Kommensalen, "Mitesser").

Roridula erhält von den Wanzen Nährstoffe aus der gefangenen Beute in leicht aufnehmbarer From direkt auf das Blatt, und "spart" sich somit eigenen Enzyme (und evtl. halten die Wanzen Roridula auch noch schädlingsfrei, ich hatte jedenfalls noch nie Blattläuse auf meinen Roridulas). Pameridea hingegen erhält von der Pflanze Lebensraum (inkl. Eiablageplätze), Schutz, Nahrung.

Die Beziehung ist allerdings nicht ganz so "perfekt" (Symbiose ist auch nur ein ausgewogener Parasitismus), wie man zunächst meinen könnte: die Wanzen stechen auch die Roridula-Pflanzen an, und saugen Pflanzensaft, die Eier werden direkt in das Mark des verholzten Stengels gelegt. Anderson und Mitarbeiter haben 2005 gezeigt, dass Roridula-Pflanzen mit zu hohem Wanzenbesatz sogar schlechter wachsen, als Pflanzen ohne Wanzen. Die Grenzen sind in der Natur eben fließend...

Andreas

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