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Heuschrecken


Magdalena Schaaf

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Magdalena Schaaf

Hallo,

heute möchte ich Euch einige Heuschrecken, die ich in den letzten Jahren fotografiert habe, vorstellen.

Diese kleinen Kerlchen faszinieren mich mit am meisten in der Welt der Insekten und ich finde sie immer wieder erheiternd und irgendwie putzig.

Einige allgemeine Sachen: Heuschrecken müssen sich häuten, um zu wachsen. Man findet leider nie die Häute, da sie diese auffressen (sehr nährstoffhaltig und es wäre Verschwendung, das alte Material nicht weiter zu nutzen -> Recycling in der Natur ;) ).

Jede Art hat ihren eigenen „Gesang“.

Die Unterscheidung der Geschlechter ist oft nur an Hand der Hinterleibsanhänge auszumachen, wobei Weibchen oft einen langen Legebohrer haben. Oft sind die Weibchen größer.

Es gibt karnivore und vegetarische Heuschrecken.

Gottesanbeterinnen sind keine Heuschrecken! Sie gehören einer eigenen Ordnung, Mantodea, an. Heuschrecken teilen sich in 2 Ordnungen ein:

Ensifera = Langfühlerschrecken und Caelifera = Kurzfühlerschrecken. Woher die Namen Langfühler- und Kurzfühlerschrecken wohl stammen, könnt ihr Euch ja denken. Grillen gehören erstaunlicher Weise zu den Langfüherlschrecken, obwohl sie kurze Fühler haben.

Ich habe mich wieder für eine mehr oder weniger chronologische Reihenfolge entschieden. Heuschrecken sind zumindest für mich oft schwer zu bestimmen, und da auf den Bildern der Gesang nicht festgehalten wird, ist es daheim dann umso schwerer. Von daher kommen zunächst die bestimmten, chronologisch, mit ein klein wenig Text und danach noch unbestimmte, nur mit Datum. Hier sollen die Bilder für sich wirken, von daher hebe ich auch die Chronologie auf.

Bei den bestimmten sind entweder die Kennzeichen eindeutig oder ich kenne den Gesang mittlerweile und habe mir dann unterwegs aufgeschrieben, welches Bild zu welcher Art gehört. Bei den unbestimmten habe ich oft Vermutungen, bin mir aber nicht sicher genug, um sie hier wirklich auch bestimmt zu zeigen. Trotzdem möchte ich auch sie zeigen, da sie einfach einen Einblick in die Vielfalt geben und teilweise auch witzige Bilder dabei sind, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Ich habe mich wieder an den Aufnahmedaten orientiert, was die chronologische Ordnung angeht. Diese muss nicht zwingend mit dem tatsächlich ersten Auftreten oder dem üblichen Rhythmus der Art übereinstimmen! Soweit nicht anders angegeben, wurden alle Tiere bei uns im Garten oder nahe gelegenen Weinberg und Wald fotografiert.

Angaben zur Gefährdung habe ich Bellmanns "Der Kosmos Heuschreckenführer entnommen" (Bellmann, Heiko: Der Kosmos Heuschreckenführer, Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Stuttgart, 2006. )

Los geht’s im April mit einer Feldgrille, Gryllus campestris. Den Gesang dieser Tiere in den Sommernächten kennt wohl jeder. Rote Liste 3.

19. April 2007

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29.September 2006

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Als nächstes kommt dann Chorthippus brunneus, der braune Grashüpfer. nicht gefährdet.

10. Juni 2007

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Gleichzeitig kommt Roesels Beißschrecke, Metrioptera roeselii. nicht gefährdet. Aufnahme auch vom 10. Juni 2007.

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Am 13. Juli fotografiert, die gewöhnliche Strauchschrecke, Pholidoptera griseoaptera, ein Weibchen. nicht gefährdet.

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Ende Juli konnte ich am Neckar die große Goldschrecke, Chrysochraon dispar fotografieren. Rote Liste 3.

25. Juli 2007:

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Eine recht große und farblich sehr schöne und variable Art ist die Sumpfschrecke, Stetophyma grossum. Ich habe sie auch nur zweimal kurz gesehen, beide Male in Feuchtgebieten (Feuchtwiese mit Bächlein und Flussufer). Rote Liste 2.

15. Juli 2006

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7. August 2006

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Gampsocleis glabra, die Heideschrecke, gehört zu den geschützten Arten und wurde von mir am 26. August 2006 fotografiert. Rote Liste 1.

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Eine bei uns sehr häufige Schrecke ist Conocephalus discolor, die langflügelige Schwertschrecke. Sie liebt feuchte Gebiete und ist daher auch v.a. im Schilf am Teich anzutreffen – und zu meiner Freude im Moorbeet (die Tiere sind kräftig genug, um sich von Drosera zu lösen. In einer Sarracenia hatte ich sie noch nie, viel mehr sehe ich sie immer sehr geschickt auf ihnen hüpfen. Die Pflanzen schädigen sie nicht). nicht gefährdet.

Am 1. September 2006 diente eine S. minor als Ansitz, hier kann man auch mal die langen Fühler der Langfühlerschrecken abschätzen, die man eigentlich nie vollständig aufs Bild bekommt. Sie sind im Allgemeinen ca. dreimal so lang wie die Schrecke selbst:

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Eine weibliche Larve vom 7. Juli 2007:

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Die Larven sind schön an ihrem fast schwarzen Strich auf dem Rücken zu erkennen, der oft weiß eingerahmt ist. Der Strich bleibt auch den adulten Tieren erhalten, allerdings ist er dann braun.

28. Juli 2006:

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Im August kommt dann Phaneroptera falcata, die gemeine Sichelschrecke. Sie ist sehr flugtüchtig, liebt meinen Beobachtungen nach Sonne und warme Plätze und gehört für mich zu einer der schönsten Arten. nicht gefährdet.

4. August 2007

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und 23. August 2007

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Ebenfalls im August kommt eine weitere sehr häufige Art: Gomphocerus rufus, die rote Keulenschrecke. Die Tiere sind gut an ihren keulenartig verdickten Fühler mit einer weißen Spitze zu erkennen. Bei den Männchen ist dieses Merkmal ausgeprägter als bei den Weibchen.

Auch diese Schrecken mag ich sehr, weniger auf Grund ihres Aussehens als wegen ihres Verhaltens. Sie sind recht zutraulich und lassen sich gut beobachten. Obwohl wir wirklich viele von ihnen haben, schau ich den kleinen immer wieder gerne zu, wie sie hüpfen, kommunizieren und sich putzen ;)

nicht gefährdet.

31. August 2006

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4. September 2006

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Tettigonia cantans ist die Zwitscherschrecke. Dem Heupferd ähnlich, ist sie doch kompakter und gedrungener, nicht so lang und dünn. nicht gefährdet.

11. August 2007

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Nun kommt es aber, das grüne Heupferd: Tettigonia viridissima. Und mit ihm nochmal eine kleine Rückblenden ins Frühjahr mit den Larven. Heupferd-Larven lassen sich gut an ihrem seitlichen weißen Streifen erkennen, den sie ihr ganzes Leben beibehalten. Wenn man die vielleicht 1,5 cm großen Tiere im Mai sieht, mag man gar nicht glauben, dass sie schon im August ausgewachsene Tiere mit 4cm Länge sind. Die Flügel und der Legebohrer lassen sie viel größer erscheinen, beides wird in der Längenangabe nicht mitgerchnet. nicht gefährdet.

19. Mai 2007

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6. Juni 2007, im Hochschwarzwald, Weibchen

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10. Juni 2006, wieder bei uns und schon weiter entwickelt, Männchen:

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31. August 2006, voll entwickeltes Weibchen:

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Im Weinberg hört man bis zum ersten Frost Schrecken zirpsen. Der nachlässige Spaziergänger hört sie entweder gar nicht oder hält sie bestenfalls für Grillen. Hört man aber genauer hin, merkt man, dass der Gesang ganz grillenuntypisch nicht vom Boden sondern aus ca. 1,50m Höhe kommt. Wenn man dann sucht, verstummt er.... und irgendwann findet man sie: Heupferde! Bisher habe ich nur Männchen gesehen, die perfekt getarnt im Weinlaub sitzen und singen.....

12. Oktober 2006:

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Auch hier wieder die weißen Streifen gut zu erkennen.

Am 12. September 2007 gab es dann den gemeinen Grashüpfer (Chorthippus parallelus). nicht gefährdet.

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Von August bis in den Herbst hinein gibt es dann Mecostethus parapleurus, die Lauchschrecke. Sie hat ihren deutschen Namen wohl auf Grund ihrer meist sehr hellen grünen Farbe. Gut zu erkennen sind sie immer an dem deutlich schwarzen Streifen der sich von den Augen bis in die Flügel fort setzt. Rote Liste 2.

Männchen vom 1. Oktober 2007

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Weibchen vom 3. August 2006

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So und jetzt gibt es noch einen Ausflug im Spätsommer nach Südfrankreich. Dort im Süden gibt es wunderschöne Arten, man muss sie nur finden, denn sie sind im Allgemeinen sehr flugtüchtig....

Mein ganz persönlicher Favorit da unten: Acrida ungarica, die Nasenschrecke. Die Hörnchen sind einfach genial, aber ich lasse die Bilder für sich sprechen. fehlt in Deutschland.

September 2006

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beide September 2007

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Auch vom September 2007: Decticus albifrons, den südlichen Warzenbeißer. fehlt in Deutschland.

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Sehr scheu und sofort wieder weg gewesen: die Lilienblattschrecke, Tylopsis liliifolia, September 2007. fehlt in Deutschland.

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Ein sehr farbenfrohes und zum Glück langsames Tier war die Provence-Sattelschrecke (Ephippiger provincalis), September 2007. fehlt in Deutschland.

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Und zum Abschluss der bestimmten: Anacridium aegypticum, die ägyptische Heuschrecke und das größte an Heuschrecke, was ich je freilebend gesehen habe. Sie sitzt gut getarnt in Bäumen und kann problemlos viele Meter fliegen. Faszinierend finde ich die gestreiften Augen. Ebenfalls September 2007. fehlt in Deutschland.

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Magdalena Schaaf

So, nun zu denen, die hier unbestimmt bleiben:

14. Mai 2007:

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3. August 2006:

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4. Juni 2007:

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4. Juni 2007:

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1. April 2007:

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20. Mai 2007:

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6. September 2006:

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4. Juni 2007:

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6. September 2006:

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12. Oktober 2006:

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16. Juni 2007, lebt bei mir zu Hauf im Moorbeet:

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20. Mai 2007:

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20. Mai 2007 (beide Bilder gleiches Tier)

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28. Juli 2006:

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25. April 2007:

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25. Juni 2006:

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27. Dezember 2006 (war ein frühlingshafter Tag, das große Tier wohl das Weibchen, die beiden anderen Männchen im „Kampf“ um das Weibchen):

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31. August 2007, eine Variante ganz in rot:

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27. Mai 2007:

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7. August 2006:

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Und zum Schluss ein hübsches Paar vom 29. September 2006.

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Ergänzung: So unbestimmt sind die beiden nicht mehr. Es handelt sich auch hier um Gomphocerus rufus, die rote Keulenschrecke. Links das etwas größere Weibchen, rechts das Männchen.

Ich hoffe, Euch einen kleinen und schönen Einblick in die für mich phantastische Welt der Heuschrecken gegeben zu haben.

Viele Grüße,

Magdalena

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Hallo,

:shock:Wie lange hast du daran gearbeitet? Sehr informativ und tolle Bilder, danke für die Mühe.:clapping:

Grüße,

Andreas

P.S. Die Acrida ungarica gefällt mir am besten.

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Sascha Rupp

Klasse Bilder! Darauf werde ich wohl zurück kommen wenn ich im Sommer wieder auf Futtersuche für meine Viecher bin. Vielleicht mache ich ja dann auch ein paar Bilder bevor ich sie fange.

Wie sieht es denn mit dem Artenschutz aus? Ich denke zumindest die Einheimischen haben doch bestimmt einen Schutzstatus.

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Wow, deine angekündigte Mühe macht sich wirklich bezahlt. Wunderschöne Bilder& eine sehr informative Beschreibung :)

Diese Nasenschrecke ist wirklich bizarr& nett anzuschauen.

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Martin Hingst

Hallo Magdalena,

wieder ein toller Natur-Thread von dir! Sehr schöne Bilder und eine sehr gute Informationsquelle.

Danke und liebe Grüße

Martin

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Magdalena Schaaf

Hallo,

Wie lange hast du daran gearbeitet?

das willst Du gar nicht wissen ;) Ich glaube, ich hatte die Arbeit auf 3 Tage verteilt, da kommt schon einiges zusammen: Bildmaterial durchgehen, Bilder heraussuchen, Einstellfertig machen und dann noch den Text. Beim Text liegen dann auch sämtliche Heuschreckenbücher hier, damit ich keinen vollkommenen Mist erzähle ;)

Wunderschöne Bilder& eine sehr informative Beschreibung
Sehr schöne Bilder

Danke :)

Klasse Bilder! Darauf werde ich wohl zurück kommen wenn ich im Sommer wieder auf Futtersuche für meine Viecher bin. (...) Wie sieht es denn mit dem Artenschutz aus? Ich denke zumindest die Einheimischen haben doch bestimmt einen Schutzstatus.

Hallo Sascha,

also Sammeln zum Verfüttern steht unter Todesstrafe und geht nur über meine Leiche ;)

Zum Artenschutz: Ich bin mal so frei, und zitiere Bellmann, das dürfte dann stimmen (Bellmann, Heiko: Der Kosmos Heuschreckenführer; Stuttgart 2006, s.36 f.):

Mit den dort [Die Rote Liste der gefährdeten Geradflügler (Ingrisch & Köhler 1998b)] insgesamt angeführten 43 Arten sind etwas mehr als die Hälfte aller heimischen Heuschrecken mehr oder weniger gefährdetm zwei von ihnen sogar bereits ausgestorben. (...)

Nach der neuen Bundesartenschutzverordnung sind die folgenden Heuschreckenarten geschützt: Aiolopus thalassinus (Grüne Strandschrecke), Arcyptera fusca(Große Höckerschrecke), Arcyptera microptera(Kleine Höckerschrecke), Bryodemella tuberculata(Gefleckte Schnarrschrecke), Calliptamus italicus(italienische Schönschrecke), Epphippiger ephippiger(Steppen-Sattelschrecke), Gampsolecis glabra(Heideschrecke), Oecanthus pellucens(Weinhähnchen), Oedipoda caerulescens(Blauflügelige Ödlandschrecke), Oedipoda germanica(Rotflügelige Ödlandschrecke), Platycleis tesselata(Braunfleckige Beißschrecke), Psophus stridulus(rotflügelige Schnarrschrecke), Ruspolia nitidula(Große Schiefkopfschrecke), Sphingonotus caerulans(Blauflügelige Sandschrecke)

In den jeweiligen Artbeschreibungen des oben aufgeführten Werks steht auch immer noch was zur Gefährdung, ich ergänze das jetzt noch oben bei den Bildern.

Viele Grüße,

Magdalena

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