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C.Weinberger

Bestäubung und Kreuzung mexikanischer Pinguicula

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C.Weinberger

Hallo zusammen!

Ich möchte hier im Forum direkt mal eine Anleitung posten, wie man mexikanische Pinguicula untereinander Kreuzen kann. Das versuche ich anhand einiger Bilder deutlich zu machen, die aufgrund meiner Kamera nicht all zu gut sind, bisher jedoch besser, als die von pinguicula.org.

Blütenaufbau

Wie bei allen anderen Pflanzen auch, müsst ihr Pollen vom Staubbeutel (Anthere) auf die Narbe (Stigma) aufbringen. Der Sitz der Fortpflanzungsorgane ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, daher hier mal ein paar Bilder von seitlich zerschnittenen Blüten.

(Die Bilder habe ich extern hochgeladen, um sie direkt an die passenden Stellen setzen zu können. Sollten sie irgendwann mal verschwunden sein einfach ne Mail schrieben, dann lad ich sie erneut hoch.)

Pinguicula cyclosecta und ein unbekannter Hybrid:

multilatedcyclosectaflona6.th.jpgimg5891rt4.th.jpg

Heir sind sowohl Staubbeutel, als auch die spätere Samenkapsel schon gut zu erkennen. In den folgenden Bildern, habe ich diese noch einmal farblich hervorgehoben:

multilatedcyclosectaflobn4.th.jpgbemaltyn3.th.jpg

Blau eingekreist, der Fruchtknoten also die spätere Samenkapsel. Nach dem bestäuben beginnt diese anzuschwellen während sich die Samen entwickeln.

Der rote Pfeil zeigt den Ort der Staubbeutel. Diese befinden sich hinter einer Art "Rolle", die mit einem Zahnstocher leicht zu erreichen ist.

Auf dem rechten Bild seht ihr nicht direkt die Pollen. Es handelt sich um eine noch geschlossene Blüte mit einer Art "Pollensack" (Fachbegriff?). Dieser lässt die Pollen erst etwa 2-3 Tage nach der Öffnung der frei.

Das Ende des grünen Pfeiles zeigt den Ort der Narbe, hier müsst ihr die Pollen platzieren.

Eine andere Perspektive gibts hier:

otherpartka6.th.jpg

Zwischen den beiden grünen Pfeilen sitzt die Narbe, die Pollen hinter der "Rolle".

Kreuz- und Selbstbestäubung ist beides möglich, die Ergebnisse variieren stark von Pflanze zu Pflanze. Einige Pflanzen scheinen jedoch steril, beziehungsweise schwer bestäubbar, was aus der x-fachen Nachzucht durch Stecklinge resultieren soll. Bisher hatte ich Probleme mit Pinguicula gypsicola und kondoi.

Zum Kreuzungsvorgang selbst:

Nehmt euch am besten einen Zahnstocher und malt diesen an einer Seite mit einem dunklen (Filz-)Stift an. Ich verwende einen Folienschreiber, dieser ist wasserfest und schmiert daher nicht rum. Durch das bemalen könnt ihr die Pollen deutlich besser erkennen.

Nun greift ihr mit einer Hand die ausgewählte Blüte und nähert euch mit dem Zahnstocher in der Rechten Hand der Blütenöffnung. Versucht knapp unter die besagte "Rolle" zu kommen und begebt euch mit der Spitze vorsichtig nach oben. Dann könnt ihr den Zahnstocher nach oben weg ziehen (oder am Besten waagerecht, dadurch schließt ihr eine Selbstbestäubung absolut aus und habt am Ende mehr Pollen auf dem Zahnstocher). Beachtet, dass ihr das erst etwas zwei drei Tage nach dem Öffnen der Blüte macht.

Nun solltet ihr einen weißlich, gelben Staub auf der Spitze sitzen haben.

Den müsst ihr nun am Ende des Stempels auf der Narbe (einer anderen Pflanze) platzieren. Dazu einfach den Punkt oberhalb der "Rolle" mit der Spitze des Zahnstochers berühren (schaut oben auf den Bildern, wo das genau ist) und dabei drehen, um den Pollen zu platzieren.

Damit seit ihr am Ende der Bestäubung.

Bei einigen Arten (zB Pinguicula agnata) ist es hilfreiche, die unteren Blütenblätter abzutrennen. Die Fortpflanzungsorgane bleiben dabei in Takt und sind besser zu erkennen.

Die hoffentlich erfolgreich bestäubte Blüte verliert dann nach einigen Tagen (deutlich schneller, als dies ohne Bestäubung der Fall wäre) ihre Blütenblätter. Darunter sollte dann eine angeschwollene Samenkapsel erkennen zu sein.

Das heranreifen der Samen scheint stark von der Temperatur abhängig zu sein, im Sommer dauert es ziemlich genau vier Wochen, bis die Kapsel aufreist.

Die Samen sind dann reif, wenn die Kapsel dunkler wird und trocken aussieht, sie fällt teilweise etwas ein, was ganz gut zu erkennen ist.

Haltet beim Abschneiden der Blüte ein weißes Blatt Papier unter die Kapsel, die Samen gehen sonst sehr leicht verloren.

Und hier ein Bild der Samenkapsel und der Samen nach zwei Wochen. Man sieht, dass die Samen noch nicht reif sind.:roll:

sk2wvd5.th.jpg

Nach vier Wochen, sieht das schon ganz anders aus:

seedcapsulehg4.th.jpgimg4907my6.th.jpg

In dieser befanden sich nur rund 15 Samen, bei späteren Kreuzungen erhielt ich bis etwa 50 Samen.

Aussaat:

Die Samen verlieren nach dem was man hört schnell ihre Keimfähigkeit (da ich bisher immer direkt ausgesäät habe, kann ich dazu nichts sagen, Edit: Mittlerweile kann ich bestätigen, dass Pinguicula Samen ein Jahr in Kühlschrank ohne dramatische Einbußen in der Keimfähigkeit überstehen), daher werden sie schnellstmöglich ausgebracht. Dazu eignet sich ein feuchtes Taschentuch sehr gut (die Keimraten auf Torf und Co war bisher zumindest bei mir nicht erfolgreich). Dies wird einfach mit destilliertem Wasser (Regenwasser) angefeuchtet und in Gefäß gegeben. Das Taschentuch sollte nicht austrocknen. Auf der warmen Fensterbank, bei mehr oder weniger Sonne keimen die Samen innerhalb einer Woche, einige Nachzügler kommen in den folgenden zwei Wochen noch dazu. Was dann nicht keimt, wird es wohl auch in Zukunft nicht tun.

Nach dem Keimen werden bilden sich direkt zwei kleine Blättchen, was dann so aussieht (leider kaum zu erkennen):

img5894ef6.th.jpg

Dann können sie auch schon pikiert werden oder man lässt sie noch länger auf dem Taschentuch, scheint den kleinen recht egal zu sein. Danach werden sie bei erhöhter Luftfeuchtigkeit (die kleinen nehmen einem zu trockene Bedingungen recht übel) auf dem endgültigen Substrat weiter kultiviert. Sie sollten dabei so hell wie möglich stehen, etwas später auch in der Sonne.

Mittlerweile habe ich erfolgreich Pflanzen von debbertiana x cyclosecta , debbertiana x jaumavensis (nicht verwechseln mit Pinguicula 'Florian' !) und agnata x jamavensis erhalten, weitere sind noch in Arbeit.

In wieweit diese Kreuzungen erfolgreich waren wird sich bei der ersten Blüte zeigen. Die größten Pflanzen sind nach 8 Monaten 3cm groß. Das geht aber sicherlich noch besser mit besseren Lichtbedingungen und etwas Nachhilfe.

komplexe Hybriden:

Der Vollständigkeit sei angemerkt, dass es auch möglich ist, Hybriden noch mal zu kreuzen, was jedoch deutlich schwerer ist, aus welchen Gründen auch immer. Infos dazu findet ihr auf folgenden Seiten:

komplex Hybrid Pinguicula 'Pirouette'

Diskussion über komplexe Hybriden (engl.)

farbenfrohe Bilder einiger komplex Hybriden von "Graham" hier und hier

Beste Grüße Christian

Edited by C.Weinberger

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Dieter

Nach dieser schönen Beschreibung von Christian möchte ich noch ergänzen, dass die Ergebnisse durchaus sehr interessant sein können. Bei einigen meiner Kreuzungen sehen die Pflanzen und Blüten weitgehend sehr ähnlich aus, bei anderen können auch sehr starke Unterschiede auftreten. Hier ist ein aktuelles Beispiel für den letzteren Fall:

pinguiculaagnatacsufxspww2.th.jpg pinguiculaagnatacsufxspps9.th.jpg

Die gezeigten Pflanzen sind jetzt 1-1.5 Jahre alt. Wenn es gut läuft (d.h. die Bedingungen stimmen), kommen die ersten Blüten innerhalb der ersten 6 Monate nach der Aussaat bei einigen dieser Hybriden. Man kann dadurch recht schnell erkennen, ob das Ergebnis schön aussieht oder eben nicht.

Viele Grüße

Dieter

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C.Weinberger

Hallo!

Die Samen verlieren nach dem was man hört schnell ihre Keimfähigkeit (da ich bisher immer direkt ausgesäät habe, kann ich dazu nichts sagen), daher werden sie schnellstmöglich ausgebracht.

Nach vielen Versuchen hatte ich im Februar letzten Jahres etwa 100-200 Samen Pinguicula aganta x laueana im Kühlschrank deponiert. Eigentlich wollte ich sie dann einige Tage später ausbringen.

Gute 11 Monate später stehen sie nun seit zwei Wochen auf der Fensterbank auf einem Taschentuch. Die Keimrate liegt derzeit bei 50%.

Das ist für mich ein relativ guter Wert, zumal sie mit unter 20°C ziemlich kalt stehen. Da rechne ich noch mit ordentlich Nachzüglern.

Gibt es dazu weitere Erfahrungsberichte? Für mich ist die obige Behauptung also wiederlegt.

Gruß Christian

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C.Weinberger

Die Samen verlieren nach dem was man hört schnell ihre Keimfähigkeit (da ich bisher immer direkt ausgesäät habe, kann ich dazu nichts sagen), daher werden sie schnellstmöglich ausgebracht.

Gibt es dazu weitere Erfahrungsberichte? Für mich ist die obige Behauptung also wiederlegt.

Die Frage habe ich auch im CPUK-Forum gestellt. Dort hat dann Joseph Clemens die Lagerfähigkeit bestätigt.

Samen von Mexikanern sind somit für ein Jahr Problemlos lagerfähig.

Gruß Christian

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Roman.P

Hallo

Erstmal muss ich sagen toller Bericht.

Aber ich hätte da eine Frage und zwar sähst du nur Pinguicula Samen auf Taschentuch aus oder auch andere wie zb Drosera.

Mfg

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C.Weinberger

Hallo Roman!

Aber ich hätte da eine Frage und zwar sähst du nur Pinguicula Samen auf Taschentuch aus oder auch andere wie zb Drosera.

Die Methode verwende ich nur für Pinguicula. Der Vorteil liegt einfach darin, dass man direkt sieht was keimt. Auf Torf hatte ich deutlich schlechtere Erfolge. Gerade Algenbildung ist bei den kleinen recht heikel.

Diese Methode wurde von Dieter Kadereit hat die Methode vor geraumer Zeit mal im Taublatt beschrieben, ich glaube da ging es hauptsächlich um Utricularia, bin mir da aber nicht sicher.

Gruß Christian

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Markus Welge

Die Methode mit der Wasseraussaat stammt ursprünglich von Miroslav Studnicka. Er hat herausgefunden, dass durch das Wasser die Keimhemmung überwunden wird.

Hier gibt es noch einen weiteren interessanten Bericht zu diesem Thema:

http://www.bestcarnivorousplants.com/sowing_seeds.htm#Pinguicula

Ich habe mit dieser Methode auch sehr gute Erfahrungen gemacht und selbst bei den schwierigsten Arten hatte ich damit Erfolg.

Viele Grüße

Markus

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C.Weinberger

Hallo zusammen!

Mittlerweile habe ich erfolgreich Pflanzen von debbertiana x cyclosecta , debbertiana x jaumavensis (=Pinguicula 'Florian' ) und agnata x jamavensis erhalten, weitere sind noch in Arbeit.

In wieweit diese Kreuzungen erfolgreich waren wird sich bei der ersten Blüte zeigen. Die größten Pflanzen sind nach 8 Monaten 3cm groß. Das geht aber sicherlich noch besser mit besseren Lichtbedingungen und etwas Nachhilfe.

Mittlerweile stehen zwei Pflanzen der Kreuzung debbertiana x cyclosecta voll in Blüte. Der Anblick ist die Mühe in jedem Fall wert gewesen und zeigt deutliche Merkmale beider Eltern. Mittlerweile habe ich vier ausgewachsene Pflanzen, von denen zwei bisher blühen und sich deutlich voneinander unterscheiden.

Im nächsten Taublatt sollte dazu ein ausführlicher Bericht inklusive Fotos erscheinen. Anschließend möchte ich die Pflanze(n) bei der ICPS registrieren lassen. Also aufs nächste Taublatt freuen, viel Spaß!

Beste Grüße

Christian

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C.Weinberger

Hallo zusammen!

Ein weiterer Erfolg hat sich heute gezeigt,

Pinguicula agnata x debbertiana mit klasse Blüte. Bilder werden folgen.

Gruß Christian

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C.Weinberger

Hallo!

Und hier die Ergebnisse von Pinguicula debbertiana x cyclosecta. Viel Spaß ;-)

Gruß Christian

10644_thumb.jpg

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10647_thumb.jpg

10648_thumb.jpg

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Posted (edited)

Hallo zusammen,

Da der Thread ja mittlerweile etwas ins Alter gekommen ist und zugehörige Bilder bereits verschwunden sind, habe ich mir mal die Mühe gemacht eine Blüte zu zerlegen und unter dem Binokular zu betrachten.
Nach Entfernung der unteren Petalen (einfach mit leichtem Ruck abziehen) liegen die sexuellen Organe frei (Antheren, (Antherenkappe) und Stigma) und sind nun einwandfrei erkennbar.
Nun wird auch die oftmals vorhandene Schwierigkeit bei der Bestäubung deutlich: Der reife (!) Pollen muss zunächst hinter der Antherenkappe hervor geholt werden, bevor er auf dem Stigma (einer anderen Art) platziert werden kann, was durch den filigranen Blütenaufbau nicht immer unbedingt bei den ersten Versuchen gelingen wird!

 

1.png.b16ad5835c3d1090676871ae790b3500.png2.png.3aa3fba3245d680ad6f390120e65ec1e.png
Grafiken: Fortpflanzungsorgane von Pinguicula x "Tina" (Achtung: unfruchtbar!): Antheren, Antherenkappe und Stigma.
Hintergrund: Sepalen & Petalen mit Drüsensekret - © CARNIFLOR // NEBARI

 

3.png.ade8526a0bf3c56584dc0c935da3d5a3.png

4.png.15453c0ec22a3ecc205a09e2325f0cbb.png
Grafiken: Nahaufnahme der Petalen von Pinguicula x "Tina" mit einzelnen Trichomen und gut sichtbarer Zellstruktur - © CARNIFLOR // NEBARI

 

Zum Abschluss noch ein paar Nahaufnahmen der Petalen. Ich finde es einfach beachtlich wie filigran und trotzdessen auch widerstandsfähig die Natur in ihren Grundfesten doch ist.
Wie man auf den unteren beiden Bildern erkennen kann bestehen die Trichome auf den Kronblättern nur aus einzelnen, gestapelten Zellen, die beim Entfernen der Blütenblätter und Positionieren auf dem Binokular mit Sicherheit mehrfach berührt und gequetscht wurden, aber äußerlich noch immer unversehrt zu erscheinen!

Das wäre es dann auch erst einmal für heute.
Ich hoffe, dem Einen oder Anderen gefällt es!


Beste Grüße

Nebari

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Edited by Nebari

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