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C.Weinberger

Bestäubung und Kreuzung mexikanischer Pinguicula

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C.Weinberger

Hallo zusammen!

Ich möchte hier im Forum direkt mal eine Anleitung posten, wie man mexikanische Pinguicula untereinander Kreuzen kann. Das versuche ich anhand einiger Bilder deutlich zu machen, die aufgrund meiner Kamera nicht all zu gut sind, bisher jedoch besser, als die von pinguicula.org.

Blütenaufbau

Wie bei allen anderen Pflanzen auch, müsst ihr Pollen vom Staubbeutel (Anthere) auf die Narbe (Stigma) aufbringen. Der Sitz der Fortpflanzungsorgane ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, daher hier mal ein paar Bilder von seitlich zerschnittenen Blüten.

(Die Bilder habe ich extern hochgeladen, um sie direkt an die passenden Stellen setzen zu können. Sollten sie irgendwann mal verschwunden sein einfach ne Mail schrieben, dann lad ich sie erneut hoch.)

Pinguicula cyclosecta und ein unbekannter Hybrid:

 

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Heir sind sowohl Staubbeutel, als auch die spätere Samenkapsel schon gut zu erkennen. In den folgenden Bildern, habe ich diese noch einmal farblich hervorgehoben:

Blau eingekreist, der Fruchtknoten also die spätere Samenkapsel. Nach dem bestäuben beginnt diese anzuschwellen während sich die Samen entwickeln.

Der rote Pfeil zeigt den Ort der Staubbeutel. Diese befinden sich hinter einer Art "Rolle", die mit einem Zahnstocher leicht zu erreichen ist.

Auf dem rechten Bild seht ihr nicht direkt die Pollen. Es handelt sich um eine noch geschlossene Blüte mit einer Art "Pollensack" (Fachbegriff?). Dieser lässt die Pollen erst etwa 2-3 Tage nach der Öffnung der frei.

Das Ende des grünen Pfeiles zeigt den Ort der Narbe, hier müsst ihr die Pollen platzieren.

Eine andere Perspektive gibts hier:

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Zwischen den beiden grünen Pfeilen sitzt die Narbe, die Pollen hinter der "Rolle".

Kreuz- und Selbstbestäubung ist beides möglich, die Ergebnisse variieren stark von Pflanze zu Pflanze. Einige Pflanzen scheinen jedoch steril, beziehungsweise schwer bestäubbar, was aus der x-fachen Nachzucht durch Stecklinge resultieren soll. Bisher hatte ich Probleme mit Pinguicula gypsicola und kondoi.

Zum Kreuzungsvorgang selbst:

Nehmt euch am besten einen Zahnstocher und malt diesen an einer Seite mit einem dunklen (Filz-)Stift an. Ich verwende einen Folienschreiber, dieser ist wasserfest und schmiert daher nicht rum. Durch das bemalen könnt ihr die Pollen deutlich besser erkennen.

Nun greift ihr mit einer Hand die ausgewählte Blüte und nähert euch mit dem Zahnstocher in der Rechten Hand der Blütenöffnung. Versucht knapp unter die besagte "Rolle" zu kommen und begebt euch mit der Spitze vorsichtig nach oben. Dann könnt ihr den Zahnstocher nach oben weg ziehen (oder am Besten waagerecht, dadurch schließt ihr eine Selbstbestäubung absolut aus und habt am Ende mehr Pollen auf dem Zahnstocher). Beachtet, dass ihr das erst etwas zwei drei Tage nach dem Öffnen der Blüte macht.

Nun solltet ihr einen weißlich, gelben Staub auf der Spitze sitzen haben.

Den müsst ihr nun am Ende des Stempels auf der Narbe (einer anderen Pflanze) platzieren. Dazu einfach den Punkt oberhalb der "Rolle" mit der Spitze des Zahnstochers berühren (schaut oben auf den Bildern, wo das genau ist) und dabei drehen, um den Pollen zu platzieren.

Damit seit ihr am Ende der Bestäubung.

Bei einigen Arten (zB Pinguicula agnata) ist es hilfreiche, die unteren Blütenblätter abzutrennen. Die Fortpflanzungsorgane bleiben dabei in Takt und sind besser zu erkennen.

Die hoffentlich erfolgreich bestäubte Blüte verliert dann nach einigen Tagen (deutlich schneller, als dies ohne Bestäubung der Fall wäre) ihre Blütenblätter. Darunter sollte dann eine angeschwollene Samenkapsel erkennen zu sein.

Das heranreifen der Samen scheint stark von der Temperatur abhängig zu sein, im Sommer dauert es ziemlich genau vier Wochen, bis die Kapsel aufreist.

Die Samen sind dann reif, wenn die Kapsel dunkler wird und trocken aussieht, sie fällt teilweise etwas ein, was ganz gut zu erkennen ist.

Haltet beim Abschneiden der Blüte ein weißes Blatt Papier unter die Kapsel, die Samen gehen sonst sehr leicht verloren.

Und hier ein Bild der Samenkapsel und der Samen nach zwei Wochen. Man sieht, dass die Samen noch nicht reif sind.:roll:

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Nach vier Wochen, sieht das schon ganz anders aus:

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In dieser befanden sich nur rund 15 Samen, bei späteren Kreuzungen erhielt ich bis etwa 50 Samen.

Aussaat:

Die Samen verlieren nach dem was man hört schnell ihre Keimfähigkeit (da ich bisher immer direkt ausgesäät habe, kann ich dazu nichts sagen), daher werden sie schnellstmöglich ausgebracht. Dazu eignet sich ein feuchtes Taschentuch sehr gut (die Keimraten auf Torf und Co war bisher zumindest bei mir nicht erfolgreich). Dies wird einfach mit destilliertem Wasser (Regenwasser) angefeuchtet und in Gefäß gegeben. Das Taschentuch sollte nicht austrocknen. Auf der warmen Fensterbank, bei mehr oder weniger Sonne keimen die Samen innerhalb einer Woche, einige Nachzügler kommen in den folgenden zwei Wochen noch dazu. Was dann nicht keimt, wird es wohl auch in Zukunft nicht tun.

Nach dem Keimen werden bilden sich direkt zwei kleine Blättchen, was dann so aussieht (leider kaum zu erkennen):

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Dann können sie auch schon pikiert werden oder man lässt sie noch länger auf dem Taschentuch, scheint den kleinen recht egal zu sein. Danach werden sie bei erhöhter Luftfeuchtigkeit (die kleinen nehmen einem zu trockene Bedingungen recht übel) auf dem endgültigen Substrat weiter kultiviert. Sie sollten dabei so hell wie möglich stehen, etwas später auch in der Sonne.

Mittlerweile habe ich erfolgreich Pflanzen von debbertiana x cyclosecta , debbertiana x jaumavensis und agnata x jamavensis erhalten, weitere sind noch in Arbeit.

In wieweit diese Kreuzungen erfolgreich waren wird sich bei der ersten Blüte zeigen. Die größten Pflanzen sind nach 8 Monaten 3cm groß. Das geht aber sicherlich noch besser mit besseren Lichtbedingungen und etwas Nachhilfe.

komplexe Hybriden:

Der Vollständigkeit sei angemerkt, dass es auch möglich ist, Hybriden noch mal zu kreuzen, was jedoch deutlich schwerer ist, aus welchen Gründen auch immer. Infos dazu findet ihr auf folgenden Seiten:

komplex Hybrid Pinguicula 'Pirouette'

Diskussion über komplexe Hybriden (engl.)

farbenfrohe Bilder einiger komplex Hybriden von "Graham" hier und hier

Beste Grüße Christian

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Dieter

Nach dieser schönen Beschreibung von Christian möchte ich noch ergänzen, dass die Ergebnisse durchaus sehr interessant sein können. Bei einigen meiner Kreuzungen sehen die Pflanzen und Blüten weitgehend sehr ähnlich aus, bei anderen können auch sehr starke Unterschiede auftreten. Hier ist ein aktuelles Beispiel für den letzteren Fall:

 

P_agnataxANPAC_flowers.jpg

 

P_agnataxANPAC_plants.jpg

Die gezeigten Pflanzen sind jetzt 1-1.5 Jahre alt. Wenn es gut läuft (d.h. die Bedingungen stimmen), kommen die ersten Blüten innerhalb der ersten 6 Monate nach der Aussaat bei einigen dieser Hybriden. Man kann dadurch recht schnell erkennen, ob das Ergebnis schön aussieht oder eben nicht.

Viele Grüße
Dieter

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