mjom_mjom Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 Moin, mir kam vor ein paar Tagen die Idee, ob man Pflanzen nicht durchgehend beleuchten könnte. Pflanzen wachsen ja bekanntlich nicht, wenn sie im Dunkeln stehen, das könnte man theoretisch mit durchgehender Beleuchtung umgehen und die Pflanze würde dann auch nachts wachsen. Soviel zur Theorie. Ich habe eigentlich nicht vor, es zu machen, da es gegen die Natur ist und die Stromkosten..... aber mich interessiert, ob jemand da schon Erfahrungen mit gemacht hat und ob das überhaupt möglich ist. Brauchen Pflanzen genauso wie wir eine Ruhepause zum ''schlafen'' ? Bitte keine Antworten 'nein das geht nicht' Bitte fundierte Erklärungen. MfG mjom
Chrisch Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 (edited) Die pflanzen brauchen die dunkelphase da laufen irgendwelche regenerationsprozesse du kannst aber den tag nachtzyklus verkürzen dan wachsen sie schneller http://jgp.rupress.org/cgi/reprint/15/4/391.pdf Edited September 18, 2009 by Guest
jusch Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 Pflanzen wachsen ja bekanntlich nicht, wenn sie im Dunkeln stehen, ... ... weiß doch jeder Spargelbauer. Spargelstangen wachsen nicht im Dunkeln, die sind stattdessen schon tief in der Erde vorhanden und es sind die Maulwürfe, die den Spargel im Frühjahr hochschieben, damit er geerntet werden kann!
Stefan H. Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 (edited) Hallo mjom Ich hatte das schon einmal 3 Wochen lang gemacht, aber eher unfreiwillig. Am Tag, als wir in den Urlaub gefahren sind musste ich nochmals an der Zeitschaltuhr rumspielen und habe wohl einen Knopf ausversehen falsch gedrückt, Ergenis: 3 Wochen lange 24h Dauerbeleuchtung. Nicht nur das Sphagnum hatte offensichtlich ein Problem damit, sondern auch viele Pflanzen im Terrarium. Ich hatte das Gefühl, das alle Pflanzen dann irgendwann fast garnicht mehr gewachsen sind. Eine Utricularia ist eingegangen, alle anderen sahen schlecht aus (gelbe Blätter), die eine Heliamphora damals sah auch alles andere als gut aus, ebenso die Nepenthes. Drosera adelae war auch dem Untergang geweiht, hat sich aber wieder erholt. Wie gesgat, größeren Pflanzenverlust gab es kaum aber alle Pflanzen sahen nach den 3 Wochen schlecht aus. Das ist sichr nicht nur auf das Licht zurück zu führen. Am Tage betreiben Pflanzen Photosynthese, Nachts Zellatmung. Für Photosynthese wird Kohlenstoffdioxid gebraucht, aber dessen Konzentration im Terrarium wird in den 3 Wochen ziemlich abgenommen haben denke ich. Und ob Zellatmung für Pflanzen unbedingt erforderlich ist, weis ich nicht, kann ich mir aber vorstellen. Ob sie das dann noch betreiben, obwohl die Lampen nicht wie gewohnt ausgehen, weis ich leider auch nicht, würde es aber eher ausschließen. Grüße Stefan @ jusch: Du kennst dich wohl mit Spargelanbau nicht ganz aus, ich helfe dir mal ein wenig auf die Sprünge: Die Stangen werden doch unterirdisch beleuchtet! Daher sind es ganz sicher nicht die Maulwürfe, die die Stangen hochschieben, da diese ja lichtscheu sind.:-D Edited September 18, 2009 by Guest
mjom_mjom Posted September 18, 2009 Author Posted September 18, 2009 Das, was wir als Spargel bezeichnen, sind die Unterirdischen Triebe. Die oberirdische Pflanze wächst auch nur, wenn es hell ist. Sonst würde ja eine Eichel nie anfangen zu treiben, wenn sie nicht in der Lage wäre, ohne licht bis zur Oberfläsche vorzustoßen... Danke Stefan für deinen Bericht. WEiß jemand, was genau da passiert, dass Pflanzen diese Pause brauchen ??
Eike Matthias Wacker Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 (edited) Arghh... das hatte ich letztes Jahr, vll. find ich noch ne Antwort in meinem Bioordner... So so... okay, also: Am Tag produziert das kleine Gewächs ja Zucker bzw. Kohlenhydrate in Verbindung zwischen Licht, Wasser und CO2. Licht bekommt sie bei einem 24h-Sonnentag ja genügend, doch eigentlich braucht die Pflanze auch eine Nacht. In dieser Zeit befördert sie den Zucker an die Orte, an die sie gebraucht, bzw. gespeichert werden, z.B. neuen Trieb, Wurzeln, Rhizome usw... In den Morgenstunden (auch abends) bindet sie CO2, durch das Öffnen von ihren Spaltöffnungen (meist) auf der Unterseite der Blätter, am Tag sind diese geschlossen, damit nur eine minimale Verdunstung gewährleistet ist (wäre sonst ja doof ;-)). Passiert das nicht, tja dann werden alle CO2-Voräte verbraucht, die Vakuolen füllen sich mit Zucker bis zur "Decke" und irgendwie kommt kaum noch was in Gange. Ich hoffe, das war jetzt nicht allzu falsch und nicht allzu kompliziert. Edited September 18, 2009 by Guest
Michi Zehnder Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 Hallo Ah Eike, ich sehe du hast gut aufgepasst.:-D So ähnlich habe ich das auch mal gelernt. Ich habe auch noch eine ähnliche Frage an alle die ein Terrarium besitzen. Hat irgendwer schon versucht das Licht in der Nacht anstatt am Tag brennen zu lassen und so Tag zu Nacht und Nacht zu Tag werden zu lassen? Ich könnte mir auch ein Mittelmass vorstellen. Ab 11 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends beleuchten oder so. In der Nacht ist bei uns der Strom nicht mal halb so teuer. Ich habe schon ein paar erfahrene Halter angefragt. Sie meinen, das sollte schon möglich sein, es wirkt einfach unnatürlich und es soll schon ganz dunkel sein am Tag (Wenn im Terrarium Nacht wäre, verstanden?;-)), sonst führt das zu Stress oder wie Stefan erwähnt hat zum Wachstumsstopp. Kann mir sonst noch jemand weiterhelfen? Viele Grüsse Michi
Eike Matthias Wacker Posted September 18, 2009 Posted September 18, 2009 Solange es einen "normalen" (also ein paar Stunden Nacht, ein paar Tag) Tag-Nacht-Wechsel gibt, sollte es keine Wachstumseinbußen nach einer Eingewöhnung geben. Wirkt nur doof, wenn du bei genügend Beleuchtung noch die halbe Straße beleuchtest. ;-)
Torsten T. Posted September 19, 2009 Posted September 19, 2009 (edited) *Klugscheiß-Modus-an* @mjom-mjom: Genau deine Frage hatten Pflanzenphysiologen sich vor vielen Jahren auch gestellt. Deren Ergebnisse entsprachen ziemlich genau denen von Stefan H., sie stellten fest, dass bei Unterschreitung einer Mindestdauer der Dunkelphase das Wachstum extrem stark zurück ging (die Gründe habe ich allerdings nicht auf dem Schirm, da muss Herr Fleischmann ran). @Stefan H.: Und ob Zellatmung für Pflanzen unbedingt erforderlich ist, weis ich nicht, kann ich mir aber vorstellen. Zellatmung findet bei den Pflanzen theoretisch rund um die Uhr statt. Sie tritt tagsüber nur deutlich hinter die FS zurück. Zellen von Pflanzen und Tieren regulieren den Zuckerabbau (Glykolyse->Zitratzyklus->Atmungskette) über das Produkt ATP (Energieträger), welches einen frühen Schritt der Glykolyse hemmt. Ist der ATP-Pegel in der Zelle hoch, dann hemmt ATP seine eigene Produktion über die Zellatmung in dem es ein frühes Enzym hemmt und die weiteren Schritte kurz darauf durch "Materialmangel" nicht mehr ablaufen können. Sinkt der Pegel ab, so sind immer weniger Enzyme durch das ATP gehemmt und die Produktion/der KH-Abbau läuft wieder an. Tagsüber produziert die FS zusätzlich ATP, die KH-Synthese verbraucht welches, lustig komplizierte Geschichte, der Stoffwechsel. Der KH-Abbau in Pflanzenzellen ist also indirekt in hohem Maße abhängig von der Lichtintensität und den daraus resultierenden Mengen des produzierten ATPs. Nachts findet daher logischer Weise nur KH-Abbau zwecks Energiegewinnung (Abbau anderer Speicherstoffe vernachlässige ich einfach) statt. @Eike M. Wacker In den Morgenstunden (auch abends) bindet sie CO2, durch das Öffnen von ihren Spaltöffnungen (meist) auf der Unterseite der Blätter, am Tag sind diese geschlossen, damit nur eine minimale Verdunstung gewährleistet ist (wäre sonst ja doof Wink). Die zeitliche Beschränkung des Gasaustausches gilt, wenn ich mich recht entsinne, nicht für alle Pflanzen. Bei uns haben die Pflanzen zumeist kein Problem damit ihren Wasserbedarf aufgrund der Transpiration auch in der Mittagszeit zu decken. Sie öffnen die Spaltöffnungen i.d.R. nach Bedarf. Mittäglich geschlossene Spaltöffnungen (bei ausreichend verfügbarem Wasser) würden die Pflanzen von einem wichtigen Rohstoff abschneiden und das in der Zeit mit der höchsten Lichtverfügbarkeit. Die aus wärmeren + trockeneren Regionen stammenden C4- und CAM-Pflanzen öffnen nur morgends/abends bzw. in der Nacht die Spaltöffnungen. Das spart Wasser, bringt aber evtl. eine Unterversorgung mit CO2 mit sich (immer geringerer CO2-Gehalt in den fs-aktiven Organen mit zunehmender Aktivitätsdauer). Daher haben diese Stoffwechselwege unter dauerhaft feuchten Bedingungen keinen besonderen Vorteil, hier limitieren andere Faktoren das Wachstum. Welchem Stoffwechseltyp unsere Lieblinge zugehörig sind muss wohl Andreas Fleischmann beantworten, da habe ich keine Ahnung. Edited September 19, 2009 by Guest
Stefan H. Posted September 19, 2009 Posted September 19, 2009 Hey Torsten Danke für deine interessanten Ausführungen. Gut zu wissen, wie das so in etwa abläuft. Also lag ich damit nicht ganz falsch, das unsere Pflanzen auch einige Zeit im Dunkel stehen müssen. Daran haben sie sich ja schließlich über zig Jahre angepasst. Wenn ich das also richtig verstehe, kann die Pflanze irgendwann die Photosynthese nicht mehr richtig ausführen, wenn man sie dauerhaft beleuchtet, weil einfach gewisse erforderliche Stoffe (z.B. Kohlenstoffdioxid) fehlen. Grüße Stefan
Torsten T. Posted September 19, 2009 Posted September 19, 2009 Hi, da gehen zwei Sachen durcheinander. Das mit dem Fehlen bestimmter Stoffe (CO2) bezog sich ausschließlich auf Eikes Aussage mit dem Schließen der Spaltzellen. Warum die Pflanzen nach längerer Zeit der Dauerbeleuchtung schlechter wachsen oder gar kümmern, ist mir nicht genau bekannt. Vielleicht "verschleißen" die beteiligten Moleküle unter "Dauerlast" schneller als sie ersetzt werden können, aber das ist wild ins Blaue geraten.
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