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Kulturbedingungen Drosera acaulis


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Hallo,

ich bin auf die Drosera acaulis gestoßen. Leider finde ich zu der D. acaulis so gut wie keine Informationen.

Es gibt zwar sogar einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel, aus dem ich aber nicht auf die Kulturbedingungen schließen kann.

Kann mir jemand etwas zu den Kulturbedingungen sagen?

In der Suche konnte ich nur finden, dass die Pflanze eine Sommer- und Winterruhe macht.

Schöne Grüße

Andy

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Leider finde ich zu der D. acaulis so gut wie keine Informationen.

Es gibt zwar sogar einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel, aus dem ich aber nicht auf die Kulturbedingungen schließen kann.

Kann mir jemand etwas zu den Kulturbedingungen sagen?

Die spärlichen Internetinfos deuten darauf hin, daß die Pflanze in Kultur extrem selten sein dürfte. Wenn sie hier jemand hat, dann vermutlich Christian D., der auch kompliziertere Droseraarten hält. Vielleicht schreibt er ja was dazu.

Mit Kulturbedingungen = Naturstandortbedingungen dürfte man aber wohl nicht so falsch liegen.

Die Naturstandortbedingungen kann man sich mit dem Wikipedia-Artikel, einer Klimatabelle, Touristen-Infos und etwas meteorologischem Grundwissen ganz gut erschließen. Ungefähr jedenfalls.

Aus dem Wikipedia-Artikel ziehe ich die Info:

> Die Art findet sich in Südafrikas Kapregion ausschließlich im Gebiet auf und um den

> Matroosberg in Höhenlagen von über 1.800 Metern an feuchten Standorten.

Aus einem Touristeninfo-Portal ziehe ich die Info: Ca. 320 Sonnentage pro Jahr in Kapstadt.

Eine Klimatabelle der Gegend finde ich unter http://www.wwis.dwd.de/035/c00138.htm (unten auf der Seite).

Nun der schwierigste Teil: Die Temperatur nimmt mit der Höhe ab. Auf dem unbewohnten Berg gibt es keine Wetterstation. Daher muß abgeschätzt werden, um wieviel die Temperatur auf 1800m Höhe niedriger liegt als an der Wetterstation nahe Meereshöhe.

Für die Standardatmosphäre in unseren Breiten rechnet man mit -0,65 K pro 100 Meter, aber das ist für warme Gegenden mit feuchter Luft zu viel. In der Vorlesung http://www.uni-giessen.de/~gg1057/ws01_02/gebirge/09_11/09_11txt.htm über das vertikale Klima in Hochgebirgen fand ich Werte zwischen -0.35 (Winter) und -0.5 (Sommer) für den Temperaturgradienten. Besonders ausgeprägte Sommer/Winter-Unterschiede der Temperaturen gibt es am Kap nicht, daher setze ich einfach mal den Mittelwert von -0.425 K an, also auf 1800 m = -18*0.425 = (rund) -7.7 Grad.

Also mal die Klimatabelle genommen und überall die Temperaturkorrektur von -7.7°C eingerechnet (Fleißaufgabe) in die durchschnittlichen täglichen Tiefst- und Höchsttemperaturen:

Januar 8.0 / 18.4

Februar 7.9 / 18.8

März 6.5 / 17.7

April 4.2 / 16.3

Mai 1.7 / 12.6

Juni 0.1 / 10.4

Juli -0.7 / 9.8

August -0.2 / 10.1

September 1.0 / 11.5

Oktober 2.9 / 13.6

November 5.5 / 15.8

Dezember 7.2 / 17.2

Das ganze bei 320 Sonnentagen im Jahr und UV-Strahlung hoch wie auf 1800 m über Seehöhe.

Was auffällt: Die Schwankungen der Temperatur im Laufe der Jahreszeiten sind geringer als die Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Tages.

Der von mir rein über frei zugängliche Internet-Infos ermittelte Kulturvorschlag wäre daher:

Im Winter durchschnittlich ein knappes Grad Minus nachts und tagsüber 10-12°C.

Im Sommer leichte Plusgrade nachts und tagsüber bis knappe 20°C.

Dabei an 85% aller Tage: volle Sonne und viel UV.

Da es sich um über 30 Jahre gemittelte Monats-Durchschnittswerte handelt, sind Abweichungen möglich. Aber die tatsächlichen täglichen Abweichungen vom Monats-Klimamittel dürften in einer Gegend mit statistischen 320 Sonnentagen deutlich geringer sein als in Deutschland, wo bei viel weniger Sonnentagen auch mal längere Phasen mit ständiger Bewölkung und langanhaltende Sonnenphasen auftreten können, was zu stärkeren Abweichungen von den Klimamittelwerten führt.

Also das ist das, was ich aus dem Wikipedia-Beitrag und einer Klimatabelle aus der Gegend herauslesen kann. Vielleicht hilft's Dir ja bei der Abschätzung, ob Du (ungefähr) solche Bedingungen bereitstellen kannst (falls Dir hier niemand von erfolgreich praktizierten Kulturbedingungen berichten kann).

Christian Dietz
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Hallo,

nein, Drosera acaulis habe ich nicht. Die Pflanze ist wohl (so gut wie) nicht in Kultur und dürfte auch nicht aufzutreiben sein.

Der Matroosberg ist übrigens ein südafrikanisches Skigebiet! Dort schneit es im Winter regelmäßig. Auf diesem Berg gibt es eine D. capensis-Form, die sich auf diese Bedingungen eingestellt hat, indem sie im Winter eine Art Hibernakel bildet! Die Pflanzen sehen dann wie tot aus, bevor sie im Frühjahr wieder austreiben.

Wir waren während unserer Südafrika-Tour nie auf 1800 Metern. Vermutlich ist es dort im Winter saukalt und ich würde auf jeden Fall auch mit Frost rechnen. Unter welchen Umständen und an welchen Stellen man D. acaulis finden kann, weiss ich leider gar nicht.

Christian

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nein, Drosera acaulis habe ich nicht. Die Pflanze ist wohl (so gut wie) nicht in Kultur und dürfte auch nicht aufzutreiben sein.

Drosera pauciflora wäre wohl vom Aussehen her eine Alternative zu D. acaulis (und von den Kulturbedingungen her auch schon anspruchsvoll genug)? Die würde man bei Interesse jedenfalls wohl aus Invitro-Vermehrung oder als Samen besorgen können.

Der Matroosberg ist übrigens ein südafrikanisches Skigebiet! Dort schneit es im Winter regelmäßig.

An welchen Stellen genau D. acaulis wächst, steht allerdings nicht veröffentlicht: Ist es an den von der Sonne weg geneigten Hängen, an denen gefallener Schnee auch mal längere Zeit liebenbleibt? Ist es an den der Sonne zugeneigten Hängen, an denen der Schnee innerhalb weniger Stunden am folgenden Tag wegschmilzt? Oder vielleicht gar unterhalb der Schneezone, wo Schmelzwasser für einen ständigen Feuchtigkeitsnachschub sorgt? Man weiß es nicht genau.

Hat überhaupt irgendjemand in den letzten Jahren D. acaulis am Matroosberg gesehen? Oder ist das vielleicht sogar eine Art, die nur noch als getrocknete Exemplare in Herbarien vorkommt?

Auf diesem Berg gibt es eine D. capensis-Form, die sich auf diese Bedingungen eingestellt hat, indem sie im Winter eine Art Hibernakel bildet! Die Pflanzen sehen dann wie tot aus, bevor sie im Frühjahr wieder austreiben.

Irgendwann wolltest Du von den Winterhibernakel bildenden D. capensis auch mal Fotos zeigen.

Posted (edited)

Hallo,

vielen Dank Euch beiden für Eure Antworten.

Mir gings mit meiner Frage in erster Linie auch nicht darum die D. acaulis zu kultivieren, sondern ich habe mich für die Pflanze an sich interessiert. Ich möchte in diesem Jahr meine Drosera-Sammlung erweitern und zwar um südafrikanische Arten. Daher informiere ich mich zur Zeit über sämtliche afrikanischen Arten. Dabei bin ich auf die D. acaulis gestoßen und habe gelesen, dass sie wohl eine Sommer- und Winterruhe macht. Das fand ich einwenig verblüffend und daher interessiert es mich, wie es sich bei dieser Pflanze genau verhält. Leider sind jedoch über diese Pflanze sehr wenig Informationen zu finden.

Auf die Naturbedingungen über "Hochrechnungen" zu schließen, halte ich aber nicht für sehr sicher, da es zu viele umbekannte Faktoren gibt, die Einfluss haben könnten.

Schöne Grüße

Andy

Edited by Andy Böhnke

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