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Drosera anglica aus Hawaii


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Kevin Tonnerre
Posted

Ich muss zugeben, ich bin doch sehr Pinguicula vernarrt und intressiere mich besonders für Evolution, Verwandschaftsgrade, Vorkommen etc. ich habe mich deshalb auch nicht wahnsinnig mit Drosera-Literatur auseinandergesetzt.

Wie ich das verstehe scheint die Gattung Drosera aber älter zu sein als die Gattung Pinguicula z.B. wenn man die Verbreitung anschaut (Endemiten in Neuseeland zum Beispiel). Doch ich habe mich gefragt ob es sich bei der Drosera anglica Population die in den Sümpfen auf Kauai vorkommt, um eine natürliche Population handelt und wenn ob es sich wirklich um Drosera anglica handelt.

Weil zusammengefasst kann gesagt werden, dass Drosera anglica höchstwahrscheinlich hybridogenen Ursprungs ist (Drosera rotundifolia und Drosera linearis), also auf der nördlichen Hemisphäre entstand bevor sie sich dann (erfolgreicher als ihre Eltern Drosera linearis) noch weiter verbreitete. Auf Hawaii sind aber weder Drosera linearis noch Drosera rotundifolia Populationen, mal abgesehen davon dass die Insel ja irgendwo im "nowhere" ist...

Und dann kommt das "Verhalten" der Pflanze, z.B. nicht winterhart zu sein.

Ich frage mich deshalb wurden die Pflanzen eingeschleppt (eventuell aus Richtung Japan) oder handelt es sich um eine eher schlecht untersuchte neue Drosera Art? Vielleicht wisst ihr ja mehr, ich hatte dieses mal beim googeln wohl nicht die richtigen Suchbegriffe.

Kevin Tonnerre
Posted

Dass das anpassungsmässig nicht so ein Problem darstellt glaube ich gern, gerade wegen des hybridogenen Ursprungs. Das zeigt auch die weite Verbreitung in der nördlichen Hemisphäre und die hohe Anpassungsfähig in Bezug auf Substrat (manche Pflanzen wachsen auf alkalischen Böden, man redet da vielleicht sogar von Varietäten).

Was mich vor allem stutzig macht ist die Distanz.

Ich habe da keine genauen Zeitangaben aber ich würde sagen das Festland war nie gross mit Hawaii in Berührung. Hawaii entstand aus Hot Spots und ist vulkanischen Ursprungs. Flora und Fauna auf Hawaii beherbergen daher auch eine grosse Anzahl an Endemiten die wahrscheinlich durch Wind, Tiere, Wasser etc. verschleppt wurden.

Bei Drosera anglica kann ich mir nicht vorstellen, dass dies auf natürlichem Wege passierte, aber naja.

Mal schauen was sonst so für Meinungen zusammenkommen.

Andreas Fleischmann
Posted

Hallo,

Ja, bei den beiden bekannten Populationen von D. anglica auf Hawaii handelt es sich tatsächlich um D. anglica. Es gibt bei vielen Pflanzen immer wieder "Ausreißer" aus dem eigentlichen Verbreitungsareal, die durch Fernverbreitungsereignisse (sog. "Long-Distance-Dispersal") recht entlegene Winkel besiedeln. Dies geschieht bei Inseln (wie Hawaii) meist durch Verschleppung von Samen durch Vögel, Wind oder Meeresströmungen. Gerade bei Pflanzen von Sphagnumflächen ist die Fernverbreitung auf oft recht entlegene tropische Gebrigszüge schon recht lange bekannt, teilweise von den unterschiedlichsten Familien. So etwa auch Drosera rotundifolia auf Papua Neuguinea, hunderte von Kilometern entfernt von den nähesten Populationen in Japan! Allerdings haben es auch ganz andere, typisch alpine Elemente (aus Eurasien!) auf die Gebirgszüge Neuguineas geschafft! Einige bekannte europäische Alpenpflanzen haben im Laufe der Zeit und in mehreren Besiedelungswellen (Millionen von Jahren!) sogar die Hochflächen des tropischen Afrikas erreicht (und werden z.B. in Ruanda und Uganda z.B. von den Berggorillas gefressen ;)).

Die Populationen von D. anglica aus Hawaii stammen höchstwahrscheinlich aus den USA, jedenfalls haben sie die größte genetische Übereinstimmung mit Populationen der US-Westküste.

Warum bestimmte Arten solche Fernverbreitung zeigen, und andere nicht, und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, ist auch unter den Wissenschaftlern nicht bekannt. Dafür sind diese Verbreitungsereignisse viel zu zufällig, und die betreffenden Arten zu unterschiedlich. Wir sprechen hier nämlich nicht von Generalisten ("Unkräutern"), die überall im passenden Habitat gedeihen könnten.

Alles Gute,

Andreas

Kevin Tonnerre
Posted

Vielen Dank Andreas, für die intressante Aufklärung.

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