helmutpre Posted February 12, 2010 Posted February 12, 2010 Gestern (Donnerstag den 11.02.2010), startete eine Trägerrakete mit dem Satelliten Solar Dynamics Observatory ("SDO"). Dieser Satellit soll die nächsten Jahre- wie der Name bereits verrät- dynamische Prozesse der Sonne erforschen und für geradezu gigantische Datenmengen sorgen. Bis ein solcher Satellit in seiner geplanten Umlaufbahn geparkt ist und er erste Informationen liefert, vergehen normalerweise einige Tage. Doch bereits beim Flug der Rakete durch die unteren Atmosphärenschichten ereignete sich eine echte Sensation, mit der sicherlich niemand gerechnet hatte: Die Rakete kreuzte eine Cirruswolke, die aufgrund günstiger Winkelverhältnisse zwischen Sonne, Wolke und Beobachter eine farbige Streulichterscheinung verursachte. Diese Art von Halos wird als Nebensonne (englisch: Sundog) bezeichnet. Sie treten vergleichsweise häufig auf, meist bei tiefstehender Sonne etwa 22 Grad links und rechts von ihr. Solche Cirruswolken sind besonders haloträchtig, da sie von Eiskristallen gebildet werden. Der farbige Eindruck entsteht dabei durch Lichtbrechung, ähnlich wie bei Regenbögen. Abgesehen von diesen 22 Grad- Winkelverhältnissen müssen die sechseckigen, plättchenförmigen Eiskristalle, welche die Haloart "Nebensonne" hervorrufen, "gemütlich" absinken, d.h. mit einer der flachen Seitenflächen nach unten zeigen, um eine Nebensonne hervorzurufen. Nun kann man sich gut vorstellen, was passiert, wenn eine solche Rakete durch eine Wolke aus solchen Eiskritallen fliegt. Intensive Schallwellen breiten sich um die Raktete herum aus und wirbeln die Kristalle ordentlich durcheinander. Dadurch wird die empfindliche Voraussetzung für die Ausbildung solcher Halos zerstört, das Halo verschwindet. Dabei lässt sich ein Streifenmuster, die so genannten "moving ripples", beobachten, die schnell durch das Halo hindurchwandern. Während Nebensonnen noch einigermäßen häufig beobachtet werden können, sind die "moving ripples" extrem selten. Man kann den Halos Jahrzehnte lang nachstellen, ohne dieses spezielle Phänomen einmal zu Gesicht zu bekommen. Photos davon gibt es nur wenige und, soweit ich informiert bin, allesamt in grausamer Qualität. Ein Video von moving riples? Davon konnte man natürlich nur träumen. Und nun ist es passiert, die Bedingungen stimmten, und ein 13 jähriges Mädchen war zur rechten Zeit am rechten Ort und war zu allem Überfluss auch noch mit einer Kamera bewaffnet- motiviert wohl nur durch den Raketenstart. Soweit ich weiß, stellt die entstandene Aufnahme eine echte Weltpremiere dar und kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden- eine echte Sensation, ein Hammer, der Wahnsinn schlechthin!! Wenn bei uns dann irgendwann mal das Winterschmuddlwetter verschwindet und sich Sonne und Halos zeigen, werde ich natürlich ebenfalls wieder auf Halos lauern. Hier starten zwar keine Raketen, hoch fliegende Düsenflugzeuge stehen aber ebenfalls im Verdacht, gelegentlich moving ripples auszulösen, und man kann ja nicht nur Pech haben, oder ? Ok, nach so viel Text möchte ich Euch das Video natürlich nicht vorenthalten, viel Spaß beim Ansehen!!! (Einfach den link anklicken, dann auf das Halobild klicken, um den download zu starten..) http://www.spaceweather.com/archive.php?view=1&day=11&month=02&year=2010 Viele Grüße Helmut
Eike Matthias Wacker Posted February 12, 2010 Posted February 12, 2010 Hatte zwar ein paar Schwierigkeiten das Video anzuschauen, aber es sieht wirklich sehr beeindruckend aus! Als ob man nen Regentropfengrafikeffekt auf die Rakete gelegt hätte! :-)
Bruckwirt-Berni Posted March 17, 2010 Posted March 17, 2010 Hier ist noch ein Video vom gleichen Raketenstart:
helmutpre Posted March 24, 2010 Author Posted March 24, 2010 Hallo, das Video ist ja noch heftiger als das erste! Vielen Dank für den Hinweis !!! Viele Grüße Helmut
helmutpre Posted May 16, 2010 Author Posted May 16, 2010 Hinsichtlich "moving ripples" muss ich schon wieder nerven, es sind nämlich neue Videos aufgetaucht. Diesmal wurden die Ripples durch explosive Ausbrüche des inzwischen berühmten Vulkans Eyjafjallajökull (gut, das ich das nicht aussprechen muss) verursacht. Hier ein paar Links dazu: Viel Spass beim Ansehen! Gruss Helmut
Piesl Posted May 17, 2010 Posted May 17, 2010 Helmut, das einzige was daran nervt ist die Tatsache, dass man es immer nur am PC sieht. Absolut phantastisch sind ja die Luftaufnahmen. Da hat man fast schon das Gefühl, dass gleich der Bildschirm anfängt zu wackeln. Du darfst meinetwegen mit deiner Spürnase sehr gerne "weiternerven"! :thumbsup:
Michi Zehnder Posted May 18, 2010 Posted May 18, 2010 Hallo Helmut, Die Videos sind ja ganz schön faszinierend. Aber wie entstehen moving ripples beim Eyjafyalla? Im Rauch hat es ja keine sechseckigen Eiskristalle, die das Sonenlicht reflektieren und langsam absinken, so wie du es im Startpost erwähnt hast. Das ist echt krass! Viele Grüsse Michi
helmutpre Posted May 18, 2010 Author Posted May 18, 2010 Hallo Michi, ja, Du hast völlig Recht, Eiskristalle erklären die Wellen diesmal nicht. Meine Theorie dazu: Die Wolken werden sich wohl eher aus feinsten Wassertröpfchen zusammensetzen, vielleicht noch mit Anteilen an Schwefel, CO2 usw. Wenn nun eine Druckwelle durch eine Wolke fegt, findet am Ort eines solchen Tröpfchens eine kurze Verdichtung- und damit eine Temperaturerhöhung statt. Das thermodynamische Gleichgewicht wird sich dann zugunsten der Dampfphase verschieben- m.a.W., das Tröpfen verdampft. Bei der nachfolgenden Dekompression kehrt sich das ganze wieder um. Die Verdichtungszonen, die sich mit Schallgeschwindigkeit ausdehnen, werden somit durch eine kurzfristige Abnahme der Tröpfchendichte bzw. deren Größe sichtbar. Eine bessere Erklärung hab´ ich leider z.Z. auch nicht anzubieten, vielleicht sind da ja noch andere Phänomene im Spiel ?? Viele Grüße Helmut
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