Jump to content

Aquatische Utricularien


Recommended Posts

Markus alias Drosophyllumfan
Posted

Hallo!

Ich habe ein bisschen im Forum herumgestöbert und versucht, mich über die Aquaten unter den Utricularien schlau zu machen.

Dummerweise habe ich entweder nicht gefunden, was ich gesucht habe, oder es sind genau gegenteilige Antworten gekommen...

Es geht insbesondere um Utricularia vulgaris und U. gibba.

Für Erstere könnte ich Kuhwannen anbieten, die ich im letzten Sommer mit Regenwasser gespeist habe und in denen sich schon ein kleines Ökosystem aus Wasserflöhen, Hüpferlingen, einigen räuberischen Insekten, Blasenschnecken, Schlammschnecken und wahrscheinlich auch einer Menge Bakterien und Algen gebildet hat, bei Regen würde automatisch Wasser zulaufen und wenn die Behälter (drei Kuhwannen, im Schnitt 3000 Liter) voll sind, würde wasser über einen Überlauf abgeführt.

Nur Schilfpflanzen o.ä. habe ich darin keine, da der Bodengrund nur aus Pflanzenresten besteht und die Wannen über einen Meter hoch sind...

Das Wasser müsste ziemlich rein sein (Wasserflöhe, Wasserasseln und Konsorten fühlen sich wohl) und wegen des Regenwassers auch leicht sauer.

Sind das gute Bedingungen für Utricularia vulgaris?

Gibt es noch etwas zu beachten?

Könntet ihr von euren Erfahrungen berichten?

Utricularia gibba könnte ich ein kleines Aquarium (fünf bis zehn Liter) zur Verfügung stellen mit Torfbodengrund und zeitweilen auch CO2-Düngung durch die Abluft meiner Heimbrauerei.

Brauche ich noch Schnecken, Garnelen gegen die Algen? Wenn ja, welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Im Forum habe ich gelesen, dass ein torfgefärbtes Wasser (das gelb-orangene, das man auch nach Jahren ohne Chemie nicht rausbekommt) ein guter Schutz gegen Algen ist, da diese bestimmtes Licht benötigen und so kaum wachsen können (ich kann das insofern bestätigen, als dass ein anderes Becken keine Algen hat, das ähnliche Farbe aufweist, nur an den Gläsern bilden sich einige wenige), ist das erstens richtig und zweitens verträgt U. gibba diese Färbung?

Zudem wurde im Forum über die Fütterung zweierlei gesagt:

1. dass man die Pflanzen füttern muss, da sie sonst kümmerlich wachsen und keine Fallen mehr bilden,

2. dass man sie nicht füttern muss, da sie Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen

-was ist nun richtig?

Hat vielleicht auch jemand Erfahrung bei der Zucht von Futtertieren wie dem japanischen Wasserfloh?

Wäre nett, wenn jemand seine Erfahrungen und sein Wissen kundtun könnte, danke!

Posted (edited)

Hallo Markus,

da hast Du Dir die zwei einfachsten aquatischen Utricularien ausgesucht, aber für den Anfang sind diese beiden Arten geradezu ideal. Ich denke, Du machst Dir über die Haltung dieser beiden Arten viel zu viel Gedanken.

Zur U. vulgaris: Deine Becken und deren Einrichtung erscheinen mir für U. vulgaris geradezu ideal. Diese Art braucht relativ große Becken, um gut gedeihen zu können. Lebendfutter ist drin, da erscheint mir alles super. Schilfpflanzen oder gar Schnecken brauchst Du nicht einsetzen, das müsste Deiner Schilderung nach von alleine laufen.

Da U. vulgaris eine auch bei uns heimische Pflanze ist, kann diese ganzjährig im Freien verbleiben, also auch über den Winter. Hier solltest Du darauf achten, dass bei Frost Deine Becken nicht platzen, das passiert jedenfalls mir fast regelmäßig bei strengerem Frostwetter. Ausserdem solltest Du im Sommer darauf achten, dass das Becken nicht über den gesamten Tag in der Sonne, sondern eher etwas abgeschattet (z.B. im Halbschatten von Bäumen, Oleander etc.) steht. Bei zu viel Sonne heizen sich insbesondere kleinere Becken rasch bis über 50 Grad auf, und dann wird die Utricularia regelrecht totgekocht und stirbt innerhalb kurzer Zeit ab.

Zur U. gibba: Diese Pflanze wächst unter halbwegs warmen Bedingungen von alleine, da brauchst Du kein 10-Liter-Becken dafür, das ist reine Platzverschwendung. Ich kultiviere meine U. gibba seit Jahren mit Erfolg in einem Glas einer bekannten Honigmarke mit vielleicht 300 ml Wasser, etwas Torf und Quarzsand auf dem Glasboden. Lebendfutter oder Düngung bekommt U. gibba nicht, als Wasser verwende ich Regenwasser, das ja automatisch schon Spuren von Dünger enthaelt. Das Glas steht unter Kunstlicht bei ca. 13 h Photoperiode und bei Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad. Die Pflanze wächst im Sommer auch gut im Freien und entwickelt sich dort zu einem Unkraut, einer regelrechen "aquatischen subulata", die auch in wassergefüllten Wannen anderer Pflanzen prächtig gedeiht und jedes Aquarium verseucht, in das auch nur wenige lebensfähige Zellen von U. gibba gelangen.

Laut Taylor soll es von dieser Pflanze auch frost- und winterharte Klone geben (das Verbreitungsgebiet reicht in Nordamerika weit bis nach Kanada hinein), meine Pflanzen überstehen jedoch ein Einfrieren nicht. Ob ein frostresistenter Klon überhaupt in Kultur ist, ist mir nicht bekannt.

Auf Düngung würde ich bei beiden Arten verzichten, da die Düngung das Algenwachstum anregt und die Utricularien schnell überwuchert werden können, vor allem jetzt im Frühjahr, wenn die Temperatur für ein starkes Wachstum der Utricularien noch nicht hoch genug ist, aber durch die rasch zunehmende Sonneneinstrahlung und -intensität viel Licht zur Verfügung steht.

Viel Erfolg bei der Kultur !

Claus-Jürgen

Edited by CJ-Lenz
Markus alias Drosophyllumfan
Posted

Vielen Dank Claus-Jürgen für deine Antworten!

Ich habe diese beiden Arten gerade wegen ihrer Einfachheit gewählt, da ich zwar mit terrestrischen Pflanzen gute Erfahrungen gemacht habe (Utricularia ist in vielen Becken geradezu unkrautartig gewuchert), aber eben noch keine mit Aquaten...

Die Kuhbütten wären ca einen Meter hoch, das müsste für U. vulgaris doch noch gehen (Schilf kann da wohl nicht wachsen, da der "Bodengrund" nur 10-20cm hoch ist und auch nicht sehr breit), aber wie sieht es mit den Turionen aus, überleben die auch einen Winter in diesem Bodengrund, der aus absterbenden Pflanzenresten besteht?

Durchfrieren tun die Becken nicht, sie sind isoliert und die schiere Wassermenge gibt auch eine ganze Zeit lang Gefrierwärme ab, zudem sind die Dinger sehr stabil (müssen sie ja auch sein, sie haben über zwanzig Jahre als Kuhbütten gedient und waren über diese Zeit immer draußen und in aller Regel gefüllt), jedenfalls sind sie noch nie geplatzt, eventuell auch weil sie sich nach oben verjüngen und das Eis beim ausdehnen leicht nach oben gleitet...

Wobei - sorgen steile Wände nicht für relativen Lichtmangel?

Leider stehen die Dinger noch nicht an ihrem Zielort, dafür müsste ich erst einmal einige Hebel in Gang setzen, sie sind aber momentan voll und auch das Ökosystem ist noch drin, das sich den Sommer über entwickelt hat, aber ein Umsetzen müsste U. vulgaris als sehr robuste Pflanze ja verkraften.

Wenn die Anlage fertig ist, soll sie auch mehrere Stufen für das Regenwasser haben, unter anderem eine experimentelle Pflanzenkläranlage, aber leider ist das jetzt noch Zukunftsmusik!

Was U. gibba betrifft, so habe ich das Becken nun schon eingerichtet, weil es so schön die Lücke in einem Regal füllt. ^^

Aber dass die Pflanze auch in Würstchen-, Honig- oder Einmachgläsern wächst, ist gut zu hören, direkt daneben wäre dann nämlich noch eine Experimentelle CO2-Station, da könnte ich ja Teilstücke reingeben!

Mit Düngung meinte ich die CO2-Düngung, CO2 entsteht bei mir als Abfallprodukt der Vergärung und würde sonst in meine Zimmerluft übergehen, da gebe ich es doch lieber meinen Pflanzen ;-) , wobei CO2 im Wasser ja auch zu Kohlensäure werden kann und so den PH niedrig hält, was für U.gibba doch erwünscht ist.

Nährstoffe bekommen die Pflanzen ja auch aus dem Beckengrund und im Regenwasser dürften auch etliche Kleinstlebewesen und andere Nährstoffe enthalten sein, nur stand im Forum an mancher Stelle, dass mand die Pflanzen füttern müsse, da sie sonst kümmern...

Wenn das nicht so ist oder im Wasser genug Nährstoffe und im Regenwasser genug Mikroorganismen leben - um so besser!

Auf jeden Fall danke für deine Antwort!

Posted (edited)

Hallo Markus,

Die Kuhbütten wären ca einen Meter hoch, das müsste für U. vulgaris doch noch gehen (Schilf kann da wohl nicht wachsen, da der "Bodengrund" nur 10-20cm hoch ist und auch nicht sehr breit), aber wie sieht es mit den Turionen aus, überleben die auch einen Winter in diesem Bodengrund, der aus absterbenden Pflanzenresten besteht?

Wobei - sorgen steile Wände nicht für relativen Lichtmangel?

Leider stehen die Dinger noch nicht an ihrem Zielort, dafür müsste ich erst einmal einige Hebel in Gang setzen, sie sind aber momentan voll und auch das Ökosystem ist noch drin, das sich den Sommer über entwickelt hat, aber ein Umsetzen müsste U. vulgaris als sehr robuste Pflanze ja verkraften.

Mit Düngung meinte ich die CO2-Düngung, CO2 entsteht bei mir als Abfallprodukt der Vergärung und würde sonst in meine Zimmerluft übergehen, da gebe ich es doch lieber meinen Pflanzen ;-) , wobei CO2 im Wasser ja auch zu Kohlensäure werden kann und so den PH niedrig hält, was für U.gibba doch erwünscht ist.

Das Überwintern der Turionen am Boden sollte kein Problem sein, auch wenn sich dort abgestorbene Pflanzenteile angesammelt haben bzw. ansammeln. In meinen Freilandaquarien bildet sich über das Jahr am Grund eine etwa 2 cm dicke Schicht aus abgestorbenen Utricularia-Resten, anderen Pflanzenteilen etc. aus, die ich von Zeit zu Zeit entfernen muss, da die Aquarien sich sonst zum Niedermoor entwickeln würden. In der Natur passiert das im übrigen in der gleichen Art. Ich kenne einen Naturteich mit U. vulgaris, der ist halbseitig von Wald umgeben und in der Mitte wachsen Mengen von Seerosen. Im Herbst werden dort die Blätter der Bäume sicherlich kiloweise in den Teich geweht und auch die Seerosen ziehen sich auf den Untergrund zurück.

Apropos Lichtmangel: Am erwähnten Naturteich wachsen die U. vulgaris vorwiegend in Ufernähe, die Lichtverhältnisse sind dort stark unterschiedlich, je nach Exposition des Ufers und des Waldrandes. Das stärkste Wachstum habe ich jedoch an der Stelle beobachtet, an der das Lichtangebot maximal ist. Dort bildeten sich regelreche Matten an U. vulgaris aus und nur dort konnte ich (sehr wenige) Blüten finden. Ein Umzug Deiner Kuhwannen würde ich daher nicht als problematisch ansehen. Im Naturteich werden die Pflanzen durch den Wind ans luvseitige Ufer wie Treibgut verfrachtet, solange die Matte aus U. vulgaris nicht zu dick ist oder die Pflanzen an Schilf oder sonstigen Hindernissen hängenbleiben. Da kann sich der Standort unter Umständen mehrmals am Tag ändern, je nach Windrichtung. Schließlich sind die Pflanzen ja frei flottierend.

Bilder des erwähnten Naturteichs hat übrigens Christian Dietz vor ein paar Jahren hier ins Forum eingestellt, eventuell gibt es auch noch weitere Bilder von Carsten.

Wenn Du die CO2-Düngung schon installiert hast, ist das sicherlich kein Nachteil. Für U. gibba halte ich es für Overkill, es ist schlicht nicht notwendig. Für andere, empfindlichere aquatische Utricularia-Arten oder gar Aldrovanda sieht das dann schon wieder ganz anders aus !

Gruß

Claus-Jürgen

Edited by CJ-Lenz

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now
×
×
  • Create New...

Important Information

We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue. Weitere Informationen finden Sie in unserer Privacy Policy.