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Rhizom schraubt sich aus dem Substrat


Abaddon

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Hallo zusammen,

ich habe heute beim Inspizieren meines Moorkübels eine beunruhigende Entdeckung gemacht.

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Ein ähnliches Bild bietet sich auch bei einer anderen Dionaea im Kübel und den Ablegern, die ich in einem kleineren Topf halte, das Rhizom ist deutlich sichtbar.

Ich vermute mal, das ist eine Reaktion auf die wärmeren Temperaturen der letzten Tage, aber was passiert, wenn es wieder anfängt zu frieren?

Kann bzw sollte ich etwas tun?

Edited by Abaddon
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Hi, würde ich mir nicht allzu große Sorgen machen. Das mir der Reaktion kann sein, evtl. durch Blattbewegungen des Stiels. Drücke einfach etwas Sphagnum vorsichtig um die Zwiebel an und weiter nichts machen. Solltest du keines mehr übrig haben funk mich kurz an, ich schicke dir dann ne Hand voll.

Peter

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Hallo

Das ganze hängt mit der Bewegung der Erde zusammen. Das hört sich komisch an, aber ich kanns erklären. ;)

Als erstes muss man ein paar Sachen feststellen die dazu beitragen, dass soetwas passiert. Also erstes tritt das ganze nur dann auf wenn die Pflanzen dort stehen wo die Erde regelmäßig durchgefriert und taut, also sich zusammenzieht und wieder auftaut und sich mit Wasser aufsaugt.

Desweiteren möchte ich feststellen das die Wurzeln der Dionaea (fast ) keine Verzweigungen haben, also sich nicht richitg in der durchgefrorenen Erde festhalten können.

Und im Winter die Zwiebel der Pflanze sich in die Erde zurückzieht um zu überwintern spielt auch eine Rolle.

Also kurz gesagt die Zwiebel wird duch die Kälte im Winter langsam nach oben gedrückt. Das ist ein ganz normaler Vorgang der in jedem Frühjahr auftritt.

Zugegeben auf dem Bild sieht das ganze etwas extrem aus, aber du kannst sie vorsichtig wieder reindrücken. So mache ich das immer.

Jetzt könnte man noch erwähnen das das ganze in der Natur einen tieferen Sinn hat, da an den Stellen der Zwiebel die rausgucken sich bevorzugt neue Wuchspunkte bilden, es also ein Indikator für die Vermehrung ist.

Ich hoffe das hilft dir ein wenig weiter.

Gruß Thomas

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Danke für die ausführliche Erklärung Thomas.

Dass sich das vorher durchgefrorene Substrat nun mit Wasser vollsaugt und dadurch die Pflanze nach oben drückt, klingt logisch. Bei der Pflanze auf dem Bild kommt wohl noch dazu, dass sie die Frostperiode nicht ganz so gut weggesteckt hat, daher sieht es so extrem aus. Die andere Dionaea ist etwas größer und kräftiger, dort ist der Effekt nicht so stark.

Durch das ganze Tauwasser und die geringe Verdunstung zur Zeit ist das Substrat im Kübel auch überflutet und stark durchnäßt, ein weiterer positiver Effekt des Verhaltens könnte wohl auch die bessere Belüftung und damit Verhinderung von Fäule sein.

Ich habe die Pflanzen jetzt wieder ein wenig angedrückt und mit Sphagnum gepolstert, mal schauen was der Rest des Winters noch so an Überraschungen bringt ;)

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Dass sich das vorher durchgefrorene Substrat nun mit Wasser vollsaugt und dadurch die Pflanze nach oben drückt, klingt logisch.

Anders herum, das gefrierende Wasser dehnt sich aus (Dichteanomalie des Wassers). Wenn sich im Boden größere Mengen Wasser befinden und diese gefrieren, kann sich der Boden nicht unerheblich nach oben heben. Schau mal unter Kryoturbation und Pingo, da werden die Grundmechanismen erklärt.

Die angehobene Pflanze ist mit den längeren Wurzeln beim Auftauen der oberen Substratschichten noch eingefroren, unter die kürzeren Wurzeln setzen sich feine Substratpartikel, die ein Zurücksinken beim weiteren Auftauen des Substrates verhindern. Zumindest wandern in Permatfrostböden so Steine aus tieferen Schichten nach oben, bei Pflanzen musste ich das noch nicht beobachten.

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Die angehobene Pflanze ist mit den längeren Wurzeln beim Auftauen der oberen Substratschichten noch eingefroren, unter die kürzeren Wurzeln setzen sich feine Substratpartikel, die ein Zurücksinken beim weiteren Auftauen des Substrates verhindern. Zumindest wandern in Permatfrostböden so Steine aus tieferen Schichten nach oben, bei Pflanzen musste ich das noch nicht beobachten.

Bei mir werden durch Frosthebung und Frostaufbrüche im Substrat immer die Pinguicula-Winterknospen in die Höhe gehoben. Gerade mal das Wintervlies vom Ping-Kübel abgedeckt und ein Foto davon gemacht (siehe Anlage).

Dionaea (und zwar hauptsächlich die größten Pflanzen) sind mir durch starken Frost bei sehr nassem Substrat sogar schon regelrecht einige Zentimeter unter der Substratoberfläche zerrissen und danach abgestorben: Das obere Teil mit der Blattrosette und dem oberen Rhizomansatz wurzelt im Frühjahr nicht mehr ein, das untere Teil des Rhizoms vergammelt unten im Substrat und treibt nicht mehr aus. In ungeschützten oder nur mit Wintervlies geschützten Moorkübeln gab es in strengen Wintern bei mir Verlustraten von bis zu 100% bei Dionaea, abhängig vom Winterschutz.

Ich bemühe mich daher inzwischen immer, den Dionaea-Moorbeetkübel im Winter nur feucht statt tropfnass zu halten: Anstau im Spätherbst bis 15 cm unter Substrathöhe, dann einen Frühbeetkasten so über den Kübel stellen, so dass Regen und Schmelzwasser im Winter nicht in den Kübel eindringen können, sondern abgeleitet werden. Hat im recht strengen Winter 2009/10 und in den milden Wintern davor recht gut funktioniert (und ich hoffe in diesem Jahr auch auf diese Methode).

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Ich bemühe mich daher inzwischen immer, den Dionaea-Moorbeetkübel im Winter nur feucht statt tropfnass zu halten: Anstau im Spätherbst bis 15 cm unter Substrathöhe

Na wenn du damit nicht wieder die alljährliche Überflutungsdiskussion los getreten hast :whistling: (Bin da ganz deiner Meinung!)

Anbei ein kurzer tagesaktueller Bericht aus meinem Beet: trotz der letzten Monate mit Dauerregen im Höchstmaß und mehrwöchiger Tiefschneedecke haben, so wie es derzeit aussieht alle Dionaeas - auch die vollroten Varietäten, den bisherigen Winter problemlos überstanden. Auch wenn der Wasserstand im Beet hoch war wie nie zuvor! Die meisten Pflanzen müssen sich durch einen dichten Moosteppich, wie neben deinen Pingknospen, bohren. Die restlichen Dionaeas stehen in eher verdichtetem Substrat, auch hier keinerlei Probleme erkennbar.

Für mich ist das die Bestätigung nicht unnötig an den normalen Verhältnissen herum zu schrauben und wenn es doch mal so aufreißt, Substrat wieder andrücken, bischen Moos dran und ruhig bleiben.

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Hallo Piesl,

zu solchen Hebungserscheinungen kann es eigentlich nur kommen, wenn vielfach hintereinander die oberen Bereiche auftauen, während in tieferen Bereichen der Boden noch gefroren ist. Hier in NRW (für den Rest des Landes kann ich es nicht sagen) hatten wir in der Zeit seit Einsetzen des Tauwetters tagsüber deutliche Plusgrade und in der Nacht hat es dagegen zunächst wieder erhebliche Minusgrade gegeben (es gab hier in Wuppertal tagsüber teilweise Temperaturen nahe +10°C und in der Nacht dann wieder nahe -10°C), die Abläufe im Permafrostboden im Zeitraffer quasi. Ein Eiskern im Boden und ein wiederanfrieren von oben führt zu folgendem Phänomen, welches man eigentlich als Kryoturbation bezeichnet, die Abbildung im Link ist recht aussagekräftig. Ein großer, geschlossener Eiskörper kühl sich sehr stark selber, denn das Schmelzen oder Verdunsten des Wassers entzieht der Umgebung enorme Energiemengen und ist damit im Grunde besser gegen tägliches oberflächliches Antauen geschützt. Im Permafrostbereich brauchen solche Erscheinungen viele Jahre um zu entstehen. Ich würde behaupten, dass feuchte Substrate auf Torfbasis stärker betroffen sind als geflutete, da der Restgehalt an Wasser in Torfsubstraten vergleichsweise hoch ist. Man kriegt den Boden also nicht wirklich trocken, wollen wir ja auch gar nicht, das Wasser gefriert und taut auf und das in kurzer Folge, während ein großer Eisklotz (ein geflutetes und tief gefrorenes Moorbeet/ein Moorkübel) deutlich weniger leicht tauen dürfte. Klein und feucht wäre also stärker betroffen als groß und geflutet. Das sind aber theoretische Überlegungen (da konnte ich doch wenigstens mal inzwischen angestaubte Teile meines Geographiestudiums herauskramen :haha: ).

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Hallo Torsten ist absolut korrekt und wollte ich auch nie anzweifeln. Das mit der erwähnten Diskussion war auch leicht ironisch gemeint. Bei der Tauwetterphase waren wir im Süden diesen Winter eher auf der glücklichen Seite, erst dauerhaft viel Schnee und Frost, dann aber zack, zack voll ab in den Frühling. Die Grüße aus dem Süden habt ihr ja gerade bei euch in den Flüssen. "Interessant" wird jetzt wieder das aktuelle bzw. bevorstehende Wetter. Heute Nacht war Frost, jetzt brennt schon fast die Sonne wieder ... Da kann das Problem bald wieder auftauchen! Da wäre der evtl. angesagte Schnee als Stabilisator nicht unangenehm, zumindest für die Pflanzen.

Auf jeden Fall vielen Dank für die gute Erklärung zum Phänomen, das Entstauben hat sich gelohnt :thumbsup: !

Gruß Peter

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