Volker S Posted May 26, 2011 Posted May 26, 2011 (edited) Hi,da ich kalkliebende Pings in naher Zukunft pflegen möchte, bin ich durch die sehr informative Seite pinguicula.org auf den Mitautor Eric Partrat gestoßen, der seit längerer Zeit französisches Katzenstreu's (Eric Partrat ist Franzose) als Teil seines Substrates einsetzt.Der Ursprung dieses Substratersatzes liegt wohl in der Sukkulenten -und Kakteen - Aufzucht, welche schon in frühen Jahren mit dem 'Thomas Katzenstreu' nicht klumpend (vor 2006) große Erfolge feierten.Während Eric Partrat 2003 nur ca. 18%-Anteile seines Katzenstreu (für P. poldinii) in seinem Gesamtsubstrat einsetzte, waren es 2010 schon 50% (Links dazu sind hier zu finden).Die Zusammensetzung/Inhaltsstoffe seines Katzenstreu's waren Folgende:Attapulgite : 73 %Dolomite 10%Opale 10 %Calcite 7%pH = 8.5Nun sind leider die Deklarationsaktivitäten hier in Deutschland Andere, als die in Frankreich. Das einzige Katzenstreu mit aufgedruckten Inhaltsstoffen, welches ich hier finden konnte (3 Geschäfte durchgesucht) war Catsan. Aufgedruckt sind die Bestandteile Kalk und Quarzsand. Nach weiterer schriftlicher Anfrage wurde mir per Mail mitgeteilt, dass sich noch weitere natürliche Mineralien als Inhaltsstoffe befinden.Ohne jetzt den Inhalt der Mail hier offen zu legen, schaut Euch die Inhaltsstoffe von 'Thomas Katzenstreu' nach 2006 an (Kalk und Quarzsand = Calciumsilikat-Hydrat).Die besten Erfolge (Sukkulenten und Kakteen) wurden also mit dem alten 'Thomas Katzenstreu' = Sepiolith gemacht, welches ein Tonmineral ist. Auch Eric Partrat setzt mit seinem Hauptbestandteil Attapulgit (deutsche Bezeichnung) ebenfalls ein Tonmineral ein.Nun ist Deutschland ein sicheres Land, und nachdem Ökotest im Jahre 2000 einigen Produkten eine karzinogene Wirkung attestierte (lungengängige Partikel), hatten die Hersteller reagiert und man findet im letzten Test von 2010 kein einziges Produkt mehr mit diesen gesundheitsschädlichen Eigenschaften.Info über Attapulgit und Sepiolith -> hier (runterscrollen bis Infobox 'Was ist Attapulgit' erscheint).Wenn man den gesundheitlichen Aspekte nun außer Acht lassen würde, findet man in folgenden Produkten noch Attapulgit:ÖlabsorberKatzenstreu Premiere Moments von der Firma MultiFit (100% Attapulgit)Fit+Fun Hygienestreu ebenfalls von der Firma Multifit (80% Attapulgit).JR Farm Chinchilla-Sand SpezialBei der Marke Classic Cat Extra (viele Raiffeisenmärkte) hat man im Katalog das böse Wort 'Attapulgit' nun weggelassen. Früher wurde es mit diesem Zusatz beworben (Classic Extra Attapulgit).Nun kommen wir mal zu den Eigenschaften von Attapulgit (Tonmineral) in einer feuchten Substratumgebung:Es geht den Weg eines jeden Tonminerales -> es löst sich früher oder später auf.Hier beispielsweise wurde Premiere Moments (100% Attapulgit) sehr schnell matschig, und bei Lucy (zweiter Post von Oben) hat es sich im Mund aufgelöst.Das Auflösen von Tonmineralien ist nichts Neues. Auch gebrannte Mineralientone (Seramis oder Akadama) lösen sich irgendwann auf, was ich augenblicklich und langfristig als Nachteil empfinde (durch die Schwerkraft und Spüleffekten rutscht es immer tiefer ins Substrat).Zurzeit tendiere ich zu keinem Katzen-Chinchilla-Substratersatz, obwohl ich noch Catsan im Test habe. Vielleicht ist der positive Effekt ja gerade der des Auflösens. Dadurch (sehr kleine Korngrößen, die sich ins Substrat setzen) erhöht sich die Kapillarwirkung und das eher trockenere mineralische Substrat der kalkliebenden Pings wird feuchter. Wer weiß....-volker- Edited June 19, 2013 by Volker S
Feldenberg Posted May 26, 2011 Posted May 26, 2011 Hi Volker, danke für den interessanten Bericht. Wäre Katzenstreu also eine preiswertere Alternative zu Seramis o.ä. als Mineralzusatz für Pings? Ich kenne mich mit den Kilopreisen nicht so aus. Aktuell mische ich ca. 1/3 zerkloppte Kalksteine (bei Karstwanderungen aufgelesen) mit ins Substrat. Das funktioniert für kleinere Mengen eigentlich ganz prima und sollte den natürlichen Gegebenheiten auch nahekommen. Dass Seramis zerfällt ist mir auch nicht ganz geheuer - wie lang dauert das denn so? viele Grüsse Feldi
Volker S Posted May 26, 2011 Author Posted May 26, 2011 (edited) Hallo Feldi, war vielleicht ein wenig viel. Ich mache es mal etwas einfacher (der nächste Absatz ist von einem Hersteller von Katzenstreu): Allgemeines zu Katzenstreu: Nicht klumpende Streus können entweder aus natürlichen Mineralien wie Sepiolith oder Attapulgit (kanadischer Naturton) hergestellt werden oder aus mineralischen Zusammensetzungen wie Kalzium-Silicat-Verbindungen oder Kalk. Generell sollten die einzelnen Körnchen porös sein, damit die Flüssigkeit auch schnell und sicher aufgenommen wird. Klumpende Streus bestehen meist aus natürlichen Tonmineralien wie Bentonit. Das Besondere an diesem Material ist, dass die Körnchen bei Gebrauch, also bei Kontakt mit Flüssigkeit, ineinander verschmelzen und Klumpen bilden. ...also warne ich ausdrücklich davor, Katzenstreu global als Alternative zu richtigem mineralischen Bodengrund zu verwenden. Erstens ist nicht Katzenstreu = Katzenstreu (sie obigen Einschub 'Allgemeines zu Katzenstreu') Zweitens sind in Deutschland die entsprechende Produkte so minimal deklariert, dass ich nur dazu raten kann eigene Tests zu fahren - wenn man ein mineralisches nicht klumpendes Katzenstreu ausprobieren möchte. Drittens: Da anscheinend der mineralische Ton Attapulgit wesentlich schneller in Verbindung mit Wasser zerfällt, als beispielsweise Seramis oder mehrfach gebranntes Akadama (es gibt 1-fach und 2-fach gebranntes Akadama) sollte man vielleicht besser diesen Ton nehmen, wenn man überhaupt Ton beimischen möchte. Ich selber - Anfänger - habe etwas Zeit investiert, um hinter dem 'Geheimnis' Katzenstreu als Substratersatz zu kommen. Ton als solches gilt meines Wissens eigentlich erst mal nur als Speichermedium von Nährstoffen, die Diese dann diffus über einen längeren Zeitraum wieder abgeben. ...im nächsten Frühjahr werde ich vielleicht mal eine Mischung mit Attapulgit (und auch Akadama) ansetzen. Zu Seramis: Wie lange das dauert, bis es zerfällt und zu Schlamm wird, kann ich Dir leider auch nicht sagen. Da es aber poröser Ton ist der gebrannt wurde, würde ich 3-fach gebranntem Akadama die längere Haltbarkeit bescheinigen. Dieses zerfällt aber auch, wie mir das niederrheinische Bonsaizentrum versicherte. Darf ich fragen was du noch an Substratelementen - außer zerkloppten Kalkstein - zufügst? Nur 3 Teile hört sich ja gut an. Oft ist weniger auch mehr. -volker- Edited June 7, 2011 by Volker S
Chrissi-M. Posted May 26, 2011 Posted May 26, 2011 Katzenstreu zieht doch Feuchtigkeit an und verklumpt dann, wie soll man das dann als Substrat verwenden? :blink:
Volker S Posted May 27, 2011 Author Posted May 27, 2011 Hi, Fit+Fun Hygienestreu ebenfalls von der Firma Multifit (80% Attapulgit). obiges Streu habe ich mir gerade gekauft - und gewässert. Hier mal die Inhaltsstoffe: SiO2 = 65-75% Al2O3 = 3-5% Fe2O3 = 2-3% MgO = 8-11% CaO = 8-10% (das ist gebrannter Kalk - oder auch Ätzkalk, welcher Laut Wikipedia unter Anderem dazu genutzt wird - ich zitiere:"Ätzkalk stark mit kaltem Wasser aufgelöst kann dank seiner geruchsbindenen Wirkung auch bei offenen Feldtoiletten (Plumpsklo) verwendet werden." [Quelle]. Für's Katzenstreu geht das wohl in Ordnung - für Pflanzen ein klare NoGo, weil es mit Wasser sehr reaktiv ist. Man kann es aber einfach mit Wasser ablöschen. Ich bin mal mit meiner lädierten Hand in das Substrat und hab es mit kaltem Wasser durchgemischt. Da ist nichts warm geworden (ist eine exotherme Reaktion) und geätzt (pH-Wert 12-13) hat da auch nichts. CO2 = 3-8% pH-Wert des Katzenstreu laut Packung: 7,5 Bewertung: schon nach 3 Std. hat sich ein erheblicher Teil des Tonminerals zu Schlamm aufgelöst. Ich beobachte das mal 24 h lang. Beständiges Material ist das also - auch nach obigen 2 Aussagen - nicht. PS: Schade das die db abgestürzt ist. Die Antwort von Feldi auf meine Frage war glaube ich: 1/3 zerkloppter Kalkstein, 1/3 Sand/Kies und 1/3 Weißtorf soweit mein Alzheimer mich erinnern lässt :blink: -volker-
Feldenberg Posted May 27, 2011 Posted May 27, 2011 Hi Volker, ja, ich trage gern nochmal den Substrataufbau nach: Unten 2cm Drainage (Seramis/Blähton usw.); darüber eine 4 cm Schicht Kalksteinsplitt mit Weißtorf/Carnivorenerde (ca. 50:50) vermengt, darüber eine 1,5cm Deckschicht mit Aquarienkies (relativ grobkörnig bis 4mm) und nur wenig Torfanteil (vielleicht 1/5 oder 1/8). Der Kalksteingehalt im Gesamtsubstrat ist ca. 1/3 und ich hatte diese "Mittelschicht" für die tiefer wurzelnden Kalkfreunde gedacht, während die kieshaltige Deckschicht eben für solche Pflanzen gut funktioniert, die es im Winter gern trockener haben, während man "durch den Kies" gießen kann um den Pings die im Winter nicht einziehen doch auch Wasser zukommen zu lassen. Funktionierte so bei den Mexikanern ganz gut (halte alles von P. gypsicola, P. moctezumae über P. laueana / cyclosecta / esseriana usw. im selben Pott). Jedenfalls ist nix verschimmelt! Bei den temperierten Pings probiere ich es dieses Jahr erst aus. Viele Grüße Feldi
Andy Böhnke Posted May 27, 2011 Posted May 27, 2011 (edited) Ich bin ja echt gespannt, wie der Test von Volker verläuft. Folgende Beitrag dürfte da noch interessant sein. Schöne Grüße Andy Edit: Namen auf Volker berichtigt Edited May 28, 2011 by Andy Böhnke
Volker S Posted May 28, 2011 Author Posted May 28, 2011 (edited) @Andy, danke für die Seramisverlinkung. Vor allem der Hinweis darauf, dass - hier Seramis - aber ich behaupte mal generell Ton unter Frosteinwirkung deutlich schneller Strukturschwach wird. @Alle Hier mal der Zerfall von dem ungebranntem Tonmineral Attapulgit meines Katzenstreus 'Fit+Fun Hygienestreu' ...nach 16h Wässerung (die Korngröße des unzersetzten Streus hatte ungefähr die Größe der nun noch größten Körner): ...die sich in Schwebe haltenden Feinstpartikel habe ich zum größten Teil schon abgekippt - aber man kann diese Feinstschicht oberhalb der Schüttung noch erkennen. Ich bin mal gespannt wie weit es noch zerfällt - ich tippe auf vollständig. Ich werde später dann noch die restlichen Bilder hier einfügen. ...so weiter gehts: nach etwas über 2 Tagen (50 Stunden) Wässerung sieht die Sache so aus: ...nun nach ca. 10 Tagen der Wässerung hat sich kaum noch was getan. Da mich der Zustand der Partikel nun näher interessierte, habe ich die ganze Choose mal mit Wasser aufgegossen. Erwartet habe ich den fast vollständigen Zerfall der restlichen anscheinend noch struksturstabilen Körner. Sehr erstaunt war ich allerdings über den mimimalen Ausschwemmgrad der 'wabernden Schlammschicht'. Und das was übrig blieb -> seht selbst. -volker- Edited June 6, 2011 by Volker S
jusch Posted May 28, 2011 Posted May 28, 2011 Hier mal der Zerfall von dem ungebranntem Tonmineral Attapulgit meines Katzenstreus 'Fit+Fun Hygienestreu' Wo steht denn, dass da Attapulgit drin sein soll? Für mich als Nicht-Chemiker, lediglich mit dem vor Jahrzehnten erworbenen Oberstufenwissen als Schüler im Fach "Chemie" sieht diese Inhaltsangabe: > SiO2 = 65-75% > CaO = 8-10% überhaupt nicht nach Attapulgit aus, sondern nach einer Mischung von viel Quarzsand (SiO2, Siliziumdioxid) und ein wenig Kalk (CaO). Also "80% Quarzsand und Kalk". Das steht doch im völligen Gegensatz zur Angabe "80% Attapulgit". Rezepturen können sich ändern - und der Markenname bleibt.
Volker S Posted May 28, 2011 Author Posted May 28, 2011 (edited) Hi Jürgen, gerade von der Tüte abfotografiert: ich wollte tatsächlich die kleinen bescheidenen Versuche, die ich hier unternehme, mit neuen definierten Mischungen starten - und nicht so ein MischMasch wie ich es gerade habe. Aber bei dem Zersetzungsgrad von Attapulgit (ist ja auch normal für ungebrannten Ton) mag ich da gar nicht weiter dran denken. Wie würde das wohl in feuchter Umgebung aussehen. Sicherlich würde die vollständige Zersetzung nicht Tage dauern - wie bei der Wässerung - sondern Wochen. Und das Absetzen der feinsten Mineralien nach unten - sicher Monate. Und Jahre würde es vielleicht dauern, bis sich der letzte Brocken Ton aus dem Einwirkkreis der Wurzel verabschiedet hätte (Frost verkürzt evtl. die Intervalle). Die letzten Anmerkungen sind natürlich nur Mutmaßungen. Auch könnte dieser Ton vielleicht positiv zum Wachstum beitragen. Die Frage ist nur wie lange sich der positive Effekt (wenn er denn da wäre) bemerkbar macht - bevor sich das Substrat gänzlich zusetzt. ...so ganz anfreunden kann ich mich nicht damit - aber mal sehen, vielleicht setzte ich doch noch definierte Mischungen an 1. 50% meine Mischung + 50% Catsan 2. 50% meine Mischung + 50% Fit&Fun Edit: Datenblatt von Attapulgit. Man müsste die Summenformel von Attapulgit ((Mg, Al)9Si8O22(OH)4 · 4H20 + SiO2) mal auseinanderdröseln auf Molekülgröße und dann mit den Atommassen deren Gewichtsprozente berechnen. Aber ich bin faul und glaube mal der Tütenbeschriftung. Jedenfalls Ist Attapulgit ein Magnesium-Aluminium-Silikat (siehe Datenblatt). Wenn man die Herstellerangaben also grob zerflückt, kommt folgendes raus: Attapulgit: = ungefähr 80% SiO2 = 65-75% Al2O3 = 3-5% MgO = 8-11% sonstige Stoffe: = ungefähr 20% Fe2O3 = 2-3% CaO = 8-10% CO2 = 3-8% -volker- Edited March 30, 2012 by Volker S
Volker S Posted June 6, 2011 Author Posted June 6, 2011 (edited) Hi, so die Bilderserie in Beitrag 8 ist nun komplett (nach oben scrollen). Das mittlerweile gewaschene Körnerkonglomerat macht beim Umrühren einen relativ 'weichen' Eindruck (also kein scharfes Klirren an der Glaswand, wie beispielsweise bei Kies), trotzdem kann man die übrig gebliebenen Körner nicht mit dem Fingernagel zerdrücken. Und ein früheres Zitat eines Users ("Körner zerfallen, wenn man sie in den Mund nimmt") kann ich so global nicht bestätigen. Richtig ist, dass ein Teil der Körner - bei Kontakt mit Wasser/Wässerung - fast sofort vollständig zerfallen. Ein weiterer Teil zerfällt in kleinere Korngrößen - das letzte Drittel scheint erst mal gar nicht zu zerfallen. Nun, verglichen mit Seramis und Akadama setzt der Zerfall von Attapulgit wohl augenscheinlich recht schnell ein. Von einem gänzlichen Sofortzerfall scheint er aber weit entfernt zu sein. PS: Eigentlich müsste ich jetzt einen richtigen Test (Catsanmischung <-> Attapulgitmischung <-> meine Normalmischung) mit meinen kleinen Pflänzchen machen (Brutzellenaufwuchs). Andererseits möchte ich endlich meine Kalkbrücke im Moorbeet bepflanzen. Ein weiterer (Pflanzen-)Test würde ja nochmal (bestimmt) 2 Monate dauern. Aber nur so könnte man mehr Sicherheit bekommen. -volker- Edited June 6, 2011 by Volker S
Volker S Posted June 8, 2011 Author Posted June 8, 2011 (edited) ...ich werde hier mal ein Abschluss-Statement schreiben, welches auf manchen Links und vor allen Dingen auf meiner Meinung beruht. Bei der Suche nach Hintergründen über die Zugabe von Ton bin ich im englischsprachigen Raum darauf gestoßen, dass dort oft APS (Aquatic Plant Soil von Schultz) als Tonsubstrat beigesetzt wird (Link kommt später). (Ferner beziehen sich viele Erfahrungsberichte auf mexikanische Pings.) So langsam scheint mir auch klar zu werden, warum Ton überhaupt eine Rolle zu spielen scheint. Ton ist als einzige Substanz in der Lage Nährstoffspitzen durch Einlagerung stark abzuschwächen um es später dann diffus und nachhaltig in geringerer Konzentration wieder abzugeben. Manche Pflanzen reagieren äußerst positiv über diese Eigenschaften (Rosen z.B.). Ob Pings nun dazu gehören oder nicht - sei erst mal dahingestellt. Ich habe in diesem Zusammenhang mal eine Usermeinung gehört, die da lautet: "Die Pflanzen, die nicht gestorben sind, wachsen hervorragend in diesem Substrat." Manch andere bevorzugen wohl schon länger Tonzugaben in ihren Substraten und (mexikanische) Pings scheinen geringe Nähstoffmengen auch nicht abgeneigt zu sein (gilt wohl für alle Pings, die nicht in einem Substrat auf Torf basierend ihr Dasein fristen). Hier mal eine Zusammensetzung von Ton im Allgemeinen. Wie man sieht ist in jedem Ton ein gehöriger Anteil (ca. 46%) der Kieselsäure SiO2 vorhanden, der aber in fast jedem Ton in kristalliner Form vorliegt - außer bei Kieselgur, dort liegt er amorph vor (Kieselgur wird oft bei Kakteenanzucht verwendet, die einen leicht sauren pH-Wert (5,5 - 6) brauchen. Andere Synonyme von Kieselgur sind Diatomeenerde, Diatomeenpelit, Diatomit und weitere. Ich erwähne das, weil diese Namen sehr oft in Zusammenhang von Substituten bei Bonsaierden fallen (Links später). Back2roots: Ton ist also - was die diffuse Abgabe von Nähstoffen und Feuchtigkeit angeht - ein einzigartiger Stoff (kurzer wissenschaftlicher Ausflug über Grenzschichten und Quellverhalten -> Hier). Aber: Ton ist in seiner ursprünglichen Form leider nicht stabil und zerfällt eher oder später. Was ist aber wenn Ton getrocknet (Akadama / war mir auch neu, das es nur getrocknet wird) oder gar gebrannt wird. Dazu ein interessanter Link eines Dipl. Gärtners der - laut eigener Aussage - seit Jahren Substratmischungen selber herstellt -> Link (erster Abschnitt kann eigentlich übersprungen werden - am Besten erst ab 'Was hat Lehm und Ton, was Akadama nicht hat' mit dem Lesen anfangen). Interessant ist die gemachte Behauptung das: Wenn ein Substrat sehr fein strukturiert zerfällt, die Kapillarkräfte in den Zwischenräumen der Kleinstpartikel so groß werden können, dass die Kräfte die Saugkraft der Wurzel übersteigen. Das würde dem Exitus der Pflanze gleich kommen. Mein Credo daraus wäre: Wer Ton - mit seinen hervorragenden Eigenschaften - als Naturprodukt oder nur getrocknet einsetzt, der wird irgendwann sein Substrat austauschen müssen. Da bei den meisten Karnivorenliebhabern Ton nur eine Teilsubstanz ist, dürfte das neben den Stäuben und anderen Zerfallsprodukten - die sich im Bodengrund absetzen - nicht weiter schlimm sein. Ein Karnivorenliebhaber mit Gewächshaus (kein äußerer 'Dreck'eintrag) der eh jedes Jahr sein Substrat wechselt, kommt mit einem Naturton (wie Attapulgit von Eric Partrat) sicher sehr gut zurecht. Ich selber habe mich entschieden es vielen mexikanischen Pingliebhabern gleich zu tun und werde Arcillite = gebranner montmorillonite Ton = Schultz APS verwenden. Nun APS gibt es hier nicht. Ganz neu auf dem deutschen Markt (und schweine teuer im Vergleich zu APS) ist hier 'Repashy Superhatch' (ist das selbe Zeug wie APS). Wenn man den Versprechungen glauben soll, nimmt auch dieser Ton schnell Nähstoffe auf und gibt sie langsam wieder ab. Ich glaube es nicht - natürlicher Ton dürfte diesbezüglich haushoch überlegen sein. Einzig und allein das in Arcillite auch noch Ca beinhaltet (und Andere Karnivorenliebhaber ebenfalls APS verwenden) hat mich zu diesem Produkt geleitet. Hier noch ein paar Links: Diskussion über Tonsubstrate Diskussion über Substrate Superhatch und andere Substrate (Achtung: Bringt Arcillite nicht in Verbindung mit Diatomite (Kieselgur). Das sind 2 verschiedene paar Schuhe. Große Länderliste von Tonarten als Ersatzstoffe (vieles ist meist saures Kieselgur) Soilmaster und APS ist das Gleiche evtl. andere deutsche Alternative von einem gebrannten Ton-Granulat: Die dänische Firma Damolin verwendet als Grundlage Moler. Von Damolin gibt es verschiedene Datenblätter über Ihre Produkte. Da sie wohl unterschiedliche Mischungen der Diatomit-Erden (Kieselgur) mit Ton herstellen, können die Produkte auch einen neutralen pH-Wert vorweisen. Hier mal das entsprechende Katzenstreu von Damolin welches bei 700°C gebrannt wurde und wurde mit folgender Deklaration versehen: "Es kann auch als Pflanzgranulat und zur Auflockerung von Pflanzenerde verwendet werden". Hier habe ich auch mal eine Anfrage gestellt ...Ende (interessiert wohl eh kaum Jemanden ) -volker- Edited March 30, 2012 by Volker S
jusch Posted June 9, 2011 Posted June 9, 2011 Manche Pflanzen reagieren äußerst positiv über diese Eigenschaften (Rosen z.B.). Ob Pings nun dazu gehören oder nicht - sei erst mal dahingestellt. Ich habe in diesem Zusammenhang mal eine Usermeinung gehört, die da lautet: "Die Pflanzen, die nicht gestorben sind, wachsen hervorragend in diesem Substrat." Das ist alles nicht so einfach mit Pflanzen, die weder in reinem Torf noch in handelsüblichen Blumenerde-Mischungen vernünftig wachsen wollen und aus alpinen Gegenden stammen. Selbst Profis haben damit offenbar große Probleme. Schaue Dir z.B. nur mal den Botanischen Garten München mit seiner "alpinen Außenstelle" an, die zeigen ihre Alpenpflanzen in einer Sonderschau, die sie 90 Kilometer von München in einem kleinen Garten auf einem mittelhohen alpinen Berg angelegt haben: http://www.botmuc.de/de/garten/schachen_alpengarten.html (geöffnet zur Besichtigung gegen 2 Euro Eintritt wieder ab Mitte Juni) Schon in München zeigen die keine Alpinpflanzen mehr in ihrem Botanischen Garten! Anyway, irgendwie muß es aber doch funktionieren, denn es gibt auch im norddeutschen Flachland Staudengärtnereien, die Pflanzen für das "Alpinum" anbieten, also kalkige Alpingärten. 10 verschiedene Arten Edelweiss im Sortiment, 20 Arten Enzian, alles aus eigener Vermehrung. Irgendwie muß da doch was mit kalkliebenden Alpinpflanzen gehen! Ich bin da mal in so einer Gärtnerei durch die Verkaufsausstellung und habe mal in die Töpfe gelugt: Von Kalksplitt oder irgendwelchen sehr groben Bestandteilen (Splitt, Kies, Granulat) ist da überhaupt nix zu sehen. Ein Edelweiß habe ich mir da mal mitgenommen, als Begleitpflanze für meine kalkliebenden Pings (wahrscheinlich wird es dem Edelweiß zu feucht sein), rein um mir mal das Substrat im gekauften Topf anzusehen: Also erkennen kann ich da nur etwas, das wie "fetter Mutterboden" aussieht, ein schwarzes Substrat in der Konsistenz so zwischen Blumenerde und sandiger Gartenerde. Keine groben Bestandteile, aber etwas Sand oder sehr feingemahlener Kalk dabei. Großartig analysieren kann ich das Substrat nicht, dazu fehlen mir die Möglichkeiten, es sieht aber komplett anders aus als das, was ich mir in diesem Jahr für meine klalkliebenden Pinguicula (aus groben und feinem Kalksplitt, Sand, Vermiculite und Torf) selbst zusammengemischt habe. Wenn es in meiner diesjährigen Mischung mit kalkliebenden Pings wieder nicht funktioniert, werde ich im nächsten Jahr wohl was anderes testen, beispielsweise "handelsüblich käufliche Rosenerde mit ein paar Prozent extra Dolomitkalk". Mit Katzenstreu werde ich wohl eher nicht herumexperimentieren, das kannst Du ja machen.
Volker S Posted June 9, 2011 Author Posted June 9, 2011 Hallo Jürgen, viel experimentieren werde ich nicht mehr - wenn das Superhatch da ist, wird meine Kalkbrücke damit teilbefüllt (ersetzt dann die Perlite, weil es der obere Teil des Bodengrundes ist). Ob das Zeug überhaupt irgendeinen Einfluss hat (außer die Wurzeln festzuhalten) wird natürlich so nicht feststellbar sein. Was in den Naturstandorten von alpinen Pings mir immer wieder auffällt: Ohne Primärbewuchs durch Algen (oder vielleicht auch Flechten) scheinen Pings sich nicht für nackte Felsen zu interessieren. Ob dieser Primärbewuchs nur den Charakter des Wurzelhaltens erfüllt (den erfüllt es sicherlich - sonst kann sich keine Pflanze am nackten Fels festhalten), oder darüber hinaus eine Ernährungswechselwirkung mit der Ping eingeht - das entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Anders herum kann ein eingefahrener mineralischer Boden evtl. Vorteile bringen. Denn gerade bei rein mineralischen Böden habe ich schon etwas Bauchschmerzen, wenn ich nach dem Mischen (evtl. Spülen des Substrates) sofort Pflanzen da herein bringe. Im Gegensatz zu erdigen Substraten - wo sich Bakterien und pflanzenverfügbare Nährstoffe recht schnell einstellen - dauert das bei mineralischen Böden bestimmt eine kleine Ewigkeit (ungebrannter Ton wäre da eine kleine Starthilfe - vielleicht streue ich noch etwas ungebrannten Ton oben drauf). Viele alpine Pflanzenzüchter (mit sehr seltenen Pflanzen) habe ich bei der letzten Essener Pflanzenraritätenbörse gesehen. Da habe ich natürlich noch nicht auf das Substrat geachtet. Ich glaube aber kaum, dass das Vergleichbar ist - es sei denn, dort wo Enzian wächst - wachsen auch alpine Karnivoren. Meistens ist das nicht so - warum wohl? Es gibt aber durchaus Begleitpflanzen am Naturstandort der Pings. Aber auch hier würde ich keine Rückschlüsse daraus ziehen. Gras beispielsweise wächst fast überall. Das Zeug ist eben wahnsinnig anpassungsfähig - eine Ping wohl eher weniger. -volker-
jusch Posted June 9, 2011 Posted June 9, 2011 Viele alpine Pflanzenzüchter (mit sehr seltenen Pflanzen) habe ich bei der letzten Essener Pflanzenraritätenbörse gesehen. Da habe ich natürlich noch nicht auf das Substrat geachtet. Ich glaube aber kaum, dass das Vergleichbar ist - es sei denn, dort wo Enzian wächst - wachsen auch alpine Karnivoren. Meistens ist das nicht so - warum wohl? Also der von mir besuchte Alpinstaudengärtner hält nur sein Verkaufssortiment in Töpfen, die Mutterpflanzen stehen in langen Reihen auf dem Feld ("Mutterpflanzen - kein Verkauf"), und ich glaube kaum, dass er auf dem Feld irgendwas anderes macht als ggf. aufkalken, düngen, wässern, im Sommer manche Arten schattieren und im Winter ggf. abdecken. Den Ausgangsboden, auf dem er seine Alpinstauden züchtet, dürfte sich kaum von den Böden unterscheiden, auf dem hier die Obstbauern der Gegend Äpfel und Kirschen anbauen oder die Rosenzüchter Rosen züchten. BTW: http://www.naturfotografie-adam.de/nfa/Galerie3.do?kat=9&kat1=369&kat2=714&fotoId=806&Seite=3&isVollbild=true P. alpina Blüte vor einer Enzianblüte in den Hohen Tauern fotografiert. So unterschiedlich scheinen die Substratanforderungen dieser beiden alpinen Arten nicht zu sein.
Volker S Posted June 19, 2013 Author Posted June 19, 2013 @epbb Hi Eric,you wrote:"I couldn't grow many of my temperate Pinguicula with this cat litter. A really important discovery I did many years ago."The use of calcareous cat litter is not a success? In the past - i thought, that you allways use more and more of cat litter in your soil.The italiens use often tufa for growing their alpine plants.In germany it is very difficult to purchase calcareous cat litter - or to find tufa as gravel best regards -volker- 1
epbb Posted June 19, 2013 Posted June 19, 2013 Sorry about this HUGE mistake it is : "I couldn't grow many of my temperate Pinguicula without this cat litter. A really important discovery I did many years ago." In fact, I was looking for something easely available (at least in France), that could be found in garden center or elsewhere that could replace Steiger's natural Pinguicula soil he found around his home in the surrounding mountains, a marl calcareous clay media. As I was a poor student in Paris, my cat litter he was using (RIP) hit my mind and I tried with P. vallisneriiifolia, P. hirtiflora with enough success to be convinced to use it and to go on with it for years still now. For me all temperate Pinguicula that are keen on calcerous soil will be happy with it but as you noted it, not pure to prevent media to go too closed. Using sand, perlite, lava, seramis, granitic sand, gravel... is not important. the importance is to let air and water free to find their way depending on teh water level inside. I add some fresh cat litter each year inside old cat litter mixes. So I bet that this also give new Calcium and prevent the pH from going to low after natural rains. I grow P. alpina for years now (15 years at least ?), a species with peren roots without repotting it. Only adding some fresh litter around the plants. This also help to prevent the natural settlement of the soil (that is due to the cat litter melting naturally as you noted in your bescher). Hope this clear up and sorry for my mistake 1
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