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Revision des Drosera peltata - Komplexes


Feldenberg

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Hallo zusammen,

für alle die es interessiert: Robert Gibson et al. haben in Australien den sog. "Drosera peltata-Komplex" einer systematischen Neustrukturierung unterzogen.

Aktuelle Publikation siehe hier: http://www.publish.csiro.au/paper/SB11030.htm

Ich zitiere mal frech Robert Gibson vom Board der Australasian Carnivorous Plant Society:

"The main outcome is the recognition of 5 species in the complex:

1.) Drosera peltata (in the strict sense) = the reddish plants from wetlands in south eastern Australia and includes D. 'gracilis';

2.) D. hookeri = yellow green plants with variably hairy sepals and deeply pitted seeds from south eastern Australia and New Zealand (i.e. it includes what has been considered to be D. 'foliosa' in the past);

3.) D. auriculata;

4.) D. lunata = is now reinstated and has a wide geographic range from southern and eastern Asia to northern and eastern Australia (reaching its southern limit around Sydney; and

5.) D. yilgarnensis (formerly 'D. peltata Western Australian Form'') = is described as new to science and is endemic to Western Australia."

Ich persönlich hab's ja nicht mit Systematik, aber in dem Falle ist es ja vielleicht für einige Knolli-Halter von Belang...

Viele Grüße

Feldi

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Hi Feldi,

welchen Stellenwert hat denn so eine Publikation? Ist das die Meinung von ein paar Biologiestudenten in ihrer Diplomarbeit oder ist das quasi offiziell?

Grüße

Lutz

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Hi Lutz,

ich kann das leider auch nicht recht einschätzen, es war halt nur ein "Netzfund" - ich bin ja selber nicht aus der Biologen/Systematiker-BRanche und kenne den Stellenwert solcher DInge nicht.. vielleicht kann ja jemand anderes etwas Kompetentes dazu sagen..

viele Grüsse

Feldi

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Hallo Miteinander,

Ich bin zwar nicht kompetent, aber ich versuchs trotzdem mal in meinen Worten zu sagen.

Im Prinzip ist es doch alles Ansichtssache. Ich habe es zumindest so verstanden das Systematik nur der Versuch ist, "dem Kind" einen Namen zu geben und Eigenschaften zu beschreiben die auf " das Kind" zutreffen. Wenn dann noch viel andere der selben Ansicht sind, hat das zumindest für eben diese Gruppe Gültigkeit.

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Hallo Ihr beiden,

ohne die Arbeit gelesen zu haben erscheint sie mir durchaus seriös.

Dr. Robert Gibson ist im Zusammenhang mit Drosera nicht gerade ein Unbekannter, wurde nicht sogar die D. gibsonii nach ihm benannt? Er schreibt auch, dass er sich mehr als 20 Jahre mit dem Thema beschäftigt hat. Australier ist er wohl auch und das Journal "Australian Systematic Botany" macht einen ordentlichen Eindruck. Für mich eine schlüssige "Indizienkette" um anzunehmen, dass das "offiziell", sprich gültig, ist.

Ich denke (bzw. hoffe), dass uns Andreas F. zu gegebener Zeit ein paar Einschätzungen zu dieser Arbeit präsentieren wird.

Viele Grüße,

Peter

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Hallo zusammen,

grundsätzlich ist so eine Arbeit als allgemeingültig anzusehen. Wenn in der Taxonomie auf Grund neuer Erkenntnisse eine Neueinteilung und Abtrennung von Arten vorgenommen wird und diese Ergebnisse in einer allgemein akzeptierten Fachzeitschrift (mit Peer-Review) veröffentlicht werden, dann stellen sie den neuesten Erkenntnisstand dar. Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt.

Für Nicht-Wissenschaftler (und das sind ja die meisten von uns) führt das zu dem unschönen Ergebnis, dass alte Namen plötzlich nicht mehr gültig sind, Varianten einer Art plötzlich Artstatus haben oder frühere Arten zu Varianten heruntergestuft werden und vieles mehr. In so einem Forum kann dass die ganze Benennung durcheinander bringen. Ich bin auch noch in anderen Spezialforen zu Gange und kenne das Problem von Kakteen, Orchideen, Ascleps und vielen weiteren Pflanzenfamilien. Es ist weit verbreitet.

Unter Wissenschaftlern gibt es auch unterschiedliche Schulen und Strömungen. So wird manchmal Schule A die Kriterien der Schule B nicht anerkennen. Das führt zu "Taxonomiekriegen", bei denen hin und her benannt wird. Wir einfache Sammler sind dabei oft die Leittragenden. Es gibt diejenigen Taxonomen, die weitgehende, flexible Artdefinitionen haben und die anderen, die wegen jedem Härchen und jeder Schuppe eine neue Art definieren. So würde es mich nicht überraschen, wenn alle Knollendroseras in eine neue Gattung ausgegliedert würden. Oder alle Gemmae-bildenden Zwergdroseras.

Die Gärtner und Händler (und wir selber) geraten dann bei der Benennung mancher Pflanzen in Verwirrung, was dann u.U. dazu führt, dass eine bestimmte Pflanze unter mehreren Namen angeboten wird. So habe ich letztes Jahr Samen von Drosera gracilis erworben. Die gibt es ja wohl jetzt nicht mehr.

Ein kleiner Lichtblick ist die Tatsache, dass man sich nicht an die letzten Ergebnisse halten muss. Mit ein bißchen Glück gibt es ein gutes Buch, das man für eine Weile als "Bibel" verwenden kann. Ewig geht das aber nicht. Der wissenschaftliche Erkenntnisprozess schreitet fort und irgendwann müssen auch wir Sammler uns damit arrangieren.

Edited by Hoyningen
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Siggi_Hartmeyer

Ich kenne Dr. Robert Gibson persönlich von der ICPS-Konferenz in San Francisco (2000), wo er einen Vortrag über australische Karnivoren hielt. Er ist sicherlich seriös, wenn auch die durchaus häufigen Zuordnungen und Umbenennungen australischer Karnivoren es einem alles andere als leicht macht die Übersicht zu waren. "Subspecies" zuhauf zu "Species", "Species A zu C und B wird gestrichen" und natürlich gibt es auch immer mal Gründe aus einer Art zwei zu machen. Berechtigte Gründe genauso, wie an mehr oder weniger "langen Haaren herbeigezogene". Systematik ist unbedingt notwendig, die "im Schlepptau befindliche" Babylonische Sprachverwirrung ist dabei wohl ihr unvermeidlicher "Kollateralschaden". Ich lasse meine Namensetiketten der Peltatagruppe erst mal wo sie sind. Nicht weil ich Robert nicht glaube, aber sicher ist sicher, man weiß ja nie ...

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Andreas Fleischmann

Hallo zusammen,

Ich wurde gebeten, doch bitte auf dieses interessante Thema hier im Forum kurz einzugehen (vielen Dank für die Benachrichtigung per e-mail!).

Diese sehr gelungene Arbeit ist auf jeden Fall lesenswert, es sind auch zu jeder Art sehr schöne Zeichnungen vorhanden, die alle Merkmale gut illustrieren, sowie (im Druck leider nur schwarz-weiß) Fotos aller Pflanzen mit den wichtigsten Merkmalen, von der Blüte bis zur Knolle. Im online PDF sind die Abbildungen zum Glück farbig!

Für alle Arten sind Verbreitungskarten erstellt worden (die Darstellung ist allerdings meiner Meinung in einigen Fällen etwas unglücklich gewählt, da in einigen Karten sehr nahe zusammenliegende Fundpunkte nicht zu unterscheiden sind).

Ich kenne Robs Arbeit schon seit einer recht frühen Phase, und kann seine Erkenntniss nur teilen (auch wenn ich z.B. persönlich die Aufspaltung der Taxa wohl nicht auf Artniveau gemacht hätte, sondern die einzelnen Sippen als Unterarten von D. peltata behandelt hätte. Aber das ist -wie hier schon angeführt- eben Ansichtssache. Die Taxa sind deutlich unterschiedlich, und auch ökologisch, z.T. biogeographisch, und vor allem wohl reproduktiv voneinander getrennt und - daher ist es auch nur gerechtfertigt, dass alle einen eigenen Namen (auf Artebene) bekommen. Ein objektives Kriterium dafür, was nun eine "eigene Art" ist, gibt es sowieso nicht, aber Robs Argumente in diesem Fall überzeugen schon... und setzen zudem konsequent die rezente Einstufung der Australischen Drosera Taxa (Pygmies, Knollendrosera, z.B. Stolonifera-Komplex) auf Artniveau fort).

Vor allem D. yilgarnensis ist meiner Meinung nach eine sehr gute Art, die sicher nicht viel mit D. peltata zu tun hat. Sie wächst sympatrisch mit D. graniticola (und oft auch D. subhirtella) auf Granitinselbergen in Western Australia (davon wurden in letzter Zeit hier ja recht viele Blder im Forum gezeigt, unter anderem auch von dieser neuen Art), und vermittelt morphologisch schon eher zu D. bicolor.

Schade, dass Robert nicht auch seine molekularen Daten publiziert hat, aber vielleicht folgt das ja noch... seine Stammbäume in dieser Arbeit sind übrigens etwas gewöhnungsbedürftig, da im Gegensatz zu den meisten anderen von rechts nach links zu lesen. Aber vielleicht müssen die ja verkehrt herum sein, wenn sie aus Australien stammen - sie sind eben von "down under" zu lesen ;)

Alles Gute,

Andreas

PS: Robert "Dr. Sundew" Gibson ist übrigens definitv ein Experte auf dem Gebiet der Drosera-Systematik, ich kenne kaum jemanden, der so viel Ahnung und langjährige Expertise zu dieser Gattung hat, wie er!

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Hallo Siggi & Andreas,

danke für Eure Expertise(n) - ich hatte schon gesehen, dass es eine peer-reviewte Studie von Gibson war, nur sind mir die Gepflogenheiten bzw. die Wissenschaftkultur bei den Biologen/Systematikern nicht so geläufig (Was die Geltungsansprüche und Konsequenzen angeht - auch Taxonomien müssen sich ja behaupten/bewähren).

Ich denke jetzt sind wir hier aber gut im Bilde. Noch eine Frage vielleicht: Gibt es Eures Wissens von diesem Artikel auch eine 'populäre' Variante , ggf. Webseite (für die man nicht 40 Australische Dollars zahlen muss)?

Danke und Grüsse

Feldi

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