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Sarraceniaceen-Welkepilz


Andreas Fleischmann

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Andreas Fleischmann

Hallo zusammen,

Ich hatte hier ja schon öfter von dem Welkepilz der Gattung Colletotrichum berichtet, der unter ungünstigen Bedingungen (hohe Temperaturen und Luftfeuchte über einen längeren Zeitraum) unsere Heliamphoren zum Teil innerhalb kürzester Zeit dahinraffen kann. Völlig gesund aussehende Pflanzen verwandeln sich sozusagen über Nacht in welken Kompost.

Mittlerweile konnte ich die Gattung Colletotrichum auch eindeutig als Verursacher der plötzlichen Welke bei Darlingtonia nachweisen. Und interessanterweise fand ich diesen Pilz auch in den Rhizomen von Sarracenia. Da ich mit kultivierten Pflanzen gearbeitet habe, wusste ich allerdings nicht, ob sich dieser Endophyt nicht vielleicht erst in Kultur etabliert hat. Bei Heliamphora ist es definitiv nicht so, da kommt dieser Pilz auch in allen bisher untersuchten Arten in freier Natur vor, richtet dort aber keinen Schaden an. Mehr dazu habe ich schon mal im Forum geschrieben.

Nun haben Kollegen in den USA entdeckt, dass Colletotrichum wohl auch (in allen?) Sarracenia-Arten natürlich vorkommt: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0032980

Dieser Pilz scheint somit immer in Sarraceniaceen vorzukommen. Und zwar wohl auch bei in vitro-Material, denn schon die Embryos im Samen tragen diesen Pilz im Gewebe. Ich vermute, dass es sich dabei um einen obligaten Endophyten handelt, der vielleicht sogar als Symbiont in der Pflanze lebt (viele Pflanzen tragen Pilz in sich, die z.B. Giftstoffe etc. für sie produzieren). Solange es der Pflanze eben gut geht, und der Pilz nicht um sein "Überleben" fürchten muss, scheinen beide miteinander auszukommen. Wenn die Heliamphora allerdings zu schwächeln anfängt, wird aus dem Gleichgewicht ein Schwächeparasitismus, und bei der Ausbildung seiner Konidienträger bringt Colletotrichum seinen Wirt in der Regel um. Bei Sarracenia ist mir diese Welke bisher noch nicht bekannt, sie können also wohl besser mit ihrem Endophyten umgehen, als Heliamphora und Darlingtonia. Wobei es sicher auch daran liegen mag, dass die ungünstig warmen Bedingungen, die bei uns im Sommer herrschen, den Sarracenien nichts ausmachen (sie sind noch viel tropischere Bedingungen aus der Natur gewöhnt).

Es scheint übrigens einige Spritzmittel, die gegen Colletotrichum wirksam sind, auf dem Markt zu geben (darf man hier Markennamen nennen?). Es handelt sich dabei allerdings um Fungistatika, keine Fungizide, d.h. der Pilz verschwindet nicht, sondern wird nur im Wachstum gebremst.

Schöne Grüße,

Andreas

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Andreas, danke für den wie immer sehr informativen Text. Deine Vorläuferveröffentlichungen zum Thema habe ich schon gelesen. Wie schätzt Du die Chance ein, mit einem der von Dir angesprochenen Spritzmittel den tötlichen Verlauf eines solchen "Welkepilzes" in den Griff zu bekommen bzw. abzuwenden? Ich hatte bei meiner Darlingtonia die Erfahrung, dass die Schläuche am Rhizom "von hinten nach Vorn" abstarben und die Wachstumsspitze zuletzt. Man hatte etwa 1 Woche Zeit von den ersten Anzeichen bis zum Exitus. WÄre das mit den Spritzmitteln abzuwenden gewesen? Ich hatte damals den Verlauf schnell bemerkt, aber eben trotz veränderter Kulturbedingungen doch nichts abewenden können...

viele Grüße

Feldi

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Latrodectus

Hallo Andreas,

auch von meiner Seite vielen Dank für die neuesten Erkenntnisse zu diesem "interessanten" Pilz.

Mir sind bereits zwei Sarraceinia psittacina sowie eine Sarracenia purpurea ssp. purpurea an diesem Pilz verreckt. Bei den Heliamphoren und bei Darlingtonia hatte ich dieses Problem auch schon. Sogar einen Cephalotus habe ich durch diesen oder einen verwandten Pilz verloren. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass bei meinen getopften Pflanzen offenbar auch längere Zeit nasses Substrat - z. B. durch das "Anstauverfahren" - mit dazu beigetragen hat, dass dieser Pilz durch welche näheren Umstände auch immer sein Unheil verrichten konnte. Heliamphora und Darlingtonia habe ich zuletzt überhaupt nicht mehr im Anstau kultiviert. Bei Heliamphora ist das Problem durch die Bewässerung von oben komplett verschwunden. Auch höhere Temperaturen im Terrarium haben diese "Pilzerkrankung" nicht mehr ausgelöst, seit dem ich das Heli-Substrat zwischen den Wassergaben habe gut abtrocknen lassen. Das Substrat ist wieder gegossen worden, nachdem es etwa "Handtuchfeuchte" erreicht hat. Die Töpfe haben nie im Wasser gestanden. Darlingtonia habe ich erstaunlicherweise in der neuen Wohnung nie erfolgreich kultivieren können - egal, an welchem Standort und unter welchen Bedingungen!

Bei Cephalotus lasse ich nie länger als zwei Tage Wasser im Untersatz und lasse auch dort das Substrat zwischen den Wassergaben auf "Handtuchfeuchte" abtrocknen, bevor ich wieder Wasser in den Untersatz gieße. Auch beim Zwergkrug ist seit dem nie wieder das Pilzproblem aufgetaucht.

Bei den Sarracenien war ich zuletzt immer noch mutiger, was das Anstauverfahren betrifft. Natürlich spielt die Substratfeuchte bei diesem Pilzproblem nicht die alleinige Rolle. Man muss wohl alle Kulturfaktoren mit einbeziehen. Meine Kulturbedingungen sind wohl insgesamt nicht so ideal. Sarracenia und Darlingtonia ganzjährig auf der Fensterbank zu kultivieren, ist wohl doch ein schmaler Grat. Meine Sarras standen unter einem großen Südwest-Dachfenster meist recht sonnig und hatten auch eine gute Luftzufuhr. Aber dennoch ist ein Standort im Freien oder Gewächshaus viel besser für diese Pflanzen. Fensterbankkultur "verweichlicht" offenbar die Pflanzen, im Freien werden sie robuster. Aber was will man machen ohne Garten, ohne Balkon und Terrasse? :sad: Ich hoffe, dass ich bei der nächsten Wohnung - diesen Sommer - eine mit Balkon oder Terrasse erwische! Momentan kultiviere ich Darlingtonia und Sarracenia nicht mehr, wobei ich dieses Frühjahr mal wieder eine Sarracenia erstanden habe. Das ist aber die einzige, die ich derzeit habe.

Btw: Die Gattungen mit gegenüber höheren Temperaturen empfindlichen Wurzeln - sprich Cephalotus, Darlingtonia und Heliamphora habe ich alle in relativ geräumigen Tontöpfen kultiviert. Die Töpfe sind so platziert gewesen, dass direkte Sonenneinstrahlung nicht die Topfwand erreicht hat. Durch die Verdunstung von Wasser durch die Tonwand wurde der Wurzelraum der genannten Arten ausreichend kühl gehalten.

Ich habe es ein einziges Mal geschafft, eine vom Colletotrichum (?) "befallene" Heliamphora nutans "Giant" (hat jetzt, glaube ich, einen anderen Namen) im Anfangsstadium des Verfalls mit Euparen zu retten. Zu dem Zeitpunkt waren erst die Nektarlöffel der neuen Krüge plötzlich geschrumpelt. Eine Spritzkur sowie auch Gießbehandlung des Substrates haben den Pilz offenbar noch aufhalten können. Das Präparat hatte im Jahr 2000 noch den mittlerweile verbotenen Wirkstoff Dichlofluanid. Das Nachfolgeprodukt mit dem Wirkstoff Tolylfluanid hat indes nichts mehr bewirkt! Wobei bei der betroffenen Pflanze das Welkestadium schon leicht fortgeschrittener war als beim ersten Beispiel.

Das sind meine 2 oder auch mehr Cent ;) zu diesem Thema.

Wenn ich das jetzt richtig zusammen bekomme, können solche Pilze - sicherlich unterschiedliche Gattungen und auch Arten - ihr zerstörerisches Werk von den Wurzelspitzen aus, im Rhizom und auch in den Kapillargefäßen der Fangblätter verrichten. Die Symptome des Letzteren unterscheiden sich demnach etwas von den Symptomen der Rhizom- und Wurzel besiedelnden Arten. Du kannst uns sicher sagen, zu welcher Sorte die Colletotrichum-Arten gehören. Kommt es also zu einer explosiven Vermehrung der Pilze an den Wurzelspitzen und im Rhizom, wird die Wasserversorgung der Pflanze unterbrochen, weil die Leitbündel blockiert werden. Die Grubenfallen der Pflanzen fühlen sich im unteren Bereich schlaff an und im oberen Bereich noch fester. Die Pflanze vernendet demnach von unten nach oben. Bei dem Pilz, welcher die Leitbündel der Fallen besiedelt, fühlt sich erst der obere Teil der Fallen labbrig an, während sie weiter unten noch etwas fester sind. Die Pflanzen sterben in dem Fall offenbar von oben nach unten. Gut, das ist jetzt sicher etwas amateurhaft ausgedrückt. Bin ja kein Pflanzenpathologe. ;)

Einen schönen 1. April und lasst euch (morgen) keinen "Bären" aufbinden! :D

Andreas

Edited by Latrodectus
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