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Thilo.K

Nepenthes pervillei auf Silhouette - Mont Pot à Eau

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Thilo.K

Hallo,

nach den beiden Standorten auf Mahé (dem Gongo Rouge und dem Copolia) stelle ich im letzten Teil der Fotoserie den recht ungewöhnlichen Standort von Nepenthes pervillei auf der Insel Silhouette vor.
Der Aufstieg zum Mont Pot à Eau (dem einzig bisher bekannten Standort von N. pervillei auf Silhouette) ist mir und meiner Familie als die wohl schwierigste, aber auch mit Abstand schönste Wanderung auf den Seychellen in Erinnerung geblieben.

Silhouette ist unter Biologen als eine der vielfältigsten Inseln im Indischen Ozean bekannt und wird sogar als "Hotspot" der Biodiversität bezeichnet.
Sie ist kaum erschlossen und im Gegensatz zu den anderen Inseln der Seychellen von menschlichen Eingriffen in die Natur fast vollständig verschont geblieben.
Beides, die enorme Artenvielfalt und ihre Unberühtheit, hat die Insel ihrem sehr gebirgigen Relief zu verdanken, das weder Infrastruktur noch wirtschaftliche Entwicklung zulässt.
Seit 2010 befinden sich 93% (!) der Insel unter Naturschutz, womit nun fast die Hälfte der Landfläche der Seychellen als Nationalpark geschützt sind.

Es gibt ja viele Nepenthes, die nach dem Berg, auf dem sie vorkommen benannt sind (z. B. N. muluensis vom Mulu in Borneo), aber der Mont Pot à Eau (zu Deutsch "Wassertopf") ist nach den Kannenpflanzen benannt, die auf ihm vorkommen!
Der 621m hohe Gipfel thront über dem mit 105 Bungalows (!) viel zu groß geratenem Hotel:

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Nachdem man sich bereits nach wenigen Metern (noch auf einem guten Weg!) im herrlichen, unberühren Tiefland-Regenwald befindet, muss man eine winzige Abzweigung finden, die zu den Koko de Mer Palmen führt (dazu werde ich vielleicht noch einen seperaten Thread eröffnen).

Hier aber hört der Weg quasi auf und es wird extrem schwer, sich durch die dichte Vegetation zu bewegen. Für die Hundert Meter braucht man ab hier knapp 20 Minuten!
Ohne GPS und der Tatsache, dass wir die Tour bereits 2010 (damals gab es noch einen verhältnismäßig guten Weg) gemacht hatten wären wir definitiv umgekehrt.
Die letzten 500 Meter des Aufstiegs verliefen sogar vollständig weglos. Es gab kein Zeichen, dass irgendjemand in den letzten Monaten auf dem Mont Pot à Eau war!

Nach fast 6 Stunden teilweise qualvollen Aufstiegs (und das, obwohl der Berg eigentlich "nur" 621m hoch ist!) erreichten wir den so ersehnten Nebelwald kurz unter dem Gipfel, den wir auch 2010 erreicht hatten (http://forum.carnivo...aus-silhouette/).

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Der Boden war geradezu übersät mit Nepenthes:

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Die wunderschönen unteren Kannen hätte ich stundenlang fotographieren können, wenn wir nicht so lang für den Aufstieg gebraucht hätten...

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Eine sehr große Pflanze:

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Eine sehr interessantes Rosette, die zwar aus dem Haupttrieb entsprungen ist, jedoch untere Kannen (mit Flügelleisten) produziert:

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Eine obere Kanne mit schöner, roter Farbe:

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Eine "normale" obere Kanne:

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Und eine Zwischenform, die ich bereits 2010 gezeigt habe und die Merkmale von den beiden oben gezeigten Kannen besitzt:

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Der Tendrill:

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Eine Ameise am Abgrund:

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Auch dieses Mal konnte ich auf einer Palme einige epiphytisch wachsende Nepenthes pervillei finden.
Mir ist es nach wie vor ein Rätsel, wie es diese Pflanzen dort hinauf geschafft haben...
Es handelt sich um junge Pflanzen, die noch untere Kannen produzieren:

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Im Gegensatz zu 2010 sind wir diesmal noch ein Stück weiter zum Gipfel des Mont Pot à Eau gewandert.
Hier befindet sich ein dichtes Farngeflecht, in dem die Kannenpflanzen eine vollkommen andere Wuchsform ausbilden, als im Nebelwald nur etwa 50 Meter weiter unten:

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Untere Kannen gab es hier kaum, dafür aber sehr schöne obere Kannen:

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Einige Kannen hatten eine blutrote Deckelunterseite:

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Wie auch auf Mahé können Bäume schnell überwuchert werden:

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Das folgende Foto zeigt die wohl mit Abstand größte Kanne, die wir während unseres gesmaten Aufenthalts auf den Seychellen finden konnten.
Sie dürfte um die 20 cm groß gewesen sein.

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Am Gipfel angekommen hat man wirklich das Gefühl, der erste Mensch am Gipfel überhaupt zu sein. Jegliche Zivilisation scheint nach der stundenlangen, weglosen Wanderung so unglaublich weit weg. Man fühlt sich mit der Natur so eng verbunden...
Einfach ein herrliches Gefühl!
Und dann auch noch diese grandiose Aussicht:

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Der Blick nach Mahé und auf den südlichen Teil der Insel:

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Der höchste Berg der Insel, der Mont Dauban (740m), den ich gerne noch bestiegen hätte, aber die Zeit reichte nicht mehr aus...

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Direkt am Gipfel wuchs eine junge Pflanze mit einer etwas außergewöhnlichen Wuchsform:

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Unterhalb des Gipfels wuchs an einer extrem steilen Klippe eine Population fast so dicht gedrängt, wie auf dem Copolia in Mahé:

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Für mich ist der Mont Pot à Eau der mit Abstand schönste Berg der Seychellen.
Die Kannenpflanzen wachsen in allen möglichen Variationen, die Flora und Fauna ist weitaus vielfältiger, als auf den meisten Bergen in Mahé und die Aussicht auf fast die gesamte Insel Silhouette ist einfach grandios.

Viele Grüße,

Thilo

PS: Man muss nicht immer weit weg, um interessante Pflanzen zu finden:
Gestern besichtigte ich einen Standort von Utricularia (neben Nepenthes meine zweite große Leidenschaft) bei Mainz/Wiesbaden, der direkt in meiner Nähe liegt!
Vielleicht gibt es später (wenn ich den Standort ausreichend erkundet habe) noch ein paar Bilder dazu...

Edited by Thilo.K

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Latrodectus

Hallo Thilo,

eine fantastische Fotodokumentation aus einem der letzten Paradiese dieser Erde! :thumbsu: Ich habe jedes Foto dieser dreiteiligen Dokumentation genossen, zumal Nepenthes pervillei zu meinen Lieblingsnepenthes gehört. Zu dumm, dass ich auch meine Pervillei im Zuge meines Ausverkaufs vor zwei Jahren weg gegeben habe. Ich hoffe, ihr geht es in der Nähe von Heidelberg (oder war es Heilbronn?) nach wie vor gut! :)

Nächstes Jahr dann Madagaskar, oder, Thilo? ;)

Viele Grüße

Andreas

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Benedikt Schmitt

Ich denke atemberaubend trifft es am Besten. Einfach nur klasse ;)

Atemberaubend war auch das erste was mir dazu eingefallen ist!

Danke fuer die Bilder!

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Nils Schön

Hallo Thilo,

ich kann Andreas nur zustimmen! Einfach großartig.

Einfach jedes Bild hat interessante Details und gibt wunderbare Einblicke in den Naturstandort.

Nächstes Jahr dann Madagaskar, oder, Thilo? ;)

Aber nicht die Kamera vergessen! ;) Da gibts ja dann sogar Sonnentaue!

Viele Grüße

Nils

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Drosera

Wow!!!

Bin zwar eigentlich kein soo großer Nepenthes-Fan aber ich finds einfach nur wunderschön.

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Thilo.K

Hallo,

danke für die Kommentare!

Nächstes Jahr dann Madagaskar, oder, Thilo? ;)

Madagaskar ist natürlich schon sehr reizvoll!

Vor meinem Abitur (2014) wird das jedoch wohl nicht mehr klappen... ;)

Allerdings steht dieses Jahr noch eine weitere Reise in eine äußerst karnivorenreiche Region an: Nord- und Nordwestaustralien!

Ich bin schon seit Monaten am planen und versuche, so viele bereits bekannte Standorte wie möglich zu finden.

Nach diesem "Karnivoren-Jahr" steht aber erstmal die Abiturvorbereitung im Vordergrund. Für Fernreisen wird dann wohl kaum Zeit und Geld bleiben...

Aber man muss ja (wie bereits gesagt) nicht immer den heimischen Kontinent verlassen, um interessante Pflanzen zu sehen!

Viele Grüße,

Thilo

Edited by Thilo.K

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