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Andreas Wistuba

Phytophtora und Pythium Pilzerkrankungen an Heliamphora

Empfohlene Beiträge

Andreas Wistuba

Hallo zusammen,

mit dem berüchtigten (Welkepilz) habe ich seit einigen Jahren eine Art Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Ich bin der Meinung, dass diese Krankheit (Vermutlich eine Colletotrichum-Art) nur bei zu warmer Kultur auftritt. Achtet man darauf die Heliamphora-Pflanzen weitgehend unter 25°C zu kultivieren, so tritt die Erkrankung normalerweise nicht auf. Seit ich Heliamphora entweder klimatisiert unter Kunstlicht oder im gekühlten Gewächshaus kultiviere hatte ich keine Probleme mehr mit der Welke. Jetzt schon seit einigen Jahren!

Leider tritt (bei mir zum Glück immer sehr lokal und nie als bedrohliche Epidemie) eine zweite Erkrankung auf, eine Art Herzfäule. Das jüngste Blatt wird noch in der Blattscheide schwarz und stirbt ab. Reagiert man nicht schnell, ist die Pflanze verloren!

Man kann die Herzfäule-Fälle meiner Erfahrung nach auf ein Minimum begrenzen, wenn man ein paar Grundregeln beachtet:

  • Keine Staunässe
  • Kein Moos überwuchert das Zentrum der Pflanze
  • Niemals nachmittags giessen (das Wasser, welches möglicherweise im Zentrum stehenbleibt, soll bis zur kühlen Nacht abgetrocknet sein)!
  • Kein Wasser tropft aus Hängekörben in die Herzen von Heliamphora-Pflanzen die darunter stehen
  • Im Gewächshaus an kühlen und dunklen Tagen zusätzlich beleuchten

Nachdem es kürzlich mal wieder zwei Pflanzen erwischt hat (...ich musste aus Zeitgründen 2x hintereinander abends giessen....das hat gereicht!) entschloss ich mich, der Sache auf den Grund zu gehen und Material zur Diagnose einzusenden.

Das Ergebnis erhielt ich heute und möchte es Euch nicht vorenthalten:

Es liegt eine Mischinfektion von Phytophtora nicotianae und einer nicht näher bestimmten Pythium-Art vor.

Glücklicherweise enthalten beide Pilz-Gattungen wirtschaftlich äusserst bedeutsame Pflanzen-Pathogene, so dass es eine ganze Reihe systemischer Wirkstoffe gibt. Nach Rückfrage wurden mir folgende Wirkstoffe als besonders empfehlenswert genannt:

Fosetyl, Fenamidone und Propamocarb

Das Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel listet aber noch weitere Wirkstoffe.

Ich werde demnächst diese drei Wirkstoffe mit den Mitteln Aliette WG, Previcur Energy und Fenomenal auf Verträglichkeit testen und hier über die Ergebnisse berichten.

Viele Grüße

Andreas

bearbeitet von Andreas Wistuba
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Feldenberg

Hallo Andreas,

vielen Dank für diesen sehr informativen Hinweis, der mich schon auf Deine Ergebnisse neugierig macht. Mich würde noch interessieren, wie stark Du den Faktor "Luftbewegung" als Schutz gegen Pilze in Relation zur Temperatur (und Luftfeuchte natürlich) gewichten würdest.

Ich halte meine Heliamphora ja offen am Fenster und habe aktuell bei Außentemperaturen von über 30 °C auch etwas über 25°C im Substrat, wobei es über Nacht bei geöffnetem Fenster auf knapp unter 20 abkühlt. Bislang (ich hab diverse Helis jetzt im 3. Sommer so in Kultur) ist noch kein Pilzverlust zu beklagen gewesen (ich klopfe dabei aber nachdrücklich mehrfach auf Holz..).

Meine Idee dazu ist, dass evtl. die relativ stärkere Luftbewegung in diesem "Freiluftsetting", anders als im Gewächshaus oder im Terrarium, eine gewisse Resilienz gegen Pilzbefall zur Folge hat. Beispielsweise werden ja die "Kopffäule" bei Roridula und z.T. wohl auch bei Drosophyllum u.a. mangelnder Luftbewegung in der GWH Kultur zugeschrieben..

Dazu würde mich noch Deine Meinung interessieren.

viele Grüße

Feldi

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Andreas Wistuba

Hallo Andreas,

vielen Dank für diesen sehr informativen Hinweis, der mich schon auf Deine Ergebnisse neugierig macht. Mich würde noch interessieren, wie stark Du den Faktor "Luftbewegung" als Schutz gegen Pilze in Relation zur Temperatur (und Luftfeuchte natürlich) gewichten würdest.

Ich halte meine Heliamphora ja offen am Fenster und habe aktuell bei Außentemperaturen von über 30 °C auch etwas über 25°C im Substrat, wobei es über Nacht bei geöffnetem Fenster auf knapp unter 20 abkühlt. Bislang (ich hab diverse Helis jetzt im 3. Sommer so in Kultur) ist noch kein Pilzverlust zu beklagen gewesen (ich klopfe dabei aber nachdrücklich mehrfach auf Holz..).

Meine Idee dazu ist, dass evtl. die relativ stärkere Luftbewegung in diesem "Freiluftsetting", anders als im Gewächshaus oder im Terrarium, eine gewisse Resilienz gegen Pilzbefall zur Folge hat. Beispielsweise werden ja die "Kopffäule" bei Roridula und z.T. wohl auch bei Drosophyllum u.a. mangelnder Luftbewegung in der GWH Kultur zugeschrieben..

Dazu würde mich noch Deine Meinung interessieren.

viele Grüße

Feldi

Hallo Feldi,

bei mir in den Gewächshäusern habe ich im Sommer einen ständigen Luftaustausch durch die Kühl-Ventilatoren. Auch im Winter laufen im Gewächshaus Ventilatoren zur Luftumwälzung. Das halte ich persönlich für sehr wichtig, schon um ein gleichmässiges Klima zu haben.

In meinen Terrarien hatte ich aber kaum Luftaustausch und trotzdem unter klimatisierten Bedingungen keine Probleme mit Welke. Die Welke war bei mir immer mit zu warmer Kultur verbunden, bevor ich gekühlt habe.

Eventuell wäre es für Dich und andere "Nicht-Kühler" interessant, ein Fungizid gegen Welke (Colletotrichum) schussbereit zu haben. Wobei ich keine Ahnung habe, ob das in der Praxis hilft...! Ich habe allerdings letztes Jahr eine Testbehandlung gesunder Heliamphora-Pflanzen mit Folicur EW (Tebuconazol) gemacht und konnte keine Schäden feststellen.

Du hast bei stehender Luft natürlich noch viel größere Probleme mit Stellen auf der Pflanze, die nicht abtrocknen und so als Eintrittspforte für Pilze dienen können. Und genau das führt zu den Problemen mit Phytophtora und Pythium, wie oben beschrieben.

Viele Grüße

Andreas

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Andreas Wistuba

Kleiner Zwischenbericht:

Ich habe vor ca. 10 Tagen zwei verschiedene Behandlungen vorgenommen (Alles im Giessverfahren eingesetzt):

1.) Im Bereich um die befallenen und eingesandten Pflanzen:

Fenomenal (Fosetyl + Fenamidone) + Shirlan (Fluazinam)

Fenomenal ist ein systemisches Fungizid gegen Phytophtora und Pythium.

Shirlan stoppt lediglich die Ausbreitung indem sog. Schwärmersporen abgetötet werden, die es bei beiden Pilzgattungen gibt und die aktiv zu neuen Wirtspflanzen hinschwimmen.

2.) Einige Kisten im zweiten Hochlandhaus, wo es keine befallenen Pflanzen gab:

Aliette (Fosetyl)

Aliette ist ein systemisches Fungizid gegen Phytophtora und Pythium.

In beiden Zonen gab es keinerlei bisher sichtbare Blattschäden oder Wuchsstörungen.

Um die befallenen Pflanzen gibt es bisher keine sichtbaren Neuinfektionen. Auch gesäuberte und behandelte Teilstücke der befallenen Horste wachsen und scheinen gesund.

Ich werde demnächst noch Previcur Energy (Propamocarb + Fosetyl) testen.

Interessant ist, dass alle genannten Fungizide Fosetyl enthalten.

Viele Grüße

Andreas

bearbeitet von Andreas Wistuba
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Andreas Wistuba

Ich denke, nachdem nun zwei weitere Wochen vergangen sind, kann man alle drei Fungizide als sicher für Heliamphora einstufen.

Die Kombination aus Fenomenal und Shirlan führte m.E. nach ausserdem zu einem guten Behandlungs-Erfolg.

Keine der behandelten Pflanzen von denen befallene Teile entfernt worden waren, zeigt noch Probleme. In der Umgebung der befallenen Pflanzen kam es nicht zu weiteren Infektionen.

Zur Applikation:

Ich verwende in meinen Gewächshäusern Dünge-Dosierer von Dosatron. Damit kann man dem Giesswasser Dünger oder andere Stoffe in einstellbarer Konzentration beimischen. Der Einfachheit halber habe ich einfach Kanister mit Stamm-Lösungen (100x) der genannten Fungizide an die Dosierer gehängt und mit Einstellung 1% auf Anweisungs-Konzentration herunter-verdünnt. Mit dieser Brühe wurde ausgiebig von oben gegossen, nachdem die Pflanzen bewusst ein paar Tage lang nicht gegossen worden waren, so dass das Substrat die Brühe gut aufsaugen konnte. Die Krüge waren nach der Anwendung natürlich mit Spritzbrühe geflutet, was aber nicht zu Problemen führte.

Ich werde zwar das Previcur Energy noch testen, für den Moment denke ich aber, dass mit Fenomenal und Shirlan eine gute Waffe gegen die Pythium/Phytophtora-Herzfäule bei Heliamphora zur Verfügung steht!

Bleibt noch das "Welke"-Problem....

Es wäre super, wenn jemand, der diesen Sommer Probleme bekommt Folicur EW (Tebuconazol) oder einen der anderen im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel genannten Wirkstoffe gegen Colletotrichum testen könnte. Welke Pflanzen werden vermutlich nicht mehr zu retten sein, aber es wäre sehr gut, ein Mittel zu haben, mit dem die Ausbreitung der Erkrankung gestoppt werden kann.

Mir ist klar, dass nicht alle genannten MIttel unbeschränkt zugänglich sind, da z.B. Shirlan keine Zulassung für den Haus- und Kleingartenbereich besitzt.

Ich kann in dem Zusammenhang aber jedem ernsthaft interessierten Liebhaber raten, einen kleinen Abendlehrgang zum Abschuss der Sachkundeprüfung im Pflanzenschutz zu machen. Das ist kein Hexenwerk, ist interessant, sinnvoll, sehr hilfreich und informativ. Mit Sachkundenachweis darf man jedes zugelassene Pflanzenschutzmittel erwerben.

Viele Grüße

Andreas

P.S.

Falls die Moderation das auch für sinnvoll hält, schlage ich vor, den Thread irgendwie zu pinnen und/oder die Informationen in ein FAQ einfliessen zu lassen.

bearbeitet von Andreas Wistuba
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Torsten T.

Hallo Andreas,

zunächst im Namen aller Heli-Liebhaber ein besonders dickes DANKE für die Veröffentlichung deiner Untersuchungsergebnisse!

Ich pinne den Thread gerne, denn ich habe bereits nach Deinem ersten Beitrag überlegt eine Kopie in das >Archiv lesenswerter Artikel< zu stellen.

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Andreas Wistuba

Kleiner Zwischenbericht:

Ich habe vor ca. 10 Tagen zwei verschiedene Behandlungen vorgenommen (Alles im Giessverfahren eingesetzt):

1.) Im Bereich um die befallenen und eingesandten Pflanzen:

Fenomenal (Fosetyl + Fenamidone) + Shirlan (Fluazinam)

Fenomenal ist ein systemisches Fungizid gegen Phytophtora und Pythium.

Shirlan stoppt lediglich die Ausbreitung indem sog. Schwärmersporen abgetötet werden, die es bei beiden Pilzgattungen gibt und die aktiv zu neuen Wirtspflanzen hinschwimmen.

2.) Einige Kisten im zweiten Hochlandhaus, wo es keine befallenen Pflanzen gab:

Aliette (Fosetyl)

Aliette ist ein systemisches Fungizid gegen Phytophtora und Pythium.

In beiden Zonen gab es keinerlei bisher sichtbare Blattschäden oder Wuchsstörungen.

Um die befallenen Pflanzen gibt es bisher keine sichtbaren Neuinfektionen. Auch gesäuberte und behandelte Teilstücke der befallenen Horste wachsen und scheinen gesund.

Als kleinen Nachtrag muss ich leider melden, dass die Applikation von Aliette möglichrweise doch nicht ganz so ohne ist.

Interessanterweise ist sowohl in Fenomenal, wie auch in Aliette Fosetyl enthalten. Bei der Anwendung lt. Beipackzettel kommt man aber mit Aliette auf viel höhere Fosetyl-Konzentrationen.

Während es bei Fenomenal in Kombiantion mit Shirlan auch längerfristig keine Probleme gab, kamen die mit Aliette behandelten Kisten deutlich ins Stocken. Es ist zwar nichts eingegangen, aber so ein Wachstums-Stop für eine gewisse Zeit ist auch nicht das, was man unbedingt braucht....

Ich kann derzeit nicht sagen, ob ein direkter Zusammenhang besteht, aber da die andere Kombinaton hervorragend funktioniert hat, sehe ich derzeit keine Veranlassung noch größere Testreihen zu machen.

Demnach ist meine Empfehlung gegen Herzfäule bei Heliamphora derzeit ganz klar Fenomenal (Fosetyl + Fenamidone) + Shirlan (Fluazinam)

Viele Grüße

Andreas

bearbeitet von Andreas Wistuba

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Feldenberg

Hallo Andreas,

vielen Dank für den Hinweis in diesem sowieso spannendem Artikel.

Ich möchte dazu nur ergänzen, dass ich die stark wachstumsbremsende Wirkung von Aliette bei der Behandlung von Cephalotus gegen unechten Mehltau genau so wie Du bei den Helis wahrgenommen habe. Auch ohne Vergleichsreihe kann das also ein Hinweis auf so eine Nebenwirkung sein. Es war wie bei Deinen Helis: Der Mehltau war passé und es ist auch nichts abgestorben, aber ca. 1/2 Jahr war damals auch fast keine Blattneubildung zu sehen (das 'kann' natürlich auch mit der Jahreszeit zu tun gehabt haben; es war natürlich Winter - aber auch da hätten beim Cephi ein paar mehr Laubblätter gebildet werden sollen..).

viele Grüsse

Feldi

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Andreas Wistuba

Hallo Andreas,

vielen Dank für den Hinweis in diesem sowieso spannendem Artikel.

Ich möchte dazu nur ergänzen, dass ich die stark wachstumsbremsende Wirkung von Aliette bei der Behandlung von Cephalotus gegen unechten Mehltau genau so wie Du bei den Helis wahrgenommen habe. Auch ohne Vergleichsreihe kann das also ein Hinweis auf so eine Nebenwirkung sein. Es war wie bei Deinen Helis: Der Mehltau war passé und es ist auch nichts abgestorben, aber ca. 1/2 Jahr war damals auch fast keine Blattneubildung zu sehen (das 'kann' natürlich auch mit der Jahreszeit zu tun gehabt haben; es war natürlich Winter - aber auch da hätten beim Cephi ein paar mehr Laubblätter gebildet werden sollen..).

viele Grüsse

Feldi

Hallo Feldi,

das ist sehr interessant!

Ich dachte schon, dass ich mich in der Konzentration vertan oder sonst einen Fehler gemacht habe....

Viele Grüße

Andreas

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Thomas Carow

Hallo,

Wuchsdepressionen sind bei Fungiziden (im Gegensatz zu Insektiziden) nicht selten, man braucht nur diese beiden Stichwörter mal zu googeln.

Bei langsamwachsenden Kulturen wirken sich solche Schäden natürlich viel empfindlicher/störender aus als bei 'normalen' Pflanzen und Gehölzen.

Auch erkennt man natürlich Wuchsdepressionen bei langsamwachsenden Kulturen erst sehr viel später, oft erst nach Monaten.

Erst dann können Rückschlüsse gezogen werden. Auch die Anwendung von unterschiedlichen Fungiziden gleichzeitig kann eine potenzierende negative Wirkung auf das Wachstum haben.

Oft werden sie gar nicht erkannt, da man bei diesen Spezialkulturen meist keine Vergleichskulturen hat.

Eine Fungizidanwendung ist natürlich oft nicht zu verhindern und gerade in den lichtarmen Wintermonaten in Gärtnereien immer wieder üblich und notwendig. Im Hobbybereich sollte man sich jedoch bewusst sein, dass die Ursache für ständige Pilzinfektionen immer in Kulturfehlern liegt. Wer hier für ein paar Pflanzen immer wieder zu Fungiziden greifen muss, sollte seine Kulturbedingungen überdenken und nicht aufhören zu experimentieren.

Happy growing

Thomas

bearbeitet von Thomas Carow
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Andreas Wistuba

Wuchsdepressionen sind bei Fungiziden (im Gegensatz zu Insektiziden) nicht selten, man braucht nur diese beiden Stichwörter mal zu googeln.

Bei langsamwachsenden Kulturen wirken sich solche Schäden natürlich viel empfindlicher/störender aus als bei 'normalen' Pflanzen und Gehölzen.

Auch erkennt man natürlich Wuchsdepressionen bei langsamwachsenden Kulturen erst sehr viel später, oft erst nach Monaten.

Erst dann können Rückschlüsse gezogen werden. Auch die Anwendung von unterschiedlichen Fungiziden gleichzeitig kann eine potenzierende negative Wirkung auf das Wachstum haben.

Oft werden sie gar nicht erkannt, da man bei diesen Spezialkulturen meist keine Vergleichskulturen hat.

Hallo Thomas,

solche Probleme hatte ich bisher zum Glück noch nie - umso mehr hat mich die Sache erstaunt.

Es scheint sich hier aber um einen Dosis-Effekt des Foselyl zu handeln. Der selbe Wirkstoff macht meiner Erfahrung nach geringer dosiert (in Fenomenal) bei Heliamphora keine Probleme.

Eine Fungizidanwendung ist natürlich oft nicht zu verhindern und gerade in den lichtarmen Wintermonaten in Gärtnereien immer wieder üblich und notwendig. Im Hobbybereich sollte man sich jedoch bewusst sein, dass die Ursache für ständige Pilzinfektionen immer in Kulturfehlern liegt. Wer hier für ein paar Pflanzen immer wieder zu Fungiziden greifen muss, sollte seine Kulturbedingungen überdenken und nicht aufhören zu experimentieren.

Sehe ich ganz genauso.

Das blöde an Pythium und Phytophtora ist halt, dass es sich um äusserst aggressive Erreger handelt. Man hat in irgendeiner Ecke durch einen Kulturfehler eine befallene Pflanze (ins Herz gegossen, Herz mit Moos überwuchert, etc.). Was dann passiert, ist, dass beide Erreger bewegliche Schwärmersporen bilden, die sich im Wasserfilm auf den Tischen ausbreiten und dass bei entsprechend hohem Infektionsdruck völlig gesunde und korrekt kultivierte Pflanzen befallen werden können, wenn man die Sache nicht stoppt....

Viele Grüße

Andreas

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Aeonium

Hi,

auch wenn diese Organismen Eipilze heißen, handelt es sich nicht im entferntesten um Pilze und diese sind auch in keinster Weise mit diesen verwandt. Phytophtora und Phytium sind somit auch keine Pilzgattungen. Die Eipilze gehören in eine eigene Supergruppe der Lebwesen mit Zellkern (Eukaryota), die als Chromalveolaten bezeichnet werden und sind somit mit dem Malaria-Erreger und diversen nicht-pflanzlichen Algen, wie z. B. Kieselalgen verwandt. Pilze und Tiere sind Teil der Supergruppe der Opisthokonta und befinden sich somit auf einer völlig anderen evolutiven Linie. Die Verwechslung mit Pilzen kommt durch ähnliche Lebensweisen und Eigenschaften zustande, die sich jedoch vollkommen unabhängig voneinander entwickelt haben.

Bei folgender Abbildung kann man sich die ungefähren verwandschaftlichen Beziehungen angucken.

-->Chromalveolata --> Oomycetes --> Phytophtora und Phytium

--> Unikonta --> Ascomycetes usw. (also die Pilze)

http://4.bp.blogspot...eeling 2005.jpg

lG

bearbeitet von Aeonium

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Andreas Wistuba

Hallo IG,

für den Biologen gehören die Oomyceten nicht zu den klassischen Pilzen bzw. haben nichts mit dem zu tun, was ansonsten "allgemein" in der Gruppe der "Pilze" zusammengefasst wird - soweit so klar. Sonst hätten sie ja auch keine Schwärmerzellen.

Die Pflanzenpathologen machen sich's da aber etwas einfacher. Hier gibt es nur wenige Gruppen: Tierische Schädlinge, Bakterien, Pilze und Viren.

Anwenderfreundlich sozusagen.

Grüße

Andreas

bearbeitet von Andreas Wistuba

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Feldenberg

Mhm, wenn's doch keine "Funghis" sind, ist es doch erstaunlich, dass sie immerhin auf Fungizide ansprechen... Oder sind die letzteren auch nur 'pragmatisch' von den Pflanzenphysiologen so benannt worden?

Dann werden wohl Mittel gegen Weichhautmilben auch unter "Insektizide" subsummiert? Da sieht man wieder, so's hinführt, wenn's im Warenkorb möglichst "wissenschaftlich" klingen soll, aber dann doch einer anderen Logik folgt. :-)

Nur so am Rande.

viele Grüße (und danke an alle Beteiligten für disen sehr interessanten Thread !)

Feldi

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Andreas Wistuba

Mhm, wenn's doch keine "Funghis" sind, ist es doch erstaunlich, dass sie immerhin auf Fungizide ansprechen... Oder sind die letzteren auch nur 'pragmatisch' von den Pflanzenphysiologen so benannt worden?

Dann werden wohl Mittel gegen Weichhautmilben auch unter "Insektizide" subsummiert? Da sieht man wieder, so's hinführt, wenn's im Warenkorb möglichst "wissenschaftlich" klingen soll, aber dann doch einer anderen Logik folgt. :-)

Das natürlich nicht.

Es wird schon zwischen den einzelnen Gruppen unterschieden. Es gibt ja "Fungizide", die sehr spezifisch auf einzelne Gruppen, wie z.B. Oomyceten zielgerichtet wirken. Auch gibt es Acarizide, Nematizide (...leider zurzeit in der EU nicht mehr...), Insektizide, Molluskizide, ....

Nur werden eben Mittel gegen Oomyceten ganz traditionell als Fungizide geführt - das meinte ich. Und zuständig in den Beratungsstellen sind auch die Leute, die für die Pilzkrankheiten zuständig sind. Die Leute in den Stellen, die auf tierische Schädlinge spezialisiert sind, decken halt den ganzen zoologischen Sektor ab.

Grüße

Andreas

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Kevin G.

Hallo Andreas,

Ich muss sagen, dass dein Bericht über Fungizide bei Heliamphora sehr gut ist. Auch ist es gut, gleich die verwendeten Wirkstoffe und deren Handelsnamen zu nennen, so kann man sich die Mittel gleich kaufen und in sein Pflanzenschutzarsenal verfrachten.

Sehr gerne achte ich generell auf Rezensionen von Anwendern, bevor ich mir was kaufe. Die Hersteller können vieles versprechen, aber ob es wirkt, das ist 'ne andere Geschichte... ;)

Ich will auch hoffen, dass ich möglichst lange keine Erfahrungen bei Welke, Rhizomfäule & Co machen muss. Allein bei den Storys über die vorher genannten Pilzkrankheiten lassen mich schon ein bisschen schaudern - und das liegt nicht am nahenden Halloween! :D

Obwohl, jetzt kommt 'ne Erinnerung hoch - Hatte doch mal vor ca. 2-3 Jahren mit der Welke zu tun, und zwar am Rhododendron! Der ist sogar daran verreckt und ich haber erst vor fünf Tagen herausgefunden, was es war. Mir ist rein zufällig ein Bild in die Quere gekommen, wo ein Rhododendron von der Welke befallen war.

Nun denn, das Aliette behalte ich erstmal in Erinnerung und vielleicht findet es sogar einen Platz in meinem Pflanzenschutzarsenal. Im Gegenteil - Ich kauf's mir! :rock:

Also damit bedanke ich mich ganz herzlich für deinen Bericht.

Aliette WG, Previcur Energy und Fenomenal

Ah, die Mittel, die man als Privatmann ohne Sachkunde-Nachweis nicht bekommt! :D

Aber zum Glück gibt es eine Privatmann-Version von Aliette WG, das auf den Namen Spezial-Pilzfrei Aliette hört. Selbstverständlich mit dem gleichen Wirkstoff und in der gleichen Konzentration.

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Andreas Wistuba

Hallo Andreas,

Ich muss sagen, dass dein Bericht über Fungizide bei Heliamphora sehr gut ist. Auch ist es gut, gleich die verwendeten Wirkstoffe und deren Handelsnamen zu nennen, so kann man sich die Mittel gleich kaufen und in sein Pflanzenschutzarsenal verfrachten.

Sehr gerne achte ich generell auf Rezensionen von Anwendern, bevor ich mir was kaufe. Die Hersteller können vieles versprechen, aber ob es wirkt, das ist 'ne andere Geschichte... ;)

Ich will auch hoffen, dass ich möglichst lange keine Erfahrungen bei Welke, Rhizomfäule & Co machen muss. Allein bei den Storys über die vorher genannten Pilzkrankheiten lassen mich schon ein bisschen schaudern - und das liegt nicht am nahenden Halloween! :D

Obwohl, jetzt kommt 'ne Erinnerung hoch - Hatte doch mal vor ca. 2-3 Jahren mit der Welke zu tun, und zwar am Rhododendron! Der ist sogar daran verreckt und ich haber erst vor fünf Tagen herausgefunden, was es war. Mir ist rein zufällig ein Bild in die Quere gekommen, wo ein Rhododendron von der Welke befallen war.

Nun denn, das Aliette behalte ich erstmal in Erinnerung und vielleicht findet es sogar einen Platz in meinem Pflanzenschutzarsenal. Im Gegenteil - Ich kauf's mir! :rock:

Also damit bedanke ich mich ganz herzlich für deinen Bericht.

Ah, die Mittel, die man als Privatmann ohne Sachkunde-Nachweis nicht bekommt! :D

Aber zum Glück gibt es eine Privatmann-Version von Aliette WG, das auf den Namen Spezial-Pilzfrei Aliette hört. Selbstverständlich mit dem gleichen Wirkstoff und in der gleichen Konzentration.

Das mit Aliette hatte ich oben etwas revidiert. Nimm lieber Fenomenal. Damit hatte ich keine Negativ-Effekte. Vermutlich, weil das Al-Foselyl geringer konzentriert ist.

Viele Grüße

Andreas

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Kevin G.
Das mit Aliette hatte ich oben etwas revidiert. Nimm lieber Fenomenal. Damit hatte ich keine Negativ-Effekte. Vermutlich, weil das Al-Foselyl geringer konzentriert ist.

Das Problem ist, dass ich Privatmann bin und du Gewerbebetreibender bist. Da ich entsprechend keinen Sachkunde-Nachweis habe, kann ich leider kein Fenomenal kaufen. Dann muss ich beim Anrühren von Spezial-Pilzfrei Aliette dann wohl etwas tricksen... :devil:

Hätte ich mir doch heute bei Praktiker das Spezial-Pilzfrei Aliette von Celaflor kaufen sollen - Da gibt es 25% auf alles, was keinen Stecker hat! Da hätte ich statt 9,99€ nur 7,49€ zahlen müssen!!! :wallbash: Naja, Homer Simpson sagt dann:

http://www.youtube.com/watch?v=-JkTF0QPmZI

Gruß

Kevin

bearbeitet von Karnivoren-Freak

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Andreas Wistuba

Das Problem ist, dass ich Privatmann bin und du Gewerbebetreibender bist. Da ich entsprechend keinen Sachkunde-Nachweis habe, kann ich leider kein Fenomenal kaufen. Dann

Hallo Kevin,

die Sachkunde-Prüfung kann jeder machen. Ist interessant und sinnvoll. Ausserdem kannst Du dann Mittel VIEL billiger kaufen.

100 ml BI 58 kosten ca. EUR 10,-

1 Liter Perfekthion kosten etwa EUR 19,-

Perfekthion ist das Profiprodukt mit dem selben Wirkstoff.

Viele Grüße

Andreas

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Kevin G.

Hallo Kevin,

die Sachkunde-Prüfung kann jeder machen. Ist interessant und sinnvoll. Ausserdem kannst Du dann Mittel VIEL billiger kaufen.

100 ml BI 58 kosten ca. EUR 10,-

Wirklich jeder? Das ist ja cool und das man die Mittel in größeren Mengen und viel billiger kriegt, hab ich aber schon gewusst.

Ob man mit einem Sachkunde-Nachweis das Fungizid SWITCH kaufen kann? Hattest du es vielleicht schon gehabt?

OK, habe mir heute die 30ml-Version von Bi 58 geholt und hoffe, es nicht so schnell zu benötigen, da das Zeug arg stinkt (nach Benzin, Kunstharzlack und eine Prise von Nagellack(Entferner)). Hab es nur für den Notfall, falls Lizetan, Axoris & Co versagen. Bi 58 ist in meinen Augen die Atombombe der Pflanzenschutzmittel, die man als Privatmann bekommt.

Gruß

Kevin

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Andreas Wistuba

Wirklich jeder? Das ist ja cool und das man die Mittel in größeren Mengen und viel billiger kriegt, hab ich aber schon gewusst.

Ob man mit einem Sachkunde-Nachweis das Fungizid SWITCH kaufen kann? Hattest du es vielleicht schon gehabt?

OK, habe mir heute die 30ml-Version von Bi 58 geholt und hoffe, es nicht so schnell zu benötigen, da das Zeug arg stinkt (nach Benzin, Kunstharzlack und eine Prise von Nagellack(Entferner)). Hab es nur für den Notfall, falls Lizetan, Axoris & Co versagen. Bi 58 ist in meinen Augen die Atombombe der Pflanzenschutzmittel, die man als Privatmann bekommt.

Gruß

Kevin

Hmm, wenn Du mich so fragst, die Altersgrenze kenne ich nicht. Ansonsten, denke ich schon.

Einfach mal beim Landwirtschaftsamt nachfragen.

Grüße

Andreas

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Kevin G.

Hmm, wenn Du mich so fragst, die Altersgrenze kenne ich nicht. Ansonsten, denke ich schon.

Einfach mal beim Landwirtschaftsamt nachfragen.

Grüße

Andreas

Dann werde ich mal recherchieren... :geek:

Mal angenommen, ich könnte mit 16 Jahren eine Sachkundeprüfung machen und kriege den Nachweis. Kann ich dann als Minderjähriger im Gartencenter ohne Beisein von Erziehungsberechtigten Sachen aus dem Giftschrank kaufen?

Grüße

Kevin

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Hermann Wistuba

Hallo Kevin,

Switch ist laut Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel auch im Haus-und Kleingarten zugelassen, sollte also auch ohne Sachkundnachweis zu kaufen sein.

Gruß

Hermann Wistuba

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Kevin G.

Hallo Kevin,

Switch ist laut Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel auch im Haus-und Kleingarten zugelassen, sollte also auch ohne Sachkundnachweis zu kaufen sein.

Gruß

Hermann Wistuba

Hallo Hermann,

Ich dachte, dass SWITCH für die Landwirtschaft sei, da es primär gegen alle möglichen Pilzkrankheiten (inkl. Botrytis) entwickelt wurde. Bestimmt gibt es das Fungizid im Raiffeisen-Markt, aber ich weiß nicht genau in welcher Sparte ich gehen soll, da sich jede Filiale sich auf etwas spezialisiert hat. Ich finde diese Sache auch ein bisschen verwirrend :wacko:. Kann mir jemand sagen, zu welcher Sparte ich gehen soll?

Es gibt immerhin 16 Raiffeisen-Märkte in Umkreis von etwa 25km - davon viele gut erreichbar mit Bus & Bahn. :happy:

Gruß

Kevin

bearbeitet von Karnivoren-Freak

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Kevin G.

So, nach langer Recherche konnte ich nichts näheres herausfinden. Werde mal im Landwirtschaftsamt nachfragen.

Zumindest das Spartenproblem bezüglich der Raiffeisenmärkte hat sich geklärt und die passende Filiale ist nur 13,4km (keine Luftlinie! ;) ) von mir entfernt! :happy: Aber nur wegen Kiron dort hin zu fahren? Naja, bleibt ja noch der Onlineversand. :D

Fenamidone und Propamocarb

Habe gestern ein Präparat mit den Wirkstoffen Propamocarb und Fluopicolide entdeckt. Das Mittel nennt sich Bayer Garten Gemüse-Pilzfrei Infinito. Kennst du dieses Mittel?

Gruß

Kevin

bearbeitet von Karnivoren-Freak

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