Thilo.K Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 (edited) Hallo,nach der Vorstellung der "typischen" Karnivorenstandorte des Kakadu Nationalparks möchte ich nun einige besondere und ungewöhnliche Standorte vorstellen.Die recht abgelegenen Twin Falls sind nur über eine fast 70km lange, ungeteerte Piste zu erreichen. Der letzte Abschnitt davon ist so dermaßen holprig und sandig und es sind so viele (teilweise knapp einen Meter tiefe) Flussdurchquerungen zu bewältigen, dass man allein für diese ca. 20km über eine Stunde braucht!Das winzige Sträßchen sieht meistens so aus:Per Boot-Shuttle ging es anschließend weiter zum Rand des gewaltigen Sandsteinplateaus. Der Fluss hat hier eine über 100 Meter tiefe Schlucht in das Gestein gefressen.Bereits am Rand dieses Gewässers wuchsen die ersten Utricularia bifida bzw. odorata:Am Ende der Schlucht liegen die wirklich beeindruckenden, knapp 80 Meter hohen Twin Falls (die eher "Triple Falls" gennant werden sollten).Sogar mit Regenbogen:Bereits nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass die Felswand links der Wasserfälle teilweise vom Wasser überrieselt wurde. Nach ein wenig Kletterei konnte ich diese Stelle auch tatsächlich erreichen:Einige Drosera burmannii wuchsen hier teilweise auf dem blanken Felsen:Hier zusammen mit einer sehr schönen (noch unbestimmten) Stylidium.Ich werde wohl irgendwann auch mal die ganzen gefundenen Stylidium-Arten vorstellen. Da ist sicherlich auch die eine oder andere seltenere Art dabei.Diese Pflanze erinnert mich irgendwie sehr an Pinguicula:Das Highlight an dieser Felswand war allerdings eine kleine Population von Utricularia fulva. Nur wenige Meter weiter stürzen die Twin Falls in die Tiefe...Weiterhin konnte ich an der Felswand diese schöne Spinne finden:Und auch dieser Frosch lebt dort:Wirklich erstaunlich was sich an dieser unscheinbaren Felswand alles finden lässt!Auf dem Rückweg traf ich auch noch auf eine etwas größere Population von U. fulva, die entlang des Flusses wuchs:Die Jim Jim Falls liegen ganz in der Nähe der Twin Falls und sind ebenfalls nur über diese sehr schlechte "Straße" erreichbar. Der 200 Meter hohe Wasserfall ist umgeben von genauso hohen Felsklippen. Eine wirklich beeindruckende Szenerie!Am unteren Ende des Wasserfalls stehen im folgenden Bild zwei Menschen zum Größenvergleich. Und aus dieser Perspektive erscheint er sogar noch kleiner, als er in Wirklichkeit ist! Während der Regenzeit kommt hier so viel Wasser runter, dass man praktisch nicht zu dem Ort gelangen kann, von wo aus das Foto oben aufgenommen wurde. Nur aus der Luft kommt man dann überhaupt in die Nähe des Wasserfalls, der dann oftmals so aussieht: http://www.australia...wet-and-dry.htmIn einem anderen Teil des Nationalparks befand sich ein ziemlich untypischer Standort von U. fulva unter großen Eukalyptusbäumen: Trotzdem wuchsen sie teilweise recht dicht:Hier eine Blüte mit dreigeteilter Oberlippe, was eigentlich nichts Besonderes ist. Dies konnte ich auch an vielen weiteren Standorten beobachten...Doch in diesem Fall besaßen ALLE Blüten des Blütenstandes diese auffällige Besonderheit!An diesem Standort konnte ich außerdem insgesamt mindestens fünf verschiedene Formen von U. fulva finden.Die beiden häufigsten Varianten: Und eine mit nur sehr wenigen roten Flecken:Eine fast weiße Blüte:Interessante Blütenform:Und eine irgendwie "gezackte" Variante:Zwischen die ganzen U. fulva Blütenmeere mischten sich vereinzelt einige U. bifida:Noch seltener traf ich auf U. chrysantha...Und auf U. caerulea:Dies ist übrigens auch der Ort, wo die in Australien wohl extrem (!) seltene U. subulata wuchs. Bilder davon habe ich bereits hier gezeigt: http://forum.carnivo...ria-aus-darwin/Zum Schluss noch eine Nahaufnahme von Drosera burmannii:Dabei sind die eben vorgestellten Populationen von U. fulva noch nicht mal die beeindruckendsten. Die bei Weitem größten und sicherlich auch schönsten Populationen werde ich dann in den nächsten Beiträgen vorstellen. Dann ist auch ("endlich" ) wieder eine weitere, bisher noch nicht gezeigte Art dabei...Viele Grüße,Thilo Edited November 6, 2015 by Thilo.K 1
Leo.C Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hallo Tolle Pflanzen und schöne Landschaft!Die Wasserfälle sind toll.
Nicole Rebbert Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hallo, wie immer sehr schöne Fotos! Das lässt mein Utri-Herz höher schlagen! :Love: Meine U. fulva Pflanzen haben leider schon eine ganze Weile nicht mehr geblüht... Bei so einer hübschen Blüte ist das wirklich schade. Ich hätte in meinem Terrarium auch gerne so einen tollen Blütenteppich. Viele Grüße, Nicole
Nils Schön Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hallo Thilo, und wieder einmal bin ich einfach beeindruckt, wenn ich mir deine Bilder ansehe (wird so langsam auch irgendwie zur Gewohnheit) Schön finde ich auch immer wieder, den Standort als Ganzes zu sehen. Erst recht natürlich, wenn dieser ebenso interessant ist, wie die Pflanzen selbst. Die D. burmnnii auf dem blanken Fels sind einfach klasse! Sehr interessant finde ich auch, wie viele unterschiedliche Blütenformen von U. fulva du da gefunden hast. Wuchsen diese verschiedenen Formen in irgendeiner Weise räumlich voneinander getrennt oder standen die Pflanzen alle mehr oder weniger zusammen? Viele Grüße Nils
Stefan H. Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hallo Thilo Erneut beeindruckende Bilder, vielen Dank fürs Zeigen. Die U. fulva scheinen dort teilweise recht trocken zu stehen, oder täuscht der Eindruck? Bin mal gespannt wie groß die Blüten wirklich sind, meine Pflanze treibt nämlich derzeit ein paar Blütenstängel. Viele Grüße Stefan
Volker S Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hi Thilo, eine beeindruckende Reise auf die Du mich hier hast teilhaben lassen. Besonders schön finde ich Deinen Entdeckungspfad Deiner Bilder - machst nicht nur Fotos der Pflanzen sondern immer auch deren umgebenden Habitate. -volker-
Thilo.K Posted October 12, 2012 Author Posted October 12, 2012 (edited) Hallo, vielen Dank für die Kommentare! Es ist mir schon sehr oft aufgefallen, dass die Karnivoren wirklich an wunderschönen und beeindruckenden Orten wachsen (natürlich nicht nur in Australien). Daher stelle ich die Umgebung der Standorte auch recht ausführlich vor, damit eine Art Gesamteindruck entsteht. :-) Die unterschiedlichen Formen von U. fulva waren räumlich eigentlich kaum voneinander getrennt. Zwischen die beiden dominierenden Varianten mischten sich halt gelegentlich einige weitere Formen. Stefan, der Boden am Standort (der im Eukalyptus-Wald) war durchaus noch ein wenig feucht. Allerdings dürfte er (wie viele andere Standorte von U. fulva übrigens auch) gegen Ende der Trockenzeit (Oktober/November) vollständig austrocknen, während er anschließend von Januar bis März oft einen halben Meter überflutet sein wird. Die Standorte sind eben nicht nur schön, sondern auch oft extrem! Viele Grüße, Thilo Edited October 12, 2012 by Thilo.K
Stefan H. Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hallo Thilo Danke für die Infos. Ich könnte mir halt gut vorstellen, dass die Eukalyptus-Bäume sicher einiges an Wasser wegziehen und trotzdem wachsen die Pflanzen dort. Ebenso finde ich es verwunderlich, dass die Bäume mit dem vielen Wasser in der Regenzeit offensichtlich keine Probleme haben (du schreibst, dass es dort dann auch recht nass ist,.. ist wohl wie eine Senke oder läuft das Wasser bei der Regenzeit und dem trockenen Boden einfach nur schlecht ab?). Gut ist für mich auch zu wissen, wie lange in etwa die Trockenzeit ist und wie lange die Pflanzen auch in etwa richtig nass stehen. Also 2 Monate stehen sie recht trocken und 3 Monate richtig nass, zwischendrin dann eher nur feuchtes bis schwach-nasses Substrat? Ich frage nur, weil viele ihre Pflanzen in Kultur von März/April bis in den Spätherbst hinein immer wieder überfluten und lange Zeit also Regenzeiten simulieren. Viele Grüße Stefan
Thilo.K Posted October 12, 2012 Author Posted October 12, 2012 Hallo, die Eukalyptusbäume können in der Regenzeit (Dezember bis März/April) durchaus überflutet stehen. Vermutlich handelt es sich einfach um eine andere Art, als die typischen Eukalypten der Savannenlandschaft. Der Standort befindet sich in der Nähe eines Flusses, der in der Regenzeit anschwillt und große Bereiche überflutet. Die meisten Standorte von U. fulva sind in der Regenzeit derart überschwemmt. Wie viele Monate jetzt der Boden trocken oder nass ist, hängt vom Standort ab. Es gibt Standorte, die neun bis zehn Monate lang vollständig überflutet sind, während andere genauso lange knochentrocken liegen. U. fulva ist da wirklich sehr anpassungsfähig! Viele Grüße, Thilo
Stefan H. Posted October 12, 2012 Posted October 12, 2012 Hi Alles klar, vielen Dank für die neuerlichen Infos. Viele Grüße Stefan
Tim Biking Posted October 13, 2012 Posted October 13, 2012 Ich kann mich den vor mir nur anschließen! Wunderschöne Bilder :wub: ! So langsam glaub ich, ich hab doch noch nicht genug Utricularia Mfg Tim.
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