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"Expedition" zu einem außergewöhnlichen Standort im Kakadu NP


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Hallo,

nach einigen Wochen habe ich nun endlich wieder etwas Zeit gefunden, um den letzten (und wohl längsten) Bericht aus dem Northern Territory fertigzustellen, der von einem der wohl schönsten Flecken des riesigen Kakadu-Nationalparks handelt.
Dort befindet sich wieder (wie sollte es anders sein) ein Fluss, der vom Sandsteinplateau über großartige Kaskaden in die Ebene stürzt.
Die dabei entstandene Schlucht ist ein besonders heiliger Ort der Aborigines und auch einige (wirklich nur in dieser einen Schlucht!) endemische Arten leben hier.
Deswegen ist die Besichtigung auch nicht so ganz einfach. Man muss bereits Monate im Vorraus eine Erlaubnis beim australischen Umweltministerium beantragen und pro Tag dürfen auch nur eine bestimmte Anzahl an Personen diese Region besuchen.

Die Fahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung war ein Abenteuer für sich. Die ersten 40km der Schotterpiste konnten wir ja noch recht zügig bewältigen, aber die letzten 10 Kilometer des winzigen Abzweiges dauerten knapp eine Stunde! Teilweise war der Weg kaum zu erkennen und einige unübersichtliche Flussdurchquerungen galt es zu bewältigen:

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Der Zustand der Piste verbesserte sich etwas, als sie eine kleine Hügelkette passierte:

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Hier gab es neben diesen wolkenkratzerähnlichen Termitenhügeln auch ein Schild, das auf ehemalige Uranminen und die damit verbundenen Gefahren hinweist:

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Richtig kurios wurde die Sache jedoch, als wenige Meter weiter dieses mysteriöse "Etwas" auftauchte (knapp 5 Meter groß!). :blink:

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Als wir endlich am Campingplatz unterhalb der Schlucht ankamen, erwartete uns auch gleich die nächste Überraschung: Wir waren die einzigen dort und sollten es außerdem auch für die nächsten zwei Tage bleiben!
Die Nächte waren mit Temperaturen von unter acht Grad (!) die kältesten der gesamten Reise. Der Kontrast zu den 20°C warmen Tropennächten in Darwin war gewaltig!

Am frühen Morgen des nächsten Tages versuchten wir zunächst vergeblich einen Weg zu den Wasserfällen zu finden. Wir schlugen uns also irgendwie durch das sehr unwegsame Gelände entlang des wunderschönen, aber krokodilbewohnten Flusses. Einige Ranger hatten erst zwei Wochen zuvor Krokodile aus den flussaufwärts gelegenen Wasserbecken gefangen, damit die Schlucht überhaupt erst für Besucher eröffnet werden konnte!
Am Strandufer dieses kristallklaren Flusses wuchsen bereits die ersten Utricularia fulva.

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Nach gut einer Stunde erreichten wir den ersten großen Pool, der noch immer von Leistenkrokodilen bevölkert war:

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Am Rand des Gewässers gab es jede Menge U. fulva:

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Sogar eine Blüte mit viergeteilter Oberlippe mischte sich unter die normalen Blüten:

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Eine noch unbestimmte Stylidium-Art:

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Der größte (krokodilfreie :-)) Pool der Schlucht ist einfach gigantisch, denn er misst etwa 100x70 Meter!

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Durch den folgenden Vergleich wird die wahre Größe überhaupt erst richtig sichtbar! (siehe Felsvorsprung ;))

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Nahezu alle Besucher (wir waren wie gesagt an diesem Tag die einzigen!) belassen es auch bei diesem wirklich beeindruckenden Ort. Ich aber wollte noch deutlich weiter: Mit Google Earth konnte ich ein vielversprechendes Feuchtgebiet finden, das "nur" vier Kilometer weiter flussaufwärts lag.
Also stieg ich vollkommen weglos entlang des Flusses auf zum Sandsteinplateau und wurde auch prompt von dem herrlichen Ausblick überwältigt:

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Es folgten weitere schöne Wasserfälle, jedoch wurde das Gelände immer schwieriger und Klettereien häufiger. Die Landschaft aber war atemberaubend! immer wieder tauchten auch kleinere Populationen von U. fulva und uralte Felszeichnungen der Aborigines u. a. von Wildschweinen und Kängurus (was die Jäger damals halt so erlegt hatten) auf. Da ich mir jedoch nicht sicher bin, ob ich diese hier zeigen darf, sind hier erstmal nur weitere Bilder der Landschaft:

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Man beachte die Palme rechts oben, die an einem ungewöhnlich luftigen Platz wächst:

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Nach einiger Zeit erreichte ich dann ein kleines, ausgetrocknetes Flussbett, das jedoch noch genügend Feuchtigkeit für U. fulva und auch einige Stylidien bieten konnte:

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Irgendwann ging es (geleitet vom GPS-Gerät) quer durch die einsame Savannenlandschaft, wobei ein Buschfeuer wohl das meiste hohe Gras bereits glücklicherweise abgebrannt hatte.
Einige hundert Meter vom eigentlichen Feuchtgebiet entfernt (ich hatte meinen geplanten Umkehrzeitpunkt längst überschritten) stieß ich mitten in dieser scheinbar trockenen Buschvegetation auf die ersten Drosera aus dem Petiolaris-Komplex:

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Wenige Meter weiter bildeten die Pflanzen dichtgedrängte Kolonien und einige blühten sogar!

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Es handelt sich vermutlich hierbei (absolut keine Garantie!) um Drosera brevicornis oder D. dilatatopetiolaris.

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Die Blüte:

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Nach einiger Zeit setzte sich direkt vor der Linse sogar der natürliche Bestäuber in die Blüte:

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Neben dieser Art gab es auch noch eine zweite mit weißen Blüten und deutlich behaarten Blattstielen:

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Hierbei dürfte es sich um die (im Northern Territory recht seltene) Drosera lanata handeln. [Nachtrag 2015: inzwischen als separate, jedoch noch unbeschriebene Art (D. aff. lanata 'NT-Form') bekannt]
Deren Blüten sind wunderschön:

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Daneben konnte ich auch noch Pflanzen finden, die zwar dicht behaarte Blattstielen besaßen, jedoch mit rosa Blüten.
Vielleicht handelt es sich ja um eine Hybride (D. brevicornis/dilatatopetiolaris x lanata)?

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Hier nochmal ein Überblick über die inselartigen Populationen von D. lanata (rechts) und den möglichen Hybriden (links):

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Nur wenige Meter vor dem endgültigen Feuchtgebiet tauchten dann auch die ersten Utricularia auf. An einer Blüte von U. odorata konnte ich den selben Bestäuber der D. brevicornis/dilatatopetiolaris (und vermutlich auch der D. lanata - sonst gäbe es ja keine Hybriden ;) ) schon wieder beobachten:

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Auch einzelne U. chrysantha waren in dem nun immer feuchtern Habitat anzutreffen:

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Nach (vom Campingplatz aus) vier Stunden Wildnisswanderung pur kam ich endlich an den mit Google Earth entdeckten Sumpf. Eben noch die uralten Zeichnungen der Tiere an den Felswänden betrachtet, standen mir jetzt tatsächlich eine Herde Wildschweine gegenüber.

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Als sie mich bemerkt hatten, verzogen sie sich jedoch schnell.
Das Feuchtgebiet hat einen Durchmesser von etwa 300 Metern und dürfte selbst gegen Ende der Trockenzeit noch feucht sein, während es in der Regenzeit recht hoch überschwemmt sein dürfte.

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Der wirklich sehr sumpfige Boden war übersät mit gelben Blüten, die ich zunächst für U. chrysantha hielt:

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Doch es war eine interessante, komplett gelbe Variante von U. fulva!

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Bearbeitet von Thilo.K
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So, weiter gehts. Unter 40 Fotos sind bei diesem Standort leider wirklich nicht machbar ;)

Die ungewöhnliche U. fulva-Variante:

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Direkt am Rand wuchsen einige Exemplare von Drosera indica [inzwischen D. aquatica]. Die rechte Pflanze hat im folgenden Bild eine ziemlich dicke Fliege gefangen :-) :

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Und auch Blüten mit sieben Blütenblättern waren vorhanden (die gelbe Blüte ist keine Utricularia):

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Nahaufnahme eines einzelnen Blattes:

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Neben den D. indica wuchs auch eine komplett weiße Form von U. limosa an diesem Standort:

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Das absolute Highlight waren jedoch die weißen Blüten einer anderen Utricularia:

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Dies sind die Blüten von Utricularia fistulosa. Und zwar handelt es sich hierbei sogar um eine spezielle Variante dieser ohnehin schon sehr selten fotographierten Art, die mal als "U. linearis" beschrieben wurde. U. fistulosa soll laut Allen Lowrie öfters eine solche - für die Art eigentlich untypische - Blütenform ausbilden. Die "normale" U. fistulosa besitzt einen ungewöhnlich großen Sporn, der deutlich länger ist als die Unterlippe, was man von diesen Blüten nun wirklich nicht behaupten kann. ;) [Der Artstatus von U. linearis ist inzwischen doch noch bestätigt worden, die Fotos zeigen also U. linearis, nicht U. fistulosa]
U. fistulosa wurde (laut Andreas Fleischmann) bereits im Kakadu Nationalpark beobachtet, jedoch wird sie vom NT-Herbarium noch immer als in Westaustralien endemisch eingestuft.
Hier sind noch weitere Fotos dieser wunderschönen Art:

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Da ich nun bereits meinen geplanten Umkehrzeitpunkt um fast eine Stunde überzogen hatte, machte ich mich hektisch auf den furchtbar langen Rückweg...

Am Nächsten Tag fuhren wir sehr früh los in Richtung der Kimberley-Region im nördlichen Westaustralien. Zwar war dieses Gebiet aus Karnivoren-Sicht bei Weitem nicht so ergiebig, wie das Northern Territory, jedoch konnte ich trotzdem dort noch einige weitere interessante Arten finden.
Im nächsten Bericht wird es dann um die Region rund um die Stadt (eher Dorf) Kununurra gehen...

Es sind vielleicht ein bisschen zu viele Fotos auf einmal, aber mir geht es halt auch nicht nur um die Pflanzen an sich, sondern vor allem um den Gesamteindruck, den diese fantastische Region bietet. ;)

Viele Grüße,

Thilo

Bearbeitet von Thilo.K
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Hallo Thilo,

vielen Dank fuer die grossartigen Bilder! Schoener Bericht!

Mit freundlichen Gruessen,

Jan. ;)

PS: Sorry, fuer das umstaendliche Schreiben, ich bin gerade in Italien.

Bearbeitet von JanZ.
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Bild Nummer vier im ersten Post wundert micht nicht, da der Kakadu-NP das reichste Uran-Vorkommen der Welt bietet. Eine Abbaumine ist die Ranger-Uran-Mine. Und das große "Etwas" könnte vielleicht von einem Abbaugebeit stammen; jedenfalls sieht es wie ein Kessel aus... :dntknw:

Der Bericht und die Bilder sind sehr schön und gelungen!

Gruß

Kevin

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Benedikt Schmitt

Hi,

das "Dings" ist bestimmt ne alte Atombombe, aber das Uran war zu Minderwertig, naja, neugierig bin ich jetzt ja schon, haettest ja mal reinkrabpseln koennen um nach Anhaltspunkten was das sein koennte zu suchen :crazy: Fuer die meinen dies zu berichtigen zu muessen... ACHTUNG, IRONIE!!!

In jedem Fall wieder eine sehr sehr geile Doku, sowas koennte ich mir den ganzen Tag anschauen und lesen, aber leider kommt immer wieder das Ende dieser Beitraege :( <- Fail :sad: <- Besser

Vielen Dank fuer deine Muehe und das wir Teil haben durften :bow:

Bearbeitet von Benedikt "Smir"
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Aber das Uran war zu minderwertig.

Es gibt kein minderwertiges Uran. Man kann wenn schon bei der Anreicherung des Urans patzen. Lesestoff zu Uran! So und fertig ist die Chemiestunde! ;)

Das "Dings" ist bestimmt ne alte Atombombe.

Bevor wir uns über Atomphysik, Massenvernichtungswaffen, Kernenergie und was da noch dazugehört unterhalten, sag ich nur: Es ist jedenfalls keine Bombe. :whistling:

Den Joke hab ich selbstverständlich gecheckt! ;)

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