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Pflanzenampel Reloaded - Ein Sommerprojekt


Nils Schön

Empfohlene Beiträge

Hallo zusammen,

nachdem ich in den letzten Monaten mit meinen Posts ja eher etwas sparsamer war, möchte ich euch nun mein Sommerprojekt vorstellen, welches ich für euch so gut wie möglich durch Bilder dokumentiert habe. Die Karnivoren stehen bei diesem Projekt eigentlich nicht im Mittelpunkt, ich wollte aber irgendwie auch nicht auf sie verzichten und hoffe, dass sich irgendwann ein schönes Gesamtbild daraus ergibt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

 

Bereits seit dem letzten Jahr habe ich mich immer mal wieder mit den beiden Stoffen Epiweb und Hygrolon beschäftigt und habe, wie sicherlich einige andere hier aus dem Forum auch, die faszinierenden Bilder mit komplett bewachsenen Epiweb-Ästen und Epiweb-Platten in Terrarien gesehen. Mir kam dabei immer wieder der Idee, diese Stoffe auch mal im ganz normalen Wohnraum zu nutzen um dadurch auch ein paar der spannenden Epiphyten halten zu können. Ich stand jedoch immer wieder vor dem Problem, dass Epiweb zwar fantastische Eigenschaften in Punkto Wasserspeicherung bei gleichzeitiger Durchlässigkeit besitzt, jedoch zwingend von außen bewässert werden muss, da auch bei direktem Kontakt mit Wasser kein Docht-Effekt zu Stande kommt. Da ich der Diskussion mit meiner Freundin über eine Beregnungsanlage am Südfenster im Wohnzimmer gerne aus dem Wege gehen wollte, musste hierfür eine Lösung her... ;)

Der Standort für dieses Projekt sollte also das große Südfenster in unserem Wohnzimmer werden, bei dem ich selbst im Winter noch recht ordentliche Lichtbedingungen habe. Hier sollte eine der "langweiligen" Pflanzenampeln, die hier schon lange vor sich hin baumeln, ein wenig erweitert werden.

 

Praktischerweise gibt es die Lösung für das Bewässerungs-Problem vom gleichen Hersteller wie Epiweb: Hygrolon. Ein ebenfalls synthetischer, etwa 5mm dicker Stoff, der neben den Speichereigenschaften von Epiweb auch noch die Fähigkeit besitzt, Wasser in bis etwas mehr als 30cm Höhe zu fördern. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich diese Zahlen anfänglich für stark geschönt hielt, bis ich in verschiedenen Foren mehrmals lesen konnte, dass die Herstellerzahlen absolut zutreffend sind.

Da mir die 5mm des Hygrolon alleine etwas zu dünn waren, beschloss ich also, eine Pflanzenampel von außen zuerst mit Epiweb zu verkleiden und danach mit Hygrolon zu überziehen. Das Hygrolon soll dabei das Wasser aus der Bodenschale (die als Wasserspeicher dient) bis nach oben zum Rand der Pflanzenampel fördern und das Epiweb soll genügend Wurzelraum bieten und gleichzeitig vom Hygrolon befeuchtet werden.

 

Hier ein Bild meiner Bastel-Materialien:

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1 Pflanzenampel + Bodenschale

50cm x 50cm Epiweb-Platte, 2 Epiweb-Äste

1m2 Hygrolon

Band zum Aufbinden von Epiphyten

 

Um erstmal langsam anzufangen und das System aus Epiweb und Hygrolon Allgemein zu testen, wollte ich nach den "Erweiterungen" der Hängeampel zuerst ganz normal die Pflanzen einsetzen und eine Weile beobachten, wie sich das System verhält. Vor allem wollte ich wissen, wie gut der Transport der Feuchtigkeit von der Bodenschale nach oben funktioniert. Meine Bepflanzung der Ampel besteht aus N. truncata, N. robcantleyi, Myrmecodia armata, einer Baumarkt Mini-Phalaenopsis und einem hängenden, faden-förmigen Gewächs, dass ich leider weder bestimmen, noch besser beschreiben kann einer Rhipsalis (Vielen Dank, Seitinger!). Die Pflanze habe ich letztes Jahr bei Verwandten auf der Fensterbank entdeckt und musste mir sofort einen Ableger mitnehmen. Das Zeug wächst jedenfalls wie der Teufel und drängte sich geradezu für die Bepflanzung der Ampel auf. Vielleicht findet sich ja hier jemand, der mir etwas genaueres dazu sagen kann (ist auf den Gesamtbildern zu sehen).

 

Hier noch ein Bild der Kandidaten, die schon eine ganze Weile an genau dem Südfenster Wachsen, an dem auch die Pflanzenampel hängen wird. 

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Nun aber genug der Theorie! Durch das Epiweb und das Hygrolon bekommt die Hängeampel einen deutlich größeren Durchmesser, daher musste ich die Ampel noch um eine deutlich größere Schale am Boden erweitern. Die neue Schale habe ich mit einem wasserfesten Spezialkleber unter die normale Bodenschale geklebt. Danach wurden die beiden Epiweb-Äste mit Heißkleber an den Topf der Pflanzenampel geklebt.

 

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Anschließend wurde der Rest der Hängeampel von außen mit Epiweb verkleidet und danach komplett (incl. der Äste) mit Hygrolon überzogen. Eine ganze Menge Heißkleber, drei Brandblasen an den Fingern und einige Stunden später wars auf einmal mitten in der Nacht, sodass ich hier leider vergessen habe, von diesen beiden Schritte Bilder zu machen. Das nächste Bild zeigt also direkt die fertig bepflanzte Ampel. Ich denke aber,  es lässt sich trotzdem ganz gut nachvollziehen, was passiert ist ;) 

 

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Um der Begrünung der Außenflächen etwas auf die Sprünge zu helfen, habe ich zudem einige Stellen im Hygrolon aufgeschnitten und kleine Stückchen Moos eingesetzt. Nach meinen Erfahrungen aus meinem Drosera-Regal braucht Moos ja nicht viel mehr als Feuchtigkeit und Licht, um sich hemmungslos in alle Ecken auszubreiten... 

 

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Damit war die Hängeampel fürs Erste auch schon fertig. 

 

Da aber mittlerweile schon etwas mehr als ein Monat seit der Bepflanzung vergangen ist, möchte ich auch direkt ein paar erste Eindrücke hinzufügen. In jedem Fall kann man festhalten, dass das Moos bislang genau das macht, wofür es eingesetzt wurde. Die Moos-Stückchen haben sich zu kleinen Moos-Flächen entwickelt und beginnen so langsam auch, die Flächen im Umkreis zu bewachsen. Alles in allem genau so, wie ich es erhofft hatte. Ich habe zwischendurch ein paar Mal mit einer sehr leichten Dosierung die Hygrolon-Flächen gedüngt, um die Ausbreitung des Mooses noch etwas zu beschleunigen.

(Jetzt, wo ich so darüber nachdenke... wenn mir als Drosera-Halter vor einigen Monaten mal jemand gesagt hätte, dass ich hier anfange Moos zu düngen, hätte ich ihm wahrscheinlich einen Vogel gezeigt.... )

Hier ein Vergleichsbild der Moos-Flächen nach einem guten Monat.

 

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In der zum Fenster zeigenden Fläche habe ich an einigen Stellen etwas Schimmelbildung an den eingesetzten Moss-Stückchen zu verzeichnen. Ich hätte damit eigentlich am ehesten an den etwas dunkleren Stellen gerechnet und nicht gerade an der hellsten Stelle der Pflanzenampel. Das Moos scheint die Stellen aber trotzdem langsam zu überwachsen, sodass sich das Problem vermutlich von selber erledigt. An den nassen Stellen direkt über dem Wasser bilden sich auf dem Hygrolon aktuell einige Algen, vermutlich begünstigt durch die zusätzlichen Nährstoffe aus dem Dünger. Ich gehe aber auch hier davon aus, dass sich das Ganze mit der Zeit wieder erledigt.

Um möglichst wenig Material zu verbrauchen und gerade beim Hygrolon möglichst wenig Verschnitt zu haben, habe ich  vor allem bei der Verkleidung der Äste immer einzelne Hygrolon-Streifen überlappend zusammen geklebt. Ich habe hier darauf gebaut, dass das Hygrolon das Wasser auch über mehrere Schichten weiter transportieren kann. Das ist im Großen und Ganzen auch der Fall, allerdings kann das Hygrolon dadurch an den höchsten Stellen der Äste nicht mehr seine volle Wirkung entfalten, sodass diese Stellen ohne eine Zugabe von Wasser nach ein paar Tagen komplett austrocknen. Es empfielt sich also bei der Arbeit mit Hygrolon mit so wenig Einzelteilen wie möglich zu arbeiten. Das verursacht zwar im Endeffekt mehr Reste, die nicht mehr weiterverwendet werden können, die Kapillarwirkung des Hygrolon funktioniert aber deutlich besser. Bis auf die beiden höchsten Stellen des Astes wird aber alles wie geplant vom Hygrolon mit Wasser versorgt. 

 

Alles in allem bin ich aber bisher mit der Entwicklung sehr zufrieden. Praktischerweise hat auch meine aufgebundene Dendrobium pierardii x loddigeseii im vergangenen Monat zwei Ableger gebildet, die direkt ein neues Heim im Hygrolon gefunden haben und auch schon angewachsen sind.

 

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Demnächst werden ich mich wohl nach ein paar Epiphyten umsehen, um damit die Pflanzenampel weiter zu besetzen. Ich denke da aktuell an ein paar kleinbleibende Orchideen (Bulbophyllum, Dendrobium) und Farne. Für die trockene Stelle am oberen Ende der Äste werde ich wahrscheinlich auf eine Tillandsie zurückgreifen.

Abschließend noch ein paar aktuelle Bilder der Pflanzenampel.

 

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Und damit nicht am Ende noch komische Nachfragen kommen, wieso denn in der Pflanzenampel keine Drosera zu finden sind - ich kann euch beruhigen: Es keimt natürlich schon wieder irgendeine Drosera im Moos, welches ich in das Hygrolon eingesetzt habe...  :D 

 

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Das wärs nun erstmal von meiner Seite. Ich werde hier natürlich auch weiter Updates posten. Jetzt darf natürlich für Fragen, Anregungen usw. ordentlich in die Tasten gehauen werden.  :thumbsup: 

 

Viele Grüße

Nils

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Hallo,

 

vielen Dank für die Bestimmung! Ich wusste doch, dass sich hier (wie eigentlich immer) jemand finden wird, der die Pflanze einordnen kann :)

Danke auch für die netten Kommentare. Freut mich, dass das Projekt trotz eher mäßiger Fotoqualität gefällt. Ich bin auch schon gespannt, wie das Ganze aussehen wird, wenn sich das Moos noch weiter ausbreitet. Vor allem auf der Rückseite wird das aber wohl noch eine Weile dauern... mal sehen.

Updates wird es aber - wie angekündigt - definitiv geben.

 

Viele Grüße

Nils

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Hallo Nils, 

 

sieht sehr vielversprechend aus. Auf jeden Fall eine tolle Idee für wenig Raum! 

Ich hoffe es entwickelt sich weiterhin gut. 

 

MFG, Steffi

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  • 8 Monate später...

Sehr schönes und interessantes Projekt.  :thumbsup:

 

Dazu noch 'n Tip zum Aufbinden:

Statt Draht oder Bindfaden nimm einfach einen alten Nylonstrumpf und schneide 1-2 cm breite Scheiben davon ab. Etwas recken und Du hast schmales dauerelastisches und viele Jahre haltbares Bindematerial. Und das läßt sich zudem noch begrünen, es wird also quasi unsichtbar.

 

Anfangs würde ich den Ast mind. 2x täglich besprühen und ihn möglichst sonnig stellen. Die Mittagssonne im Hochsommer mit Blättern anderer Pflanzen etwas abschatten.

Wenn das völlig vermoost ist, hat Schimmel keine Chance mehr.

Ich hatte mir sowas immer einfach gemacht, einfach in ein schrankgroßes Trop-Terrarium gestellt.

Es hilft anfangs aber auch, so einen Ast die erste Zeit in eine mögl. helle Tüte zu packen. So hält sich die Feuchtigkeit. Täglich für wenige Minuten zum Luftaustausch öffnen.

Wenn das Moos alles überwuchert hat, hält sich die Feuchtigkeit sowieso und zieht besser Wasser nach. Allein schon wegen der vielen Wurzeln in dem Material.

 

Dann wünsch ich mal Gutes Gelingen. :thumbsup:

Bearbeitet von Burki
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