Jump to content

Empfohlene Beiträge

Siggi_Hartmeyer

Die Experimente für unseren neuen Film "Katapulte im Zwergenland" beweisen: Drosera glanduligera ist nicht allein. Auch D. microscapa, D. occidentalis, D. pygmaea "Australien" und D. pygmaea "Neuseeland" besitzen Katapult-Leimfallen, die mit der Geschwindigkeit einer zuklappenden Venus Fliegenfalle vorbeilaufende Beute in das klebrige Blattzentrum befördern. Es sei hinzugefügt, dass wir lediglich 22 Zwergsonnentau (inklusive D. glanduligera) untersuchten, weitere sehr schnelle Katapult-Leimfallen sind also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch zu finden. Fünf Arten verfügten über reine Leimfallen (D. scorpioides, etc.), fünf bewegten sich in Sekundenbruchteilen und 12 benötigten für den Fangvorgang ihrer Katapulte mehr als eine Sekunde. Die Katapulte der Zwergsonnentau funktionieren im Gegensatz zu D. glanduligera mehrmals und besitzen einen ähnlichen Schutzmechanismus gegen "Energieverschwendung" wie die Venus Fliegenfalle, die nach der ersten Bewegung abwartet, ob die Beute rentiert oder nicht. Für eine vollständige Bewegung brauchen auch die Schnelltentakel der Zwergsonnentau außer dem auslösenden Impuls weitere Aktionspotenziale durch Berührungen oder aufgelegtes Protein. Im Film ist das alles unter dem Mikroskop zu sehen, denn die Blattdurchmesser liegen bei den Versuchspflanzen meist bei etwa einem Millimeter.

 

Damit ist klar: Es gibt jetzt auch Katapult-Leimfallen für die Fensterbank. Allerdings braucht man eine Lupe oder besser ein Mikroskop. Da dieses Thema von allgemeinem Interesse ist, wie das erste Feedback auf den anfangs nur für Insider zu sehenden Film zeigt, stelle ich den Link hier auch unter "Drosera" ein und nicht nur im "Hartmeyer auf YouTube-Thread" im Fleischigeplauder. 

 

bearbeitet von Siggi_Hartmeyer

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Burki

Hallo Siggi,

ist ja nicht gerade viel Resonanz auf Deinen Beitrag.

 

Daß bei Drosera auch Schnelltentakel vorkommen, ist doch eigentlich seit einigen Jahren bekannt.

Ich bin selber mal darauf gestoßen, als ich vor drei vier Jahren mal die Nahlinsen am Fotoapparat testen wollte.

Dauernd waren die langen Tropfententakel vorne an den Blättern meiner Drosera aus dem Gartencenter verschwunden. Weiß aber nicht mehr, um welche Drosera es sich handelte.

Jedenfalls kein Zwerg, die kannte ich damals noch nicht.

Also, kaum war ich mit der Nahlinse gegen einen Tentakel gestoßen, schwupps, war er nach hinten gebogen. In etwa mit der Geschwindigkeit einer Venus Fliegenfalle.

Neulich habe ich beim Füttern meiner D. scorpioides mal etwas experimentiert. Da war mir was aufgefallen und aufgrund Deines Beitrages habe ich das heute noch mal wiederholt.

 

Zum Füttern benutze ich Milch, die ich einige Tage auf der Fensterbank stehen lasse. Das ergibt dann so eine Art stinkende Käsesuppe.

Die D. scorpioides fahren darauf jedenfalls voll ab:

post-4555-0-55286700-1433329140_thumb.jp

 

Zu dem Experiment habe ich einen kleinen Holzspan so angebracht, daß das Ende ca. 3 - 4mm über einem intakten Blatt schwebt:

post-4555-0-95654400-1433329281_thumb.jp

 

Nun geht 's los, das Ende des Spanes wird mit dieser Käsesuppe benetzt, ohne daß irgendetwas das Blatt oder die Tentakel berührt.

Als erstes beobachtete ich, daß die Tentakel seitlich der Blattmitte nach innen kamen.

Dann hatte sich das ganze Blatt samt Stiel ein wenig angehoben.

post-4555-0-86492700-1433329563_thumb.jp

Bis hierhin dauerte das etwa drei Minuten.

 

Dann kamen die langen Tentakel der Blattstirnseite hoch.

Nach 5 Minuten:

post-4555-0-24720500-1433329696_thumb.jp

 

Nach 7 Minuten:

post-4555-0-49763500-1433329741_thumb.jp

 

Nach 8 Minuten:

post-4555-0-97149600-1433329868_thumb.jp

 

Nach 9 Minuten:

post-4555-0-13219200-1433329901_thumb.jp

 

Nach 12 Minuten:

post-4555-0-78360400-1433329958_thumb.jp

 

Also nach diesen Beobachtungen kann ich nur zu einem Schluß kommen:

Drosera scorpioides kann riechen.

 

Eure Meinungen interessieren mich natürlich sehr.

 

 

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Siggi_Hartmeyer

Hallo Burki, sehr schön dokumentiert. Bist Du sicher, dass Du die Tentakel nicht versehentlich berührt hast? Wenn nicht werde ich das mal mit ein paar Arten probieren. Dass die Tentakelköpfe Protein (vermutlich durch abgespaltene Ammoniumionen) oder auch Kochsalz bei Berührung erkennen und darauf reagieren ist für Leimtentakel seit Darwin bekannt. Aber auf Distanz darauf zu reagieren höre ich erstmals. Eine Erklärung wäre die Flüchtigkeit von Ammoniak, der so auch über eine gewisse Substanz NH4-Moleküle auf die Tentakelköpfe gelangen lässt. Wie gesagt, dass schaue mir an, danke für den Beitrag.

 

Natürlich waren die Schnelltentakel bei D. rotundifolia (die dort nur zeitweise auftreten: Dimorphismus) schon Darwin bekannt. Leider fehlten ihm die vielen inzwischen neu beschriebenen Arten, um deren Relevanz für die Familie Droseraceae zu erkennen. Deren Vorhandensein bei vielen Drosera (etwa in Sektion Drosera) ist ebenfalls Vielen bekannt, spätestens seit unseren Filmen über "Drosera: Schnelltentakel und Landescheinwerfer" (2006) und die begleitenden Publikationen im CPN (2010) und Taublatt. Durch diese Publikationen kam auch die Uni Freiburg auf uns und stellte Rasterelektronenmikroskop, Hochgeschwindigleitskamera und Laborgerät zur detaillierten Untersuchung der Katapulte von D. glanduligera zur Verfügung. Diese von dem Australier Richard Davion erstmals erwähnte schnelle Katapultfunktion (in Sekundenbruchteilen) unterscheidet sich deutlich von den eher moderaten Schnelltentakeln der modernen Sonnentaurosetten.

 

Neu ist durch unsere Untersuchungen, dass auch mehrere Zwergsonnentau nicht nur die besagten moderaten Schnelltentakel (war bekannt wie bei D. burmannii oder D. sessilifolia) entwickeln, sondern dass diese in einigen Fällen als echte Katapult-Leimfallen (Publikation bei PLOS ONE: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0045735) ebenfalls in Sekundenbruchteilen reagieren und gleichzeitig - wie bei D. glanduligera - keinerlei Blattbewegung zeigen und die Katapultfunktion Bestandteil eines zweistufigen Fangmechanismus ist. Dadurch steht fest, dass D. glanduligera kein Einzelfall ist, sondern dass mehrere Arten der Gattung Drosera einen schnellen Fangmechanismus besitzen, der zuvor nur den Klappfallen zugeschrieben wurde.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Ralf Mößle

Leute, ihr macht mich noch wahnsinnig...ich brauche ohnehin schon viel zu viel Zeit, um nur mal die Grundkenntnisse zu lernen, und ihr stellt hier so mega-interessante Beobachtungen vor...außerdem mus ich jetzt unbedingt meinen Droserabestand gewaltig ausbauen. Ich hätte nicht gedacht, das die so interessant sind.

Super Beiträge von euch...interessiert mich brennend, doch mir fehlt die Zeit, das näher zu verfolgen. Diese Beiträge sind auf jeden Fall 100mal interessanter wie die ethische Auseinandersetzung zum Thema Schnäppchen:-)

Liebe Grüße, Ralf

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung wiederherstellen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.


×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Wir haben Cookies auf Ihrem Gerät platziert, um die Bedienung dieser Website zu verbessern. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.