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Ralf Mößle

Meine andere, schuppige Leidenschaft

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Ralf Mößle

Hallo zusammen,

 

ich habe lange mit mir gerungen, ob ich zu meiner anderen Leidenschaft überhaupt etwas schreiben soll, oder nicht. Doch ich denke, untätig zu warten, das sich doch irgendwo eine neue Möglichkeit auftut, ist auch nicht gerade sinnvoll. Also, in der Hoffnung, hier nicht ein Leben lang gebrandmarkt zu werden, einige trockene Zeilen.

 

Begonnen hat alles vor über 10 Jahren. Zu der Zeit hatte ich noch eine mehr oder minder schwere Schlangenphobie. Die Aussage einer Nachbarin, "heute hätte ich mir fast eine Schlange gekauft", hat meine Frau direkt als Herausforderung aufgefasst, und schon wenige Tage später waren wir also stolze Besitzer einer kleinen Boa constrictor. Wie bei allen Hobbys folgte erst einmal eine bittere Lernphase, mit vielen Rückschlägen, Enttäuschungen und Ernüchterungen. Doch wie so oft geht man gestärkt aus Niederlagen hervor (die Boa hat es überlebt, doch wurde später abgegeben). Nachdem ich meine Phobie überwunden hatte, begann eine Phase der Faszination, die bis heute anhält. Meine Frau hingegen hat ihr Interesse schon kurz danach wieder abgelegt.

 

Aktuell pflege ich mehrere Tiere der Arten Netzpython, Felsenpython und Große Anakonda. Aus der öffentlichen Terraristik habe ich mich komplett zurückgezogen, die Entwicklung ist mehr als bedenklich. Waren es lange Zeit genetisch bedingte Mutationen (wie bei den Karnivoren die Gattung Dionaea), geht der Trend aktuell ganz klar zu den Qualzuchten, besonders schuppenlose Tiere sind der letzte Schrei.

Ich persönlich verurteile diesen Trend mittlerweile, weil die Menschen vergessen haben, das sie Tiere pflegen. Unglücklicherweise bieten die neuen Medien diesen Publicitysüchtigen eine ideale Plattform, ihre Geltungssucht und maßlose Selbstdarstellung nahezu ohne Einschränkungen ausleben zu können.

 

In dieser Welt ist leider kein Platz mehr, so scheint es, für Menschen, die die Pflege exotischer Tiere in erster Linie als eine ideale Ergänzung zu wissenschaftlichen Untersuchungen sehen. In heimischer Pflege sind langfristige Beobachtungen, wie zur Paarung, Brutpflege oder Verhaltensweisen um ein vielfaches einfacher, als in aufwendigen Feldstudien. In den vergangenen Jahren habe ich zahlreiche unbekannte Verhaltensweisen beobachten und dokumentieren können. Die Wissenschaft jedoch hat dieses Potential bislang nur unzureichend wahrgenommen. Entsprechende Artikel in Fachzeitschriften, oder auch Vorträge, die ich gegeben habe, stießen zwar auf reges Interesse, doch leider entstand daraus wenig Fruchtbares. Die Vorbehalte gegenüber der verhassten Terraristik sind offensichtlich unüberwindbar.

 

Aufgrund dieser Erfahrungen habe ich mich dran gemacht, meine Erkenntnisse aufzuschreiben. Daraus entstanden 2 Bücher, die jedoch beide nicht über den ersten Review hinausgekommen sind. Grund: Das mangelnde Interesse. Um die Bücher zu einem vernünftigen Preis anbieten zu können, wurde eine Auflage von 1000 Exemplaren angestrebt. Vergleichbare Bücher zu anderen Arten jedoch kamen nicht über 100 verkaufte Exemplare in 2 Jahren hinaus...ein klassisches Verlustgeschäft. Kein Wunder, das mein Verleger kapituliert hat.

 

Somit bleibt mir aktuell nur, weiter zu beobachten, dokumentieren, und auf bessere Zeiten zu hoffen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Suche nach der tatsächlichen Endgröße der oben genannten Arten. Wobei gerade meine Aufzeichnungen einen unermesslichen Wert darstellen, da es kaum glaubwürdige Angaben gibt, und gerade diese 3 Arten zu den eher unbeliebten gehören. 

 

Zum Abschluß noch, meine Tiere leben in 2 Kellerräumen, einmal 4x5m und einmal 3x4m Grundfläche. Die komplette Anlage ist bereits mehrfach vom Veterinär abgenommen worden, und alle Tiere ordnungsgemäß gemeldet. 

 

Wenn Interesse besteht, kann ich gerne weiter berichten, ansonsten belasse ich es bei diesem einen Post. Vielleicht ergibt sich ja etwas interessantes...manchmal muß man ungewöhnliche Wege gehen, um ans Ziel zu kommen.

 

Viele Grüße, Ralf Mößle

 

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Edited by Ralf Mößle
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helmutpre

Hallo Ralf,

 

ich verstehe nicht so recht, warum Du mit Deinem Posting gezögert hast, für solche Beiträge ist die Off-topic-Ecke ("Natur-Forum") doch eingerichtet worden.

Ich glaube außerdem, dass man hier im Carnivoren-Forum mit Beiträgen über Schlangen & co. deutlich weniger auf Ablehnung stößt als in gewissen anderen

Foren. Mich würde es freuen, wenn Du weiterhin von Zeit zu Zeit über Deine Schlangen berichten würdest.

Neben den üblichen Angaben zu Riesenschlangen wie Länge und Gewicht würde mich sehr deren Charakter interessieren.

Den Netzpython beispielsweise habe ich vor sehr vielen Jahren als ausgesprochen schlecht gelaunt kennengelernt, das betreffende Tier war

zum Glück noch klein (knapp über 1 Meter).

Was verstehst Du unter "öffentlicher Terraristik" ?

Deine Einschätzung zum Thema Qualzüchtungen teile ich zu 100%, mir sind die Naturformen immer noch am liebsten.

 

Viele Grüße

 

Helmut

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Spielmannsfluch89

Öffentliche Terraristik ist alles was mit Foren zu tun hat. Man gibt sich höchstens mit Stammtischen ab weil nur noch Schwachmaten in der Szene rumlaufen.
Bin eig auch nur noch in sehr hochgradigen und fachlichen FB Gruppen am posten.
Woanderst findeste nur noch welche die mit den Viechern kuscheln wollen. Richtige Haltung können jene Leute nicht einmal schreiben.

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Thomas M.

Dass die Szene so verkommt und fast nur noch aus Assozialen, Idioten und geldgierigen Verrückten besteht, kenn ich zur Genüge vom Vogelspinnenhobby. Scheint in der Terraristik ein allgemeines Phänomen zu sein. Da hat man dann lieber nur noch privat mit einigen wenigen zu tun.

Daher finde ich das Klima im Fleischfressende Pflanzen Hobby auch so entspannend. Da hat sich irgendwie jeder lieb ^^. Und Neid gibts auch kaum.

Thomas

Edited by Thomas M.

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Maik Rehse

Wow, was für ein wunderschönes, riesiges Tier! Darf ich fragen wie lang und schwer sie ist?

 

Viele Grüße,

 

Maik

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iGude

Moin Ralf,

ich finds auch klasse! Vor allem auch, dass du dich gegenüber den aktuellen Entwicklungen in der Terraristik abgrenzt.

Ich bin auch ein echter Schlangenfan. Bei mir hat damals Steve Irwin das Interesse geweckt. Ich war dann einer der Chefs in der Tierpflege AG in der Schule. Da hatten wir Kornnattern, Bartagamen, wandelnde Geigen und einige andere.

Ich könnte mich wahrscheinlich garnicht richtig entscheiden, welche Arten ich gerne hätte. Grad bei den Riesenschlangen gibt es kaum Arten, die mir nicht gefallen würden. Ich frage mich immer wieder, warum man so wenig von Felsenpythons sieht/liest. Die gehören auf alle Fälle zu meinen Lieblingen. Wenn du von denen vielleicht ein, zwei Bilder zeigen würdest und n Wort dazu schreiben würdest, wär ich echt happy :D

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partisanengärtner

Obwohl ich mir selber nie welche halten würde finde ich sie sehr faszinierend. Die Riesenschlangenhalter die ich kenne die sich für die wirklich großen Arten interessiert haben sind allerdings nicht mehr dabei. Lass doch mehr hören.

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Jan Z.

Hallo Ralf,

vielen Dank für deinen interessanten Beitrag.
Ich bin auch seit vielen Jahren in der Terraristik tätig, halte einige Geckos, Spinnen und Froscharten.

Allerdings habe ich nie einen richtigen Draht zur Community gefunden. Teilweise wohl wegen den Dingen, welche du oben aufführst.

Würde mich sehr über weitere Berichte/ Bilder freuen, bzw. ein Gespräch am nächsten Stammtisch.

 

Mit freundlichen Grüßen,
Jan.

 

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Cyclosternum fasciatum

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Manuel Reimansteiner

Hallo Ralf,

erstmal tolles Tier - es erfordert bestimmt viel Pflege und Zeit um ein Reptil mit solchen Ausmaßen zu erhalten.

Ich kenne mich bezüglich der Haltung von Reptilien nicht aus und hatte sonst noch nie Kontakt zur Terraristikszene, jedoch ist mir aufgefallen, dass der Raum relativ "kahl" aussieht. Ganz ohne Pflanzen (zumindets im Bild nicht erkennbar), Substraten, ... kann ich mir das eben nicht vorstellen, aber wie gesagt ich kenne mich mit den Richtlinien und Gesetzen dabei nicht aus.

Viele Grüße,

Manuel

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Andreas S.

Hallo Ralf,

 

was für ein riesiges Tier! Das sieht für mich als Ahnungslosen ganz schön gefährlich aus, wie du sie da so hältst. Die könnte dir doch ohne jede Anstrengung alle Gräten brechen! Auf jeden Fall sehr faszinierende Tiere. Ich finde es schon erstaunlich, sich solch riesige Tiere zu Hause zu halten. Ich hoffe auf jeden Fall auf mehr Beiträge. Mich interessiert auch, was du da beobachtet und dokumentiert hast, gerade auch Erkenntnisse zur Endgröße interessieren mich. Bei der Anaconda soll ja 9 m möglich sein. Ich denke ein Mensch ist für so ein Tier ein willkommener Snack für zwischendurch. 

 

Gruß

Andreas

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Ralf Mößle

Hallo,

erst einmal vielen Dank dafür, das ihr mich nicht gesteinigt habt...als Schlangenhalter wird man nur allzuschnell in eine Schublade gesteckt, in die man nie möchte...

 

Sehr gerne werde ich zukünftig einzelne Beiträge schreiben, es freut mich immer, wenn jemand Interesse an der Pflege hat, und nicht nur das Ganze mit Eurozeichen in den Augen betreibt. Eure vielen Fragen alle auf einmal zu beantworten, wird jedoch schwierig, doch ich werde mich bemühen, allen gerecht zu werden. Falls ich jemanden vergesse, bitte einfach noch einmal drauf hinweisen.

 

Mir persönlich ist es am Wichtigsten, das ich mich klar abgrenzen kann von dem, was man allzu oft zu sehen und hören bekommt. Mit Sicherheit das größte Ärgernis ist, das für die meisten allein die Fütterung das Interessante ist. das Vorurteil, das eine Schlange lebende Beute benötigt, ist kompletter Schwachsinn. Auch die Begründung, das das die Natur ist, oder die Schlange instinktiv nur auf lebende Beute reagiert, ist total an den Haaren herbeigezogen. Ich persönlich verurteile jede Aktion, wo gezeigt wird, wie eine Schlange, zumeist komplett wehrlose Beute erlegt. Das sich dann noch einige darüber lustig machen, ist vollkommen respektlos gegenüber den Futtertieren und völlig unangebracht. So etwas gibt es von mir nicht zu sehen, und wird es auch nie geben. 

 

Das, was sich jeder klar machen muß, der sich mit diesen kriechenden Bewohnern beschäftigt, ist, das es Lebewesen sind, die von den niedersten Instinkten gesteuert werden, und sich NICHT domestizieren lassen. Egal, in welcher Generation sie gezüchtet werden, es sind und bleiben Tiere. Schlangen wollen deshalb vor allem fressen, in Ruhe verdauen, ab einer gewissen Größe sich fortpflanzen, und, diesen Trieben übergeordnet, überleben. Diesen instinktiven Verhaltensweisen ist ausnahmslos ALLES unterzuordnen. Und dabei ist zu berücksichtigen, das es der Schlange vollkommen egal ist, WAS sie frisst. Lebend oder tot, das macht keinen Unterschied. Diese Tatsache bietet die Möglichkeit, auf Futter zurück zu greifen, das bereits tot ist, oder tot zur Welt gekommen ist. Mein persönlicher Favorit sind Hähnchenschenkel aus dem Supermarkt.

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Diese werden nicht extra behandelt, sondern so wie sie aus dem Kühlschrank kommen, rein ins Terrarium, und dann am besten ganz schnell den Raum verlassen. Schlangen reagieren vorzugsweise auf Gerüche. Mit ihren feinen Sinnen sind sie in der Lage, feinste Geruchsmoleküle aufzunehmen. Mehr noch, sie sind sogar in der Lage, diese zu "katalogisieren". Das heisst, ein einmal bekannter Geruch wird eingeteilt in Kategorien wie potentielles Futter, Klettermöglichkeiten und dergleichen. Auf diese Art erschaffen sich Schlangen ein "Sehen" (es ist umstritten, wie gut Schlangen nun sehen können. Das liegt auch daran, das meist mehrere Sinneseinflüsse wie Gerüche, Bewegungen und Wärme zusammenspielen). Aus diesem Grund wird auch "kalte" Beute wie 7Grad kalte Hähnchenkeulen wahrgenommen und gefunden. Bewegung oder Wärme sind nur zusätzliche Reize, sie sind allerdings gegenüber der Geruchswahrnehmung deutlich geringer ausgebildet. Die am schwächsten ausgebildeten Sinneswahrnehmungen sind das sehen, und die Wahrnehmung von Erschütterungen (wobei ich nicht weiß, in wie Schlangen diese wahrnehmen).

Weitere Fütterungsmöglichkeiten ergeben sich aus unserem Konsumverhalten. Viele halten sich Hühner, wegen der frischen Eier. Doch wenn ein Huhn nach 2 Jahren keine Eier mehr legt, endet es im Suppentopf. Als Schlangenpfleger kann man dem zuvorkommen...

Schweine sind inzwischen so hochgezüchtet, das sie gigantische Anzahlen an jungen Ferkeln zur Welt bringen. Dies führt jedoch dazu, das bei nahezu jeder Geburt nicht lebensfähige Ferkel zur Welt kommen, von der Mutter aufgrund der engen Platzverhältnisse totgetreten werden, oder bereits im Mutterleib kurz vor der Geburt versterben. Bei den entsprechenden Großerzeugern kann man so mit etwas guter Überredungskunst der Tierverwertung zuvorkommen.

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Eine weitere Bezugsquelle sind Jäger. Diese kümmern sich neben der Bestandspflege auch um totgefahrene Tiere.

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In diesem Fall war es ein Reh, das von einem Auto angefahren wurde.

 

Es gibt also genügend Möglichkeiten, auf die meines Erachtens nach grausame Fütterung von lebenden Tieren zu verzichten. Für das Wohlergehen einer Schlange ist es wie gesagt völlig irrelevant, ob lebend oder tot. Auch die Begründung von auftretenden Mangelerscheinungen ist völlig unzutreffend. Ich füttere seit vielen Jahren ausschließlich bereits totes Futter, und habe absolut keine Mangelerscheinungen feststellen können.

 

So, das war es erst einmal, damit es nicht zuviel wird. In weiteren Beiträgen werde ich auf Anforderungen für die Haltung sowie Größenentwicklung eingehen.

 

Eine Frage kann ich noch auf die Schnelle beantworten: Das große Tier ist ein Männchen mit über 6m und weit über 100 Kg...und glücklicherweise ein sehr ruhiger, umgänglicher Charakter, sofern man seine Weibchen zur Paarungszeit in Ruhe lässt. Seit den Fotos, diese sind etwa 3 Jahre alt, ist er noch einmal ein gutes Stück gewachsen.

 

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Viele Grüße, Ralf

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Ralf Mößle

Hallo,

zur Haltung von Riesenschlangen gibt es keine verbindlichen Richtlinen, lediglich eine Empfehlung. Auch ist die Erlaubnis zur Pflege Ländersache. In Bayern, Hessen oder Berlin ist die Haltung gerade von großen Arten nur mit einer gesonderten Genehmigung möglich. In Baden -Württemberg gibt es keine Einschränkungen.

Aufgrund des stetig schlechter werdenden Rufes der Terraristik ist ein bundesweites Verbot zur Haltung von Exotischen Tieren im Gespräch, doch meines Wissens stagniert das aktuell. Die DGHT, die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde versteht sich hier als "kompetenter Ansprechpartner" für die zuständigen Regierungsstellen. Ich habe lange Zeit teils sehr eindringlich versucht, mich hier einzubringen, und aktiv mitzuwirken, doch das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die Selbstverliebtheit dieser Organisation ist schon äußerst bedenklich. Beispielhaft folgende Ereignisse. Nachdem der geplante Redner ausgefallen ist, bin ich kurzfristig eingesprungen, um unentgeltlich einen Vortrag über Riesenschlangen, speziell Netzpython und große Anakonda, zum Besten zu geben. Beide Male wurden die sonst üblichen Besucherzahlen bei diesen Treffen bei Weitem übertroffen, was das Interesse an diesem Thema mehr als deutlich zeigt. Doch diesen Gruppierungen sind ein minimales Stammpublikum lieber, als ihr Wissen zu erweitern, und hartnäckige Vorurteile abzulegen. Das eine ehemalige Rotlichtgröße, mit Schwerpunkt Panzerechsen, zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Riesenschlangen berufen wird, spricht für sich. Dies nur als ergänzende Erklärung zu meiner Person, damit verständlich wird, das ich auch daran interessiert bin, etwas zu bewegen. Darüber hinaus plädiere ich seit Jahren für strengere Richtlinien und Auflagen speziell zur Riesenschlangenhaltung. Als die DGHT endlich begonnen hat, hier vor einem möglichen gesetzlichen Beschluß etwas zu unternehmen, waren es Pfleger von 1m langen Nattern, die entsprechende Funktionen übernehmen durften, und zukünftige Lehrer für einen Sachkundenachweis ausbildeten. Das ist ungefähr so, als würde ein Rosenzüchter Karnivorenpfleger ausbilden und über die richtigen Anforderungen zur Pflege von Nepenthes pervillei reden. Soviel dazu, warum ich mein Engagement beendet habe, mich aus sämtlichen Diskussionsgruppen zurückgezogen habe, und auch meine Hp nicht mehr aktualisiere.

 

Bei der Haltung an sich gibt es kein festes Schema, wie ein Terrarium aussehen muß. Lediglich die Grundbedürfnisse MÜSSEN erfüllt werden. Im Falle des asiatischen Netzpythons sind diese enorm. Diese Art ist ohne jeden Zweifel die am aufwendigsten zu pflegende Schlange. Er ist der absolute Superstar, die ultimative Herausforderung. Selbst die Giftschlangenpflege kann dieser Schlange nicht das Wasser reichen. Schnelligkeit, Bewegungsdrang, Gefahrenpotential, dieser perfekte Jäger ist DIE absolute Herausforderung. Lediglich die pfeilschnellen Mambas würde ich als ebenso aufwendig in der Pflege erachten. Vorab: Auf Anakonda und Felsenpython gehe ich der Übersichtlichkeit in einem anderen Beitrag ein. Der im Verhältnis zu den 2 vorher genannten Arten sehr schlanke Körperbau steht für eine aktive Lebensweise, der in freier Natur selbst in den Bäumen auf Primatenjagd geht. Darüber hinaus ist er die einzigste Schlangenart, der nachweislich, und das mehrfach, Menschen überwältigt und verschlungen hat, auch, wenn die allermeisten Fotos Fakes sind. Denn der Stoffwechsel ist der uneffizienteste aller Riesenschlangen. Das hat zur Folge, das er Unmengen an Futter erbeuten muß, was in einer deutlich höheren Angriffsbereitschaft gegenüber allen anderen Schlangen endet. Der Bedarf an Futter beträgt im Gegensatz zum Felsenpython das Doppelte, gegenüber der Anakonda sogar das 3fache. Raubkatzen, Panzerechsen, große Warane, alles wird angegriffen und verschlungen. Bis zu 60kg schwere Beute wurde schon im Inneren eines Netzpythons gefunden. Die Reste der verdauten Nahrung müssen auch wieder raus, weswegen die Möglichkeit zur Kletterei gegeben sein muß. Raumhöhe ist hier absolutes Minimum, selbst für sehr große Tiere. Hinzu kommt ein geräumiges Wasserbecken, was ebenfalls den Stoffwechsel unterstützt. Aufgrund des Angriffspotential, das dem enorm hohen Nährstoffbedarf geschuldet ist, ist eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit für den Pfleger notwendig, um übereilten Attacken rechtzeitig ausweichen zu können. Eine artgerechte Pflege ist somit nur in sehr sehr großen Terrarien möglich, besser sind ganze Räume. Denn Bewegungsmangel führt zu einem vorschnellen Ableben, da die Stoffwechselendprodukte die Organe vergiften. 

Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, habe ich direkt beim Hausbau vor 10 Jahren einen eigenen Raum für meine Tiere eingeplant. Später habe ich dann einen neuen Raum umgebaut, der komplett auf die Bedürfnisse der Tiere, als auch auf meine Ansprüche einer einfachen Reinigung und hoher Sicherheit zugeschnitten ist. Darüber hinaus war mir die Wirtschaftlichkeit enorm wichtig, denn die meisten verlieren den Spaß an ihren Tieren, weil die Kosten ins Unermessliche steigen. Netzpythons können 30 Jahre alt werden, und benötigen bis zu 80kg Futter im Jahr. Dagegen sind unsere Kosten bei Karnivoren geradezu lächerlich gering.

Neben Höhlen und Wasserbecken verfügt der komplette Raum über eine Fußbodenheizung, die den selbigen auf rund 25-27 Grad erhöht. Da die Tiere darüber hinaus die Möglichkeit haben, sich auf dem Boden direkt aufzuwärmen, ist das vollkommen ausreichend. Als Bodengrund verwende ich Zeitungspapier. Nicht hübsch, aber hygienisch, da einfach zu wechseln. Zudem würde mir ein Bodengrund die Heizwärme zu sehr wegdämmen. Eine Bepflanzung ist bei dieser Art schlicht unmöglich, diverse Versuche haben stets in großer Frustration geendet. Zudem ist diese Art die Umtriebigste aller Riesenschlangen, und jegliche Vegetation wurde innerhalb von Stunden plattgewalzt. OK, mit Kakteen habe ich es noch nicht probiert:-) Sie entdecken jede noch so kleine Schwachstelle, und von daher ist es ratsam, die Optik der Funktionalität unterzuordnen. Nicht zuletzt auch der Sicherheit wegen. Ein Netzpython mit rund 4,5m Länge hat mehr Kraft als der stärkste Mensch, obwohl er zu diesem Zeitpunkt nur etwa 35 Kilogramm wiegt. Mit 5m wird die 50kg Marke locker geknackt, mit 6m das Doppelte, sprich 100 Kg. Hier reichen selbst 5 Menschen nicht mehr aus, um so ein Tier zu bändigen. Zudem würden weitere Personen die Tiere nur verunsichern, und unkontrollierbare Situationen heraufbeschwören. Ein Netzpython ist und bleibt ein wildes Tier, und wenn man dieses in die Enge treibt, wird es sich mit aller Kraft zu befreien versuchen. Die sicherste Lösung ist somit, alleine mit dem Tier zu "arbeiten", und es entsprechend zu lenken. Dies gelingt sehr gut, da Schlangen von Natur aus eben am liebsten in Ruhe gelassen werden wollen, und sich somit relativ schnell zurückziehen. Zudem kennen meine Tiere meinen körpereigenen Geruch, und verbinden diesen nicht mit Gefahr. Lediglich, wenn ich Futter bereit stelle, ist allerhöchste Vorsicht geboten.

Zum Abschluß noch ein paar Worte zu den "Kosten". Ich rechtfertige dieses Hobby mit einem 2. Job (Zeitung austragen) kostenmäßig vor meiner Familie. Durch stetes Kosten minimieren, indem ich ständig auf der Suche nach neuen Futterbezugsquellen bin, und mir in der Vergangenheit auch einiges aufgebaut habe, liegen die monatlichen Kosten bei etwa 200 Euro, den Umbau des Raumes nicht mit eingerechnet. Durch den Verkauf von Nachzuchten habe ich diese Summe schon mehrfach wieder reingeholt. Es geht also auch wirtschaftlich. Meine ersten 3 Netzpythons, die ich mir gekauft habe, leben immer noch bei mir, zudem 3 eigene Nachzuchten. So, und jetzt noch ein paar Bilder nach dem ganzen Text.

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Viele Grüße, Ralf

 

 

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Guest

Dein Bericht hier ist der Hammer, Ralf. 

 

Gerne und bitte mehr noch davon, dazu noch viel mehr Bilder, ich bin gerade völlig fasziniert. 

 

Viele Grüße

 

Wolfgang

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Ralf Mößle

Vielen Dank Wolfgang,

Bilder sind mein großer Schwachpunkt. Doch ich bemühe mich, eine einigermaßen zeigbare Qualität in meinem Archiv zu finden.

Und vielen Dank für die netten Worte. Das freut mich, besonders wenn es nicht als Selbstdarstellung verstanden wird. In den nächsten Beiträgen gehe ich dann auch auf Größe und Mythen ein. Das wird interessant, versprochen.

Grüße, Ralf

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Guest

In den nächsten Beiträgen gehe ich dann auch auf Größe und Mythen ein. Das wird interessant, versprochen.

 

Da freue ich mich jetzt schon drauf.

Grüße zurück

 

Wolfgang

Edited by Wolfgang Liere

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Markus K.

Ich kann mich da den anderen nur anschließen. Ein sehr interessantes Thema...gerne mehr davon! :)

 

Gruß

Markus

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Hermann Wistuba

Wenn ich mich nicht irre, handelt es sich hier um das "FORUM DER GESELLSCHAFT FÜR FLEISCHFRESSENDE PFLANZEN". Für Reptilien gibt es sicher auch entsprechende Foren. Vielleicht sollte man solche Beiträge dort  posten.

Gruß Hermann Wistuba

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Nicky Westphal

Natur-Forum

"Off Topic Forum" für Insekten, Reptilien, Amphibien und/oder Tiere und Pflanzen aller Art. Reiseberichte und Dokumentationen wo keine Karnivoren vorkommen, können hier eingestellt werden.
 
Auch wenn Manchem das nicht gefällt oder interessiert, kann man trotzdem etwas tollerant sein. Es gibt ja hier auch Leute, die von Farnen, Ameisenpflanzen oder div. andrem Getier berichten, was supertoll gefunden wird.
 
Grüße Nicky
Edited by Nicky Westphal
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Thomas M.

Leute, denen solche Beiträge in einem extra dafür geschaffenen Unterforum nicht zusagen, werden nicht dazu gezwungen, eben diese zu lesen oder sich aus Protest auch nicht mehr in diesem Forum aktiv zu beteiligen.

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Andreas S.

Wenn ich mich nicht irre, handelt es sich hier um das "FORUM DER GESELLSCHAFT FÜR FLEISCHFRESSENDE PFLANZEN". Für Reptilien gibt es sicher auch entsprechende Foren. Vielleicht sollte man solche Beiträge dort  posten.

Gruß Hermann Wistuba

 

Du hast schon mehrfach angeführt, dass Du hier im Forum offenbar ausschließlich und nur Themen über fleischfressende Pflanzen duldest. Du übersiehst dabei aber etwas Entscheidendes: Es ist ohne Belang, da es Unter-Foren gibt, die extra für andere Themen geschaffen wurden. 

 

Also bitte mehr, Ralf. Ich habe schon jetzt einiges gelernt. Besonders das Schlangen auch mit totem Getier gefüttert werden können, habe ich hier zum ersten Mal gehört. Auf den nächsten Teil bin ich schon jetzt gespannt. Auch wenn ich kein Terrarianer bin interessiert es mich sehr, gerade auch weil ich ansonsten kaum mit solchen Themen in Berührung kommen würde, da ich mir selbst garantiert kein Kriechzeug selbst anschaffen werde.

 

Gruß

Andreas

  • Like 4

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Fleischfresser

Ein wirklich äußerst interessantes Thema, absolut faszinierend diese gewaltigen Tiere.

Auf die kommenden Beiträge bin ich auf jeden Fall gespannt, also weiter so Ralf.

Das Thema Terraristik in Verbindung mit Reptilien, halte ich für eine absolut interessante Ergänzung, und man kann hier sicher auch Ralf danken, dass er sich die Zeit nimmt und alles detailliert erläutert. Zudem bekommt man auch wissenswerte Fakten direkt aus 1. Hand.

 

Seit wann leben die Tiere bei dir wenn ich fragen darf? War es schon nötig, bzw. ist es überhaupt möglich, diese riesigen Tiere noch zu transportieren?

Ich würde mich auch über weitere Bilder und Info´s zur Anakonda freuen.

 

 

Grüße Matthias

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Aurora

Hallo Ralf,

 

gewaltige Tiere hast du da, Respekt!

Mich interessiert gerade, wie du das mit der tierärztlichen Versorgung handhabst, sollte es doch mal nötig sein.

Als Hamsterhalterin habe ich ja das Problem überhaupt jemanden zu finden, der sich mit den winzigen Tieren auskennt und nicht einfach eine geratene Diagnose auf Verdacht stellt. Bei dir ist das genau anders herum, du brauchst jemanden der sich an diese Riesen heran traut und dementsprechendes Fachwissen über die Rasse etc besitzt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dein großes Männchen zum TA transportierst, macht dieser also bei dir dann Hausbesuche, oder wie läuft das ab?

 

Dass man Schlangen auch mit Hähnchenschenkeln aus dem Supermarkt ernähren kann, ist mir, genauso wie auch anderen hier, völlig neu, ich finde es aber super! Ich lese in meinem anderen Forum öfter von gesunden Hamstern die vor dem Schlangenmagen gerettet wurden, da finde ich es klasse, wenn jemand sowas von vorn herein ablehnt.

Gilt das denn für jede Schlange, dass sie auch tote Nahrung aufnimmt?

 

Bitte berichte gerne weiter !

 

 

Viele Grüße

Aurora

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Guest

Respekt, mein lieber Herr Gesangsverin. Jetzt liebe ich meine kleinen Dendrobates noch mehr. Ich habe auf den Aquarien-Terrarien-Schauen schon große Python gesehen, aber so ein riesiges Monster noch nie. Vor den Vogelspinnen hätte ich aber mehr Schiss als vor der Schlange und kleine junge Puff-Ottern sind mit Sicherheit gefährlicher als die Python.

Ich finde die Bilder und die Berichte interessant, dass Schlangen tote Tiere als Nahrung annehmen, das war mir eigentlich auch neu, aber es stimmt - in den Tierparkserien, da wurde auch mal eine tote Ratte an einer langen Zange der Schlange vor die Nase gehalten, bis sie sie ergriff. Vielleicht ist es entscheidend, dass sich da was bewegt, egal ob tot oder lebendig

 

Gruss

Peter

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partisanengärtner

Vor einer normalen Vogelspinne hätt ich weniger Respekt aber der Biss so einer großen Würgeschlange ist weit schlimmer als ein normaler Hundebiss. Da brechen auch mal ein paar der über hundert mehrere Zentimeter langen "Zähnchen" in der Wunde ab.

Die muß man schon sehr gut einschätzen können und eins der  friedlicheren Exemplare haben. Das ist sicher auch haltungsbedingt.

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Thomas Adam

Hallöchen,

 

Meine güte was ein geiles Tier. Da komme ich mit meiner kleinen Kornnatter nicht mit.

Die würde ich mir glatt mal angucken kommen.

Echt geiles Tier hast du da

 

 

Gruß Thomas

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