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Michael Malisa

Tieflandterrarium - Entstehung und erstes Jahr

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Michael Malisa
Posted (edited)

Servus beisammen!

 

Bis auf einen unrühmlich mißglückten Beitrag hab ich lange nichts geschrieben hier, nun wirds mal Zeit, wieder zum Thema zu kommen. Besonders, da mein Langzeitprojekt nun an einem Punkt ist, an dem man darüber sprechen kann. Das Terrarium im Wohnzimmer. Hier die Geschichte:

 

"Ob es schön ist? Es ist groß. Es ist aus Glas. Eine Duschkabine hast du gekauft." war die Reaktion meines Bruders, als er das noch leere Terrarium mit den Maßen 120 x 60 x 170 zum erstem Mal sah. Nun lag es an mir, mehr als nur einen Brausekopf reinzuhängen, um meiner Vorstellung von einer ansehnlichen und funktionierenden Pflanzenbehausung gerecht zu werden.

 

Somit wurde 2018 ein frisches Tiefländer - Terrarium aus der Taufe gehoben, über 12 Monate ist es nun in Betrieb. Menschen duschen nicht da drin. Zumindest nie, wenn ich anwesend bin.

Hat mich ganz schön beschäftigt, schließlich hab ich nie ein Terrarium besessen, geschweige denn eines auf gewisse Bedürfnisse ausgelegt oder eingerichtet und so war ich ab und zu vor Herausforderungen gestellt. Es gab durchaus ein paar "Dreck, so geht's anscheinend nicht" Momente, jedoch noch nichts Verheerendes.

 

Ich habe mich für eine warme Tiefländer Variante entschieden, weil es in unserem Wohnzimmer an den großen Fenstern mit den Temperaturen ziemlich nach oben geht, Sommer wie Winter. Trotz Rollläden ist es nie kühl, auch nachts nicht. Also nütze ich Helligkeit und Temperatur für das Setup. Weiters wollte ich den Blick nach draußen nicht verstellen, weswegen es nur eine verbaute Glasfläche gibt, Richtung Wand.

 

Das Terrarium wurde nach Wunsch angefertigt: Lüftungsbleche 1x an der Front und 2 x an der Decke. Kabeldurchlass x 2, einmal rechts unten und oben. Herausnehmbare Schiebetüren. Glasstärke 8mm. Unbefüllt 78kg.

Das alles steht auf einer rollbaren Siebdruckplatte am Boden, weswegen es keinen Abfluss nach unten hin gibt. Siphonpumpe wird bei Bedarf verwendet.

 

Für die "Urwald - Wand" habe ich mich für Styrodurplatten entschieden, die für eine gewisse Struktur und Fassung für Töpfe mit Bauschaum besprüht, zurechtgeschliffen und dann mit Hygrolon beklebt wurden. Ziemliche Fitzelarbeit, macht auch schön viel Dreck. Als Klebstoff habe ich Haru Terrariumkleber verwendet. Der scheint am wenigsten giftig, ist nicht wasserlöslich und lässt sich gut verstreichen, trocknet aber auch nicht sehr schnell.

So entstanden nach und nach eine Wand und ein künstlicher Stamm aus mit Bauschaum verkleidetem Drainagerohr und dünneren Rohren und Seilen, ebenfalls alles mit Hygrolon beklebt. Ein bisschen Epiweb habe ich auch verarbeitet, welches mir als Werkstoff aber derweil noch nicht so sympathisch ist.

 

Warum diese Machart der Wand:

Leichte Materialien, unverrottbar und flexibel, Hygrolon speichert ganz gut Wasser und Epiphyten können sich halten. Als Nachteil ist eventuell der anfängliche (oder monatelange 😕 ) unschöne Anblick zu nennen, denn solange da nichts drauf wächst, ist es ein löchriger schwarzer Stoffüberzug, der bis auf die selbst modellierte Struktur besonders bei kurzem Sichtabstand sehr unnatürlich wirkt.

 

Die Bewohner, ich hab den Überblick etwas verloren:

- Nepenthes Nepenthes rafflesiana und var. alata, northiana, bicalcarata, spathulata x adnata, ampullaria.

- Diverse Orchideen, die es angeblich wärmer vertragen, wie Bulbophyllum tingabarinum oder eberhardtii, Epidendrum porpax Pleurothallis grobyi, Diplocaulobium chrysotropis,  Vanilla planifolia und noch ein paar andere.

- Tillandsia funckiana clumb, Maxillaria sophrontis, Lycopodium squarrosum, Vriesea correia - arauji

- Neoregelia liliputiana, ampulacea purple , fireball und noch ein Mix aus kleineren Bromelien wie catopsis und vriesea

- Diverse (Ameisen-) Farne, von denen ich leider die Namen vergessen habe und mir die Muße fehlt, danach zu suchen. Ich habs nicht so mit den Etiketten. Sind halt hübsche Farne.

 

Schlussendlich wird die Technik angebracht und in Betrieb genommen:

- 2 x 100 Watt Strahler von Christian Ritter, dimmbar und programmierbar via Casambi App über Smart Devices (um z.B. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu simulieren). Cool.

- MRS Blue Line Pumpe mit 8 Feinnebeldüsen.

- Trixie Fogger, wenn die Luftfeuchtigkeit mal gar nicht steigen mag.

- JBL Keramik Wärmestrahler, laut Hersteller für bis zu 150 cm Höhe geeignet.

- Thermohygrostat, um Wärmestrahler und Fogger bei gewissen Schwellwerten anzuwerfen.

- 2 x Ventilatoren, trotz Lüftungsblech braucht es Luftbewegung.

 

Meine Erfahrungen nach ca. einem Jahr:

- Die Kannen der Nepenthes halten im Vergleich zur offenen Terrarienkultur oder Fensterbankkultur erwartungsgemäß länger. Die meisten Kannen, die nicht älter als zwei bis drei Wochen waren als sie ins Terrarium eingezogen sind, blieben fast 2 Monate intakt.

- Die Temperatur im Sommer an sonnigen Tagen geht auf mindestens 30°C oder mehr, bei Bewölkung 24-25°C. Nachts kaum unter 23°C. Sinkt sie dennoch tiefer (Lüften), stabilisiert sie sich schnell wieder auf über 24°C sobald die Fenster zu sind und evtl. der Strahler angesprungen ist. Gemessen wird an der linken Glaswand gut 20 cm über dem Substrat. Die Temperaturen können lokal durchaus einige Zeit höher sein bei direkter Sonne, genauso aber kurzfristig tiefer bei Luftzug am Lochblech oder Verdunstungskühle an anderer Stelle. Alles in allem scheint es einigermaßen zu passen, sonst würde die N. northiana mittlerweile ziemlich spinnen.

Im Winter gehen die Temperaturen bei sonnigem Wetter ab Mittag immerhin auf 28° oder knapp drüber und nachts kaum unter 21°. Die Fußbodenheizung in der Wohnung stabilisiert das rasche Absinken der Temperatur beim Lüften, meist Abends nach dem Kochen, rasch wieder auf über 20 Grad.

- Ich brauch nur selten gießen. Das Terrarium mit sämtlichen Pflanzen kann im derzeitigen Zustand 5 Tage ohne jegliche Betreuung durch eine Person auskommen (bereits unfreiwillig getestet), wahrscheinlich sogar eine Woche (noch nicht getestet).

- Ohne zusätzliches manuelles Sprühen könnte ich die Hygrolonwand für das Moos nicht feucht genug halten. Automatisch geht das so nicht, da hätte ich zuvor besser planen müssen, wenn ich gewusst hätte, wie schwierig das wird. Die Moossamen... schätze, das geht nicht. Da rührt sich gar nichts, so schön und schnell wie in manchen Videos auf youtube, quasi Moosteppich nach 4 Wochen, geht das in meinem Fall nicht. Ich habe beim 4. Versuch Xaximstreu und gehacktes lebendes Moos auf Gewebe gepappt. Klappt an manchen Stellen bereits ganz ok. Dauert aber sich noch eine Weile.

- Der Keramik - Wärmestrahler ist nicht sonderlich effizient. Zwar laut Hersteller wie erwähnt für 150cm Höhe geeignet, taugt er kaum zum Heizen des unteren Bereichs. Zur Not aber ausreichend.

- Das Licht durfte ich dimmen, besonders den Weißanteil, weil es den Nepenthes zu intensiv war und sie Sonnenbrand bekamen. Für die Heliamphora reicht es immer noch.

- Der Beregner ist wichtig, braucht aber nicht oft oder lang zu sprühen, weil es sonst tatsächlich zu feucht wird und Schimmel kommt. Die LF ist dank Sphagnum und feuchtem Torfboden dennoch schnell wieder 80 - 90%, auch nach Lüften oder offen lassen der Schiebetüren.

- Mit den Orchideen muss ich rumprobieren. Ob die je blühen, wird sich zeigen.

 

- Verluste: N. fusca x veitchii, zu haarig, war ein Schimmelfänger, Nepenthes maxima (erkrankt). Napenthes truncata musste ausziehen, unpraktische Blattgröße. Irgend ein Farn (war hübsch, was weiß ich). Utricularia alpina, zu warm.

 

Ich zeig euch jetzt noch eine Fotostrecke von den Anfängen im April 2018 und gewissen Arbeitsschritten, bis zum heutigen Tag. Es war und ist lehrreich und interessant und es kommen sicher noch einige Dinge auf mich zu, sei es weitere Bepflanzung, Düngung, Anpassung der technischen Hilfsmittel und Maßnahmen bei Krankheiten (hoffentlich selten).

 

So siehts aus, viel Spaß beim Betrachten!

 

Das Terrarium steht an seinem Ort und wartet auf seinen Einsatz. Es liegt noch einiges an Arbeit an...

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Nach genauem Ausmessen werden Styrodur und Rohre zugeschnitten und wichtige Stellen markiert.

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Nach einer ordentlichen Ladung Bauschaum kriegt alles schon eine fast finale Form.

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Zu starke Unebenheiten werden abgefräst und geschnitten. Staubt wie Sau.

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Der größte Aufwand. Das Aufkleben des Hygrolon. Der Kleber wird dünn aufgetragen, dann wird das Gewebe angepasst und bis zum Abtrocknen mit Stecknadeln fixiert.

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Einige Abende wurde damit zugebracht, zuletzt waren die "Lianen" an der Reihe.

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Schlussendlich waren die Einzelteile dann nach einigen Abenden fertig.

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Passt! Bald kanns los gehen.

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Technik wird montiert. Licht, Beregnung, Fogger, Heizung.

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Substrat und Drainageschichten werden eingefüllt. Gespülter Blähton, Quarzkies und Weißtorf.

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Noch einmal wirds mords mühsam. Die Moossamen werden aufgepinselt. Wie sich mit den Monaten herausstellte, waren sämtliche Versuche für den Arsch.

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Nun kommt der schöne Teil und der geht auch noch ruckzuck, das Bepflanzen und Aufbinden!

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Fürs Erste nicht übel.

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Nach einem Jahr und den ersten Erfahrungen mit Erfolgen und auch Fehlschlägen wird noch einiges an Deko und Pflanzen ergänzt. Manches breitet sich schön aus und mit der Zeit wird aus der Wand wohl hoffentlich doch noch ein üppiger Urwald.

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Den Nepenthes jedenfalls gefällt es, hier sind noch ein paar Beispiele.

 

N. bicalcarata

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N. northiana

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Die genügsamen Rafflesiana und var. alata

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Und noch eine neblige Abendstimmung aus dem Wohnzimmerdschungel.

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Weitere Berichte folgen im Laufe der Zeit, momentan probiere ich wie gesagt mit Orchideen und Bromelien, etc. herum.

 

Ich hoffe es gefällt! Schönen Tag und beste Grüße,

Michael

Edited by Michael Malisa
Foto verschoben
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Joachim Danz

Hallo Michael,

 

Wow, das sieht richtig klasse aus und ist wirklich absolut wohnraum-tauglich!

 

Vielen Dank auch für den ausführlichen Bericht, gerade die Probleme und Schwierigkeiten
helfen anderen bei ähnlichen Projekten. Und man bekommt natürlich auch Lust so etwas
zu bauen...

 

Viele Grüße

 

Joachim

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