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Michaela

Utricularia Humboldtii und Alpina - Kultur, Bestäubung und Vermehrung

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Michaela

Hallo,

 

als Einführung: Der Thread ist dafür gedacht, dass hier jeder seine Erfahrungen teilen kann.

Ich hatte selbst lange gesucht, um etwas zu den Themen zu finden und habe ein paar eigene Erfahrungen gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass andere Kulturmethoden nicht genauso zielführend sein können - deswegen hoffe ich auf rege Teilnahme. Ihr könnt auch gerne Erfahrungen zu anderen Arten der Sektion Orchioides teilen oder Fragen stellen  😉

 

 

Utricularia Humboldtii

 

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Kultur:

Bei mir wachsen die Pflanzen in einem wassergefüllten Behälter, dessen Wasserstand von einem Zentimeter bis meistens zur Hälfte der Pflanztöpfe reicht. Die Pflanzen stehen dann am Fensterbrett über der Heizung. Grosses aber: Das funktioniert nur gut, wenn die Blätter auch entsprechend "hart" sind und Laub als fest ist. Ansonsten muss man die Pflanze entweder vorsichtig an eine solche Kultur gewöhnen oder es lassen.

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Die Pflanze verbreitet sich selbst durch Stolone - sehr lage "Tentakel" die erst wie Blattansätze wirken aber dann nur Stängel sind. Sobald sie ein geeignetes Substrat finden, ankern sie sich fest und bilden Wurzeln. Stellt man einen Topf so hin, dass sich ein Stolon darin vergräbt, bekommt man meist irgendwann Blätter und kann so die Pflanze "teilen". Als Beispiel mein Set-up (ja, Chaos)...man erkennt auch die Substrate:

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Substrat:

  • Da die Art ursprünglich eher aquatisch in Bromelien zu finden ist, ist eine Kultur in Bromelientrichtern oder Heliamphora-Schläuchen mögich. Ich kenne einige, deren Pflanzen so wachsen und die dann durchs Set-up wandern.
  • Bei mir wachsen die Pflanzen am besten in lebendem Sphagnum oder in einer sehr lockeren Mischung aus Sphagnum/Perlite und sehr grobem Bims, jedoch scheint bei meiner Variation einfach nur "locker" die Voraussetzung zu sein: Wächst auch in normalem Kissenmoos, das eigentlich für Pings gedacht war und ist...siehe oben
  • In das Wasserbecken hatte die Pflanze es auch geschafft, aber die Wasserlebewesen haben die Blasen und alles andere radikal abgefressen (ich habe immer zu viel Ökosystem). Man sollte also ein wenig vorsichtig sein.
  • Es gibt aber wohl Klone, die auch gut mit einer Standard-Mischung für Utris (Torf-Perlite-Quarz?) auskommen. Der Botanische Garten München hat Humboldtii, die so wachsen und sich sehr fröhlich ins Wasser verbreiten.  

 

Bestäubung:

  • Wie so viele Arten, ist sie selbstfertil und man kann sorglos Pollen zum Stigma wuchten (siehe Bild) - ich nehme dafür immer einen normalen Zahnstocher (eventuell mit schwarzem Marker anmalen, dann erkennt man den gelben Pollen besser). Da die beiden sehr gut voneinander getrennt sind, ist eine Bestäubung mit anderem Pollen (diverse Arten) so auch problemlos möglich.

            _Pollen_Stigma_beschriftet.jpg.bc38bde84ee586d1f7e6c252191e739e.jpg    1087617897__Bestubt.jpg.288c64d1e0de034b1a19535adb198ece.jpg

 

  • Wer vielleicht so grobmotorisch wie ich veranlagt ist, dem gebe ich einen Hinweis: Im Gegensatz zu Alpina ist die Blüte an ihrem Stengel nicht ganz so fest angemacht (Bild links). Deswegen habe ich persönlich den Ansatz immer mit einem flexiblem Klebeband verstärkt, damit ich beim rumstochern nicht wieder eine Blüte abreisse.

            711021760__Bltenstengel.jpg.1d8ee3b2535a10c55b0d4e245b49b120.jpg  1682041041__Bltenbefestigung.jpg.aa69d5a258c7ef620d87253b16f95ed2.jpg

 

  • Ist die Bestäubung erfolgreich, verdickt sich die kleine Kugel am Ansatz (sieht man im Bild oben) recht schnell. Dabei fiel die Blüte relativ häufig unverwelkt ab - das ist aber kein sicheres Zeichen, manchmal blieb sie bei mir auch dran.

 

Bestäubte Blüten+Samen:

  • Wie erwähnt verdickt sich eine Kugel und wird im Verlauf der Zeit relativ gross an und stoppt dann - um zu reifen. Der genaue Erntezeitpunkt ist schwer abzusehen, jedoch dürfte der perfekte Zeitpunkt sein, sobald die äussere Haut leichter nachgibt und einzelne Stellen anfangen einzutrocknen. Das sieht dann pergamentartig (und dunkler/brauner) aus und teilweise reisst die Haut ein. Wenn man wegfährt, kann man nur beten - mein Versuch, die Kapsel im Wasser zu versenken hat dazu geführt, dass die Samen ziemlich schlecht waren. Also vielleicht genau beobachten und ein wenig drücken und dann vielleicht früher ernten oder über Wasser platzieren.

            863136227__Samenkapselseite.jpg.fde9f1dbe62cabbfee8c0369167ccb18.jpg    2006453770__Samenkapselvorne.jpg.238dfdf5a9e21215762b1bd4f5ad83fe.jpg

 

  • Die Samen sind mehr Embryos und können nicht lange gelagert werden, sonst sterben sie. Reife Samen erkennt man am grünen Innenleben in einer durchsichtigen Hülle. Sobald sie lange genug mit Wasser in Berührung kamen (ein paar Stunden bis Tage - es gibt immer Nachzügler) breiten sie sich aus und sehen dann eher wie ein Geflecht aus. Ich schmeisse die Samen immer erst gerne in Wasser bevor ich sie ins Substrat gebe.

            Hier vorher (mit nur wenigen offenen) und "nachher) - gut erkennbar auch die durchsichtigen Hüllen in Bild rechts.

             1388903094__HumboldSamenfrisch.jpg.f1422c73850dbbcb5bc27fa15de97173.jpg    1753291035__HumboldSamenoffen.jpg.68f83e57498f02064df37ca3dd013441.jpg

 

  • Die kleinen Sämlinge sind sehr Haftfreudig...bleiben also gerne hängen - auch z.B. an Wänden von Helis innen  😉
  • Aussaat wo man will - mit Torf habe ich keine guten ERfahrungen gemacht, in Helis kann man nur hoffen, dass die Samen schneller sind als die Krüge (und darf nicht auf Wasser vergessen) - in Wasser könnte es vielleicht ebenfalls gehen. Von lebendem Sphagnum werden sie gerne überwuchert. Ansonsten gibt es nur eine Regel: Locker.

            622810315__Samenoffen.jpg.d908742f6a0ec6d8c0dafd90a1050153.jpg   964748455__Utri-SamenaufErde.jpg.e71e2d1f2d6de0d0fff131a05d824c54.jpg

 

  • Im Verlauf kommt erst die erste Fangblase, dann kleine Blätter und Wurzeln mit Blasen - später die ersten richtigen Blätter, die zwar klein sind, aber wie adulte Blätter aussehen.

 

Ade,

Michaela

 

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Michaela

Utricularia Alpina

 

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Kultur:

 

Eine recht unkomplizierte Art mit schönen Blüten und gut geeignet im erste Erfahrungen zu sammeln.

Erfahrungen variieren hier wohl ebenfalls: Bei mir hat die Pflanze eine ausgeprägte epiphytische Lebensweise und bewegt sich lieber über als unter der Erde. Ich fand noch nie eine Alpina, die von unten in einen Topf eingewandert ist. LF ist vorteilhaft aber nicht lebensnotwendig, bei weniger Licht werden die Pflanzen weniger gedrungen und haben längere Stiele.

Die ausgeprägten Zwiebeln sind praktisch, wenn man die Pflanze vermehren will. Einfach reingreifen, einen Büschel Blätter mit Wurzeln und Knollen rausreissen und eintopfen. Büschel deswegen, weil es quasi Knotenpunkte gibt, an denen recht viele Blätter rauskommen.

 

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Substrat:

Substrat? Äh...ja...ich habe Sphagnum, aber die Pflanze wächst auch gerne einfach über alles weg bei hoher LF bzw. zwischen Glas und was anderem (aber gerne lichtarm).

Prinzipell wäre mein Tipp locker: Sphagnum-Perlite Mischung ist ganz gut, lebenes Sphagnum geht, würde ich aber nicht bevorzugen.

Ein paar Beispiele für den Wuchs finden sich in den Bildern oben.

 

 

Bestäubung:

Der Blütenaufbau ähnelt der Humboldtii (so wie bei vielen anderen)...nur sind hier Pollen und Stigma recht nah beeinander. Man findet also immer mal wieder selbstbestäubte Kapseln, die dann wohl für die Vermehrung sorgen. Meine Erfahrung ist aber, dass bei eigener Bestäubung mehr Samen bzw. grössere Kapseln entstehen können.

Ansonsten wird die Art ihrem Ruf als unkompliziert gerecht: Man kann an der Blüte deutlich mehr rumzupfen als an der Humboldtii ohne dass man dann die Blüte in der Hand hält. Die Blüten sind deutlich stabiler an dem Stengel festgemacht, ich musste also noch nie für Verstärkung sorgen.

 

nach erfolgreicher Bestäubung+Samen:

Hat die Bestäubung geklappt schwillt auch hier das Knötchen an und bildet eine Kugel. Sobald diese anfängt einzutrocknen, kann geernet werden.

Die Samen sind keine Lebendgeburten wie bei Humboldtii, sondern klassische Samen, die eher länglich geschwungen aussehen. Man bekommt auch einen sehr grossen Haufen Samen aus einer Kapsel.

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Die Samen dann einfach irgendwo ausstreuen (Torf dürfte da auch klappen) und feucht halten. Wie sie nach der Keimung aussehen, weiss ich leider nicht, ich habe sie immer erst entdeckt, wenn sie schon eher an terrestrische Utris erinnern (ich sage liebevoll "grasunkraut") ...von der Blattform und Grösse. Die Sämlige kann man in dem stadium dann teilen und man bekommt recht schnell grösser werdende Blätter mit Ausläufern (alpina-like...).

 

 

Ade,

Michaela

 

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TLorenz

Sehr schöner und informativer Beitrag Michaela. Hat sicher einiges an Mühen und Blüten gebraucht um diese Informationen zu sammeln. 

Deswegen freue ich mich, dass du sie mit uns teilst. 

Ich kultivieren ebenfalls beide Arten und kann deine Kultur und Substrat Erfahrungen im großen und ganzen bestätigen. 

Ich denke viele scheuen sich vor der Kultur dieser tollen Utricularia. Aber das zu Unrecht. 

Sie gehören in ihrer Sektion zu den Anfängerfreundlichsten Arten. Und toll sind sie allemal. 

Vielleicht hat hier der eine oder andere noch was nützliches zu diesem Beitrag zum beisteuern. 

Ansonsten 

Happy growing ✌️

 

GrußThomas 

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Henrik R

Hey Michaela,

vielen Dank für diesen sehr informativen Post, für viele Leute die bisher selten Utricularia in Blüte hatten sicher eine große Hilfe! 

Der weitere Weg vom keimen zur großen Pflanze wäre ebenfalls noch interessant, wie viel Zeit vergeht da in etwa bis zur ersten Blüte?

 

Viele Grüße,

 

Henrik

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TLorenz

Hier mal noch ein paar Bilder von meiner Utricularia alpina in Blüte.

kleiner Hinweis: Es ist keine Terrariumspflanze. 😉

U. alpina1.JPG

U. alpina2.JPG

U. alpina3.JPG

U. alpina4.JPG

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Michaela

@TLorenz: Danke für deinen Kommentar und die tollen Bilder. Schöne Blüten 😄 Freut mich sehr, dass du so etwas teilst

 

@Henrik R: Danke auch für deinen Kommentar. Die Zeitspanne kann ich dir leider nicht genau sagen - ich bin schon froh, dass meine adult gekauften überhaupt Blühen. Ich würde aber die Alpina als schneller sehen - da ist zwar anfangs weniger dran, aber die Sprünge hin zu den grossen Blättern sind ab einem gewissen Zeitpunkt einfach rasanter. Über ein Jahr bei Alpina sicher - vielleicht zwei Jahre? Bei Humboldtii dürfte die Zeitspanne länger sein. Anfangs wirken die Humboldtii deutlich schneller - innerhalb der ersten Wochen wächst das Netz und kleine Fangbladen bilden sich. Leider ist der Sprung zum adulten Blatt dann etwas...zögerhaft...und danach müssen diese auch noch entsprechend grösser werden (deren Fläche ist beim ersten Blatt weniger als ein kleiner Fingernagel gross).

Ich werde mal ab jetzt genauer beobachten, wie lange alles dauert - Fotos haben ja ihren eigenen Zeitstempel und den würde ich dann nützen.

 

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