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Kauft bitte keine gewilderten Nepenthes!


Joachim Danz

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Nicky Westphal

Erstmal Dank an Joachim für das Thema. Auch wenn es nicht so die Auswirkung hat, wie man sich es wünscht, sollte auf das Thema, die Problematik immer wieder hingewiesen werden! 

 

Doch ist es doch nur ein Bruchteil vom Ganzen, auch wenn Karnivoren unsre Lieblinge sind, so betrifft das Thema genauso zig andre pflanzen und Tiere. Dies zu stoppen ist Utopie, es etwas einzudämmen möglich. Es werden immer die Auswirkungen auf Standorte gezeigt, nur müssen die Ursachen bekämpft werden und hier sehe ich schwarz. Ich denke 99% der Käufer gewilderter Pflanzen wissen welchen Schaden sie anrichten, nur fehlt es da bei vielen an einem gewissen Bewusstsein, also der Anwendung von Wissen. Irgendwie fehlt zwischen "muss haben" und einem Kauf oft die Benutzung eigener grauer Zellen, die Entscheidungen hinterfragen, Auswirkungen betrachten.... Keine Ahnung woran das liegt, es ist leider so, dass sich oft nur gefragt wird ob man sich das leisten kann. Ob man es dann wirklich braucht, es vielleicht gar nicht nutzt oder ob es eine unnötige Anschaffung ist, spielt keine Rolle und dies ist in unserer Gesellschaft bei sehr vielen Dingen so. Der Mensch der arbeitet möchte sich auch was gönnen und leider wird es dann noch von Leuten vorgelebt und veröffentlicht, die gesellschaftlich nicht unbedingt sooo wertvoll sind wie sie meinen.

Ich hoffe es fühlt sich jetzt niemand persönlich angegriffen, aber das eine hier angesprochene Problem ist nur eines von Vielen deren Ursachen tief in unserer Entwicklung als Mensch sitzen und gesamtgesellschaftliche Probleme sind. Mit dem Finger auf den Sammler auf dem Berg oder auf den Sammler daheim auf den PC zu zeigen löst das Problem m.E. nicht. Es beruhigt nur das eigene Gewissen. Schuld daran sind wir alle, der eine mehr, der andre weniger. Eine für alle zufriedenstellende und funktionierende Gesellschaftsform hat die menschliche Entwicklung leider nicht hervorgebracht und wird sie wohl auch nie hervorbringen.

 

Grüße Nicky

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Thomas G
vor 11 Stunden schrieb Lavicola:

Und eine neue Preisliste gibt es auch. Alles fast nur Einzelstücke...

 

Habe mir die Homepage und auch die aktuelle Preisliste mal angesehen. 

Von den Philippinen sind mittlerweile auch Pflanzen dabei; darunter auch N. peltata vom Hamiguitan - einem Schutzgebiet, das auch von der GFP unterstützt wird.  

Bei diesen ist es schwer zu beurteilen ob es aus Samen gezogene Pflanzen sind. 

Aber die angebotenen N. truncata und N. surigaoensis dürften ziemlich sicher Wildentnahmen sein. 

 

Gruß

Thomas. 

 

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Joachim Danz

Hallo,

 

meine Absicht mit diesem Beitrag war hier nicht den Moral-Finger zu heben, sondern
nochmals auf das Problem der Naturentnahme hinzuweisen und wer dafür die
Verantwortung trägt - nämlich wir Sammler.

 

Als Erinnerung für Euch und mich selber.

 

Wirklich beeinflussen kann ich nur das, was ich selber mache und zu einem gewissen
Grad, dass was in meinem direkten Umfeld passiert - die Welt generell zu verbessern
wird mir meiner Erfahrung nach eher nicht gelingen.

 

Daher meine Bitten nochmals etwas konkretisiert:

  • Kauft bitte keine der Natur entnommenen Pflanzen.
  • Wenn Ihr Euch nicht sicher seid woher die angebotenen Pflanzen stammen, fragt
    bitte in Eurem Freundes-/ Bekanntenkreis nach, ob da jemand mehr weiß.
  • Seed-grown bedeutet, dass irgendwoher ein individueller Samen stammen muss.
    Seid bitte bei diesen Pflanzen besonders kritisch, da die Vermehrung reiner Arten
    in Kultur nicht so weit verbreitet ist.
  • Seid bitte besonders kritisch bei großen und seltenen Nepenthes, die in Kultur
    schwierig sind wie N. edwardsiana, N, villosa, ...
  • Kauft bitte Eure Pflanzen bei seriösen Händlern, die ihre Pflanzen in Gewebekultur
    oder gärtnerisch vermehren. - Diese sind hier in Deutschland wirklich sehr leicht
    verfügbar.
  • Sprecht bitte mit Euren Pflanzen-Freunden und Bekannten über die Wildentnahme
    und deren Folgen, damit sie auch für dieses Problem einen schärferen Blick
    entwickeln.

 

Viele Grüße

 

Joachim

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vor 11 Stunden schrieb Nicky Westphal:

Ob man es dann wirklich braucht, es vielleicht gar nicht nutzt oder ob es eine unnötige Anschaffung ist, spielt keine Rolle und dies ist in unserer Gesellschaft bei sehr vielen Dingen so. Der Mensch der arbeitet möchte sich auch was gönnen und leider wird es dann noch von Leuten vorgelebt und veröffentlicht, die gesellschaftlich nicht unbedingt sooo wertvoll sind wie sie meinen.

Man möchte nicht mehr sein, sondern haben! Und gleichzeitig ist der exzessive Konsum auch eine gute Rechtfertigung dafür wieso man so viel seiner Lebenszeit in Arbeit investiert. Die Güter, die unsere Gesellschaft hervorbringt, sind mittlerweile von solch hoher Qualität, dass geplante Obsoleszenz benötigt wird, damit die ganze Arbeitskraft und -zeit, die in die Produktion dieser investiert wird, auch legitimierbar bleiben.

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Andreas Fleischmann

Hallo zusammen,

 

(da ich hier nur auf die aktuelle Entwicklung am Standort von Drosera magnifica antworte, und das nicht zum Thema passt, könnten die Moderatoren das gerne auch in eine neues Naturschutzthema verschieben. Ich bin offensichtlich nur zu blöd, ein Zitat von einem Thread in einen neuen zu übernehmen ;-))

 

Am 30.9.2020 um 21:44 schrieb Beautytube:
Am 30.9.2020 um 14:53 schrieb Stefan:

In diesen Stunden brennt in Brasilien der EINZIGE Standort von D. magnifica ab, ob da was übrig bleibt und was wird sich erst in einigen Wochen oder Monaten herausstellen.

Wer in der D. magnifica Gruppe auf facebook ist, kann sich Bilder/ein Video dazu ansehen, ich habe nicht die Rechte, diese hier einzustellen.

 

 

Wer straft eigentlich diese Verbrecher?

Peter, noch ist gar nicht klar, ob das Feuer absichtlich gelegt wurde. Es wurde sicher nicht absichtlich auf dem Berg selbst gelegt, der ist recht schwer zugänglich. Ich habe recht gute Kontakte vor Ort, und die haben mir gesagt, dass das Feuer am Fuß des Berges auf einer der umliegenden Farmen ausgebrochen ist. Ob es ein Unfall war, oder ob ein Feld abgebrannt wurde, das wird wohl keiner mehr sagen können.

Der Grund, warum dann aber das Plateau am Gipfel gebrannt hat, wo Drosera magnifica wächst, ist menschgemacht: das ganze Umland um den Berg herum besteht nicht mehr aus Wald, sondern aus Weideland für Rinder (mit afrikanischen invasiven Gräsern, die regelmäßig abgebrannt werden, um den Neuaustrieb zu fördern und Nährstoffe in den Boden zu bekommen; diese invasiven Gräser breiten sich übrigens auf den Gipfel hin aus, und sind langfristig neben dem Klimawandel sicher die größte Bedrohung für D. magnifica!!), daneben noch Felder und viele Eucalyptus-Plantagen. All diese nicht natürliche Vegetation sorgt dafür, dass es am Gipfel schon lange nicht mehr so feucht ist, wie es eigentlich sein sollte, es fehlen die Niederschläge aus der Verdunstung vom umliegenen Wald. Und sowohl die afrikanischen Gräser, als auch Eucalyptus-Laub sind leicht entflammbar und brennen wie Zunder, vor allem zur Trockenzeit.

 

Hier ein Blick vom Fuß des Berges ins Umland, gemacht 2018. Zu sehen Weideland, Eucalyptus-Platagen, Felder, und ein winziges Restchen ursprünglicher Regenwald (im Vordergrund auch der Farn Pteridium arachnoideum, ein Anzeiger von Brandrodung):

 

P1810630.thumb.jpg.836307da87fefbcf4126bff3105ff4cb.jpg

 

 

 

Und dort wird auch am Fuße des Berges, auf dem D. magnifica wächst, regelmäßg neues Ackerland "gewonnen" - das wird wie so oft in Brasilien durch Anzünden gemacht. Auch hier ein Bild vom "magnifica-Berg" von 2018:

 

P1810310.thumb.JPG.2c99330f12531724d1fb74a3a3829f5d.JPG

 

 

Und dieses Jahr ist das Ganze außer Kontrolle geraten. Es ist eine ungewöhlich heiße und trockene Trockenzeit dort, mit derzeit Temperaturen von täglich über 30°C (Paulo sagte mir, in den letzten Tagen bis 38°C!). Es hat sehr lange nicht geregnet. Paulo war vor einigen Wochen oben am Gipfel bei D. magnifica, die Vegetation am Berg ist strohtrocken. Deswegen hat es nun so intensiv gebrannt. Die gute Nachricht: es hat die Nordseite des Berges gebrannt, dort findet sich eine kleinere Subpopulation von D. magnifica.  Die Hauptpopulation scheint bisher noch nicht betroffen. Paulo hat mir vor ein paar Minuten gesagt, das Feuer am Gipfel sei jetzt unter Kontrolle. Dafür brennt jetzt ein Nachbarberg. Den größten Schaden am Standort von D. magnifica gab es im letzten noch verbliebenen größeren Waldstück des Berges (botanisch noch völlig unerforscht!).

 

Der einzige Lichtblick: das ist alles Campos-Rupestres-Vegetation. Die ist natürlicherweise an Feuer angepasst, auch ohne den Menschen hätte es dort immer wieder mal gebrannt (auch auf den Tepuis Venezuelas brennt es immer wieder mal durch Blitzschlag). Woran der Mensch aber Schuld hat, ist der dortige Klimawandel durch die Zerstörung der Vegetation. Es ist einfach zu trocken, es fehlen die Niederschläge. Das dürfte langfristig das Überleben von D. magnifica mehr gefährden, als das jetzige Feuer.

 

Drosera magnifica ist übrigens ein trauriges Beispiel, dass auch die Taktik, eine Pflanze von großem hortikulturellen Interesse sofort nach Endeckung in vitro zu bringen, und legal mit Genehmigung entnomme Samen in alle Welt zu verteilen nicht funktionert, wenn es immer noch Idioten gibt, die lieber "Wildherkünfte" oder große direkt am Standort gesammelte Pflanzen sofort haben möchten. D. magnifica ist seit 2016 im Handel zu haben, von merheren Quellen in aller Welt, schöne, gut ausgewachsene Pflanzen. Als ich im November 2018 mit Paulo am Naturstandort war, haben uns die Leute vor Ort erzählt, dass kürzlich eine asiatische Gruppe oben am Gipfel war. Wird haben dann etliche Löcher gefunden, die haben also große Pflanzen ausgegraben! Eine ungeheure Sauerei - es sind nur wenige Pflanzen von dieser Art am Naturstandort bekannt!!! Jede die fehlt, ist ein enormer Verlust für das Überleben dieser Art! Wir haben versucht, herauszubekommen, wer das war, aber leider bisher ohne Erfolg. Als Folge ist der einzige Zugang zum Berg dann 2018 zerstört worden, jetzt kommt man (zumindest ohne alpine Seilkletterei) gar nicht mehr hoch... das wird wohl kurzfristig der beste Schutz für diese Art sein.

 

Um Peters anfängliche Frage aufzugreifen, wer denn die "Verbrecher" hinter dem aktuellen Brand am Pico Padre Angelo sind: ich würde sagen, es sind nicht die Landwirte vor Ort. Sondern diejenigen, die gerne billiges Rindfleisch, Sojaprodukte, etc. haben möchten. Die ein Wirtschaftssystem unterstützen, das nicht nachhaltig ist und es nie sein wird. 8 Milliarden Homo sapiens gegen 860 Karnivoren (und die restliche globale Biodiversität) ... ich weiß nicht, wer da langfristig bleibt 😞

 

Andreas

 

PS: der Brand und die Zerstörung der einmaligen Vegetation dort haben es immerhin in die lokalen Nachrichten in Minas Gerais geschafft, sogar die einmalige Drosera wird dort erwähnt (dieses Video kann man sich auch ansehen, wenn man nicht bei Facebook ist): Video Brand am Pico Padre Angelo

 

 

Edited by Andreas Fleischmann
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