F.M. Posted October 9, 2020 Posted October 9, 2020 (edited) Hallo, da ich nun auch mal die Kultur meiner Pflanzen in Sphagnum versuchen möchte(da Torffrei), habe ich mich gefrag wie schnell sich Sphagnum zersetzt und man es somit austauschen muss. Mich interessieren natürlich auch allgemeine Erfahrungen zur Kulur in Sphagnum und mit was ihr das Sphagnum noch mischt(z.B. Perlite) und in welchem Verhältnis. Viele Grüße Florian Edited October 9, 2020 by F.M.
Stefan H. Posted October 9, 2020 Posted October 9, 2020 (edited) Hallo Florian, bei mir hält das Sphagnum-Substrat ewig. Das ist sicher auch etwas von der Sphagnum-Qualität abhängig, aber bisher konnte ich auch nach Jahren nichts negatives am Substrat bemerken. Manche Pflanzen stehen bestimmt schon 5-6 im selben Substrat und ich habe das Gefühl, dass das Wachstum eher besser wird. Ich habe mal vor einigen Jahren in Bonn von Andreas Wistuba solch einen großen Sphagnum-Block (70L) gekauft und es bis heute nicht bereut. Das war wohl bestrahltes Sphagnum und tatsächlich keimt dort eigentlich nichts. Deckt man es im Topf mit lebenden Moos ab, bilden sich auch die hässlichen Algen nicht. Ich muss allerdings dazu sagen, dass meine Pflanzen eigentlich nie im Anstau stehen. Die Töpfe stehen im Becken etwas erhöht, sodass überschüssiges Wasser gut ab- bzw. weglaufen kann. Viele würden bestimmt auch behaupten, dass ich meine Pflanzen recht trocken halte, für einige vielleicht zu trocken. Aber das Wachstum passt soweit. Und die Wurzelbildung ist wirklich super. Beimischen kannst du fast alles, was wenig Nährstoffe, Salze, etc. abgibt. Ich habe überall Perlit dran. Dann häufig auch Seramis, weil es einfach noch da war. Blähtonbruch geht auch, ebenso Pinienrinde. Auch die Rinde hatte ich noch da, würde ich aber nicht wieder kaufen, weil es in meinen Augen nicht nötig ist. Es gibt hier sogar ein zwei Beiträge im Forum, wo von stark Stickstoff-zehrenden Bakterien bei Umwandlungsprozessen/Verrotungsprozesse der Pinienrinde geschrieben wird und diese Beimengung in Substraten kritisch betrachtet wird bzw. sogar deswegen davon abgeraten wird. In meinen Substraten verrottet die Pinienrinde aber nicht und ich konnte noch keine Verlangsamung im Wachstum durch eventuell fehlenden Nährstoffen feststellen. Ist die Rinde größerer Substratfeuchte (häufigeres bewässern, Torfsubstrate, etc.) als bei mir ausgesetzt, kann sie aber sicher auch mal zu verrotten beginnen. Ich würde daher eher aus Umweltgesichtspunkten von der Verwendung der Pinienrinde abraten. Etwas Lava, Zeolith oder Bims kann bestimmt auch funktionieren, für bestimmte Arten kann das bestimmt sehr interessant sein, besonders Lava. Auch das asiatische Lehm-Zeug aus der Bonsai-Ecke (Akadama, Kanuma, ...) wird sicher funktionieren, aber da sollte man sich dem Klima zu Liebe schon mal fragen, ob man solche Gesteine aus Japan unbedingt bis nach Deutschland importieren muss. Letztendlich braucht man etwas zur Auflockerung, damit das Moos nicht zusammen rutscht und das Substrat seine Struktur behält. Dafür eignet sich das leichte Perlit sehr gut. Und dann noch etwas um den Wasserhaushalt im Substrat etwas zu „stabilisieren“, sonst trocknet es eventuell zu schnell aus. Da bietet sich Blähtonbruch durchaus an. Fibotherm kann ich da zum Beispiel als Handelsname für größere Mengen mit vernünftigen Preis empfehlen. Viele Grüße Stefan Edited October 9, 2020 by Stefan H. 6 2
moskal Posted October 10, 2020 Posted October 10, 2020 Hallo, vielen Dank für die ausführliche Beschreibung, das hört sich für mich auch für andere Pflanzen sehr interessannt an. Nur frage ich mich, ob Sphagnum tatsächlich umweltfreundlicher als Torf ist. Ist das Ballensphagnum auch in gezüchtet ohne Naturentnahme erhältlich? Gruß, Helmut
Stefan H. Posted October 12, 2020 Posted October 12, 2020 Hallo Helmut, ob das Sphagnum aus der Natur stammt oder gezüchtet wurde weiß ich nicht, da müsstest du mal Andreas Wistuba fragen. Ich hoffe aber mal, dass das gezüchtetes Moos ist. Vor allem wenn man bedenkt, welche Mengen andere Leute so brauchen, sei es für privat oder auch gewerbliche Pflanzen-Massen. Ich brauch aus o.g. Gründen recht wenig und habe von dem Ballen, den ich vor vielen Jahren gekauft hatte, immer noch mehr als die Hälfte da. Schon weil meine Torf-Substrate nicht so lange gehalten haben wie meine Sphagnum-Substrate, ist für mich das Sphagnum-Substrat etwas "nachhaltiger". Außerdem wächst Sphagnum bis zur "Ernte" viel Schneller nach als Torf, weswegen es auch unter diesem Gesichtspunkt für mich die geeignetere Wahl ist. Worüber man sich natürlich im Klaren sein muss: Auch wenn es Kultur-Sphagnum sein sollte, wird es wohl doch wie mit so vielen Sachen sein, die im größeren Stil für bestimmte Industrieen, Gewerbe oder Hobbys angebaut werden: Es wird immer Naturfläche vernichtet (oder zumindest in Mitleidenschaft gezogen werden) um die benötigten Kulturflächen zu schaffen. Das wird beim Sphagnum wahrscheinlich nicht anders sein als beim Soja, Mais oder Palmöl (nur vielleicht nicht im so krassen Ausmaß), falls der Bedarf immer größer wird. Wenn ich im Beitrag oben den langen Transportweg der asiatischen Gesteine kritisiere muss ich natürlich auch sagen, dass auch Sphagnum (kommt es nun aus Chile, Neuseeland oder von anderswoher) erst mal zu uns nach Europa gebracht werden muss, was sicherlich nicht klimaneutral funktioniert. Das möchte ich auch nicht schönreden, aber Sphagnum hat hier zumindest den Vorteil "etwas leichter" als viele andere Substrat-Bestandteile zu sein. Das alles sind aber Gründe, die mich dazu bewegen nach alternativen Substraten zu suchen. Denn ich habe es für mich zum Ziel gesetzt, keinen weiteren Sphagnum-Ballen zu kaufen oder gar wieder mit Torf anzufangen. Bei einigen Pflanzen funktioniert eine Mischung aus Blähtonbruch mit Perlit und etwas Lava recht gut. Bei anderen wiederum funktioniert das weniger gut. Das hängt aber sicherlich auch mit meinem Gießverhalten zusammen. Wer die Pflanzen jeden Tag oder alle 1-2 Tage bewässert, damit eventuelle Salze oder andere Mineralien ausspühlt und für permanent feuchtes Substrat sorgt kann damit sicher noch bessere Erfolge erzielen. Ein Substrat auf Sphagnum-Basis speichert Wasser eben besser und sorgt auch für eine gleichmäßige Substratfeuchte. Mineralische Substrate trocknen eben bei meinem Gießverhalten von oben her deutlich schneller ab. Das hat zur Folge, dass das lebende Sphagnum-Topping häufig zu trocken wird und kaum wächst, auch wenn die Nepenthes darin sicherlich noch nicht zu trocken steht, da sie tiefer wurzelt. Auch ist die Wurzelbildung ähnlich gut wie im Sphagnum-Substrat. Zu häufiges Gießen verzeiht solch ein Substrat auch eher (mineralische Substrate "faulen" in der Regel nicht, meist kommt ja genug Sauerstofff an die Wurzeln durch größere Hohlräume ran) und hier schließt sich der Kreis von meinen Off-topic-Zeilen (man möge sie mir verzeihen) wieder zur eigentlichen Frage von Florian: Da muss man bei Sphagnum-Substraten sicherlich etwas aufpassen. Steht es ständig zu nass kann es auch mal schnell gehen, dass es anfängt zu gammeln und zusammenrutscht. Dann muss man schnellstens umtopfen, weil sich die Pflanzen in einer solchen Pampe dann auch nicht mehr lange wohlfühlen werden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Pflanzen in Sphagnum-Substraten bei der täglichen großzügigen Verwendung einer Beregnungsanlage (oder auch durch manuelles gießen) nach einem Jahr wieder umgetopft werden müssen, habe durch mein Gießverhalten dazu aber keine Erfahrung. Etwas helfen kann hier ein größerer Anteil Perlit, um die Strukturstabilität etwas zu erhöhen. Grundsätzlich merke ich aber bei mir, dass die Pflanzen eine gewisse Zeit brauchen, bis sie richtig "eingewurzelt" sind, sodass ich häufiges Umtopfen aller 12 Monate durchaus kritisch sehen würde. Meist legen die Pflanzen erst nach einigen Monaten im Substrat richtig los. Das kann je nach Pflanze auch mal fast ein Jahr dauern. Aber wie bereits geschrieben, das sind meine Erfahrungen und diese sind sicherlich nicht allgemein gültig. Da mögen andere ganz andere Erfahrungen machen. Viele Grüße Stefan 1
Stefan Posted October 12, 2020 Posted October 12, 2020 Hallo, ich bin zwar nicht Andreas, dass aber jegliches hier verkauftes Sphagnum aus Naturentnahme stammt, kann ich euch auch sagen. Und ja, dafür werden in NZ, Chile usw. wertvollste Sphagnummoore zerstört. Da die Nutzschicht -im Gegensatz zum Torfabbau, wo sie zum Teil einige Meter beträgt, nur die obersten wenigen Dezimeter ausmacht (darunter kommt ja eben der Torf meist meterdick!), wird wesentlich mehr Fläche für die gleiche Menge an Sphagnum (-substrat) zerstört. vor 15 Minuten schrieb Stefan H.: ob das Sphagnum aus der Natur stammt oder gezüchtet wurde weiß ich nicht, da müsstest du mal Andreas Wistuba fragen. Viele Grüße Stefan 1
Stefan H. Posted October 12, 2020 Posted October 12, 2020 Hallo Stefan, vielen Dank für deine Antwort. Das ist ein Grund mehr sich mit Substrat-Alternativen zu beschäftigen. Viele Grüße Stefan
Nicky Westphal Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 Naja, es ist wohl nicht so einfach, egal von welche Seite man es sieht, alles geht auf Kosten der Natur. Sei es Torf, Sphagnum, Quarzsand oder Perlite. Im Gegensatz zum Torf und Gestein wächst Sphagnum wenigstens nach und das nicht nur in "sauberen" Mooren die noch für Karnivoren tauglich sind. Wer länger Karnivoren kultiviert kann Sphagnum auch selbst vermehren und nutzen. Es sind natürlich nicht die Unmengen wie sie in der Natur abgebaut werden. Aber es reduziert den "Zwang" dies kaufen zu müssen. Egal welches Substrat man nutzt, es kommt immer darauf an wie mit den Ressourcen umgegangen wird. Auch verbrauchtest Substrat sollte dann in die Natur zurückgeführt werden (können). Leider wird bei Substraten durch Beimischen von Schaumstoff oder Styropor ja auch Sondermüll produziert. Dann lieber einen hohen Anteil an nachwachsendem Sphagnum. Grüße Nicky 2 1
partisanengärtner Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 Es gibt auch nachhaltig in Mooren geerntetes Sphagnum. Das wird dort auch ohne Zerstörung von den Wuchsorten geerntet. In Neuseeland gibt es das womöglich auch in Chile. Die eigentliche Ernte erfolgt da in Handarbeit und erfolgt an den selben Stellen in Abständen von 5-7 Jahren. Die riesigen Ballen werden oft mit Hubschraubern aus den Mooren geholt. Eine Erschließung durch Straßen hat oft zur Folge das die Flächen durch Diebe vorher abgeerntet werden. Dabei wird deutlich mehr Zerstörung angerichtet. Bei dieser Naturernte wird das Sphagnum und Samenlast der anderen Pflanzen abgetötet. Leider ist mir noch keine zertifizierte Ware untergekommen (Da können sicher Carow und Wistuba genaueres sagen) und der sichere Nachweis könnte auch ein Problem sein. In Europa wird das auch an ehemaligen Moorstandorten auf Folen oder vernässten Flächen gemacht. Da gibt es keine Begleitflora oder Fauna. Eher intensivlandwirtschaftlich gestaltet. Diese Art der Kultivierung ist sicher nicht so schädlich wie ein Maisacker für die Biogasproduktion, aber auch auf diesen Flächen gibt es für Natur keinen Platz. 1
partisanengärtner Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 So sieht das aus wenn man nachhaltig Sphagnum erntet. Dafür gibt es auch langfristige Lizenzen aber eben auch öfter Diebstahl.
Beautytube Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 Am 10.10.2020 um 09:37 schrieb moskal: Ist das Ballensphagnum auch in gezüchtet ohne Naturentnahme erhältlich? Naja: https://www.dreamstime.com/haupiri-new-zealand-october-light-helicopter-carries-bags-sphagnum-moss-swamp-to-truck-roadside-west-coast-image106243805 BT
partisanengärtner Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 (edited) Ich persönlich würde die nachhaltige Neuseeländische Naturentnahmemethode der Greifswalder Methode vorziehen. Das ist dann keine Naturentnahme des Mooses nur halt die ganze Fläche mit Folien abgedeckt ist oder sonstwie für diese Monokultur bereinigt wird und der industriellen Landwirtschaft ausgeliefert. https://www.soll-galabau.de/aktuelle-news/ansicht-aktuelles/datum/2016/07/07/torfmoose-in-paludikultur-fuer-pflanzsubstrate-anbauen.html Edited October 13, 2020 by partisanengärtner
partisanengärtner Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 (edited) Es werden ja keine hochwertigen landwirtschaftliche Flächen verbraucht sondern auch noch ertragsarme Weiden mit einem Rest von Artenvielfalt zur absoluten Monokultur verwandelt. Soll sich ja auch lohnen die letzten Flächen zu nutzen. In Neuseeland hat man großflächige Weidelandflächen wegen der Vernässung aus der Kultur genommen und dort Sphagnum wachsen lassen. Mit der ganzen Begleitvegetation die auch vorher dort vorkam. Da gewinnen natürlich die Mooarten einen Lebensraum. Bei uns muß das schneller gehen und am besten auch noch landwirtschaftliche Abwässer aufnehmen, das erhöht nicht nur den Ertrag sondern liefert auch noch vorgereinigtes Wasser. Auch Sphagnum verträgt in Maßen Dünger halt nicht die empfindlichen Hochmoorarten. Den Pilzbefall kriegt man dann wohl wieder mit Chemie in den Griff. Der letzte Satz kommt mir bekannt vor. ... sowie eine Langzeitperspektive für die Moornutzung. Damit hat man die Trockenlegung der Moore und den Abbau von Torf auch schon beworben. Betonung auf Nutzung. Der Torf ist jetzt abgebaut der dort entsehende Ackerboden danach ausgelaugt und mit Pestiziden und Dünger gesättigt. Da bietet sich so ein Moosanbau natürlich an. Vermutlich kann man auch da einen Weg finden dort Schweinegülle zu verwenden, damit wir weiterhin billiges Schweinefleisch nach China liefern können....ach ja das klappt ja sowieso nicht mehr, die afrikanische Schweinepest..... Edited October 13, 2020 by partisanengärtner
Nicky Westphal Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 vor 30 Minuten schrieb partisanengärtner: damit wir weiterhin billiges Schweinefleisch nach China liefern können Ich dachte wir exportieren nur die Schweinefüße dahin. Wieder was gelernt.
Stefan Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 (edited) vor einer Stunde schrieb Nicky Westphal: Ich dachte wir exportieren nur die Schweinefüße dahin. Wieder was gelernt. ...die Ohren schon auch, die Füße bleiben allerdings hier, die esse ich! Suizgnechal, eine bayerische Delikatesse! Edited October 13, 2020 by Stefan 2
Leo H. Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 Dieser Artikel ist weder sachlich noch seriös. Hier wollen sie den flüchtigen Leser vom ökologischen Nutzen des Projekts überzeugen "Zudem bietet er einen Lebensraum für viele seltene, moortypische Tier- und Pflanzenarten." Unten (Wo die Aufmerksamkeitsspanne schon vorrüber ist) steht aber: "Auf einem Teil der Flächen traten auch Konkurrenzpflanzen und Pilze auf. Während erstere sich durch regelmäßige Mahd [...] kontrollieren ließen [...]" Selbst wenn sie Drosera, Lungenenzian u.ä. nicht als Konkurrenzpflanze zählen (Wovon ich leider ausgehe), eine "regelmäßige Mahd (alle 14 Tage bis monatlich in der Vegetationsperiode)" lässt keine Pflanze dauerhaft am Leben bzw. sich vermehren. Außer vielleicht die ernsthaft nervigen Beikräuter wie Binse und Wollgras... Eine Monokultur auf einer wiedervernässten Moorfläche zu betreiben ist eine Sache. Es dann aber als ökolgisch wertvoll zu bezeichnen ist ein ganz anderes Kaliber.
Leo H. Posted October 13, 2020 Posted October 13, 2020 (edited) An die Mods: Könntet ihr die Beiträge über die Nachhaltigkeit von Sphagnum und o.g. Artikel in ein eigenes Thema verschieben? Wir sind hier ein wenig vom Ursprünglichen Anlass des Threads abgeschweift. Edited October 13, 2020 by Leo H.
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