dertalex Posted February 21 Posted February 21 (edited) Update zum 05.05.2026: Ich habe ein klein wenig meinen Ansatz überarbeitet und erprobt, damit Pflege und Wartung einfacher werden. Wenn es euch interessiert, scrollt gern runter Hallo zusammen, nachdem ich kürzlich Samen angeboten hatte, haben mich einige Forenmitglieder gefragt, wie sie idealerweise aussähen sollen. Natürlich gibt es einige Threads bereits hierzu - Aber nicht immer funktioniert alles bei jedem, weswegen ich meine Methode vorstellen möchte Was uns bereits bekannt sein sollte: Je frischer das Saatgut, desto höher die Keimfähigkeit und desto geringer das Schimmelrisiko Je größer die Samen und Embyrionen für eine Kreuzung, desto höher die Keimfähigkeit und desto langlebiger die Samen (u.a. relevant bei internationalem Versand) Mineralarmes Wasser mit geringem Leitwert reduziert das Algenrisiko (z.B.: Destilliertes oder Osmosewasser) Wichtiges vorab: Jedes Setup ist unterschiedlich - Für nicht jeden ist jede Methode geeignet - so auch diese. Wenn ihr eure Anzucht einmal vorbereiten und dann für Monate vergessen wollt, ist mein Anatz möglicher Weise nicht geeignet. Manchmal liegt es nicht an einem selbst. Auch gut aussehende, frische Samen können fehlschlagen. Manchmal liegt es an der Verpaarung selbst, manchmal nur an der Mutter oder dem Vater. Je vitaler die Eltern sind, desto höher die Chance auf vitale Samen Erfahrung und Lehrgelt gehören leider dazu. Ich habe selbst einige Anzuchten in den Sand gesetzt bis ich für mich die (bisher) ideale Methode gefunden habe. Medium: Leicht zersetzter Weißtorf (ich nutze den Floratorf Floragard 25L) totes, sauberes Sphagnum (alternativ) Licht: ~ 40-60 µmol/m²/s | PPFD, gemessen via Photone auf meinem Android-Handy Temperaturen: ~ 25-18 Grad, Wohnzimmertemperaturen. Je nach Naturstandort empfehlen sich ggf. kühlere Nächte und oder wärmere Tage. Für Hochland-Hybriden, veitchii oder lowii reicht es allerdings bei mir Ort der Anzucht: Pflanzenterrarium/Vivarium im Wohnzimmer Anzuchts-Eurobox im Wohnzimmer Das Spannende: Meine Anzucht erfolgt in kleinen schwimmenden Schalen, welche in Staunässe in Nussschalen stehen. Fast schwimmende Samen keimen bei mir viel schneller und zuverlässiger. Vorteile meiner Methode: Gute und zuverlässige Keimquoten für mich Ressourcenschonend Einfach für den Heimgebrauch Guter Grund um wohlschmeckende Snacknüsse, Antipasti oder Dips zu kaufen Nachteil meiner Methode: kurze Sichtkontrolle (aller 3-4 Tage) erforderlich gelegentliches Nachgießen/Wassertausch Kein "sow and forget" Die Methode zur Anzuchtsvorbereitung: Bereite den Überbecher vor. Ich nehme dazu "Nussbecher", wie diesen hier Inhalt auffuttern bzw entfernen Bandarole entfernen Mit warmen, nicht heißen Wasser sauber ausspühlen Bereite die Anzuchtsschale vor. Ich nutze transparente Schalen von Dips bzw Antipasti, wie diese hier. (Ihr könnt auch einen zweiten Überbecher nutzen, den ihr in den ersten stellt) Schale vom Inhalt befreien Mit warmen, nicht heißen Wasser (und Spühli) reinigen. Es dürfen keine Speißereste zurückbleiben. Diese können schimmeln! Bohre in den Boden der Schale mittig und nahe den Rändern kleine Löcher (⌀ 3-4mm). Füll die Schale ca 4/5 mit Torf voll und zerkleinert eventuelle Bröckchen mit sauberen Fingern. Das verhindert, dass später Samen beim Gießen sich an den Bröckchen verfangen oder darunter wandern und kein Licht mehr bekommen. Fülle den Übertopf mit sauberem Wasser fast vollständig und stelle die gefüllte Anzuchtsschale hinein. Die Schale wird nun erstmal mehrere Stunden schwimmen, bis sich der Torf vollständig vollgesogen hat. Indem man die Schale von oben noch vorsichtig (!) besprüht, lässt sich das beschleunigen. Der Torf quillt dann auf und sollte fast den Rand der Schale erreichen. Wichtig ist, dass ein paar Milimeter übrig bleiben Nachdem der Torf sich vollgesogen hat, werden die Samen darauf sorgsam ausgesäht. Ich öffne meine Pods auf einem Blatt Papier und schüttle dann behutsam und langsam die Samen gleichmäßig auf das Substrat. Besprühe die Samen behutsam von oben, damit sie ebenso schön einweichen können. Die Samen dürfen gern erstmal fast "schwimmen". Deswegen haben wir zuvor noch ein paar Millimeter Platz in der Schale gelassen Stelle den Übertopf mit der Schale in dein Setup. Fertig Wartung und Kontrolle: Halte die Samen bis zum Keimen regelmäßig nass. Sie dürfen fast schwimmen. Die Anzuchtsschale sollte immer im Wasser stehen. Ist der Wasserstand im Übertopf zu niedrig und die Schale hat keinen Kontakt, wird das Substrat austrocknen Das Wasser im Überbecher wird mit der Zeit braun. Das ist beim Torf normal. Schütte einfach das Wasser weg und fülle neues hinein. Vorsicht, dass es nicht zu viel ist und die Anzuchtsschale überquillt! Sofern sich irgendwann ein leichter Grünschimmer auf dem Substrat oder am Rand abzeichnet muss gegen Algen gehandelt werden. Nimm die Anzuchtsschale heraus und halte sie leicht schräg über ein Spühlbecken o.ä.. Besprühe dann das Substrat mit vorsichtig mit frischem Wasser, sodass die "grünliche Brühe" am Rand herunterläuft. Das reicht und funktioniert bei mir zuverlässig. Wiederhole diese Kontrollmaßnahmen bis die Samen keimen. Das passiert i.d.R. bei frischen Samen zwischen 3-8 Wochen. Was erstmal nach viel klingt ist in der Realität ein anfänglicher Aufwand von 5-10 min und eine Wartung von vlt. 2min pro Woche. Da die Becher und Schalen für jede Anzucht wiedergenutzt werden können. Je flacher die Anzuchtsschale ist, desto häufiger müsst ihr darauf achten, dass euch das Substrat nicht austrocknet. Für mich hat sich diese Methode als die erfolgreichste gezeigt, so dass ich mit wenig Platz und Ressourcen äußerst zufriedenstellende Anzuchtsergebnisse erziehlen kann. Viele Grüße und Erfolg euch, Alex Zeit für eine kurze Werbeunterbrechnung: Aktuell frische Samen von mir: Sonst sollte @Christian List auch demnächst wieder gutes Zeug am Start haben Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: So sieht die Schale und der Übertopf im einzelnen aus: So könnte man beispielsweise die Löcher in die Anzuchtschale bohren: Und so ist idealerweise das Resultat nach 8 Wochen: Edited May 5 by dertalex 9 5
Frank-B. Posted February 21 Posted February 21 Hallo Alex, Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen. Ich werde dein System ausprobieren und Montag mit dem Nuss-Konsum beginnen um die Dosen zu bekommen. Bin gespannt. Liebe Grüße Frank 2
dertalex Posted February 21 Author Posted February 21 Hey Frank, sofern du aber gesalzene Snacknüsse nimmst, musst du die vorhin erstmal durchsieben - sonst sind die viel zu salzig 1
Nicky Westphal Posted February 22 Posted February 22 Hallo Alex, schöne Doku. Nur verstehe ich den Sinn der Becher nicht so wirklich. Ich handhabe das ähnlich, sähe aber in kleinen Töpfen aus und stell diese in Lücken von Wannen mit Pflanzen, die ich sowieso in Anstau kultiviere, z.B. Drosera. Wenn ich gerade viele Aussaaten hab, mach ich dann eine separate Schale. Grüße Nicky 1
dertalex Posted February 22 Author Posted February 22 Hey Nicky, der Witz ist, dass ich durch einen deiner Posts damals mir zu Herzen genommen habe, dass die Samen fast schwimmen sollen - und es war der Ratschlag, der bei mir den Erfolg brachte. Der Ansatz mit dem Übertopf bietet genau die Möglichkeit dazu an. Wenn das Substrat durchgezogen und das Reservoir vollständig mit Wasser gefüllt ist, ist es nahezu unmöglich, dass das Substrat an-bzw austrocknen kann. Für mich war/ist das ein sehr erfolgskritischer Faktor LG, Alex 2
dertalex Posted February 22 Author Posted February 22 (edited) Auch finde ich die Möglichkeit, so ganz nebenbei mal das Wasser zu tauschen sehr sinnvoll. Das ist beim einfachen Anstau mit Torf nicht so direkt gegeben. Damit glaube ich, dass schneller auch Mineralien und restliche Nährstoffe aus dem Substrat rausgelöst werden - wobei natürlich intensives Spühlen mehr bringen sollte Edited February 22 by dertalex 2
Frank-B. Posted April 1 Posted April 1 Hallo Alex, ich habe deine Methode ausprobiert und am 24.02.26 frische Samen ausgesäat. Heute fand ich das: Sind nicht die besten Bilder, aber man kann sehen das es funktioniert. Knapp 5 Wochen haben sie gebraucht. Wirklich toll diese Idee, danke. ..... ach ja das sind die ersten gestreiften Rajahs.... Liebe Grüße Frank 1 1
dertalex Posted May 5 Author Posted May 5 Hallo zusammen, Da mich manche Leute hier auf Instagram oder discord nochmal angesprochen haben und weitere Fragen zu diesem Ansatz haben, möchte ich meine nun erprobte "Weiterentwicklung" bzw. Umstellung darstellen. Der oben beschriebene Ansatz führt bei mir zu einer guten Keimquote, allerdings sind der "Wartungsaufwand" und das Verdichten von Torf mir ein Dorn im Auge gewesen. Bleiben die Sämlinge zu lang im Torf, werden sie gelb und sterben mit der Zeit ab. Folglich haben wir ein Trade-Off zwischen: Wie viel Zeit gebe ich den Samen zum Keimen und wie lange riskiere ich es sie dann im algigen, dichten Substrat zu lassen, bevor sie absterben. Meine Änderung für beides ist tatsächlich simpel. Da nun mein Torf aufgebraucht ist, bin ich wieder vollständig auf Sphagnum umgestiegen. Die untere Schicht sind lange Fäden. Die obere Schicht, auf der die Samen liegen ist feingeschnitten. Fein geschnittenes Sphagnum verdichtet schneller. Aber Sämlinge aus langem Sphagnum herauszubekommen ohne Wurzelmasse zu opfern ist auch nicht leicht. Daher dieser Kompromiss. Die zweite Änderung zur Reduktion des Wartungsaufwands ist auch leicht und wahrscheinlich vielen von euch bekannt. Ich lege nun einen Docht um den Rand des inneren Behälters und lasse so Wasser aus dem Übertopf saugen. Erste Ergebnisse stimmen gerade sehr zufrieden. Ich musste vielleicht einmal das Wasser tauschen und habe mit meinem ersten eigenen Veitchii-Grex schon eine sehr gute Keimquote. Viele Grüße, Alex Ps: Natürlich, wie es der Zufall will, gibt es hier bereits wieder viele Samen im Forum im Angebot. @Christian List sollte auch wieder ein paar Schmankerl haben. Wer später Interesse an veitchii maliau x candy F1 oder x veitchii m kann in ein wenigen Wochen bei mir fündig werden 2 1
Frank-B. Posted May 6 Posted May 6 (edited) Hallo Alex, wie? Hilfe meine Babies...... Kann man irgendwo frühzeitig erkennen, wann das Substrat sich verdichtet. Oder wann ich pikieren sollte?? Bei einer kleinen Kanne z.B.????? Mit Spaghum stehe ich auf Kriegsfuß, auch wenn der Fehler bestimmt bei mir liegt. Meine Spaghumaussaaten sind innerhalb kürzester Zeit veralgt. Lässt du die Töpfe dann oben offen??? Verhindert das den Algenwuchs? Los mein Freund, ich brauche mehr Infos. Liebe Grüße ein versorgter Nepenthes Papa Gewaschener Kokoshum funktioniert auch, vielleicht verdichtet der nicht so stark... Edited May 6 by Frank-B.
dertalex Posted May 6 Author Posted May 6 Hey Frank, ich finde, dass man die Verdichtung bei Torf ein wenig sehen kann. Vielleicht kannst du ggf. mit Vorher-Nachher-Bildern arbeiten. Keimen die Sämlinge gleichzeitig, würde ich empfehlen alle zu pikieren, wenn die Hälfte bereits die 2. Kanne gebildet hat. Das ist aber Gefühlssache. Ich meine, dass die Sämlinge in Sphagnum einfach am besten Wurzeln ausbilden. Ich verwende dazu "höherwertiges" aus Chile. Sofern du das Sphagnum kochst, in der Mikrowelle erhitzt, in der Nähe mit einem Sprüher düngst oder generell hartes Wasser verwendest, bekommst schneller Algen. Die Erfahrungen habe ich bisher zumindest alle gemacht. Daher würde ich dir empfehlen es ggf. Zuvor nochmal "auszuspühlen", sollte dein Sphagnum zu stark vorbelastet sein. Sofern dein Kokohum komplett ohne Nährstoffe ist, vermute ich, dass das auch gut klappen sollte. Das, was ich nur mal von einem Bekannten bekommen habe, war allerdings auch nicht hinreichend durchgespühlt gewesen und hat mir mit Algen und Schimmel auch bereits zwei mal die Anzucht versaut. Daher bleibe ich erstmal wieder beim guten alten Sphagnum LG, Alex 1
Frank-B. Posted May 6 Posted May 6 Ok danke für die Infos. Ja das Kokoshum spüle ich mit destiliertem Wasser solange bis es ppm max 20 hat. Braucht einige Spülungen. Hatte schon welches, was über 1580ppm beim ersten Mal spülen hatte. Haben deine Ansätz im Spaghum ein Deckelchen oder sind die oben offen? Liebe Grüße Frank
dertalex Posted May 6 Author Posted May 6 Alles offene Kultur bei mir. Mit Deckel hab ich keine Luftumwälzung. Ohne Luftumwälzung noch schneller Algen 1
Frank-B. Posted May 6 Posted May 6 Ok danke!!! So sieht es bei mir aus: von der Aussaat bis jetzt sind die genau 2 Monate und 2 Tage alt
FannichtveganerPflanzen Posted May 6 Posted May 6 Also ich habe noch nie Nepenthes ausgesät kann darüber also nichts sagen. Da ich aber mittlerweile die Hälfte der Pflanzen, die ich habe, aus Samen gezogen hab, durfte ich auch schon Bekanntschaft mit den Algen machen. Die haben mir sogar, die erste Charge Utricularia calycifida ruiniert, weshalb ich auf die Reservesamen zugreifen musste. Ich hab Regenwasser und ein Sand Torf Gemisch benutzt --> Nicht empfehlenswert, zumindest bei kleiner Körnung des Sandes. Auch sterilisiert habe ich da nix. -Soviel dazu. Was bei mir aber einen Unterschied gemacht hat ist das Gefäss. Wenn das Substrat in einem komplett lichtdurchlässigen Gefäss liegt und durchnässt ist, bietet das Idealbedingungen für Algen. Ich denke daher dass man schauen sollte dass alles was unterhalb der Substratsoberfläche liegt nicht durch die Wand mit Licht in Kontakt kommt. Beste Grüsse Robin 1
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