roboster Posted June 3 Posted June 3 Hallo zusammen, Seit ca. einem Jahr kultiviere ich Sphagnum Moos. Ich habe es in leeren Einmachgläsern und solchen flachen Schalen mit Torf. Ich gieße es zweimal täglich mit Regenwasser, damit ich immer einen gleichmäßigen Wasserstand in den Gefäßen habe. Außerdem besprühe ich es ab und zu mit einer verdünnten Düngerlösung. Die Pflanzen in den Einmachgläsern entwickeln sich sehr gut und haben einen dichten Teppich gebildet. Probleme bereitet aber das Moos in den flachen Schalen. Seit diesem Frühjahr habe ich mehrere Schalen weggeschmissen, die alle das gleiche Problem hatten. Es hat sich wie auf dem Foto zu sehen eine braune Schicht gebildet, die innerhalb weniger Tage einen Großteil der Schale eingenommen hat. Das Sphagnum hat sehr darunter gelitten und ist teilweise abgestorben. Ich habe schon an Algen oder einen Pilz gedacht. Hat jemand eine Idee, was das sein könnte und was man ggf. dagegen machen könnte? Für Tipps oder Anregungen wäre ich sehr dankbar.
Moosbär Posted June 3 Posted June 3 Ich habe Sphagnum ganzjährig im Moorkübel und das Zeug bekommt bei beginnender Hitze eine Art harte "Schutzschicht", die das Moos darunter feucht hält. Das taucht regelmäßig im Frühjahr auf und ich dachte erst, das Zeug vertrocknet, dann dachte ich, es blüht... Aber ich glaube wirklich, das dient dem UV Schutz. LG Beim unteren Bild hab ich heute ne Dionaea im Moos wiedergefunden und einfach alles drum rum entfernt. Die Moosfäden sind bestimmt 20 cm lang, unten weiß, im oberen Drittel grün und ganz oben ein, zwei cm diese harte Kruste. Intakt siehst Du die "Kruste" am ersten Bild! LG
Insectivorophilia Posted June 3 Posted June 3 Hallo roboster, probiere es doch mal in solch flachen Schalen ohne Torf darunter. Gruß Insectivorophilia
Tobias Kulig Posted June 4 Posted June 4 Hallo, ich meine zu wissen, was da los sein könnte. Diese braune Schicht ist einfaches Torfwasser, was durch die Kapillarwirkung an den Sphagnumästchen hochgezogen wird. Und wenn das Sphagnum trockener wird, verdunstet auch das Torfwasser. Übrig bleibt feinstes Torfpulver, was vertrocknet und schmutzig aussieht. Ich hab das früher bei mir oft beobachtet und es scheint normal zu sein. Zumindest in Kultur. Denn gleichen Effekt kennen die Drosera-Liebhaber: Manchmal sind die noch eingerollten Blätter, diese Knubbel im Pflanzenzentrum, schwarz und dunkel. Man könnte meinen, daß da was fault. Tut es aber nicht!! Besonders bei den an der Blattunterseite stark behaarten Arten wie z.B. D. graomogolensis kann man das gut sehen. Auch das ist Torfwasser, was hochgesaugt wird und sich in diesen Härchen sammelt. Und je größer die Art wird und somit das Pflanzenzentrum nach oben wächst, verschwindet das auch wieder. Das Sphagnum auf den Bildern ist im Übrigen viel zu trocken und Sphagnum braucht wirklich keinen UV-Schutz. Damit Sphagnum schön saftig bleibt, braucht es eben viel Wasser. Ich selber lasse Sphagnumpolster z.B. nie zu dick werden, sondern schneide es mit einer Schere eben ab und nehme es zur Vermehrung. Ich würde Sphagnum deshalb nicht auf einer Torfschicht anzüchten, sondern pur in Regenwasser. Dann bleibt es grün oder rot (je nach Art). Das Ganze am besten klatschnass. Das Wasser muß neben den Sphagnumästchen regelrecht stehen, dann wächst es auch zügig. Nur feucht funktioniert das eben nicht. Die bessere Variante, und so mache ich es, ist, das Sphagnum kleiner zu schneiden, es dann in eine große Ziptüte zu stopfen, danach großzügig einzusprühen und den Beutel zum Schluß dicht zu verschließen. Keine Angst, da gammelt nix. Man kann noch reinpusten, daß sich die Tüte aufwölbt. Dann wirkt das wie ein Terrarium. Die Tüte dann halt an eine helle Stelle legen. Wichtig: Regelmäßig wenden und schütteln, daß es überall grün bleibt. Klappt ausgezeichnet! Ach ja. Da gibts übrigens auch Sphagnumarten, die völlig unästhetisch sind und schon eine braune Grundfärbung haben und mattenartig wachsen. Dieses häßliche Zeug würde ich niemals verwenden! Ich selber verwende nur knallgrünes, welches ich als das Schönste empfinde. Dieses hat bei roten Pflanzen einfach den schönsten Kontrast. vor 11 Stunden schrieb roboster: Außerdem besprühe ich es ab und zu mit einer verdünnten Düngerlösung. Oje, das solltest Du natürlich nicht tun! 2 1
Torftyp Posted June 4 Posted June 4 düngen ist natürlich das falscheste was man mit Sphagnum machen kann. Außerdem ist stehendes Wasser nicht ideal. Nimm ne normale Blumenschale mit Untersetzer drunter in dem immer ein bisschen Wasser steht. Moore sind feucht aber nicht stehend gesättigt
Tobias Kulig Posted June 4 Posted June 4 vor 40 Minuten schrieb Torftyp: Außerdem ist stehendes Wasser nicht ideal. Das ist dem Sphagnum relativ schnuppe. Warst Du schonmal in einem richtigen Moor? Wir haben in 40km Entfernung Mitteleuropas größtes, intaktes Hochmoor. Da gibts große überflutete Sphagnumflächen und das ist stehendes Wasser. Sphagnum braucht nur Wasser satt.
Wolfgang Liere Posted June 4 Posted June 4 Ich habe damals für meine Darlingtonia eine Satte als Untersetzer genommen, quasi ein mehr oder minder durchlöcherter eckiger Plastikkübel. Da wuchs auch Sphagnum drin, nur in Regenwasser. Volle Sonne, null Torf und wenn es länger mal nicht geregnet hat, mit der Gießkanne drüber. Und 0,0 Dünger. 1
Torftyp Posted June 4 Posted June 4 jaein! Es gibt Sphagnum das auf stehendes Wasser spezialisiert ist. Besonders Cuspidatum, Major oder Balticum. Aber das sind sicher nicht die Arten über die ein Anfänger stolpert wenn er sich Sphagnum zulegt. Bei anderen Arten kann das funktionieren oder auch nicht. Vor allem braucht Sphagnum saure Umgebung und wenn man ein bisschen Sphagnum in stehendes Wasser wirft, ist es quasi ein Wettrennen ob das Sphagnum es schafft, die Umgebung sauer genug zu machen bevor Mikroorganismen sich zu sehr ausbreiten. Es KANN klappen aber die allermeisten Arten wachsen sehr viel besser auf dauerfeuchtem saurem Torf mit ordentlicher Pufferkapazität.
Tobias Kulig Posted June 4 Posted June 4 vor 2 Stunden schrieb Torftyp: Vor allem braucht Sphagnum saure Umgebung und wenn man ein bisschen Sphagnum in stehendes Wasser wirft, ist es quasi ein Wettrennen ob das Sphagnum es schafft, die Umgebung sauer genug zu machen bevor Mikroorganismen sich zu sehr ausbreiten. Weißt Du, warum Torf sauer ist?
Torftyp Posted June 4 Posted June 4 vor 38 Minuten schrieb Tobias Kulig: Weißt Du, warum Torf sauer ist? ja aber Sphagnum braucht Zeit um die Umgebung anzusäuern. Wenn man sicher gehen will dass die Startphase klappt, fängt man lieber mit saurem Torf an
Tobias Kulig Posted June 4 Posted June 4 vor 50 Minuten schrieb Torftyp: ja aber Sphagnum braucht Zeit um die Umgebung anzusäuern. Wenn man sicher gehen will dass die Startphase klappt, fängt man lieber mit saurem Torf an Torfmoose/Sphagnum säuern bereits im lebenden Zustand den Untergrund an und speichert die Säure. Sobald das Sphagnum dann abstirbt, bleibt die gespeicherte Säure erhalten. Die anderen Pflanzenarten wandeln sich im sauerstoffarmen Moor zu Huminsäuren um, was den Untergrund zusätzlich stark ansäuert. Ergo, das Sphagnum selbst ist bereits sauer, weshalb es auch antiseptisch wirkt und Konkurenz fernhält. Da braucht es keine Zeit, um irgendetwas anzusäuern. In meinen 25 Jahren Karnivoren habe ich auch schon öfters lebendes Sphagnum in Regenwasser vermehrt und es klappt immer....Wie kommst Du darauf, daß da irgendeine "Startphase" klappen muß?
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