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  1. Manuel Reimansteiner

    Nepenthes pervillei - Hybriden

    Hallo, es gab ja mittlerweile schon des Öfteren die Diskussion, ob sich die evolutionär "alte" Nepenthes pervillei (und auch die zwei Arten auf Madagaskar, N. madagascariensis und N. masoalensis) mit den relativ neuen Arten des indonesischen Archipels kreuzen lässt. N. pervillei war wegen der außergewöhnlich geformten Samen und Blütenstandsmorphologie sogar für einige Zeit in einer eigenen monotypischen Gattung als Anurosperma pervillei untergebracht. Kreuzungsversuche der letzten Jahre (N. pervillei war dabei aber immer Pollendonator), haben in Europa und Amerika soweit ich weiß nicht funktioniert. Lediglich ein Botanischer Garten in Japan hatte Erfolg. Die folgenden Fotos hat der Direktor des Hyogo Prefectural Flower Center, Hitoshi Ishida und Koji Kondo gemacht und auf FB gestellt. Die Kreuzungen selbst hat H. Doi gemacht. Zu Beginn hier mal die Mutterpflanzen: N. pervillei (zwei männliche und eine weibliche Pflanze) N. pervillei und rankende N. khasiana N. madagascariensis Und hier die entstandenen Kreuzungen: N. pervillei x khasiana (N. x "Momogasa") N. pervillei x madagascariensis N. pervillei x ventricosa Viele Grüße Manuel
  2. Manuel Reimansteiner

    Nepenthes pervillei auf Mahé - Trois Frères

    Hallo, neben dem berühmten Copolia Trail, welchen ich in diesem Teil schon vorgestellt habe, gibt es auf der Sans Souci Road (eine Straße, die den Osten mit dem Westen der Insel verbindet) noch einige weitere Standorte von Nepenthes pervillei, die sehr einfach zu erreichen sind. Dazu zählen die "Drei Brüder", Trois Frères, mit einer maximalen Erhebung von knapp 700 Metern, wobei man die Kannenpflanzen bereits deutlich unter Gipfelniveau findet. Der Trail beginnt, wie nahezu alle Wanderwege auf den Seychellen, im Regenwald ... ... führt aber immer wieder durch offene Sandflächen mit teils interessanter Vegetation. Lycopodiella cernua Pandanus sechellarum Dendrobium crumenatum Nach einigen weiteren Metern bekommt man die ersten N. pervillei-Polster zu Gesicht. N. pervillei bildet kräftige Hochtriebe, die auch gerne mal in den Weg hängen. Alles in allem waren die Pflanzen an diesem Standort in allen Teilen größer, also die des Copolia und hatten eine auffällige Färbung des Deckels. Hier noch Fotos der typischen Luftrosettenbildung. Detailaufnahme der untypischen männlichen Infloreszenz und der Samenkapseln. Einige Blütenstände erreichten sogar eine Größe von 50 cm! Die Art war an nahezu allen Standorten, die ich besucht habe, recht erfolgreich im Beutefang. Neben vielen gefangenen Ameisen waren auch einige Mückenlarven in den Kannen zu finden. Etwas schattiger fand ich dann folgende Kannen. Keine N. reinwardtiana, sondern 20 cm große Hochkannen von N. pervillei! Auch die Bodenkannen waren deutlich größer als an anderen Standorten. Die Seychellen haben ebenfalls mit vielen invasiven Neophyten oder "Alien Species" zu kämpfen. Viele Habitate werden deshalb aufwendig mechanisch und chemisch restauriert. Das war's auch schon wieder - im nächsten Teil werde ich den Standort bei den Teeplantagen vorstellen. Viele Grüße Manuel
  3. Manuel Reimansteiner

    Nepenthes pervillei auf Mahé - Copolia

    Hallo, eigentlich wäre ja für diesen Sommer eine Reise nach Indonesien geplant gewesen. Da ich mir aber wenige Tage vor Abreise den Fuß gebrochen habe, fiel diese Expedition ins Wasser. Damit 2017 nicht ganz ohne einer botanischen Reise endet, habe ich spontan einen zweiwöchigen Trip auf die Seychellen gebucht, von dem ich gestern mit vielen Fotos im Gepäck heimgekommen bin. Die dort endemische Kannenpflanze, Nepenthes pervillei, habe ich an drei verschiedenen Standorten auf der Hauptinsel Mahé angetroffen. In den nächsten paar Wochen möchte ich diese Standorte näher vorstellen. Neben Standorten auf Mahé gibt es noch weitere auf der nicht weit entfernten Insel Silhouette (Thilo hat bereits mehrere Beiträge zu dieser interessanten Art verfasst). Durch die geographische Lage und Isolation hat sich N. pervillei unabhängig zu den restlichen asiatischen Arten entwickelt und besitzt somit einige Eigenheiten, die in der Vergangenheit dazu veranlasst haben, die Art in eine monotypische Gattung, Anurosperma, zu platzieren. Der Standort am knapp 500 Meter hohen Copolia zählt wohl zu einem der berühmtesten - so findet man sogar Fotos der Pflanzen von diesem Standort am internationalen Flughafen der Seychellen. Während meines Aufenthalts habe ich diesen zu verschiedenen Wetterlagen drei mal besucht. Der Pfad, der auf den Gipfel führt ist schnell gefunden und auch sonst ist der Berg einfach zu erklimmen. Der Trail führt durch Sekundärvegetation vorbei an vielen bedornten Palmen der Art Phoenicophorium borsigianum, die auch auf den Seychellen endemisch ist. Der englische Name "Thiefpalm" verrät schon, dass man diese Palme lieber stehen lassen sollte. Immerhin besitzen nur juvenile Pflanzen diesen Fraßschutz. Ebenfalls häufig auf Wanderungen findet man die Chinesische Flachslilie, Dianella ensifolia, die interessant schimmernde Früchte ausbildet und oft mit N. pervillei zusammen auf einem Standort vorkommt. Auf dem Plateau angekommen wird man sofort mit einem tollen Ausblick auf die Hauptstadt Victoria und die umliegenden Inseln belohnt. Das Habitat von N. pervillei erinnert eher dem von Heilamphora als Nepenthes. Die exponierte Lage von vielen N. pervillei-Standorten (besonders die des Copolia) spiegelt sich in den morphologischen Merkmalen der Pflanzen wider: gedrungene Pflanzen, ledrige Blätter und vergleichsweise kleine Kannen. Der Niederschlag rinnt über Rinnen im Granit schnell ab - so sind die Pflanzen völlig von häufig wiederkehrenden, meist kurzen, Regenschauern abhängig. N. pervillei bildet an einem Langtrieb viele weitere Rosetten, welche die typisch geformten Hochkannen ausbilden. Die Gesamtpflanzenanzahl ist also deutlich geringer, als man von den Fotos vielleicht erahnen möchte. Die einzigartig geformt und gefärbten Samenkapseln dieser Art. Sofern eine Möglichkeit zu klettern gegeben ist, werden ganze Bäume und Büsche einfach überwachsen, ... ... wenn nicht muss eben der Granit dafür herhalten. Eine besonders große Ansammlung, die Thilo vermutlich auch dokumentiert hat. Männliche Blütenstände konnte ich auf allen drei Standorten in Massen antreffen. Eine zweigefärbte Kanne. Auch einige Jungpflanzen waren anzutreffen. Hier mit interessant globosen Bodenkannen. Obwohl der gesamte Standort einen nachhaltig gesicherten Eindruck vermittelt, fand ich mmer wieder (meistens vereinzelt) vertrocknete Pflanzen. Mit letzter Kraft wird noch in die Samenproduktion investiert. Hier noch zwei Vogelperspektiven des Standorts. Ein Panorama des Morne Seychellois und den umliegenden Bergen. Mit seinen 905 Metern ist er der größte Berg der Seychellen und hauptverantwortlich dafür, dass der Copolia regelmäßig mit Niederschlag und Nebel versorgt wird. So, das war's vorerst vom Copolia. In den nächsten Teilen werde ich die Standorte am Trois Fréres und Morne Blanc vorstellen. Viele Grüße Manuel
  4. Thilo.K

    Einige Eindrücke aus der Natur der Seychellen

    Hallo, Nach den Beiträgen zu den Kannenpflanzen habe ich nun etwas Zeit gefunden, um die Natur der Seychellen vorzustellen. Während unseres Aufenthalts konnten wir einige schöne und teilweise extrem seltene Tiere und Pflanzen beobachten. Hier erstmal ein Bild der im Morne Seychellois Nationalpark auf Mahé gelegenen Anse Mondon Bucht: Die Regenwälder der Seychellen werden von den bis zu 45 Meter hohen Paraserianthes falcataria Bäumen dominiert. Diese beeindruckenden Giganten besitzen ein riesiges Kronendach und einen bis zu 4 Meter dicken Stamm: An diesen Stämmen wachsen meistens riesige Epiphyten: Bereits eines der ersten Tiere, die unser Führer Basil Beaudoin auf der Wanderung zum Gongo Rouge aufspürte, war der seltene Sooglossus gardineri, einer der kleinsten Frösche der Welt! Hier auf seinem Finger: Einige Meter weiter bekam ich eine Libelle (vielleicht eine Agriocnemis) vor die Linse: Auch der bestens getarnte Falter Melanitis leda hielt einige Sekunden lang still: Die bis zu 10 cm große Nephila inaurata spannt ihre metergroßen und enorm stabilen Netze oft quer über den Weg (oder sogar über Straßen!) Ein siebenbeiniges Exemplar: Ganz anders diese Spinne, die ihre "Wohnung" aus einem zusammengerollten Blatt baut: Auch solche Termitenhügel sind häufig anzutreffen: Und natürlich die spektakulären, bis zu 30cm langen Riesentausendfüßler (Seychelleptus seychellarum), die wirklich sehr häufig sind und einen wichtigen Teil des sensiblen Ökosystems darstellen: Hier ein Exemplar, dass genüsslich an einer jungen Jack-Fruit (Artocarpus altilis) nagt: Neben der bereits 2010 gefundenen Schlange Lycognathoptus seychellensis (http://forum.carnivo...aus-silhouette/ ) konnten wir noch einige weitere Reptilien finden. Der Seychellen-Skink Trachylepis seychellensis ist am Urwaldboden fast immer anzutreffen: Auch der grüne Taggecko Phelsuma sp. ist noch recht oft zu sehen: Seltener ist das Tiger-Chamäleon Chamaeleo tigris, das wir am Copolia gefunden haben: Die Stelzwurzelpalme Vershaffeltia splendida ist eine der wenigen Pflanzen, die ihren Standort aktiv verändern kann. Sie „wandert“ auf ihren „Stelzen“ zum hellsten Platz in der Umgebung und ist in den Wäldern wieder sehr häufig anzutreffen: Junge Vershaffeltia-Palmen besitzen sehr feste, bis zu 10cm lange Stacheln, die bei den Wanderungen (vor allem auf Silhouette) immer wieder für Schmerzensschreie gesorgt haben! Alle einheimischen Palmen (außer die Koko-de-Mer) der Seychellen besitzen solche Stacheln. Einige Biologen vermuten, dass sie zur Abwehr von Riesenschildkröten (!) dienen sollen… Von oben betrachtet sehen die jungen Exemplare der Pheonicophorium borsigianum Palme am Gipfel des Gongo Rouge (ca. 700m) ganz schön aus, aber unter den Blättern verbergen sich wieder lange Stacheln: Die mit Abstand beeindruckendste Palme der Seychellen ist jedoch die Koko de Mer (Lodoicea maldivica), die den größten Samen der Welt besitzt (und wohl auch eine der größten Blätter). Wir konnten einige Pflanzen auf Silhouette antreffen: Diese Exemplare der sehr seltenen Palme sind allerdings nicht hier heimisch. Sie wurden um 1940 angepflanzt und sind eigentlich auf den Seychelleninseln Praslin und Curieuse endemisch. Hier die Frucht: Der darin enthaltene, bis zu 27kg schwere Samen besitzt diese sehr spezielle Form: Von den Palmen zu den Farnen: Der sehr beeindruckende Farn Angiopteris erecta ist in den höheren Lagen von Mahé und Silhouette keine Seltenheit. Seine bis zu zwei Meter langen Blätter entspringen aus einer Art „Kugel“: Die sich entrollenden Blätter dieses Angiopteris -Farns stellen oft ein interessantes Fotomotiv dar: Mit etwas Glück lassen sich auf den riesigen Blättern dieses Farns einige Arten von Stabheuschrecken der Gattung Carausius in mehreren Farbvarianten entdecken. Hier ein gut getarntes grünes Exemplar: Kurz unter dem Gipfel des Mont Pot à Eau auf Silhouette konnten wir den sehr seltenen Baumfarn Cyathea seychellarum finden. Diese Art ist auf der Insel nur noch mit zwei ausgewachsenen Exemplaren vertreten! Zu den weiteren interessanten Pflanzen, die wir gefunden haben zählt Flagellaria indica. Die weit verbreitete Kletterpflanze bildet sehr schöne Ranken aus: Die wunderschöne, jedoch nicht einheimische Elettaria cardamomum: Die ebenfalls schöne und nicht einheimische Hippobroma longiflora, die laut Basil Beaudouin sehr giftig ist (sie kann Blindheit verursachen): Die Blüten der endemischen Ixora pudica besitzen ein schönes, leuchtendes Rot: Die interessanten Früchte: Auf Silhouette konnten wir noch eine weitere botanische Rarität finden: Impatiens gordonii. Die Pflanze ist mit einer geschätzten Gesamtpopulation von unter 120 Individuen (die meisten davon auf Silhouette) eine der gefährdetsten Pflanzen der Seychellen. Fast alle Versuche, die Population zu vergrößern, sind bisher gescheitert. Ebenfalls selten (jedoch nicht so gefährdet) ist Curculigo seychellensis, die wie eine junge Palme aussieht, jedoch näher mit dem Spargel, als mit den Palmen verwandt ist. Wir konnten sie am Gongo Rouge sogar blühend finden: Die seltene Selaginella sechellarum bezeichnete Basil einfach mit dem passenden Namen „Gecko feet“: Auf Silhouette konnten wir kurz vor dem Gipfel noch eine Würgefeige (Ficus sp.) antreffen. Der Wirtsbaum ist hier bereits abgestorben: Auch sehr beeindruckend sind die reifen, bis zu 20kg schweren Früchte der bereits genannten Jack-Fruit (Artocarpus heterophyllus), die regelrecht explodieren wenn sie auf den Boden fallen und dann nach einiger Zeit einen sehr unangenehmen Fäulnisgeruch verbreiten. Zum Schluss noch zwei Krabbenarten: Cardisoma carnifex, eine sehr große Landkrabbe: Ocypode ceratopthalma, eine Geisterkrabbe, die beachtliche Geschwindigkeiten erreichen kann und deshalb manchmal auch als „Rennkrabbe“ bezeichnet wird: Sehr interessant ist die Tatsache, dass viele lateinische Namen den Ort der dort vorkommenden Art gleich doppelt nennen: Der bereits vorgestellte Riesentausendfüßler Seychelleptus seychellarum und die auf Silhouette endemische Schnecke Silhouettia silhouettae sind da ganz gute Beispiele! Der Blick von Mahé nach Silhouette, die abends ihrem Namen alle Ehre macht: Viele Grüße, Thilo
  5. Hallo, nach den beiden Standorten auf Mahé (dem Gongo Rouge und dem Copolia) stelle ich im letzten Teil der Fotoserie den recht ungewöhnlichen Standort von Nepenthes pervillei auf der Insel Silhouette vor. Der Aufstieg zum Mont Pot à Eau (dem einzig bisher bekannten Standort von N. pervillei auf Silhouette) ist mir und meiner Familie als die wohl schwierigste, aber auch mit Abstand schönste Wanderung auf den Seychellen in Erinnerung geblieben. Silhouette ist unter Biologen als eine der vielfältigsten Inseln im Indischen Ozean bekannt und wird sogar als "Hotspot" der Biodiversität bezeichnet. Sie ist kaum erschlossen und im Gegensatz zu den anderen Inseln der Seychellen von menschlichen Eingriffen in die Natur fast vollständig verschont geblieben. Beides, die enorme Artenvielfalt und ihre Unberühtheit, hat die Insel ihrem sehr gebirgigen Relief zu verdanken, das weder Infrastruktur noch wirtschaftliche Entwicklung zulässt. Seit 2010 befinden sich 93% (!) der Insel unter Naturschutz, womit nun fast die Hälfte der Landfläche der Seychellen als Nationalpark geschützt sind. Es gibt ja viele Nepenthes, die nach dem Berg, auf dem sie vorkommen benannt sind (z. B. N. muluensis vom Mulu in Borneo), aber der Mont Pot à Eau (zu Deutsch "Wassertopf") ist nach den Kannenpflanzen benannt, die auf ihm vorkommen! Der 621m hohe Gipfel thront über dem mit 105 Bungalows (!) viel zu groß geratenem Hotel: Nachdem man sich bereits nach wenigen Metern (noch auf einem guten Weg!) im herrlichen, unberühren Tiefland-Regenwald befindet, muss man eine winzige Abzweigung finden, die zu den Koko de Mer Palmen führt (dazu werde ich vielleicht noch einen seperaten Thread eröffnen). Hier aber hört der Weg quasi auf und es wird extrem schwer, sich durch die dichte Vegetation zu bewegen. Für die Hundert Meter braucht man ab hier knapp 20 Minuten! Ohne GPS und der Tatsache, dass wir die Tour bereits 2010 (damals gab es noch einen verhältnismäßig guten Weg) gemacht hatten wären wir definitiv umgekehrt. Die letzten 500 Meter des Aufstiegs verliefen sogar vollständig weglos. Es gab kein Zeichen, dass irgendjemand in den letzten Monaten auf dem Mont Pot à Eau war! Nach fast 6 Stunden teilweise qualvollen Aufstiegs (und das, obwohl der Berg eigentlich "nur" 621m hoch ist!) erreichten wir den so ersehnten Nebelwald kurz unter dem Gipfel, den wir auch 2010 erreicht hatten (http://forum.carnivo...aus-silhouette/). Der Boden war geradezu übersät mit Nepenthes: Die wunderschönen unteren Kannen hätte ich stundenlang fotographieren können, wenn wir nicht so lang für den Aufstieg gebraucht hätten... Eine sehr große Pflanze: Eine sehr interessantes Rosette, die zwar aus dem Haupttrieb entsprungen ist, jedoch untere Kannen (mit Flügelleisten) produziert: Eine obere Kanne mit schöner, roter Farbe: Eine "normale" obere Kanne: Und eine Zwischenform, die ich bereits 2010 gezeigt habe und die Merkmale von den beiden oben gezeigten Kannen besitzt: Der Tendrill: Eine Ameise am Abgrund: Auch dieses Mal konnte ich auf einer Palme einige epiphytisch wachsende Nepenthes pervillei finden. Mir ist es nach wie vor ein Rätsel, wie es diese Pflanzen dort hinauf geschafft haben... Es handelt sich um junge Pflanzen, die noch untere Kannen produzieren: Im Gegensatz zu 2010 sind wir diesmal noch ein Stück weiter zum Gipfel des Mont Pot à Eau gewandert. Hier befindet sich ein dichtes Farngeflecht, in dem die Kannenpflanzen eine vollkommen andere Wuchsform ausbilden, als im Nebelwald nur etwa 50 Meter weiter unten: Untere Kannen gab es hier kaum, dafür aber sehr schöne obere Kannen: Einige Kannen hatten eine blutrote Deckelunterseite: Wie auch auf Mahé können Bäume schnell überwuchert werden: Das folgende Foto zeigt die wohl mit Abstand größte Kanne, die wir während unseres gesmaten Aufenthalts auf den Seychellen finden konnten. Sie dürfte um die 20 cm groß gewesen sein. Am Gipfel angekommen hat man wirklich das Gefühl, der erste Mensch am Gipfel überhaupt zu sein. Jegliche Zivilisation scheint nach der stundenlangen, weglosen Wanderung so unglaublich weit weg. Man fühlt sich mit der Natur so eng verbunden... Einfach ein herrliches Gefühl! Und dann auch noch diese grandiose Aussicht: Der Blick nach Mahé und auf den südlichen Teil der Insel: Der höchste Berg der Insel, der Mont Dauban (740m), den ich gerne noch bestiegen hätte, aber die Zeit reichte nicht mehr aus... Direkt am Gipfel wuchs eine junge Pflanze mit einer etwas außergewöhnlichen Wuchsform: Unterhalb des Gipfels wuchs an einer extrem steilen Klippe eine Population fast so dicht gedrängt, wie auf dem Copolia in Mahé: Für mich ist der Mont Pot à Eau der mit Abstand schönste Berg der Seychellen. Die Kannenpflanzen wachsen in allen möglichen Variationen, die Flora und Fauna ist weitaus vielfältiger, als auf den meisten Bergen in Mahé und die Aussicht auf fast die gesamte Insel Silhouette ist einfach grandios. Viele Grüße, Thilo PS: Man muss nicht immer weit weg, um interessante Pflanzen zu finden: Gestern besichtigte ich einen Standort von Utricularia (neben Nepenthes meine zweite große Leidenschaft) bei Mainz/Wiesbaden, der direkt in meiner Nähe liegt! Vielleicht gibt es später (wenn ich den Standort ausreichend erkundet habe) noch ein paar Bilder dazu...
  6. Hallo, im zweiten Teil werde ich nun einen mehr klassischen Standort, als es der Gongo Rouge ist vorstellen: Den Copolia. Dieser Berg unterscheidet sich vom Gongo Rouge darin, dass es hier große Granitflächen am Gipfel gibt, der übrigens bei vergleichsweise geringen 495m liegt. Der recht kurze und gut markierte Wanderweg kann auch ohne Führer begangen werden und bietet großartige Aussichten auf das Morne Seychellois-Massiv und die Hauptstadt Victoria (25.000 Einwohner): Zumindest auf dieser Ostseite bietet der Copolia durchaus ein wenig "Tafelberg-Feeling": Die Nepenthes wachsen in riesiger Anzahl in den Spalten auf dem Plateau und bilden zusammen mit ein paar anderen Pflanzen inselartige Lebensgemeinschaften: Ein "Nepenthes-Teppich": Nepenthes pervillei ist eine Art, die entlang des Haupttriebs enorm viele Nebenrosetten bilden kann. So könnte dieses Bild eine einzige Pflanze zeigen, die fast vollständig vom Granit umgeben ist: Eine Kanne mit sehr schönem, roten Deckel: Anders als am Gongo Rouge waren die Pflanzen mit Blüten und Fruchtständen geradezu übersät. Die männlichen Blüten: Leider konnte ich keine weiblichen Blüten finden, aber dafür jede Menge Fruchtstände, die Tausende von Samen enthielten und häufig von sehr schöner Farbe waren: Die Samen sind einzigartig innerhalb der Gattung Nepenthes. Anstatt hauchdünn, bräunlich und in die Länge gezogen (um durch den Wind transportiert zu werden) sind diese Samen kleine schwarze Körner, die durch ihre Form verhindern, dass sie vom Wind einfach weggeblasen werden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Samen in das Meer oder in zu tiefe Gebiete fällt ist sehr hoch. Die Pflanzen können ganze Bäume überwuchern: Die roten Kannendeckel sind dabei gut erkennbar. Eine weitere Population, die Ausläufer quer über den Granit legen kann: Junge Rosetten auf dem Granit: Beim Fotografieren des Morne Seychellois bemerkte ich weiter unten etwas... Die bei WEITEM größte Ansammlung an Nepenthes pervillei während der gesamten Reise und wohl auch eine der größten der Seychellen: Hier sieht man auch noch die vielen Blüten und Früchte, die vorhanden waren: Soweit zu den schönen Stellen am Copolia. Im letzten Jahr gab es auf den Seychellen eine monatelange Trockenperiode in der es viel zu wenig regnete. Möglicherweise stand diese im Zusammenhang mit der Trockenheit am nicht weit entfernten Horn von Afrika, wo jedoch eine schlimme Hungerkrise die Folge war. "Eine unachtsam weggeworfene Zigarette hätte gereicht, um sämtliche Urwälder Mahés zu vernichten", so unser Führer Basil Beaudouin am Gongo Rouge. Glücklicherweise kam es nicht dazu, allerdings bot sich uns nur wenige Meter entfernt von der riesigen Population oben ein ganz anderes Bild: Einige Teppiche sind vollständig vertrocknet! Nicht nur die Kannenpflanzen sind betroffen, sondern auch die anderen Pflanzen, wie dieses Bild zeigt (unten sind wieder ehemalige Nepenthes zu sehen): Damit noch nicht genug: Zur Zeit unseres Besuchs hat es auf den Seychellen bereits seit fast 2 Wochen nicht geregnet und während unseres gesamten zweiwöchigen Aufenthalts (sowohl auf Mahé, als auch auf Silhouette!) fiel fast kein Tropfen vom Himmel! Leitungswasser stand daher nur einige Stunden morgends und abends zur Verfügung. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen selbst auf die Pflanzen, die die Trockenheit 2011 überlebt hatten: Bei vielen Kannen war der Deckel ganz dicht über die Kannenöffnung geneigt, vermutlich um Verdunstung der Kannenflüssigkeit zu vermeiden. Mir scheint es so, als würden einige Pflanzen den Insektenfang fast vollständig aufgeben um das restliche Wasser in den Kannen optimal nutzen zu können. An Standorten, die schnell austrocknen (offene Granitflächen) ist es durchaus sinnvoll, wenn die Pflanze das Reservoir in den Kannen nutzen kann. Ist es jedoch aufgebraucht passiert das, was auch wir dieses Jahr beobachten konnten: Die geschädigten oder abgestorbenen Pflanzen machten allerdings glücklicherweise nur einen Bruchteil der Gesamtpopulation am Copolia aus. Trotzdem könnte es bei Fortschreiten des Klimawandels und den dadurch verbundenen Extremwetterlagen durchaus zu lang anhaltenden Trockenperioden und somit zu einer Gefahr nicht nur für die Kannenpflanzen auf den Seychellen kommen. Zum Schluss aber nochmal ein paar schöne Eindrücke: Und eine Pflanze am Abgrund... Es sind vielleicht ein bisschen zu viele Bilder, aber mir fällt es einfach verdammt schwer, von den 500 Bildern am Copolia weniger, als 30 Bilder zu verwenden. Viele Grüße, Thilo
  7. Hallo, zusammen mit meiner Familie habe ich die letzten beiden Wochen auf den wunderschönen Seychellen verbracht. Dabei lag der Schwerpunkt sicherlich auf der Erkundung der einfach herrlichen Natur auf den beiden Inseln Mahé und Silhouette, wo auch die auf den Seychellen endemische Nepenthes pervillei zu finden ist. In insgesamt sechs beeindruckenden Wanderugen konnten wir diese Pflanzen an immerhin drei Standorten finden, wobei zwei davon auf Mahé liegen und einer auf Silhouette (es gibt dort auch nur diesen einen). Mahé ist größte und mit großem Abstand bevölkerungsreichste Insel der Seychellen (72.000 Einwohner) und beherbergt zugleich auch den höchsten Berg der Seychellen, den Morne Seychellois (905m): Da dieser Berg leider nur sehr schwer zugänglich ist, haben wir uns dazu entschlossen, mit unserem Führer Basil Beaudouin auf einen Nebengipfel des Morne Seychellois, den Gongo Rouge (701m) zu wandern. Ein sehr kleiner Weg, der zeitweise nicht erkennbar ist führt steil über rutschige Granitfelsen und dichtem Regenwald hinauf zum Gipfel. Hier oben befindet sich ein traumhafter, moosüberzogener Nebelwald in dem hunderte von Kannenpflanzen wachsen. Kletternde Pflanze: Eine sehr große Kanne von 15cm größe Interessant war, dass die Kannenranken von vielen der oberen Kannen sich um dicke Äste gewunden haben, was für Nepenthes pervillei recht ungewöhnlich ist! Hier ein besonders dicker Ast: Beeindruckend fand ich besonders die schöne roten, unteren Kannen, die von den nicht kletternden Pflanzen produziert werden: Diese Rosetten der jungen wuchsen dicht gedrängt meist am Boden des Waldes und kommen anscheinend auch mit nicht allzu viel gut zurecht. Die Kannen waren jedenfalls meist wunderschön tiefrot gefärbt:
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