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Dipsacus fullonum - karnivor ?


Jens R.

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Hi,

mitunter wird diskutiert ob Dipsacus fullonum (Wilde Karde) karnivor ist (siehe u.a. D. Schnells Buch). Dass Dipsacus in den wassergefüllten, verschmolzenen Stängelblättern Insekten "fängt", zeigt dieses Bild eines Exemplars aus dem Rheinland. Im (unscharfen) unteren "Trichter" haben sich die Insekten schon zu einer trüben Brühe zersetzt.

Grüße

Jens

Dipsacus_fullonum.jpg

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Andreas Fleischmann

Hallo Jens!

Es besteht auch kein Zweifel, dass Dipsacus fullonum (und auch unsere beiden anderen Kardenarten D. sativus und D. laciniatus) die Nährstoffe, die aus der sich mikrobiel zersetzenden Beute frei werden, über die Blattoberfläche aufnehmen.

Aber das macht noch keine Karnivore im Sinne der Definition (Anlockung, Festhalten, Zersetzen der Beute, Aufnahme der Nährstoffe), da die Beutetiere hier nicht gezielt angelockt werden. Vielmehr stellen die Wassergräben, die aus den verwachsenen Blattgrunden der mittleren Stengelblätter gebildet werden einen Schutz der Wachstumsspitze und Blüte vor kriechenden Fraßinsekten dar. Ich habe häufig gefangene Schnecken in den Wassergräben gefunden, die sich langsamen zersetzten.

Interessant ist auch, dass es sich bei dem Inhalt des Wassergrabens nicht allein um Regenwasser handelt, sondern offensichtlich auch gezielt Wasser von der Pflanze selbst in den Graben gegeben wird (nur bei lang anhaltender Dürre fallen die Gräben von Dipsacus einmal trocken).

Allerdings fehlt eben der Punkt der gezielten Anlockung. Bei Roridula dagegen sind alle "Punkte der Karnivorie" erfüllt, wenn man die Juniper'sche Definition der Verdauung so erweitert, dass es nicht unbedingt pflanzeneigene Enzyme sein müssen, die diesen Part übernehmen. Wenn man davon ausgeht, wären auch die meisten Heliamphoren, Cephalotus oder Sarracenia purpurea nicht karnivor.

Und was macht eine karnivore Pflanze wohl eher aus: Dass sie Beute festhalten kann (können auch viele klebrige Pflanzen und alle Trichterbromelien!), oder dass sie Beutetiere gezielt anlockt?

Alles Gute,

Andreas

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Hi Andreas,

das mit den Schnecken ist interessant, da muss ich mal drauf achten.

Könnte nicht die Licht-Reflexion an der Wasseroberfläche oder der Geruch sich bereits zersetzender Tiere eine anlockende Wirkung haben ?

Grüße

Jens

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