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Julia Rohlfing

08. Wie kultiviere und vermehre ich die Venusfliegenfalle?

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Julia Rohlfing

08. Wie kultiviere und vermehre ich die Venusfliegenfalle?

Wie die meisten Karnivoren mag die Venusfliegenfalle Sonne und Feuchtigkeit. Die Pflanze erwartet soviel direktes Licht wie möglich. Ein sonniges Plätzchen direkt am Fenster in Südlage bzw. Südwestlage ist da genau das Richtige, Ost- und Westlagen werden schon weniger gern genommen, und die Nordlage ist nicht geeignetIm Sommer ist min. 10h Licht notwendig, da bei zuwenig Licht sich die Fallen innen auch nicht rot ausfärben. Eine Freilufthaltung ist ebenfalls möglich. Wichtig: Werden Zimmerpflanzen im Sommer nach draußen gestellt muss unbedingt eine Gewöhnungsphase beachtet werden, da sonst die Pflanzen verbrennen können. Die Venusfliegenfalle sollte möglichst (im Frühjahr/Sommer) immer in 1cm sauberen, kalkfreiem Regenwasser, destilliertem Wasser oder entsalztem Wasser stehen. Zu kalkhaltiges Wasser (Achtung: Abkochen von kalkhaltigem Wasser hilft nicht!) ist für sie wie für die meisten anderen Karnivoren tödlich.

Substrat: Als Boden will die Venusfliegenfalle ungedüngten Hochmoor- oder Weißtorf. Eine Beimischung von gereinigtem Sand ist möglich (siehe Substrate). Handelsübliche Karnivorenerde funktioniert auch sehr gut.

Temperatur: Perfekt um 23-27°C, der optimale Bereich liegt bei 20 - 30/32°C. Höhere Temperaturen (Mittagshitze) können vertragen werden, werden besonders bei Pflanzen in Glasschalen/Glaskugeln schnell zu hohe Temperaturen erreicht. Kühlere Nächte mit 12-15°C werden von draußen wachsenden Pflanzen problemlos vertragen. Im Winter ist die Pflanze kühler zu halten damit sie eine Winterruhe einlegen kann.. Hierzu später etwas mehr...

Luftfeuchtigkeit: Die Venusfliegenfalle stellt im Gegensatz zu vielen anderen Karnivoren keine besonderen Ansprüche an die Luftfeuchtigkeit. Sie wächst bei normaler Luftfeuchte im Zimmer als auch an der frischen Luft gut. Allerdings sollte man darauf achten, dass sie keiner besonders niedrigen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt wird. Sie sollte zum Beispiel nicht direkt über einem Heizkörper stehen. Bei hoher Luftfeuchte im Terrarium sollte gelegentlich durchgelüftet werden, um Schimmel an verdauenden Fallen und auf dem Substrat zu vermeiden.

Beachtet man alle diese Grundregeln, so wächst die Pflanze gut und man kann den Beutefang beobachten. Dabei ist es wichtig, dass man die Pflanze nicht unnötig oft "ärgert". Spielt man mit ihren Blättern, sterben diese nach etwa 7-10 Bewegungen ab. Daher sollte man die Blätter nicht reizen. Und auch das Füttern mit Wurst, Käse, Fleisch oder toten Fliegen sollte man vermeiden. Die Blätter sterben nach spätestens 3 Mahlzeiten ab, bei der falschen oder einer zu großen Portion gehen sie sofort ein. Eine Venusfliegenfalle erwartet als Beute lebende Insekten und keine Stücke toter Tiere, die sie aufgrund der fehlenden mechanischen Reize nicht als Beute erkennt. Außerdem ist der Insektenfang nur als Zubrot zu sehen und nicht als Hauptmahlzeit. Eine Venusfliegenfalle nimmt genau wie alle anderen Pflanzen Nährstoffe über die Wurzeln auf und kann jahrelang ohne Mahlzeit auskommen. Allerdings sollte man sie auf keinen Fall düngen! Auch wenn’s noch so gut gemeint ist, es folgt immer der Verlust der Pflanze.

Blütezeit: Hat man die Pflanze im Frühjahr gekauft und gut gepflegt, fängt sie im Sommer vielleicht an zu blühen. Leider schwächt die Blüte eine Pflanze ziemlich. Sofern man also keine Samen will, sollte man daher die Blütenstängel noch vor der Blüte abscheiden. Will man allerdings Samen, so braucht man dafür 2 verschiedene Pflanzen die gleichzeitig blühenmüssen. Sofern die Pflanzen nicht im Freien stehen und von Insekten bestäubt werden können, muss man da mit einem Pinsel, mit dem man vorsichtig den Blütenstaub von einer Blüte zur anderen bringt, nachhelfen. Übrigens scheint es auch zu funktionieren, wenn man den Blütenstaub einer anderen Blüte derselben Pflanze auf eine neue überträgt. Nach einiger Zeit bilden sich bei bestäubten Blüten runde Samenkapseln aus, die viele Samen enthalten. Die Samen sind nach ca. 6 Wochen reif und können geerntet werden, sobald die Samenkapseln aufgehen und die Samen sichtbar werden.

faq_dionaea_samenkapseln.jpg

Die Samen der Venusfliegenfalle sind Lichtkeimer, d.h. sie müssen auf die Erde gestreut werden und dürfen nicht abgedeckt werden. Nach der Aussaat wird viel Licht, eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine Temperatur von ca. 25°C +/- 2°C benötigt. Nach 3-4(5) Wochen bilden sich Pflänzchen. Dauer bis die Pflanze "erwachsen" ist: 3-4 (z.t. 5) Jahre.

Blattstecklinge: Eine weitere Vermehrungsmöglichkeit sind Blattstecklinge. Keine Angst, sie wird nicht gleich eingehen, wenn man ihr mal ein Blatt klaut. Am besten zwischen Frühjahr bis Anfang Sommer einige junge bis mittelalte Blätter an der Blattbasis (möglicht weit unten) vorsichtig abbrechen und etwa bis zur Hälfte schräg in ein Sand-Torf- Gemisch (1:1 bis 1:2) oder Sphagnum stecken. Hohe Luftfeuchtigkeit, viel Licht und eine Temperatur um 20°C sind wichtig. Nach ca. 5-6 Wochen bilden sich winzige Pflänzchen. Wenn sich mehrere Blätter richtig gebildet haben können die Jungpflanzen umgesetzt werden. Die Erfolgsquote liegt bei ca. 20-50%

Gelegentlich treiben kleine Pflanzen aus den Blütenstielen aus (direkt unter den Blüten). Sobald diese Wurzeln gebildet haben können sie abgetrennt und eingepflanzt werden.

faq_dionaea_blattsteckling.jpgfaq_dionaea_bluetensteckling.jpg

Winterruhe: Nach der Wachstumsphase im Frühjahr, Sommer und frühen Herbst legt die Pflanze den Winter über eine Ruhephase ein. Das ist nötig, damit die Pflanze nicht unnötig viel Kraft vergeudet und nicht erfriert.

Wenn sie in Winterruhe geht, so meist Anfang /Mitte Oktober, es kann auch mal Ende werden, zeigt sie das durch Bildung kleiner, liegender Blätter mit nur noch winzigen Fallen an. Am besten stellt man sie dann an einem hellen, kühlen (um die 5-10 Grad) Ort und gießt sie nur noch wenig, aber immer noch mit kalkarmen Wasser. Wenn die Tage wieder länger und wärmer werden treibt die Pflanze erneut aus. Sie sollte dann warm und sonnig gestellt werden und die Erde kann wieder richtig feucht sein.

Freilandhaltung: Unter bestimmten Umständen kann man die Venusfliegenfalle im Winter im Freiland halten, allerdings erfordert das neben einem passenden Moorbeet gewisse Vorsichtsmassnahmen. Die Venusfliegenfalle entstammt einem warm-gemäßigten, ozeanischen Klima mit relativ kurzen, milden (soll meinen vielfach frostfreien) und feuchten Wintern. Von dieser milden Variante ist der mitteleuropäische Winter doch um einiges entfernt. Sie übersteht zwar einen leicht frostigen Winter (um - 5°C; sie stirbt dann oberirdisch vollkommen ab, unterirdisch bleibt ein zwiebelähnliches, knolliges Gebilde zurück), erfriert aber, wenn es weiter in die Minusgrade geht. Bis -10°C machen ältere, robuste und gesunde Pflänzchen mit. Um sie trotzdem im Winter sicher draußen zu halten sollte sie entweder in Laub, Tannenreisig oder gleich mit einem ungeheizten Frühbeetkasten abgedeckt werden.

Und nun für alle Interessierten noch einige weitere allgemeine Infos:

Aufbau und Größe:

Die Venusfliegenfalle ist eine rosettenbildende Pflanze mit ca. 20cm-30cm Durchmesser (je nach Jahreszeit).

Die Fallen werden ca. 3-4cm groß.

Je nach Jahreszeit besitzt das gesamte Blatt eine unterschiedliche Form: Ende Frühjahr/Anfang Sommer bildet die Pflanze dünne, langstielige Blätter die meist senkrecht in die Höhe stehen. Sie sind mit Falle bis zu 18(-20cm)cm lang. Es gibt einige Kulturformen, die diese Sommerblätter nicht ausbilden (trotz genügend Sonne,...). Zur restlichen Zeit sind die Blätter (mit Falle) ca. 10-11cm groß. Der untere Teil (ohne Falle) ist 2-3cm breit und besitzt eine Herzform.

Der Fangmechanismus:

Am Blattrand, vor den "Zähnen" befindet sich eine schmale Nektarzone um Insekten zu verführen. In der Falle wachsen meist 3 (z.T. 4) Fühlerborsten pro Blatthälfte, die das schlagartige Zusammenklappen auslösen. Hierzu müssen 2 Fühlerborsten (oder eine Borste 2x) kurz nacheinander (innerhalb von ca. 20s) berührt werden. Das Zusammenklappen erfolgt dann in einer 1/20 Sekunde (bei Idealbedingungen), kann aber auch wesentlich länger dauern (ungünstige Bedingungen). Ist eine Beute gefangen, werden die Blatthälften weiter zusammengepresst und es beginnt die Produktion der Verdauungssekrete. Nach Verdauung öffnet sich das Blatt wieder - übrig ist der leere Chitinpanzer des Insekts. Die Verdauung dauert je nach Beutegröße und Temperatur zwischen ein paar Stunden bis zu 2 Wochen (im Allgemeinen 3-5Tage).

Läuse (Blatt-, Woll-, Schild- oder Schmierläuse):

Erste Anzeichen für einen Befall (neben den sichtbaren Tierchen) sind z.B. verkrüppelte Blätter. Abhilfe sind verträgliche Insektizide (wie z.B. Neudorff Spruzid oder Lizetan von Bayer). Bei Zimmerpflanzen auch "Pflanzenschutzstäbchen" ---> zu beachten: Die meisten Pflanzenschutzstäbchen enthalten Dünger!! Wer ohne Chemie auskommen will kann die Läuse vorsichtig wegspülen oder absammeln.

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