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Marcus Vieweg

26. Karnivoren und Licht

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Marcus Vieweg

Karnivoren und Licht:

Karnivoren sind anspruchsvoll, dies gilt auch und gerade für ihre Lichtansprüche. Insbesondere Dionaea, Sarracenia, Heliamphora, Hochland-Nepenthes, Roridula, Drosophyllum und Drosera (mit drei kleinen Ausnahmen) gehören wohl gleich nach Wüstenpflanzen zu den lichthungrigsten Pflanzen der Welt. Ideal sind daher Standorte im Freien (wo das Klima im Ursprungsgebiet dies erlaubt), in Gewächshäusern oder an Süd-/Südwestfenstern, um die Pflanzen schön und gesund zu kultivieren.

Kann man dies nicht bieten oder muss man die Pflanzen im Winter in Wohn- oder Kellerräumen etc. kultivieren, so fehlt es ihnen oft an Licht. Die Pflanzen verlieren ihre typische Färbung, bekommen einen unschönen Wuchs und sterben im schlimmsten Fall ab.

Um auch unter schlechten Lichtbedingungen die genannten Gattungen kultivieren zu können ist künstliches Zusatzlicht sinnvoll, wenn nicht gar unumgänglich. Eine Ausnahme bilden hier die Gattungen Dionaea, Sarracenia und die winterharten Drosera, da sie in Winterruhe gehen. Bei Temperaturen unterhalb von 7-5°C brauchen sie kaum Licht.

Wir möchten hier einige Überlegungen und Anregungen für Zusatzbeleuchtungen bieten, die Anfängern Hilfestellung geben sollen:

1. Zunächst muss man sich überlegen wie groß die zu beleuchtende Fläche ist. In vielen Fällen ist dies ein umfunktioniertes Aquarium oder ein Terrarium. Die Außenmaße eines solchen Behälters geben schon einen Hinweis für die Wahl der Beleuchtung, dazu später mehr.

2. Welche Pflanzen kultiviere ich oder möchte ich kultivieren. Die oben genannten Gattungen brauchen eine etwas großzügiger angelegte Lichtanlage als die anderen Gattungen. Grundsätzlich gilt aber: mehr Licht ist immer besser.

3. Für den Anfänger besonders empfehlenswert sind einfache Leuchtstoffröhren und die dazugehörigen Lampen. Diese gibt es grob gesagt in zwei Aufführungen: T8 und T5. T8er sind preisgünstiger und leicht verfügbar, es gibt sie in jedem Baumarkt für wenig Geld. T5 Lampen und Röhren sind teurer, bieten aber bei gleicher Wattzahl mehr Licht und eine längere Lebensdauer. Wer als Anfänger nicht aufs Geld schauen muss, der kann direkt T5-Lampen kaufen, der Sparfuchs kauft besser T8-Lampen. Bei den Röhren gibt es eine unüberschaubare Vielzahl von Möglichkeiten. Immer wieder gute Resultate bringen eine Kombination aus Röhren der Lichtfarben 840 und 865. Dabei geben die beiden hinteren Zahlen die Farbtemperatur in Kelvin *100 an (Wikipedia-Artikel zum Thema). Eine Röhre mit der Packungsangabe 840 hätte also die Lichtfarbe 4000 Kelvin, dieser Bereich wird auch oft "neutral-weiß" genannt, wirkt aber auf das menschliche Auge gelblich. Eine Röhre mit der Packungsagabe 865 hätte die Lichtfarbe 6500 Kelvin oder tageslichtweiß, sie wirkt etwas blauchstichig. Teure Spezialröhren aus der Terraristik, der Aquaristik oder spezielle Pflanzenröhren scheinen den deutlichen Mehrpreis nicht zu rechtfertigen, jedenfalls nicht für unsere Zwecke.

4. Über die Größe der zu beleuchtenden Fläche (s.o.) bzw. der verfügbaren Fläche wird meist die Größe der Lampen bestimmt. Lampen für T8er Röhren gibt es in verschiedenen Längen. Es macht wenig Sinn eine 120 cm lange Röhre/Lampe über ein 60 cm langes Becken zu hängen, denn die Lichtabstrahlung der Überstände wäre zum Großteil verschwendet. Viele kleine Lampen auf einem größeren Becken sind möglich und bringen sogar Vorteile bei der Ausleuchtung (Schattenwurf), sie verbrauchen aber oft weit mehr Strom für die selbe Menge abgestrahlten Lichtes.

Wie viele Lampen braucht man nun? Diese oft gestellte Frage läßt sich schlecht beantworten, denn sie hängt von vielen Faktoren ab. Hier hilft nur das Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten. Zeigen die Pflanzen auch mit Zusatzlicht noch eine reine Grünfärbung, bilden keine Kannen oder Klebetröpfchen aus oder weichen sonst von einem guten Wuchs ab, sollte man die Beleuchtung verstärken. Werden die Pflanzen dagegen knall-rot, kann man sie evtl. sogar verringern.

5. Feinarbeit

Will man nicht endlos neue Lampen anschaffen, so gibt es einige einfache Verbesserungen für jede Beleuchtungsanlage. Enorme Gewinne bei der Lichtausbeute bringen Reflektoren, die nach oben und zu den Seiten abgestrahltes Licht nach unten umlenken. Meine Erfahrungen lassen mich behaupten, dass die etwas teureren Markenprodukte mehr bringen als Billigware oder unaufwändig Selbstgebautes. Reflektoren in M- oder W-Form sind wohl die besten Produkte.

Eine weitere Maßnahme ist die Anschaffung einer Rettungsdecke für KfZ-Erste-Hilfe-Kästen. Diese dünnen Kunststofffolien sind auf der einen Seite silbern und auf der anderen Seite golden beschichtet. Eine solche Rettungsdecke läßt sich leicht zurechtschneiden und man kann mit ihr z.B. an einem Aquarium oder Terrarium die Seiten bekleben, die nicht zur Betrachtung der Pflanzen offen bleiben müssen/sollen. So wirken z.B. Rück- und Seitenwände ebenfalls als Reflektoren und verringern die Verluste an Licht durch diese Flächen. Man kann aus ihnen auch leicht einen "Vorhang" basteln, den man bei längerer Abwesenheit vor die Front des Beckens hängen kann.

Auch die Höhe der Lampen über den Pflanzen beeinflusst die Lichtmenge, welche die Pflanzen erreicht. Sehr hoch hängende Lampen bringen wenig, da nur noch sehr wenig Licht bei den Pflanzen ankommt. Je geringer der Abstand zwischen Pflanze und Lampe, desto besser. ABER: die Pflanzen dürfen die Röhren NICHT berühren! Die betroffenen Teile würden sonst absterben. Ein durchsichtiger Deckel (beim Terrarium eh meist gegeben) ermöglicht einen Minimalabstand von 10-20 cm zwischen Pflanze und Lampe (Dies gilt nur für Leuchtstoffröhren!). Im Aquarium/Terrarium hängende Lampen können zu Überhitzung und Kurzschlüssen durch Kondenswasser (nach dem Ausschalten) führen, daher VORSICHT!

6. Wie lange sollten die Lampen pro Tag an sein? Diese Frage läßt sich ebenfalls schlecht beantworten, da sie vom Herkunftsgebiet der Pflanzen abhängt. Pflanzen aus Äquatornähe brauchen ca. 12 Stunden Licht pro Tag. Je weiter das Herkunftsgebiet vom Äquator weg liegt, desto länger werden die Tage im Sommer und desto kürzer im Winter. Pflanzen aus subtropischen Gebieten brauchen im Sommer also ca. 14 Stunden Licht und im Winter ca. 10 Stunden Licht. Hier hilft auch wieder das Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten. Viele Pflanzen aus äquatorferneren Regionen brauchen die unterschiedlichen Tageslängen in Sommer und Winter zur Auslösung einer Blüte.

7. Wer nur wenig oder kein Zusatzlicht bieten kann oder will, der sollte es mit den weniger lichthungrigen Gattungen Utricularia und Pinguicula versuchen. Besser noch wären normale Zimmerpflanzen mit mittleren oder geringen Lichtansprüchen.

8. Mit der Zeit wachsen die Sammlung und die Ansprüche, dann empfiehlt sich dieser Artikel aus dem Taublatt und das Lesen im Forum.

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